DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NASSO
Nr. 516
4. Sivan 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 4,21-7,89):
Weitere Aufgabenverteilung für den Stiftszelttransport; Prozedur 
für Ehebruchsverdächtigte; Enthaltungsgelübde und deren 
Opfervorschriften; die Gaben der Stammesfürsten zur 
Einweihung des Wüstenheiligtums (Stiftszelt).

6./7. Sivan: Schawu'ot (Wochenfest)
 
 
 
Am Jontef-Tisch...

Auf dem Prüfstand

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Eine harte Kritik läßt sich zwischen den Zeilen der Megillat Ruth 
an Elimelech, Machlon und Kiljon herauslesen wegen der 
Leichtigkeit, mit der sie ihre Regierungsposten in Bet 
Lechem/Jehuda zur Zeit der Hungersnot einfach aufgaben. Im 
Talmud werden zwei Ansichten bezüglich ihrer Schuld diskutiert 
(Baba batra 91a/b). Die erste stammt von Rabbi Schimon bar 
Jochai, der die Schuld vor allem im Verlassen des Landes sieht. 
Durch die Hungersnot war der Brotpreis auf über das Doppelte 
gestiegen. Allerdings waren sie reich und hätten ohne weiteres 
trotz Teuerung und Knappheit standhalten können. "Elimelech, 
Machlon und Kiljon waren die Großen und die Vorsteher ihrer 
Generation. Und warum wurden sie bestraft? Weil sie aus dem 
Lande Israel ins Ausland zogen".

Nach dieser Ansicht übertraten Elimelech und seine Söhne die 
einfache Halacha [jüdisches Gesetz], die das Verlassen des 
Landes solange verbietet, als es darin ein Auskommen gibt. 
Wenn sie allerdings in die Lage geraten wären, daß "die letzte 
Pruta [kleine Münze] aus der Tasche verschwunden" war, 
hätten sie erlaubterweise in die Gefilde Moaws umziehen dürfen 
und wären nicht dafür bestraft worden. Weil sie aber dieses 
Gesetz mißachtet hatten, half ihnen auch das vergangene 
Verdienst ihrer wichtigen Führungsrolle in der Öffentlichkeit 
nicht.

Rabbi Jehoschua ben Korcha war allerdings anderer Ansicht. Er 
hielt es für ausgeschlossen, daß Elimelech und seine Söhne 
eine Halacha übertraten. "Behüte und bewahre! Selbst wenn sie 
nur Kleie gefunden hätten, würden sie nicht fortgezogen sein". 
Wenn sie also gesetzestreu gehandelt hatten - welchen Vorwurf 
kann man ihnen dann machen? Und warum wurden sie 
bestraft? - "Weil sie für ihre Generation um Erbarmen hätten 
flehen sollen und dies nicht taten, wie es heißt: wenn du 
schreiest, werden deine Versammelten dich erretten
(Jeschajahu 57,13/Baba batra 91b).

Unterscheidet sich doch ganz wesentlich die für einen 
eingeschworenen Einzelgänger empfohlene Verhaltensweise 
von der eines Menschen, der sich als Teil der Öffentlichkeit 
fühlt. Der Einzelgänger steht vor G~tt und stellt eine einzige 
Frage: Erlaubt oder verboten? Darf ich in diesen schweren 
Zeiten dem Land den Rücken kehren oder nicht? Mißachte ich 
damit das Gebot des Siedelns im Lande Israel, oder übertrete 
ich es nicht? - Wer allerdings eingebettet in seine Umgebung 
und seine Gemeinde lebt, muß sich eine zusätzliche Frage 
stellen: Vielleicht finde ich ja eine Lösung für mich. Doch was 
wird aus den Anderen werden? Ist es recht, wenn ich nur meine 
eigene Haut rette, und damit hat es sich? Oder sollte ich eher 
G~ttes Wegen folgen, der sprach: "mit ihm bin ich in der Not" 
(Psalm 91,15)? Lasse ich sie und ihre Probleme hinter mir und 
trolle mich meines Weges, oder sollte ich lieber das Leid der 
Allgemeinheit teilen? Oder sollte ich mich fragen, was nütze 
denn der Öffentlichkeit die Anwesenheit einer weiteren Familie, 
deren Bedürfnisse den Nahrungsmangel nur verschlimmern? 
Darauf antwortet die Schrift: "wenn du schreiest, werden deine 
Versammelten dich erretten". Großen Wert hat das öffentliche 
Flehen, das Gebet der Allgemeinheit. Jeder Einzelne, der den 
Schmerz des Nächsten mitfühlt, steigert die Qualität des 
gemeinschaftlichen Gebetes. Wenn er sich aber von der 
Allgemeinheit in ihrem Leid absondert, auch wenn er dafür eine 
halachisch-formale Rechtfertigung finden kann, gilt für ihn "weil 
er sich von der Gemeinde ausgeschlossen, wollte er die 
Hauptsache leugnen" (Pessach-Hagada). Die gleiche 
halachische Haarspalterei, die die Erlaubnis ausfindig machte, 
die vom Hunger geplagte Gemeinde wegen "Lebensgefahr" zu 
verlassen, signalisiert innere Gleichgültigkeit gegenüber den 
Leiden der Öffentlichkeit. Nach Rabbi Jehoschua ben Korcha 
gilt dieser Anspruch für jeden jüdischen Menschen, und erst 
recht für die Häupter der Gemeinde.

