DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHOFTIM
Nr. 529
6. Elul 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9):
Regierung: Richter, König, Priester, Propheten; Warnung vor 
Götzendienst, Erkennen und Bestrafen desselben - Zeugen; 
Wiederholung Totschlägergesetze, -städte; Betrug durch 
Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende Zeugen; 
Gesetze der Kriegführung; Gebot der Vernichtung der Ka'aniter; 
die Leiche im Feld/Mörder unbekannt.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Frag' den Propheten

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Das Gebot "auf ihn sollt ihr hören" (Dt. 18,15) erscheint in 
unserem Wochenabschnitt in einem Zusammenhang, der leicht 
zu Mißverständnissen führen kann. Der hier zitierte 
religionsgesetzliche Spruch erhebt die Weisung eines 
Propheten in den Rang der Toragebote, selbst wenn sie 
während ihrer aktuellen Gültigkeit den Geboten der Tora 
entgegensteht. Die gleiche Tora, deren Gebote über alle 
Generationen hinweg gelten, verleiht ihm die Autorität, im 
aktuellen Bedarfsfalle Gebote zu erlassen, und wer sie übertritt, 
macht sich des Todes durch himmlisches Strafgericht schuldig. 
Hieraus entnehmen wir die Lehre, daß die Hauptaufgabe des 
Propheten in moralischer Anleitung und Führung besteht, und 
zu diesem Zwecke wiegen seine praktischen Anordnungen 
schwerer als in der Tora festgelegte Gebote.

Andererseits jedoch rückt gerade der Zusammenhang dieses 
Gebotes eine andere Funktion des Propheten in den Mittelpunkt 
des Augenmerkes, nämlich seine Kraft, in die Zukunft schauen 
und diese seinen Mitmenschen mitteilen zu können. Diese Kraft 
präsentiert sich scheinbar als Alternative zu diversen Hellsehern 
wie etwa Wolkendeutern und Wahrsagern, deren Dienste sich 
die Völker der Welt bedienen: "du aber - nicht also gab dir der 
Ewige dein G~tt" (Dt. 18,14). Obwohl einige wenige 
Schattenkräfte zur Kenntnis zukünftiger Dinge den Völkern 
überlassen wurden, ist es den Juden verboten, diese 
Vorstellungen als bindende Wahrheit anzusehen und überhaupt 
sich ihrer zu bedienen, nur der Prophetie und der Urim veTumim 
[vom Priester im Tempel getragene Geräte zum Empfang 
göttlicher Weisung]. Die Worte der Propheten unterscheiden 
sich von den Vorhersagen der Sterndeuter und Wahrsager in 
ihrer Gewißheit, und außerdem treffen die wahren Worte der 
Propheten hundertprozentig genauestens ein, wohingegen die 
übrigen Visionen nicht mehr als nur teilweise eintreffen können.

Darüberhinaus präsentierte Rabbiner Moscheh ben Maimon 
("Maimonides", in der Einleitung zu seinem Mischnakommentar) 
die Geschichte von Scha'uls Suche nach den Eselinnen als 
Musterbeispiel für die Aufgabe eines Propheten (siehe Schmu'el 
I, 9.Kap.). Schmu'el wurde dabei gebeten, bei einer so simplen 
und primitiven Angelegenheit wie der Wiederfindung der 
verlorengegangenen Eselinnen unter Einsatz seiner 
prophetischen Fähigkeiten behilflich zu sein, Verborgenes 
aufzudecken. Nach Maimonides' Ansicht lernen wir daraus über 
das Wesen der Verbindung zwischen den Propheten und der 
Öffentlichkeit zu einer Zeit, als es noch Prophetie in Israel gab, 
die alle tagtäglichen Dinge berührte, die etwas mit dem Wissen 
um Verborgenes zu tun hatten. Ihr Vorzug gegenüber den 
Himmelsdeutern besteht in der Quelle ihres Wissens, das sie 
direkt von G~tt erhalten, aber nicht unbedingt in ihrer spirituellen 
Persönlichkeit und ihrer erzieherischen Autorität.

In Wirklichkeit ist der Gegensatz zwischen dem einfachen 
Menschen, der keinen Wahrsager oder Zauberer bemüht, und 
dem Einfältigen, der sich durch jene leiten läßt, ein recht 
scharfer. Dieser Gegensatz beschränkt sich nicht auf die Wahl 
der Informationsquellen des Menschen, sondern zielt vor allem 
auf die Frage der Verpflichtung gegenüber dem Willen G~ttes. 
Die Prophetie soll dem Menschen Gebote verkünden, nicht aber 
seiner Bequemlichkeit dienen. Seine Begegnung mit dem Worte 
G~ttes über dessen Boten verpflichtet ihn, danach zu handeln. 
Nicht selten wurde ein Prophet gerade zu denen geschickt, die 
ihn überhaupt nicht sehen oder hören wollten und die an seinen 
Zurechtweisungen, milde gesagt, nicht interessiert waren. Doch 
genau dadurch offenbart sich seine wahre Macht als jemand, 
der eine die Empfänger verpflichtende Botschaft überbringt, die 
hingegen meistens vorziehen, sich wie bisher auf verschiedene 
andere und dubiose Quellen zu stützen, um sich bloß nicht mit 
den verpflichtenden Worten des Propheten auseinandersetzen 
zu müssen. 

