DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PEKUDE (Schekalim)
Nr. 503
1. Adar II 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 38,21-40,38):
Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung 
der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung 
des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das sind die Berechnungen...

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Das Volk Israel geht dem Höhepunkt entgegen. Den Auszug 
aus Ägypten haben wir hinter uns. Wir erhielten die Tora am 
Berge Sinai. Selbst die schwere Krise der Sünde um das 
goldene Kalb haben wir überstanden. Und nun erklimmen wir 
den Gipfel: Das Absenken der göttlichen Präsenz auf die 
Israeliten nach Bau des Wüstenheiligtums anläßlich dessen 
Einweihung. Und sieheda, mittendrin im Geschehen erfolgt der 
große "Absturz" von den höchsten Höhen in die tiefsten Tiefen; 
nämlich zu Geldangelegenheiten: Wieviel Gold 
zusammengesammelt wurde, wieviel Silber und wieviel Kupfer; 
was wurde mit jedem einzelnen Silberbarren und jeder Münze 
angefangen, mit jedem Kupfergewicht, mit jedem Stückchen 
Purpur und den anderen Stoffen - wozu ist diese kleinliche 
Rechnungslegung nötig, und noch so eng verbunden mit dem 
Gipfel unserer Träume? 

Auf diese Frage werden wir versuchen, mithilfe des Midrasch 
eine Antwort zu finden: "In Geldangelegenheiten setzt man 
keine Autorität über die Öffentlichkeit weniger als zwei 
[Personen]. Findest du doch Moscheh als alleinigen 
Schatzmeister!... Vielmehr, obwohl Moscheh alleiniger 
Schatzmeister war, rief er Andere hinzu und läßt sie die 
Berechnungen durchführen, wie es heißt: Das sind die 
Berechnungen der Wohnung... (Ex. 38,21); 'die Moscheh 
berechnete' steht nicht geschrieben, sondern die auf Befehl 
Moschehs berechnet wurden, durch Moscheh unter Aufsicht 
Itamars" (ebda.; Schemot rabba 51,1).

Auf dem Höhepunkt der nationalen Bestrebungen 
angekommen, kümmert sich Moscheh um die öffentliche 
Redlichkeit. Sicher vertrauen Alle demjenigen, von dem G~tt 
verkündete: "..in meinem ganzen Hause ist er bewährt" (Num. 
12,7), das reicht jedoch nicht aus. Die Rechtschaffenheit muß 
auch nach außen hin sichtbar sein. Alle unterliegen den Regeln 
ordnungsgemäßer Buchführung, ohne jede Ausnahme. In 
diesem Sinne wurde das Gesetz über die mildtätigen Spenden 
im Schulchan Aruch (J.D. §257,2) entschieden: "Bei den 
mildtätigen Gaben führt man keine Rechnungsprüfung der 
Schatzmeister durch... wie es heißt: Und man rechnete den 
Männern nicht nach, in deren Hände man das Geld gab, um es 
an die Schaffenden zu geben, denn getreulich walteten sie 
(Kö.II, 12,16)". Dem fügte aber Rabbiner Moscheh Isserles 
[dessen Anmerkungen integraler Bestandteil des Schulchan 
Aruch wurden] hinzu: "Um vor G~tt und Israel rein zu sein, ist es 
trotzdem gut, wenn sie Rechenschaft ablegen". Wenn nun die 
Schatzmeister ein genügend dickes Fell haben, um sich nicht 
von irgendwelchen Verdächtigungen stören zu lassen, 
bräuchten sie doch eigentlich eventuelle Kritik gar nicht zu 
beachten. So lernten wir allerdings nicht von unserem Lehrer 
Moscheh. Natürlich hätte auch ihm ein leiser Verdacht nichts 
ausgemacht, wo es doch über ihn hieß: "Und der Mann 
Moscheh war sehr sanftmütig" (Num. 12,3). Doch wie ist es um 
das moralische Niveau einer Gesellschaft bestellt, wenn derlei 
Verdächtigungen gegen den an ihrer Spitze Stehenden 
geäußert werden? Bietet das nicht eine Rechtfertigung für 
Andere, mit beiden Händen in die öffentliche Kasse zu langen? 
Würde das nicht zu einer Verharmlosung der "Weiße-Kragen-
Kriminalität" führen?