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") geht hierbei 
den Mittelweg (Gesetze von Königen und Kriegen 5,9). Auch er 
hält wie Rabbi Jehoschua ben Korcha, daß in diesem Fall das 
Verlassen des Landes Israel formal-halachisch erlaubt sei. Das 
Land Israel gleicht jedoch nicht den anderen Geboten, deren 
Erfüllung wegen Lebensgefahr zurückgestellt wird: "..obwohl es 
erlaubt ist, [wegen wirtschaftlicher Notlage das Land Israel] zu 
verlassen, zeugt es nicht von großer Frömmigkeit; waren doch 
Machlon und Kiljon Große ihrer Generation, und sie zogen aus 
wegen großer Probleme - und machten sich vor G~tt der 
Ausrottung schuldig".

Reguläre Gebote braucht man schon nicht zu erfüllen, wenn 
dabei nur eine Möglichkeit der Lebensgefahr besteht, und das 
Wohnen im Lande Israel gehört mit zu diesen Geboten (was 
genau als "Lebensgefahr" gilt, hängt vom "Brauch der 
Kaufleute" ab: wenn sie sich normalerweise für ihren Broterwerb 
z.B. den Risiken einer langen Seereise in Segelschiffen oder 
Überlandreise mit Wüsten und Wegelagerern aussetzen, dann 
gilt das in diesem Sinne nicht als "Lebensgefahr"). Im 
Unterschied zu anderen Geboten wird bei diesem Gebot eine 
größere Frömmigkeit erwartet, d.h. das Eingehen von etwas 
höheren Risiken als üblich (obwohl dazugesagt werden muß, 
daß dieses zusätzliche Maß auf freiwilliger Basis geschieht, und 
deshalb kann jemand seine Familienmitglieder in der Stunde 
echter Gefahr nicht verpflichten, mit ihm nach Israel 
einzuwandern). 

Diese Stellung lernen wir von Rabbi Sejra. Einerseits nahm es 
Rabbi Sejra mit allem besonders streng, was mit dem Schutze 
des Lebens zu tun hatte, bis daß er z.B. an einem stürmischen 
Tag nicht zwischen Palmen hindurchging aus Vorsicht, vielleicht 
könnte ihm ein Palmwipfel aufs Haupt fallen (Schabbat 32a). 
Andererseits, als er in das Land Israel zog und keine feste 
Brücke fand, den Jordan zu überqueren, klammerte er sich an 
eine improvisierte Hängebrücke und setzte sich der Gefahr aus, 
in die schäumenden Fluten zu fallen. Dabei traf ihn ein 
Bösewicht und fing an, mit ihm zu schimpfen: Übereiltes Volk, 
das mit dem Munde schneller ist als mit den Ohren (Anspielung 
auf den Erhalt der Tora am Sinai, als die Israeliten G~tt 
Gehorsam versprachen, noch bevor sie die Gebote gehört 
hatten), noch immer befindet ihr euch in eurer Überstürzung?! 
Antwortete ihm Rabbi Sejra: Ein Ort, der nicht einmal Moscheh 
und Aharon beschieden war, wer sagt, daß er mir beschieden 
ist?! (Ketubot 112a).

Wenn es also um das Land Israel geht, sollte man die 
Möglichkeit von Gefahren in einem anderen Lichte betrachten. 
Seitens der erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen bei drohender 
Gefahr ist auch geschwind bei weniger akuten Gefahren zu 
handeln - seien es geringe Risiken von "Lebensgefahr", seien 
es Risiken von finanziellen Verlusten.
 
 
Frage und Antwort

Warum Moral-Bücher?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Leider übertrete ich andauernd irgendwelche Tora-
Verbote. Dann nehme ich mir vor, mich zusammenzureißen, 
und schaffe es dann doch nicht. Ich stehe auf und falle und 
stehe auf und falle, bis ich verzweifle. G~tt hilft mir auch nicht 
gerade. Ich habe so allerlei Triebe, die einfach keine Ruhe 
geben. Ich weiß, daß es auf meine Frage vielleicht keine 
Antwort gibt. Vielleicht gibt es aber doch eine Methode, sich aus 
diesen Fesseln zu befreien?