Auch in unseren Tagen erleben wir nicht selten, wenn die 
Öffentlichkeit die großen Rabbiner mit der Frage bestürmt: 
"Was wird sein?!", aber nicht unbedingt zum Erhalt von 
Anleitung: "Was habe ich dabei zu tun?". Für die großen 
Rabbiner besteht sicher ein enger Zusammenhang zwischen 
diesen beiden Fragen, nicht aber für die Fragesteller, die diese 
sogar als gegensätzlich empfinden. Das Wissen um die Zukunft 
soll sie nämlich von Verantwortung befreien, der Erhalt von 
praktischer Anleitung hingegen verpflichtet in vollem Maße zur 
Übernahme von Verantwortung, die nicht vom Endresultat 
abhängt. "Wandle mit ihm [G~tt] in Vollkommenheit und hoffe 
auf ihn... dann gehörst du ihm an und seinem Anteil" 
(Raschikommentar zu Dt. 18,13).
 
 
Frage und Antwort

Nur nicht verwirren lassen

Rav Se'ev Karov
Leiter der Jeschiwa in Karnej Schomron

Nach den furchtbaren Geschehnissen der Entwurzelung von 
Siedlungen im Lande Israel werden viele Fragen im 
Zusammenhang mit unserem Verhältnis zum Staat 
aufgeworfen, zur Armee und zu Teilen des Volkes Israel. Ein 
Teil dieser Fragen entspringt Überlegungen, und ein anderer 
Teil den Stürmen aufgewühlter Gefühle, die diese Ereignisse 
mitsichbrachten. Im Folgenden antworten wir auf vier Fragen, 
die uns in konzentrierter Weise eine Klärung unseres weiteren 
Glaubensweges bieten.

Schicken wir zwei allgemeine Grundsätze voraus, bevor wir uns 
im Einzelnen mit den Fragen beschäftigen:
1. Unterscheidung zwischen dem Wesen und den Trägern 
dieses Wesens. Ein Rabbiner mag sich entgegen der Halacha 
verhalten, doch birgt dies kein Zeugnis über die Heiligkeit der 
Tora. Die Tora bleibt auf ihrem Niveau und in Erhaltung ihrer 
Heiligkeit, auch wenn ihre Vertreter unheilige Taten verüben.
2. Betrachtung des Gesamtbildes. Man darf nicht nur das "halbe 
Glas" betrachten. Wir müssen uns die Eigenschaft unseres 
Vorvaters Awraham des "guten Blickes" zueigen machen, der 
Blick, der die ganze Wirklichkeit erfaßt.

1. Frage: Bedeutet der Staat Israel immer noch "das erste 
Sprießen unserer Erlösung"?

Antwort: 1. Der Staat Israel ist heilig und "das erste Sprießen 
unserer Erlösung", weil er die Rückkehr jüdischer Herrschaft 
über das Land Israel bedeutet. Jüdische Souveränität im Lande 
bedeutet Erlösung. Nicht länger ist das Volk G~ttes ohne Staat 
und verachtet in seinem Lande, nicht länger besteht die 
Entweihung des göttlichen Namens "indem man von ihnen 
sprach: Das Volk des Ewigen ist das, und aus seinem Lande 
sind sie ausgezogen!" (Jeches. 36,20), nicht länger werden wir 
von Fremden beherrscht.

Eine Regierung kann den göttlichen Namen heiligen und den 
Wegen der Tora folgen, oder den göttlichen Namen weniger 
heiligen, aber wie gesagt, allein die Tatsache der Rückkehr der 
Herrschaft des jüdischen Volkes über sein Land nach 
zweitausend Jahren bedeutet "das erste Sprießen unserer 
Erlösung".Während des zweiten Tempels gab es Perioden, in 
denen das Volk G~tt diente, die aber nicht als Zeiten der 
Erlösung gelten, da es Koresch untertan war. Andererseits gab 
es Perioden, in denen die Könige in Jerusalem "taten was böse 
war in den Augen G~ttes", und trotzdem wurden deren 
Herrschaftsjahre als Zeiten der Erlösung und des Königtums 
Israels gerechnet. Nicht wenige der Könige während der 
Periode des Königtums Israels waren Bösewichte und Sünder 
(siehe Raschi und RaDaK zu Jeschajahu 11,11).