Auf dem Höhepunkt der Vervollständigung des 
Wüstenheiligtums läßt diese Sache unserem Lehrer Moscheh 
keine Ruhe. Das Heiligtum kann nicht nur auf Sockeln aus 
Gold, Silber und Kupfer stehen. Die moralischen Stützen, auf 
denen die Gesellschaft fußt, sind nicht weniger wichtig. Es 
lassen sich keine Stufen überspringen. Es lassen sich keine 
Grundwerte auslassen. Der persönliche Einsatz für den Bau des 
Heiligtums verpflichtet dazu, auch den kleinen Dingen wie 
öffentliche Redlichkeit und korrekte Ausführung Aufmerksamkeit 
zu schenken, denn ohne diese kleinen Dinge würden die großen 
Säulen nicht stehen. Genau darüber sprach der Prophet 
Jeschajahu in seiner Vision: "Wie ist zur Buhlerin geworden die 
bewährte Stadt! sie, voll von Recht, Gerechtigkeit wohnte darin, 
und jetzt Mordgierige. Dein Silber ist zu Schlacken geworden, 
dein Trank verfälscht durch Wasser. Deine Fürsten Unbändige 
und Diebsgesellen, allzumal Bestechung liebend und jagend 
nach Bezahlung; der Waise sprechen sie kein Recht, und der 
Streit der Witwe kommt nicht zu ihnen" (1,21-23). In dieser Lage 
ruft der Prophet den Besuchern des Tempels entgegen: "Wozu 
mir die Menge eurer Opfer? spricht der Ewige... Wenn ihr 
kommt zu erscheinen vor meinem Angesichte, wer verlangt 
solches von eurer Hand, zu zertreten meine Höfe?" (1,11-12). 
Entsprechend erfolgt die Erlösung des Volkes und des Landes, 
des Heiligen und des Heiligtums in Verbindung mit sozialer 
Gerechtigkeit, individueller und gesellschaftlicher Ethik: "Und 
stelle her deine Richter wie vormals, und deine Räte wie zu 
Anfang. Nachher wird dir zugerufen: Stadt der Gerechtigkeit, 
bewährte Feste! Zion wird durch Recht erlöst, und seine 
Bekehrten durch Gerechtigkeit" (1,26-27). Darüberhinaus wird 
über die Bemühungen von Moscheh zur Arrangierung 
regierungsamtlicher Redlichkeit nicht vor dem Bau des 
Wüstenheiligtums berichtet, und auch nicht danach, sondern 
genau mittendrin, zwischen der Vorbereitungsphase (Abschnitt 
Wajakhel) und der Bauphase (Abschnitt Pekude). Wir sollen 
daraus lernen, daß wir es hier nicht mit zwei verschiedenen 
Dingen zu tun haben: Der erhabene Wert unmittelbarer 
Anwesenheit der göttlichen Präsenz im Heiligtum, und der 
weltliche Wert der Redlichkeit bei der Führung öffentlicher 
Angelegenheiten - beide sind Seiten einundderselben göttlichen 
Münze. So schrieb auch Rabbiner A.J.Kuk: "Das 
gesellschaftliche Leben mit allen seinen Regelungen... alle 
zusammen verbunden nach den Anforderungen der Ewigkeit - 
nur wenn sie gelöst sind, werden sie der Welt in der Not zur 
Seite stehen" (Orot Hakodesch I, S.8).
 
