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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PESSACH
Nr. 510
21. Nissan 5765
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage:
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
| Am
Schabbes-Tisch...
Alle antreten
zur Rettung!
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Ein befreites Sklavenvolk verläßt Ägypten. 400 Jahre
Exil hat es
hinter sich, davon 210 Jahre in unerträglicher Versklavung.
Sechs Tage ziehen die Kinder Israel durch die Wüste mit
erhobener Hand. "G~ttes Erhebung ist in ihrer Kehle, und
zweischneidiges Schwert in ihren Händen" (Psalm 149,6). Des
Tages zieht die Wolkensäule vor ihnen her und die Feuersäule
in der Nacht zu ihrer Beleuchtung. Und am fernen Horizont -
"und nach Osten hin, vorwärts" - das versprochene Land, das
Land Israel. Zwar ist der Weg noch weit, doch scheint es, als
wäre er mit Leichtigkeit zu bewältigen. "Eine Stimme ruft:
In der
Wüste bahnet den Weg des Ewigen... und es werde die
Krümmung zur Ebene und die Höcker zum Tal... und es wird
offenbar die Herrlichkeit des Ewigen.." (Jeschajahu 40,3-5).
Und plötzlich wird es schwarz vor Augen. Von vorne zeigt sich
das tosende Meer. Von hinten - rücken die Ägypter heran.
Und von den Seiten - "die große, furchtbare Wüste, wo Saraf-
Schlange und Skorpion" (Dt. 8,15); eine Sackgasse.
Verunsicherung macht sich breit. Wo ist G~tt, und Moscheh,
sein Prophet? Was wird jetzt aus all den Versprechungen über
vollkommene Erlösung und kurzbevorstehende Errettung?
Warum ließen wir uns überreden, unsere Häuser aufzugeben
und alles in Ägypten hinter uns zu lassen, nur um uns auf einen
Weg zu machen, der in den Untergang führt?
Im Herzen des Lagers werden vier Stimmen vernehmbar.
Zwischen den Zeilen der Verse lesen die talmudischen Weisen
diese vier Stimmen, die im Midrasch Mechilta geschildert
werden:
Vier Parteien standen am Schilfmeer:
Die erste Partei war dafür, sich ins Meer zu stürzen (und
Selbstmord zu begehen, da ja doch alles verloren ist). Über sie
heißt es in der Schrift: "und waren widerspenstig am Meere, am
Schilfmeere" (Psalm 106,7)... (und diese waren es auch, die
sagten: "Wohl aus Mangel an Gräbern in Ägypten hast du uns
weggeholt, um in der Wüste zu sterben?", Ex. 14,11).
Die zweite Partei wirbt für die Rückkehr nach Ägypten.
(Der
"Weg der Erlösung" war ein Irrtum. Vor allem muß man das
Erreichte bewahren. - Jene sprachen: "Denn besser war es für
uns, Ägypten zu dienen, als in der Wüste zu sterben", Ex.
14,12).
Die dritte Partei tritt für den Kampf mit den Ägyptern ein
(eine
Art Masada oder Ghetto Warschau, in Ehren den Heldentod zu
sterben und so in die Geschichtsbücher einzugehen).
Die vierte Partei schrie zu G~tt (in großen
Gebetskundgebungen, vielleicht sogar
Massendemonstrationen), wie es heißt: "und schrien die Kinder
Israel zum Ewigen" (Ex. 14,10).
G~tt geht auf alle vier Parteien ein; jede bekommt eine
passende Antwort: "Und Moscheh sprach zum Volke: Fürchtet
nichts!" (Ex. 14,13). Warum? "Stehet fest und sehet an die Hilfe
des Ewigen, die er euch heute schaffen wird" - kein Grund zur
Verzweiflung, Selbstmord wäre sinnlos. "Denn die ihr heute
sehet, die Ägypter, die werdet ihr fortan nicht wieder sehen bis
in Ewigkeit" (ebda.) - kein Grund, nach Ägypten
zurückzukehren. "Der Ewige wird für euch streiten" (Ex. 14,14)
-
ihr braucht euch nicht in einen heroischen Kampf zu stürzen,
nur um hinterher verkünden zu können, ihr hättet aber
gekämpft. "Ihr möget still sein" (ebda.) - jetzt ist nicht
die Zeit für
Gebet und Wehgeschrei, sondern für positive Taten des
Aufbaus.
