DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PESSACH
Nr. 510
21. Nissan 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Alle antreten zur Rettung!

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Ein befreites Sklavenvolk verläßt Ägypten. 400 Jahre Exil hat es 
hinter sich, davon 210 Jahre in unerträglicher Versklavung. 
Sechs Tage ziehen die Kinder Israel durch die Wüste mit 
erhobener Hand. "G~ttes Erhebung ist in ihrer Kehle, und 
zweischneidiges Schwert in ihren Händen" (Psalm 149,6). Des 
Tages zieht die Wolkensäule vor ihnen her und die Feuersäule 
in der Nacht zu ihrer Beleuchtung. Und am fernen Horizont - 
"und nach Osten hin, vorwärts" - das versprochene Land, das 
Land Israel. Zwar ist der Weg noch weit, doch scheint es, als 
wäre er mit Leichtigkeit zu bewältigen. "Eine Stimme ruft: In der 
Wüste bahnet den Weg des Ewigen... und es werde die 
Krümmung zur Ebene und die Höcker zum Tal... und es wird 
offenbar die Herrlichkeit des Ewigen.." (Jeschajahu 40,3-5).

Und plötzlich wird es schwarz vor Augen. Von vorne zeigt sich 
das tosende Meer. Von hinten - rücken die Ägypter heran. 
Und von den Seiten - "die große, furchtbare Wüste, wo Saraf-
Schlange und Skorpion" (Dt. 8,15); eine Sackgasse. 
Verunsicherung macht sich breit. Wo ist G~tt, und Moscheh, 
sein Prophet? Was wird jetzt aus all den Versprechungen über 
vollkommene Erlösung und kurzbevorstehende Errettung? 
Warum ließen wir uns überreden, unsere Häuser aufzugeben 
und alles in Ägypten hinter uns zu lassen, nur um uns auf einen 
Weg zu machen, der in den Untergang führt?

Im Herzen des Lagers werden vier Stimmen vernehmbar. 
Zwischen den Zeilen der Verse lesen die talmudischen Weisen 
diese vier Stimmen, die im Midrasch Mechilta geschildert 
werden:

Vier Parteien standen am Schilfmeer:
Die erste Partei war dafür, sich ins Meer zu stürzen (und 
Selbstmord zu begehen, da ja doch alles verloren ist). Über sie 
heißt es in der Schrift: "und waren widerspenstig am Meere, am 
Schilfmeere" (Psalm 106,7)... (und diese waren es auch, die 
sagten: "Wohl aus Mangel an Gräbern in Ägypten hast du uns 
weggeholt, um in der Wüste zu sterben?", Ex. 14,11).

Die zweite Partei wirbt für die Rückkehr nach Ägypten. (Der 
"Weg der Erlösung" war ein Irrtum. Vor allem muß man das 
Erreichte bewahren. - Jene sprachen: "Denn besser war es für 
uns, Ägypten zu dienen, als in der Wüste zu sterben", Ex. 
14,12).

Die dritte Partei tritt für den Kampf mit den Ägyptern ein (eine 
Art Masada oder Ghetto Warschau, in Ehren den Heldentod zu 
sterben und so in die Geschichtsbücher einzugehen).

Die vierte Partei schrie zu G~tt (in großen 
Gebetskundgebungen, vielleicht sogar 
Massendemonstrationen), wie es heißt: "und schrien die Kinder 
Israel zum Ewigen" (Ex. 14,10).

G~tt geht auf alle vier Parteien ein; jede bekommt eine 
passende Antwort: "Und Moscheh sprach zum Volke: Fürchtet 
nichts!" (Ex. 14,13). Warum? "Stehet fest und sehet an die Hilfe 
des Ewigen, die er euch heute schaffen wird" - kein Grund zur 
Verzweiflung, Selbstmord wäre sinnlos. "Denn die ihr heute 
sehet, die Ägypter, die werdet ihr fortan nicht wieder sehen bis 
in Ewigkeit" (ebda.) - kein Grund, nach Ägypten 
zurückzukehren. "Der Ewige wird für euch streiten" (Ex. 14,14) - 
ihr braucht euch nicht in einen heroischen Kampf zu stürzen, 
nur um hinterher verkünden zu können, ihr hättet aber 
gekämpft. "Ihr möget still sein" (ebda.) - jetzt ist nicht die Zeit für 
Gebet und Wehgeschrei, sondern für positive Taten des 
Aufbaus.