Die Heiligkeit des Staates hat nichts mit der Frömmigkeit Ben-
Gurions und seiner Schabbateinhaltung zu tun, oder der 
irgendeines anderen Regierungschefs. Die Heiligkeit des 
Staates rührt aus ihrem Wesen als jüdischer Staat, genauso wie 
die Heiligkeit eines jeden Juden, die seinem Wesen als Jude 
entstammt und nicht von seinen Taten abhängt.

2. Prophezeiungen von vor Tausenden von Jahren 
bewahrheiten sich vor unseren Augen. Die Einsammlung der 
Zerstreuten aus den vier Himmelsrichtungen, die Kriege des 
Beginns der Erlösung und die Leiden des messianischen 
Zeitalters - genau so, wie es die Propheten und die 
talmudischen Weisen voraussagten. Warum sind wir trotzdem 
überrascht?

Seit Gründung des Staates Israel folgten die Regierungen nicht 
den Wegen der Tora und der Gebote, gaben Teile des schon 
eroberten Landes an unsere Feinde und taten noch andere 
abwegige Dinge. Viele Jahre lang wußten wir den schrittweisen 
Entwicklungsprozeß des Staates in der Materialisierung der 
Prophetien zu erkennen, manchmal im Lichte, manchmal in der 
Finsternis. Gleichfalls wußten wir immer, daß es eine Periode 
geben werde, in der "eine kleine Regierung kommt, die ihnen 
ein wenig Regierung und Führung sein wird" (Malbim-
Kommentar zu Micha), und erst zu einem späteren Zeitpunkt 
wird sich das davidische Königtum offenbaren. 

3. Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß leider auch einige 
Rabbiner die Auflösung von Siedlungen forderten und fordern. 
Diese Erscheinung kennen wir aus der Geschichte unseres 
Volkes, und warum sollen wir uns ausgerechnet über Toraferne 
beschweren?

2. Frage: Sind wir immer noch ein geeintes Volk?

Antwort: Wir sind ein Volk, weil der Schöpfer der Welt uns so 
geschaffen hat. Eine Spaltung des Volkes Israel bedeutet 
Spaltung der göttlichen Präsenz, und darum die besonders 
strikten Gesetze gegen Streitereien und üble Rede, die das Volk 
spalten. Wer versucht, das Volk zu spalten und aufzuteilen, 
kämpft gegen den Herrn der Welt. Die göttliche Präsenz hängt 
von unserer Einigkeit ab, ebenso Tora und unser Erfolg. Die 
Generation des Königs Achaw diente Götzen, siegte aber in 
ihren Kriegen - wegen ihrer Einigkeit.

Wir sind ein Volk mit zwei einander vollkommen 
gegensätzlichen kulturellen Strömungen. Einerseits diejenigen, 
die sich G~tt so weit wie möglich annähern und ihr Leben nach 
göttlichen Maßstäben führen wollen, und andererseits die 
Stömung, die den Menschen und seine Wirrungen in den 
Mittelpunkt stellt. Dort tut jeder, was recht ist in seinen Augen.

Auch das ist keine Überraschung. Schrieb der "Chafez Chajim": 
"In der Endzeit der Erlösung werden sich zwei Arten Leute 
finden, und beide werden bei der Näherbringung der Erlösung 
helfen" (Zefia Lajeschua, 1.Kap.). Die von den Werten der Tora 
entfernte Strömung verflüchtigt sich und verliert nach und nach 
ihre selbstgemachten Werte - genau dann wird von uns 
verlangt, die Werte des Judentums in das öffentliche 
Bewußtsein zu bringen. 

2. Die jüdische Nächstenliebe wird gerade in solchen Zeiten auf 
die Probe gestellt. Die Liebe zu unseren Kindern z.B. besteht 
ohne jede Frage, wenn sich die Kinder im Einklang mit unseren 
Vorstellungen verhalten. Unsere Liebe wird erst auf die Probe 
gestellt, wenn uns das Kind "enttäuscht", manchmal sogar 
schwer enttäuscht. Werden wir dann sagen: "Das ist nicht mehr 
mein Kind!"? Werden wir uns von ihm lossagen? G~tt erlöste 
uns auch, als wir ohne Gebotsausübung dastanden und ganz 
Ägypten voll war von unserem Götzendienst. Zeigen wir G~tt, 
daß wir es ihm gleichtun können.

In diesem Sinne schrieb Rabbiner Charlap: "Die Errettung 
Israels hängt ab hauptsächlich vom Willen der Geradherzigen, 
die Verdienste Israels zu betonen... Wenn aber die 
Geradherzigen diese ihre Pflicht vergessen... offenbaren sie 
damit mangelnden Willen zu wahrer Errettung".

