DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MATTOT
Nr. 523
23. Tammus 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-32,42):
Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung der Midjaniter und 
Aufteilung der Beute, Landzuteilung an die Stämme Gad und 
Re'uwen.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Schuldfrei vor dem Ewigen und vor Israel

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Die an Moscheh gerichtete Bitte der Stämme Gad und Re'uwen, 
ihnen ausgerechnet Weideland zuzuteilen, erscheint auf den 
ersten Blick harmlos und wird auch höflich präsentiert: "Wenn 
wir in deinen Augen Gnade gefunden..." (Num. 32,5), und 
deshalb behauptet Moscheh auch gar nicht, diese Bitte sei nicht 
rechtmäßig, sondern "nicht sauber", "schuldfrei", da sie den 
Zusammenhalt des Volkes gefährden könnte, wie er ihnen 
sagte: "Und warum wollt ihr das Herz der Kinder Israel von dem 
Zuge in das Land abwegig machen?" (Num. 32,7). Diese 
Behauptung begründet er mit der Forderung: "seid schuldfrei 
vor dem Ewigen und vor Israel" (Num. 32,22). Aus Moschehs 
Worten lernen wir, daß die für die Entscheidungen 
Verantwortlichen nicht nur deren Gesetzlichkeit in ihre 
Überlegungen einbeziehen müssen, sondern auch die 
möglichen Konsequenzen für den Zusammenhalt der 
Allgemeinheit, ob sie dem beförderlich sind, oder g~ttbehüte zur 
Spaltung und Minderung des Patriotismus führen. Der Talmud 
erzählt im Traktat Sanhedrin (102b) von Rav Aschi, der den 
König Menasche fragte [der ihm im Traum erschien]: Wenn ihr 
doch so weise wart, warum dientet ihr dann Götzen? Darauf 
antwortete ihm Menasche: Wenn du in unserer Generation 
gelebt hättest, hättest du den Saum deines Mantels 
hochgehoben, damit er dich nicht beim Laufen zum 
Götzendienst behindert. Der Götzendienst ändert sich von 
Generation zu Generation, jede Generation hat ihren eigenen 
besonderen Götzendienst, und das allen Gemeinsame ist die 
Bevorzugung eines bestimmten Grundwertes, der alle anderen 
Grundwerte zur Seite drängt. Im Namen dieses besonderen 
Grundwertes ist es dann erlaubt, alle Andersdenkenden zu 
zerschmettern und zu zerstören. So war es zur Zeit des 
Kommunismus, und der "Götzendienst" unserer Zeit ist die 
"Demokratie". Nicht etwa, daß die Demokratie an sich etwas 
Schlechtes wäre, im Gegenteil, ihrem Potential nach ist sie die 
beste Herrschaftsform und wir müssen sie um jeden Preis 
hüten, doch gleichzeitig kann man sie mit dem Prophetenwort 
vergleichen: "Gerade sind die Wege des Ewigen, die Gerechten 
wandeln darauf und die Missetäter straucheln darauf" (Hoschea 
14,10). Sogar die "Wege des Ewigen", die wohl das Positivste 
sind, was man sich denken kann - in den Händen der 
"Missetäter" werden sie zu Stolpersteinen. Und so wandeln wir 
heute mit blinden Augen nach dem Zauber der Demokratie und 
ermöglichen in ihrem Namen die übelsten Missetaten.