Die Kinder Israel hören und wundern sich. Was sollen sie in
dieser schweren Stunde denn tun, wenn nicht Selbstmord
begehen, oder aufzugeben, oder zu kämpfen oder wenigstens
zu beten und zu flehen?! Ganz einfach - weitermachen!
Vorwärts! Und so sprach G~tt zu seinem Diener Moscheh:
"Rede zu den Kindern Israel, daß sie aufbrechen!" (Ex. 14,15).
Die Kinder Israel ziehen weiter, und verstehen nicht, was
vorgeht. Die Bedrohung erdrückt. Die Ägypter kommen näher.
Die Wüste umschließt sie. Und von vorne - das Meer. Sie
erreichen das Ufer, die Wellen umspielen ihre Füße, die
Salzluft
gerbt die Haut; doch das Meer stürmt, und die Verwirrung kehrt
wieder ein und steigert sich noch. Was sollen sie jetzt tun, am
Rande des Abgrunds und dem Schlund der Erde?
Auch darüber berichten die Weisen in der Mechilta:
"Als die Israeliten am Ufer des Meeres standen, stritten die
Stämme miteinander... Der eine sagt: Nicht ich gehe zuerst
hinab ins Meer, und jener sagt: Nicht ich gehe zuerst hinab ins
Meer. Wie sie sich noch miteinander beraten - springt
Nachschon ben Aminadaw in die Wellen des Meeres und sein
Stamm hinterdrein".
Angesichts dieser Opferbereitschaft, dieses starken Glaubens,
erwachen Alle mit gespannter Erwartung. Was wird jetzt
geschehen? Aber nichts geschieht, und die vier genannten
Stimmen kommen wieder jedem in Erinnerung. Und dann -
sagen uns die Weisen im Midrasch:
"Teilte sich das Meer erst, als ihnen das Wasser bis an die
Nase reichte, und danach wurde es ihnen zu trockenem Boden.
Erst dann teilte sich ihnen das Meer und sie gingen durch das
Meer im Trockenen, und sangen dem Ewigen ein Loblied".
Und wir, die wir keinen Propheten in unserer Mitte haben, der
uns den rechten Weg zu gehen weist - stehen vor den fünf
Stimmen, die uns vom Schilfmeer her erschallen, und erkennen
darin unsere eigenen inneren Konflikte. Sollten wir lieber dieser
oder jener Partei folgen? Sollten wir lieber soweit wandern, bis
wir eine neue Partei gefunden haben, wie es sie damals nocht
nicht gab? Und inmitten all dieser Stimmen hören wir wieder
und wieder die Stimme G~ttes, die zu Moscheh spricht:
"Fürchtet nichts! Stehet fest und sehet an die Hilfe des
Ewigen... Rede zu den Kindern Israel, daß sie aufbrechen!" (Ex.
14,13/15), trotz alledem und gegen alle Widrigkeiten. Da fragen
wir uns: Wird uns auch in unserer heutigen Zeit vergönnt sein,
was unseren Vorfahren in jener Zeit geschah? Wird sich auch
vor uns das Meer teilen? Oder wird sich G~tt für die Erlösung
einen anderen Weg wählen, einen längeren oder einen
kürzeren, einen schweren oder einen leichten, einen geraden
oder einen verschlungenen?
| HaRav
Aviner
Der Siedler, das
unbekannte Wesen
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
Der Siedler ist ein seltsames Wesen, ein Produkt des Staates
Israel, so und nicht anders. Ein seltsames Wesen, seht, wo er
wohnt, und vor gar nichts hat er Angst. Man sagt von ihm, er
liebe sein Land, auch felsigen Boden, und dafür ist er zu allen
Schwierigkeiten bereit.