3. Frage: Besteht weiterhin das Gebot zum Dienst in der 
Armee?

Antwort: 1. Das Gebot des Armeedienstes wird nicht weniger, 
sondern eher stärker. Diese Armee verteidigt den Staat Israel 
und das Leben eines jeden Einzelnen von uns. Ohne Armee 
gibt es keinen Staat Israel und kein jüdisches Leben im Lande 
Israel. Das Gebot der Errettung Israels vor Bedrängern 
verschwindet nicht, auch wenn die Befehlshaber der Armee 
ungehörige Dinge tun. Jahrtausende träumten Juden von einer 
jüdischen Armee - und uns war und ist sie vergönnt. Es stimmt, 
viele Befehlshaber in der Armee haben total versagt. Die 
meisten waren gegen das Projekt der "Abkoppelung", fielen 
allerdings kleinlichen Eitelkeiten und der unaufhörlichen 
Gehirnwäsche durch die Massenmedien zum Opfer, und gerade 
diese Umstände müssen uns dazu antreiben, für immer mehr 
hohe Offiziere zu sorgen, die jeder Regierung klarmachen 
können, daß sie sich nicht zu verbrecherischen Zielen 
mißbrauchen lassen. 

2. Den "Segen für die Soldaten unserer Armee" [am Schabbat 
nach der Toravorlesung] werden wir nun umso intensiver 
sprechen. Wollen wir etwa nicht G~ttes Segen für unsere 
Soldaten im Kampf gegen die Feinde?! Wir erwähnen in diesem 
Segensspruch "bei allen Taten ihrer Hände", und wir wissen, 
daß G~tt klug genug ist, ihnen nicht bei der Entwendung von 
Ausrüstungsgegenständen oder ähnlichen Missetaten zu helfen 
und sicher nicht bei der Entwurzelung ganzer Siedlungen im 
Lande Israel; vielmehr "bei allen Taten ihrer Hände" im Kampf 
gegen unsere Feinde. 

3. Die Würde von Soldaten gilt es zu respektieren, auch wenn 
sie bei der Siedlungsräumung mitwirkten. Wir verurteilen sie für 
diese gravierende Tat, können aber nicht ihre Einsatz- und 
Opferbereitschaft vergessen, für die Landesverteidigung ihr 
Leben zu riskieren. Man darf nicht nur einen Teil des 
Gesamtbildes ansehen. Lassen wir uns nicht auf das Niveau 
der Medien herab, die immer versuchen, einen Teil als das 
Ganze zu "verkaufen".

4. Frage: Sollten wir nicht mit der Staatstreue aufhören?

Antwort: 1. Wenn mit "Staatstreue" unsere Sorge um die 
Staatshoheit Israels und die Anerkennung ihrer Erhabenheit und 
Heiligkeit gemeint ist, dann brauchen wir wohl jetzt noch mehr 
davon. Wir müssen dafür sorgen, daß die israelische 
Staatsherrschaft immer mehr dem Glauben Israels verpflichtet 
wird, sowohl in Bezug auf das Land Israel als auch in Bezug auf 
die Werte der Tora. Die göttliche Vorsehung bediente sich 
ausgerechnet nicht toratreuer Juden zur Gründung und Aufbau 
des Staates. "Mag aber das Wunder geschehen, woher es auch 
kommt" (Me'ila 17a). Bis jetzt waren sie die Träger der 
Staatsherrschaft, und heute ist es uns mehr denn je geboten, 
dafür zu sorgen, daß die glaubensorientierte Ideologie die 
israelische Staatlichkeit in Zukunft voranbringt.

2. Wenn mit "Staatstreue" die Pflicht zur Befolgung aller 
regierungsamtlicher Gesetze gemeint ist, so gilt hierbei wie 
ehedem, daß einem König, der Gesetze im Widerspruch zur 
Tora erläßt, nicht gefolgt wird, denn "Worte des Lehrers und 
Worte des Schülers, auf welchen von beiden hört man?" Es 
besteht eine deutliche Unterscheidung zwischen Herrschaft und 
Würde des Königs einerseits, und das Hören auf seine Stimme 
und das Befolgen seiner Verordnungen andererseits. Aber auch 
ein böser König macht die Staatshoheit nicht zu etwas weniger 
Bedeutendem, das man etwa verunglimpfen dürfe.

Das jüdische Volk braucht uns heute mehr denn je. Wenn man 
auch schreit, wenn man auch prügelt - das bringt nur nichts 
voran und nützt niemandem.

Wollen wir dem Brauch der Frommen folgen und mit der 
Weltverbesserung bei uns selber anfangen. Mehren wir Licht in 
Menge und Qualität, und beten wir, "und eine Zeit der 
Bedrängnis ist es für Jakov, dennoch soll ihm daraus geholfen 
werden" (Jirmijahu 30,7).
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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