Antwort: Sicher gibt es eine Methode. Der Herr der Welt stürzt 
uns nicht einfach in Verwicklungen und läßt uns dann damit 
alleine. Sie sind keineswegs ein Einzelfall, sondern jedem 
Menschen auf diesem Erdenrund geschieht das, weil nämlich 
jeder bestimmte Triebe hat. Schon die talmudischen Weisen 
sagten, der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag, wird 
immer stärker, taucht überall immer wieder auf, findet immer 
neue Möglichkeiten, und wenn uns G~tt nicht helfen würde, 
könnten wir es gar nicht schaffen. Dieser Trieb ist enorm stark 
und ohne Bündnispartner schwer zu besiegen, und in seiner 
Gnade schloß G~tt mit uns einen Bund und gab uns einen 
Bündnispartner, der uns immer begleitet - die Tora. Im Talmud 
heißt es: "Ich habe den böseb Trieb erschaffen, und ich habe 
die Tora als Mittel [wörtl. Gewürz] gegen ihn erschaffen" 
(Kiduschin 30b), wie ein Gewürz, das schlechten Geschmack 
neutralisiert. Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto schrieb: "Wenn 
das Wissen weitverbreitet wäre und die Herzen der Menschen 
beherrschte, würden sie niemals sündigen, und der Trieb würde 
ihnen noch nicht einmal nahekommen und sie beherrschen" 
(Derech Ez Chajim). Wir würden den Trieb nicht nur bewältigen, 
er würde sogar ganz verschwinden.

Besonders muß man die Bücher der Ethik lernen, die von der 
Besserung der Charaktereigenschaften und der Stärkung der 
Himmelsfurcht handeln, und zwar jeden Tag, wie schon einige 
Weltgrößen dringend empfahlen, wie z.B. Rabbiner Jona 
Gerondi (Sefer Hajir'a), und Sefer Hajaschar. Auch Rabbiner 
"HaAri" (größter Kabbalist der letzten 500 Jahre) lehrte, daß 
jedermann stets Bücher der Himmelsfurcht und Ethik lerne und 
dabei nicht einen einzigen Tag auslasse (siehe auch Be'er 
Hetev zum Schulchan Aruch O.C. 603,1).

Der MaHaRSchaL, Rabbiner Schlomo Luria, ein berühmter 
Jeschiwa-Vorsteher, ließ jeden Tag für eine Stunde einen 
Moral-Prediger kommen, um sich wegen seiner Taten 
ermahnen und warnen zu lassen. Und jedesmal, wenn der 
Moral-Prediger bei ihm erschien, hüllte er sich sofort in seinen 
Tallit und setzte sich vor ihn hin, um sich die sittlichen 
Ermahnungen in Erschütterung und G~ttesfurcht anzuhören. 

Der "Ba'al Schemtov" (Gründer des Chassidismus) ordnete an, 
jeden Tag einen sittlich-erbaulichen Vortrag zu hören, ob kurz 
oder lang, und sich an gute Charaktereigenschaften zu halten, 
denn der böse Trieb verleite den Menschen nicht, überhaupt 
nichts zu lernen, sondern sich von Dingen fernzuhalten, die zu 
Himmelsfurcht führen, wie z.B. Bücher der Ethik.

Von Rabbi Pinchas aus Kuritz, einem der ersten Schüler des 
"Ba'al Schemtov", wird erzählt, daß er das "Buch der 
Herzenspflichten" tausend Mal durchlernte. Rabbi Nachman von 
Breslav war für seine besondere Ausdauer beim Toralernen 
bekannt, und einen Teil seiner Energien verwandte er auf das 
Studium aller Bücher der jüdischen Ethik. Auch Rabbiner Elijahu 
("der Gaon") von Wilna sagte, wie ihn das Buch "Der Weg der 
Frommen" erreichte, "großes Licht kam in die Welt", und lernte 
es 101 Mal aus dem Gedächtnis. Weiterhin bemerkte er, wenn 
der Autor, Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto, noch am Leben 
gewesen wäre, hätte er sich sogar zufuß zu ihm auf den Weg 
gemacht, um von ihm Ethik und gute Eigenschaften zu lernen. 

Alles Vorgenannte gilt natürlich genau gleich für Männer und 
Frauen, für Mädchen wie für Jungen (Ja'arot Dwasch, Rabbiner 
Jonatan Eibeschütz).

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels) 
sagte sogar, daß sich jedermann sein eigenes Buch der Ethik 
schreiben müsse, wie es am besten zu ihm paßt. Natürlich 
brauche man sich nicht den Kopf über alles von Neuem zu 
zerbrechen, sondern trage aus Büchern der Ethik zusammen, 
was einem zur Selbstverbesserung nützlich erscheint, und 
mache diese Sammlung zu seinem eigenen, privaten Büchlein 
(Mussar Awicha). 