Der Siedler ist voller jüdischer Nächstenliebe. Er hat diese
Liebe
zusammen mit der Muttermilch eingesogen, und er weiß, daß
wir wegen grundlosen Hasses zerstört wurden und durch
grenzenlose Liebe wiedererbaut werden, denn seine Rabbiner
trichtern ihm das Woche für Woche und Tag für Tag ein, und
manchmal zweimal am Tag. Jedes Mal, wenn er auch nur ein
wenig das Gesicht verzieht, erinnern ihn seine Freunde daran:
Kobi! Grenzenlose Liebe! Sofort kehrt er auf den Pfad der
Tugend zurück. Wenn ihr ihn sich also über das Volk Israel
aufregen seht, über die Regierung, über die Knesset, über
die
Armee und die Polizei - nehmt es nicht so ernst. Er meint das
nicht so. Er ist bloß etwas gereizt. Und mit Recht ist er etwas
gereizt. Keine Sorge, gleich wird wieder der Rabbiner kommen
und ihn daran erinnern, daß wir mit grenzenloser Liebe
aufbauen, und er wird sich wieder beruhigen.
Denn der Siedler hört auf seinen Rabbiner. Eine Siedlung ohne
Rabbiner ist nämlich wie ein Haus voller Torarollen, aber ohne
Mesusa, oder wie ein Tallit ganz aus blauer Tchelet-Wolle, aber
ohne Zizit (Schaufäden). Er ist kein großer Rabbiner, der
alles
weiß. Er hat aber einen riesengroßen Vorzug: auch er ist
ein
Siedler. Wenn er nicht die ganze Zeit von jüdischer
Nächstenliebe und Staatstreue redete, wäre er ein ganz
normaler Siedler. Man verzeiht ihm aber und liebt ihn, weil er mit
dem "gemeinen Volke" lebt.
Natürlich redet der Rabbiner auch die ganze Zeit von Tora und
Mitzwot, denn er ist gegen Zwang und für Erklärung. Und
welche Überraschung - das funktioniert. Der Siedler wird
religiöser, lernt und betet mehr. Auch die Kleider seiner Frau
werden länger. Sein Sohn ist schon selbst ein kleiner Rabbiner
und hat zu allem etwas anzumerken.
Der Siedler hängt nämlich sehr an seinen Kindern und schuftet
für sie Tag und Nacht. Er hat für sie neue Schulen gegründet,
vorbildliche Schulen, mit unterschiedlicher Ausrichtung und
unterschiedlichen Schwerpunkten. Erziehung ist nun mal
wichtig, und damit muß man es genaunehmen. Dafür hat er
viel
Opferbereitschaft und bringt viel Geld auf. Dafür hört er
mit
Stolz, daß die Durchfallquote an den Schulen in Jehuda,
Schomron und 'Asa die geringste im ganzen Lande ist. Wirklich
stolz, denn die Kindererziehung fällt ihm nicht leicht, seine
Kinder sind so lebhaft, so voll unerschöpflicher Energie. Die
haben sie wohl von ihren Eltern geerbt, denn wenn die Eltern
nicht so viel Energie hätten, wären sie keine Siedler.
Darum ist der Siedler ein überaus fleißiger Mensch, der für
seinen Lebensunterhalt arbeitet und seine Familie würdig
ernährt. Seine brodelnden Energien weiß er in die richtige
Richtung zu lenken.
Geben wir zu, manchmal verliert er die Proportionen aus dem
Auge, denn er debattiert gern über jede Kleinigkeit und besteht
auf seiner Ansicht ohne Kompromisse. Gleichzeitig gelingt es
ihm überraschenderweise, eine höhere Lebensqualität
als in der
Stadt zu erzielen; Gemeinden ohne Schmutz und Lärm, wo
einer auf den anderen Rücksicht nimmt. Ein neues Muster des
Ortswesens, mit erfolgreicher Balance zwischen Privatleben
und Gemeinschaftlichkeit. Die Isolation in der Stadt fällt vielen
Leuten schwer. Hier bist du nicht alleine, nicht in traurigen und
nicht in freudigen Zeiten, und dabei steckt keiner seine Nase in
deine Privatangelegenheiten. Natürlich ist auch diese
Lebensweise noch nicht vollkommen, aber auch noch nicht
verschlossen und versiegelt, sie ist noch offen für Änderungen,
doch ist sie auf dem richtigen Wege.