Die Kinder Israel hören und wundern sich. Was sollen sie in 
dieser schweren Stunde denn tun, wenn nicht Selbstmord 
begehen, oder aufzugeben, oder zu kämpfen oder wenigstens 
zu beten und zu flehen?! Ganz einfach - weitermachen! 
Vorwärts! Und so sprach G~tt zu seinem Diener Moscheh: 
"Rede zu den Kindern Israel, daß sie aufbrechen!" (Ex. 14,15).

Die Kinder Israel ziehen weiter, und verstehen nicht, was 
vorgeht. Die Bedrohung erdrückt. Die Ägypter kommen näher. 
Die Wüste umschließt sie. Und von vorne - das Meer. Sie 
erreichen das Ufer, die Wellen umspielen ihre Füße, die Salzluft 
gerbt die Haut; doch das Meer stürmt, und die Verwirrung kehrt 
wieder ein und steigert sich noch. Was sollen sie jetzt tun, am 
Rande des Abgrunds und dem Schlund der Erde?

Auch darüber berichten die Weisen in der Mechilta:
"Als die Israeliten am Ufer des Meeres standen, stritten die 
Stämme miteinander... Der eine sagt: Nicht ich gehe zuerst 
hinab ins Meer, und jener sagt: Nicht ich gehe zuerst hinab ins 
Meer. Wie sie sich noch miteinander beraten - springt 
Nachschon ben Aminadaw in die Wellen des Meeres und sein 
Stamm hinterdrein".

Angesichts dieser Opferbereitschaft, dieses starken Glaubens, 
erwachen Alle mit gespannter Erwartung. Was wird jetzt 
geschehen? Aber nichts geschieht, und die vier genannten 
Stimmen kommen wieder jedem in Erinnerung. Und dann - 
sagen uns die Weisen im Midrasch:

"Teilte sich das Meer erst, als ihnen das Wasser bis an die 
Nase reichte, und danach wurde es ihnen zu trockenem Boden. 
Erst dann teilte sich ihnen das Meer und sie gingen durch das 
Meer im Trockenen, und sangen dem Ewigen ein Loblied".

Und wir, die wir keinen Propheten in unserer Mitte haben, der 
uns den rechten Weg zu gehen weist - stehen vor den fünf 
Stimmen, die uns vom Schilfmeer her erschallen, und erkennen 
darin unsere eigenen inneren Konflikte. Sollten wir lieber dieser 
oder jener Partei folgen? Sollten wir lieber soweit wandern, bis 
wir eine neue Partei gefunden haben, wie es sie damals nocht 
nicht gab? Und inmitten all dieser Stimmen hören wir wieder 
und wieder die Stimme G~ttes, die zu Moscheh spricht: 
"Fürchtet nichts! Stehet fest und sehet an die Hilfe des 
Ewigen... Rede zu den Kindern Israel, daß sie aufbrechen!" (Ex. 
14,13/15), trotz alledem und gegen alle Widrigkeiten. Da fragen 
wir uns: Wird uns auch in unserer heutigen Zeit vergönnt sein, 
was unseren Vorfahren in jener Zeit geschah? Wird sich auch 
vor uns das Meer teilen? Oder wird sich G~tt für die Erlösung 
einen anderen Weg wählen, einen längeren oder einen 
kürzeren, einen schweren oder einen leichten, einen geraden 
oder einen verschlungenen?
 
 
 
HaRav Aviner

Der Siedler, das unbekannte Wesen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Der Siedler ist ein seltsames Wesen, ein Produkt des Staates 
Israel, so und nicht anders. Ein seltsames Wesen, seht, wo er 
wohnt, und vor gar nichts hat er Angst. Man sagt von ihm, er 
liebe sein Land, auch felsigen Boden, und dafür ist er zu allen 
Schwierigkeiten bereit.