Das Studium der jüdischen Ethik soll sich nicht auf die 
theoretische Ebene beschränken, sondern schließt die 
Selbstprüfung anhand dieser Bücher ein, d.h. tägliche 
Selbstkritik. Dazu schrieb Rabbiner Luzatto: "Der Mensch denkt 
während seiner Lebtage meist an seine Angelegenheiten, 
flüchtige Angelegenheiten - und warum wende er sein Herz 
nicht wenigstens eine Stunde diesen Dingen zu, nämlich 
bedeutsame Gedanken zu hegen: wer er ist und wozu er in die 
Welt kam? Oder: Was wünscht von ihm der König, König der 
Könige? Und was wird am Ende aus allen seinen 
Angelegenheiten werden? Das ist das beste und stärkste 
Heilmittel, das sich gegen den bösen Trieb aufbieten läßt, 
welches sich zudem leicht anwenden läßt, seine Wirkung ist 
groß und fruchtbar, daß der Mensch jeden Tag wenigstens eine 
Stunde lang sich den Kopf von allen anderen Dingen freihält, 
und sich die vorgenannten Gedanken macht" (Derech Ez 
Chajim). 

Womit läßt sich das vergleichen? Mit einem erfolgreichen 
Handelsmann, dessen Geschäfte gut laufen und immer mehr 
Gewinn abwerfen. So weit, so gut. Wenn er aber Geld verlieren 
würde, wäre er schön dumm, auf die gleiche Weise 
weiterzumachen. Er müßte seine Geschäftsstrategie neu 
durchdenken, welche Produkte aus dem Angebot zu nehmen, 
welche neu aufzunehmen usw. So verhält es sich auch bei 
spirituellen Dingen, schrieb Rabbiner Luzatto: "Ich sehe dabei 
die Notwendigkeit für den Menschen, daß er es mit seinen 
Wegen genaunehme und genau abwäge, jeden Tag, nach der 
Weise der großen Kaufleute, die stets alle ihre Geschäfte 
genauestens überwachen, damit sie nicht mißlingen, und dafür 
besondere Perioden und Zeiten bestimmen, die sie pedantisch 
einhalten... was schon die talmudischen Weisen bemerkten: 'Es 
heißt: daher sagen die Herrschenden etc., unter Herrschenden 
sind diejenigen zu verstehen, die ihren Trieb beherrschen. 
Kommt nach Cheschbon, kommt, wir wollen die Rechnung 
[cheschbon] der Welt aufstellen: den Verlust durch das Gebot 
im Vergleich zum Gewinne, und den Gewinn durch die 
Übertretung im Vergleich zum Verluste'" (Baba batra 
78b/Messilat Jescharim 3.Kap.).

Sind Sie denn bedeutender als unser Lehrer Moscheh, der 
Mann G~ttes, Herr aller Propheten und Urvater aller Weisen, 
dessengleichen nicht noch einmal im jüdischen Volk erstand - 
und über den Maimonides sagte, weil er sich nicht ausreichend 
mit dieser Arbeit der seelischen Rechnungslegung beschäftigte, 
geriet er einmal in Zorn und sagte: "Höret doch, ihr 
Widerspenstigen" (Num. 20,10; Acht Kapitel, IV). Es gibt zwar 
noch andere Deutungen dieser Episode, doch ist es zweifellos 
richtig, daß ohne Selbstkritik auch der Größte der Großen 
einmal straucheln kann. 

Rabbiner A.J.Kuk schrieb: "Die Schlechtigkeit in der Welt findet 
im Menschen" ihren Platz, "von Tag zu Tag wird sie stärker, 
bringt seine Kraft zur Erhebung und zur spirituellen Erhöhung 
zum Guten zum Scheitern, der Trieb des Menschen beherrscht 
ihn von Tag zu Tag mehr... der Mensch muß seine Sünden vor 
sich ausformulieren... wenn der Mensch nicht die Selbstkritik 
vergißt, dann kann er die Schlechtigkeit von sich abschütteln, 
Stück für Stück, bevor sie eine solch große Menge auf ihn 
getürmt hat, daß er nicht mehr sein Haupt erheben kann. Und 
die Meister der Rechnungslegung räumen jeden Tag die 
angesammelte Bosheit hinfort... stellen damit ihre Seele 
gegenwärtig des Guten und des Heiligen" (Orot Hakodesch).

Die Regel: Jeden Tag Ethik lernen, jeden Tag vor sich selbst 
Rechenschaft ablegen. Man kann am Verhalten und an der 
Ausdrucksweise eines Menschen (auch bei einem Toraschüler) 
genau merken, ob jener täglich Werke der Ethik lernt und 
Selbstkritik übt. Dadurch verfügt er über eine besondere 
Sanftheit und eine besondere Reinheit. 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
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