 
HaRav Aviner

Die Spaltung
Offener Brief an Ariel Scharon

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Warum spalten Sie das 
Volk? Sie spalten, und ich füge zusammen. Keine Sorge, mir 
gehen weder die Nadeln noch der Faden aus. Sie reißen nur 
schneller auseinander, wie ich flicken kann. Auch fehlt mir ein 
Fingerhut, und so habe ich mir schon meine Finger 
wundgenäht. 

Wissen Sie denn nicht, daß Sie das Volk spalten, daß Sie böse 
Spannungen und Parteienstreit säen? Wissen Sie denn nicht, 
daß unsere Gesellschaft ein feines Gewebe ist, voller extremer 
Unterschiede? Da gibt es Religiöse, die einen Staat auf der 
Grundlage von Heiligkeit wollen, und Nichtreligiöse, die einen 
säkularen Staat wollen, da gibt es Rechtsorientierte, die das 
ganze Land Israel wollen, und Linksorientierte, die das halbe 
Land Israel wollen. In den letzten 50 Jahren, oder hundert 
Jahren, wurden wir zusammengehäkelt. Manchmal aber wurde 
der Stoff bloß provisorisch geheftet, und Sie zerreißen das feine 
Gewebe von Brüderlichkeit und nationaler Einheit.

Sind Sie sich dessen bewußt, oder haben Sie sich auch von uns 
"abgekoppelt"? Selbst wenn Sie Probleme auf internationaler 
Ebene fürchteten - wenn Sie ihr eigenes Volk spalten, was ist 
dann so eine Politik wert?

Einen Bruderkrieg wird es nicht geben. Wir sind g~ttseidank ein 
verantwortungsbewußtes Volk. Doch auch ein Krieg der 
Beschimpfungen bedeutet ein nationales Unglück. Wir alle, alle 
Strömungen und alle Methoden, alle Fraktionen und alle 
Parteien, gleichen Eltern derselben Kinder, nämlich den Kindern 
unseres geliebten Volkes. Wenn sich die Eltern prügeln, 
bedeutet das eine Katastrophe für die Kinder. Selbst wenn sie 
nur im Herzen Widerwillen und Haß gegeneinander tragen, so 
ist das für die Kinder keine gesunde Atmosphäre. Nur wenn sich 
die Eltern gut leiden können, wachsen die Kinder glücklich auf. 
Warum walzen Sie also alles so zerstörerisch nieder? Verzeihen 
Sie mir meine Ausdrucksweise, aber selbst Ihre Anhänger 
geben das zu. Wer an der Spitze des Volkes steht, sollte es 
eigentlich einen, Sie aber teilen und herrschen. Auch mit dem 
Einsatz von Soldaten für eine gesellschaftlich unmögliche 
Mission spalten Sie das Volk.

Warum haben Sie Angst vor einer Volksbefragung? Glauben 
Sie, das sei bloß ein Trick, um Zeit zu gewinnen? Nein, das ist 
eine sehr ernste Angelegenheit, ein Zeichen von 
Verantwortungsbewußtsein.

Ich verstehe Sie nicht. So ein Verhalten paßt nicht zu Ihnen. In 
meinen Augen sind Sie immer noch der Nationalheld, der uns im 
Jomkippurkrieg gerettet hat. Auch in der Terrorbekämpfung sind 
Sie begabt, eigentlich sehr begabt. Fast vergaß ich den Ausbau 
der Siedlungen in Jehuda und Schomron (Judäa und 
Samaria)... Was ist los mit Ihnen?!

Kennen Sie die Leute von Gusch Katif? Sie sind dort nicht 
wegen des Geldes. Es sind auch keine Radikalen. Das sind 
sanftmütige Leute, die lernen und arbeiten. Ganz normale 
Leute, Menschen wie du und ich. Verzeihung! So wie ich, meine 
Frau und meine Nachbarn.