Der Siedler ist voller jüdischer Nächstenliebe. Er hat diese Liebe 
zusammen mit der Muttermilch eingesogen, und er weiß, daß 
wir wegen grundlosen Hasses zerstört wurden und durch 
grenzenlose Liebe wiedererbaut werden, denn seine Rabbiner 
trichtern ihm das Woche für Woche und Tag für Tag ein, und 
manchmal zweimal am Tag. Jedes Mal, wenn er auch nur ein 
wenig das Gesicht verzieht, erinnern ihn seine Freunde daran: 
Kobi! Grenzenlose Liebe! Sofort kehrt er auf den Pfad der 
Tugend zurück. Wenn ihr ihn sich also über das Volk Israel 
aufregen seht, über die Regierung, über die Knesset, über die 
Armee und die Polizei - nehmt es nicht so ernst. Er meint das 
nicht so. Er ist bloß etwas gereizt. Und mit Recht ist er etwas 
gereizt. Keine Sorge, gleich wird wieder der Rabbiner kommen 
und ihn daran erinnern, daß wir mit grenzenloser Liebe 
aufbauen, und er wird sich wieder beruhigen.

Denn der Siedler hört auf seinen Rabbiner. Eine Siedlung ohne 
Rabbiner ist nämlich wie ein Haus voller Torarollen, aber ohne 
Mesusa, oder wie ein Tallit ganz aus blauer Tchelet-Wolle, aber 
ohne Zizit (Schaufäden). Er ist kein großer Rabbiner, der alles 
weiß. Er hat aber einen riesengroßen Vorzug: auch er ist ein 
Siedler. Wenn er nicht die ganze Zeit von jüdischer 
Nächstenliebe und Staatstreue redete, wäre er ein ganz 
normaler Siedler. Man verzeiht ihm aber und liebt ihn, weil er mit 
dem "gemeinen Volke" lebt.

Natürlich redet der Rabbiner auch die ganze Zeit von Tora und 
Mitzwot, denn er ist gegen Zwang und für Erklärung. Und 
welche Überraschung - das funktioniert. Der Siedler wird 
religiöser, lernt und betet mehr. Auch die Kleider seiner Frau 
werden länger. Sein Sohn ist schon selbst ein kleiner Rabbiner 
und hat zu allem etwas anzumerken.

Der Siedler hängt nämlich sehr an seinen Kindern und schuftet 
für sie Tag und Nacht. Er hat für sie neue Schulen gegründet, 
vorbildliche Schulen, mit unterschiedlicher Ausrichtung und 
unterschiedlichen Schwerpunkten. Erziehung ist nun mal 
wichtig, und damit muß man es genaunehmen. Dafür hat er viel 
Opferbereitschaft und bringt viel Geld auf. Dafür hört er mit 
Stolz, daß die Durchfallquote an den Schulen in Jehuda, 
Schomron und 'Asa die geringste im ganzen Lande ist. Wirklich 
stolz, denn die Kindererziehung fällt ihm nicht leicht, seine 
Kinder sind so lebhaft, so voll unerschöpflicher Energie. Die 
haben sie wohl von ihren Eltern geerbt, denn wenn die Eltern 
nicht so viel Energie hätten, wären sie keine Siedler.

Darum ist der Siedler ein überaus fleißiger Mensch, der für 
seinen Lebensunterhalt arbeitet und seine Familie würdig 
ernährt. Seine brodelnden Energien weiß er in die richtige 
Richtung zu lenken.

Geben wir zu, manchmal verliert er die Proportionen aus dem 
Auge, denn er debattiert gern über jede Kleinigkeit und besteht 
auf seiner Ansicht ohne Kompromisse. Gleichzeitig gelingt es 
ihm überraschenderweise, eine höhere Lebensqualität als in der 
Stadt zu erzielen; Gemeinden ohne Schmutz und Lärm, wo 
einer auf den anderen Rücksicht nimmt. Ein neues Muster des 
Ortswesens, mit erfolgreicher Balance zwischen Privatleben 
und Gemeinschaftlichkeit. Die Isolation in der Stadt fällt vielen 
Leuten schwer. Hier bist du nicht alleine, nicht in traurigen und 
nicht in freudigen Zeiten, und dabei steckt keiner seine Nase in 
deine Privatangelegenheiten. Natürlich ist auch diese 
Lebensweise noch nicht vollkommen, aber auch noch nicht 
verschlossen und versiegelt, sie ist noch offen für Änderungen, 
doch ist sie auf dem richtigen Wege.