Der Siedler ist nämlich ein Pionier. Ein Pionier der heutigen Zeit,
Pionier gezwungenermaßen, ein Glied in der Kette der Pioniere,
ein bescheidener Pionier, der sich für sein Land aufopfert. Er
macht unbeirrt weiter, auch wenn man ihn mit Steinen bewirft,
oder mit Brandbomben, oder wenn man auf ihn schießt; er kehrt
heim von der Tröstung der Trauernden und macht weiter.
Dieser Mensch, ein wenig mürrisch, ein wenig streithaft, ein
wenig Komiker, ein wenig Angeber, ein wenig Angsthase - er ist
ein Held ohne Furcht und Tadel. Wenn du ihn siehst, erhebe
dich vor ihm, und auch vor seiner Frau und vor seinen Kindern.
Denn der Siedler ist vor allem ein Mensch. Auch seine Frau, die
g~ttseidank viele Kinderchen hat, für die sie ihre ganze Zeit
opfert, ist vor allem ein Mensch. Der Siedler kann auch gekränkt
sein wie jeder andere Mensch.
Wisse, daß du ihn in letzter Zeit gekränkt hast, in letzter
Zeit
und überhaupt schon lange. Er fühlt sich verraten, er ist
ein
Pionier im Auftrag der Nation und opfert sich auf, nun wurde er
zum Staatsfeind Nummer Eins und man will ihn vertreiben! Er
sieht einer unsicheren Zukunft entgegen. Sieh dich vor, er kann
es sich wirklich zu Herzen nehmen, und dann wird er etwas
Furchtbares tun! Er wird nicht mehr das Gebet für die Wohlfahrt
des Staates sagen. Das hast du nun davon. Erschrecke aber
nicht zu sehr. Er liebt den Staat Israel. Er liebt ihn bis zur
Selbstaufgabe. Du aber begingst einen großen Fehler, den
Fehler deines Lebens, denn "G~tt sucht den Verfolgten"
(Kohelet 3,15).
Er liebt auch die Armee, und wenn er gegen sie spricht, achte
nicht darauf. Er lebt doch mit der Armee, Tag für Tag, Hand in
Hand, ein Herz und eine Seele. Weiß er doch genau, daß
nur
die Armee zwischen ihm und den Mörderbanden trennt, ihn rund
um die Uhr beschützt, ob man sie sieht oder ob man sie nicht
sieht. Und woher weiß er das? Weil er selber ein treuer Soldat
ist, und weil er nicht hinter dem Mond lebt, sondern auf einer
kleinen Insel zwischen den Mördern, er fühlt sich sicher
wegen
der Armee, die mit großer Begabung wirkt, mit ihr hat er einen
Blutsbund geschlossen. Wenn er also etwas gegen die Armee
sagt, meint er es nicht so. Ehrlich meint er es aber mit seinem
Glauben, für den er bis zum Ende kämpft. In einer Welt, die
alles im Verhältnis sieht, post-modern, vorübergehend, sich
alles in ständigem Wechsel befindet, in der alles mit Geld oder
Ansehen gekauft wird, in einer Welt voller Lügen - gibt es hier
einen Menschen mit Prinzipien, mit Idealen.
Vielleicht hast du wirklich Angst, daß er seinen Weg
konsequent bis ans Ende geht - dann will ich dir sagen, was es
am Ende gibt: am Ende wartet ein Ding, das er sehr liebhat -
sein Volk!
Bis hierher das Lied vom Normal-Siedler, doch sind natürlich
nicht alle Siedler gleich. Weder bei der Größe oder der
Farbe
ihres Käppchens, noch in ihrem Verhältnis zu Staat und Armee
-
doch über all diesen verschiedenen Horizonten erstreckt sich
das Gewölbe des Himmels, der Himmel unseres guten Landes.
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