Und nun plötzlich verleumdet man sie, zieht sie in den Schmutz 
und macht sie zu Volksfeinden. Dazu sagen sie: "Man hat uns 
hereingelegt. Derjenige, den wir liebten und auf den wir 
vertrauten, hat uns verraten. Wir haben für das Volk gelitten, 
und jetzt wirft man uns hinaus".

Bei der ersten Räumung von Elon Moreh weinte unser Lehrer, 
Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, und sagte: "Ich weine, weil man 
Juden aus dem Lande Israel herausreißt, und ich weine, weil 
man Juden dazu veranlaßt, gegeneinander zu streiten". Und 
genau das machen Sie jetzt. Sie machen gemäßigte Menschen 
zu Radikalen. Sie erwecken Zentrifugalkräfte, die Leute aus 
allen Lagern in extreme Positionen drängen. Ihretwegen sterben 
Menschen aus Angst vor Bruderkrieg. Was mich betrifft, ich 
habe davor keine Angst, ich habe nur Angst vor Polarisation, 
vor der Zerstörung der empfindlichen Brüderlichkeit. 

Herr Ministerpräsident! Sie werden nicht mit Gewalt siegen! Und 
wenn Sie doch siegen sollten, dann wird das ein Pyrrhus-Sieg 
werden, bei dem sich der Sieger selber am meisten zerstört. 
Denn wenn Sie und Ihre Leute g~ttbehüte die Siedler 
entwurzeln, dann entwurzeln Sie bloß deren Körper und deren 
Wohnungen. Sein Haus kann man woanders bauen, und der 
Körper läßt sich heilen. Euch selbst aber wird es die Seele 
entwurzeln, weil Ihr die Moral, die Gerechtigkeit und die 
Brüderlichkeit mit Füßen tretet. Ihr habt Euch an Brüdern 
vergangen. Wie werdet Ihr Euch je davon erholen? Wie werdet 
Ihr je wieder in den Spiegel schauen können? Wer Schläge 
einstecken mußte, kann sich wieder erholen. Wer aber Schläge 
austeilt - wie soll sich der wieder erholen? Auch wenn Sie 
listigerweise nichtjüdische Polizisten einsetzen sollten, wie 
wollen Sie sich in Ihrer Seele von diesen Schlägen erholen? 
Wer tritt hier "die Würde des Menschen und seine Freiheit" mit 
Füßen? Jemand, der seine Brüder ohne Wohnung und ohne 
Arbeit auf die Straße setzt, wie Flüchtlinge? Jemand, der Zahal 
(die israelischen Verteidigungsstreitkräfte) zur Räumung von 
Brüdern einsetzt, statt gegen Feinde zu kämpfen, wodurch es 
mehr Anschläge und Ermordete gibt? Eines Tages werden Sie 
in den Spiegel schauen und sehen, wie häßlich Sie sind, 
g~ttbehüte, wie in der Geschichte vom "Bildnis des Dorian 
Gray", Sie und alle, die es mit Ihnen halten, doch wir werden 
auf immer aufbauen, wir werden noch besser aufbauen. "Und 
auch wird der Mächtige Israels nicht lügen und sich nicht 
bedenken" (Schmu'el I, 15,29). Wir werden immer siegen und 
immer freudig sein.

Darum halte ein, halte ein! Halten Sie den ganzen Prozeß an! 
Vielleicht werden wir es mit unseren Feinden etwas schwerer 
haben, wir werden aber untereinander besser auskommen. Ist 
das nicht eine gute Idee? In Wirklichkeit werden wir mit Liebe 
und Brüderlichkeit, Frieden und Freundschaft unsere Feinde 
von innen und außen überwinden. Das ist doch eigentlich Ihre 
Spezialität.

Und das Geld, das wir dadurch sparen, geben wir den Armen, 
die freiwerdenden Geisteskräfte setzen wir für die Erziehung 
unserer Kinder und unsere überschüssigen Energien zur 
Aufmunterung der Benachteiligten ein. Damit ist Allen geholfen.
 
 

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