Der Siedler ist nämlich ein Pionier. Ein Pionier der heutigen Zeit, 
Pionier gezwungenermaßen, ein Glied in der Kette der Pioniere, 
ein bescheidener Pionier, der sich für sein Land aufopfert. Er 
macht unbeirrt weiter, auch wenn man ihn mit Steinen bewirft, 
oder mit Brandbomben, oder wenn man auf ihn schießt; er kehrt 
heim von der Tröstung der Trauernden und macht weiter. 
Dieser Mensch, ein wenig mürrisch, ein wenig streithaft, ein 
wenig Komiker, ein wenig Angeber, ein wenig Angsthase - er ist 
ein Held ohne Furcht und Tadel. Wenn du ihn siehst, erhebe 
dich vor ihm, und auch vor seiner Frau und vor seinen Kindern.

Denn der Siedler ist vor allem ein Mensch. Auch seine Frau, die 
g~ttseidank viele Kinderchen hat, für die sie ihre ganze Zeit 
opfert, ist vor allem ein Mensch. Der Siedler kann auch gekränkt 
sein wie jeder andere Mensch.

Wisse, daß du ihn in letzter Zeit gekränkt hast, in letzter Zeit 
und überhaupt schon lange. Er fühlt sich verraten, er ist ein 
Pionier im Auftrag der Nation und opfert sich auf, nun wurde er 
zum Staatsfeind Nummer Eins und man will ihn vertreiben! Er 
sieht einer unsicheren Zukunft entgegen. Sieh dich vor, er kann 
es sich wirklich zu Herzen nehmen, und dann wird er etwas 
Furchtbares tun! Er wird nicht mehr das Gebet für die Wohlfahrt 
des Staates sagen. Das hast du nun davon. Erschrecke aber 
nicht zu sehr. Er liebt den Staat Israel. Er liebt ihn bis zur 
Selbstaufgabe. Du aber begingst einen großen Fehler, den 
Fehler deines Lebens, denn "G~tt sucht den Verfolgten" 
(Kohelet 3,15). 

Er liebt auch die Armee, und wenn er gegen sie spricht, achte 
nicht darauf. Er lebt doch mit der Armee, Tag für Tag, Hand in 
Hand, ein Herz und eine Seele. Weiß er doch genau, daß nur 
die Armee zwischen ihm und den Mörderbanden trennt, ihn rund 
um die Uhr beschützt, ob man sie sieht oder ob man sie nicht 
sieht. Und woher weiß er das? Weil er selber ein treuer Soldat 
ist, und weil er nicht hinter dem Mond lebt, sondern auf einer 
kleinen Insel zwischen den Mördern, er fühlt sich sicher wegen 
der Armee, die mit großer Begabung wirkt, mit ihr hat er einen 
Blutsbund geschlossen. Wenn er also etwas gegen die Armee 
sagt, meint er es nicht so. Ehrlich meint er es aber mit seinem 
Glauben, für den er bis zum Ende kämpft. In einer Welt, die 
alles im Verhältnis sieht, post-modern, vorübergehend, sich 
alles in ständigem Wechsel befindet, in der alles mit Geld oder 
Ansehen gekauft wird, in einer Welt voller Lügen - gibt es hier 
einen Menschen mit Prinzipien, mit Idealen.

Vielleicht hast du wirklich Angst, daß er seinen Weg 
konsequent bis ans Ende geht - dann will ich dir sagen, was es 
am Ende gibt: am Ende wartet ein Ding, das er sehr liebhat - 
sein Volk!

Bis hierher das Lied vom Normal-Siedler, doch sind natürlich 
nicht alle Siedler gleich. Weder bei der Größe oder der Farbe 
ihres Käppchens, noch in ihrem Verhältnis zu Staat und Armee - 
doch über all diesen verschiedenen Horizonten erstreckt sich 
das Gewölbe des Himmels, der Himmel unseres guten Landes. 
 

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