Noch vor ungefähr hundert Jahren schrieb Theodor Herzl, der 
Denker der zionistischen Idee und der Gründer der zionistischen 
Weltorganisation (in dem viele der heutigen Anhänger der 
Demokratie ihren geistigen Führer sehen) in sein Tagebuch (1. 
Teil, 21. Juni 1895) die folgenden Worte: "Ich bin gegen die 
Demokratie, weil sie kein Maß kennt, weder im Guten wie im 
Bösen, und zu parlamentarischem Geplänkel führt und zu jener 
Art geldgieriger Politiker... die Demokratie ist ein politischer 
Unsinn, den die Massen nur in einer Zeit revolutionärer 
Gefühlswallung aufsichnehmen werden". Damit meinte Herzl, 
daß die "Demokratie" unter die Fuchtel von "geldgierigen 
Politikern" kommen könnte, die die Herrschaft auf Wegen des 
Betruges und des Ämterkaufes erreichen, und nachdem sie erst 
einmal an der Macht sind, wollen sie von ihren 
Wahlversprechen nichts mehr wissen und verfahren im Namen 
der Demokratie, wie es ihnen in den Sinn kommt, auch gegen 
den Willen ihrer Wähler. Und das ist es, was Moscheh den 
Söhnen Gad und Re'uwen sagt, daß nämlich die Führung ihrer 
öffentlichen Angelegenheiten nicht nur dem Buchstaben des 
Gesetzes entsprechen müsse, sondern vor allem sauber, 
"schuldfrei" sein muß, und nicht nur vor G~tt, nicht ein "Schurke 
unter Ausnutzung der Toragesetze" zu sein, sondern auch in 
den Augen Israels, um nicht durch seine Entscheidungen die 
patriotische Moral der Allgemeinheit zu schädigen, "warum wollt 
ihr das Herz der Kinder Israel von dem Zuge in das Land 
abwegig machen?" - vielmehr: "seid schuldfrei vor dem Ewigen 
und vor Israel". 
 
 
 
HaRav Aviner

Schwere Liebe

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Für manche Leute verspüre ich eine ganz natürliche Sympathie, 
ich habe sie einfach gerne. Das ist allerdings keine große 
Kunst. Es gibt aber auch Leute, mit denen ich nicht 
übereinstimme und die mich aufregen, von denen ich denke, sie 
schaden der Nation. Da bedeutet es für mich eine besondere 
Herausforderung, gerade diese Leute zu lieben. Darum suche 
ich ihre guten Seiten, um sie zu lieben, denn es kann doch nicht 
angehen, daß sie 100% böse sind. Diese Arbeit ist nicht immer 
ganz leicht, aber sehr interessant, sehr befriedigend und zudem 
eine große Mitzwa, denn der Herr der Welt hat es sehr gerne, 
wenn einer den Nächsten liebt. 

Jedes Mal sind es andere Leute, die mir zusetzen und mir 
Schmerz bereiten. Jedes Mal muß ich mich von neuem 
anstrengen, sie zu lieben. Heute setzen mir ganz furchtbar die 
Verantwortlichen der "Abkoppelung" [Übergabe der jüdischen 
Siedlungsgebiete im Gasastreifen an die Araber nach 
Deportation der jüdischen Bewohner] und deren Helfershelfer 
zu. Ich weiß nicht, ob es seit Gründung des Staates Israel 
jemals Leute gab, die mir solch schrecklichen Seelenschmerz 
bereiteten. Darum fällt mir die Nächstenliebe in letzter Zeit 
schwer. Wo aber steht in der Tora, daß man eine schwere 
Mitzwa nicht zu erfüllen braucht? Die Liebe zu meiner Frau und 
meinen Kindern strömt von ganz alleine, dafür brauche ich mich 
nicht anzustrengen. Wenn ich sie sehe, ja wenn ich nur an sie 
denke, überkommt mich ein Gefühl der Sehnsucht und der 
Wonne.

Jene aber, die Juden aus ihren Häusern vertreiben wollen - fällt 
es schwer, zu lieben, und trotzdem versuche ich, ihnen gute 
Seiten abzugewinnen, vielleicht sind sie doch gar nicht so 
schlecht, vielleicht irren sie sich einfach nur oder sind verwirrt. 
Das soll natürlich keine Rechtfertigung ihrer Taten sein und 
befreit mich sicher nicht vom Kampf gegen ihre Ansichten - es 
bietet aber keinen Anlaß zum Haß. So wie ich keinen hasse, der 
g~ttbehüte den Schabbat entweiht, hasse ich auch diese nicht. 

Es gibt aber noch Schlimmere: Leute, die mich hassen und mich 
beleidigen und gegen mich aufhetzen. Dann habe ich Lust, sie 
dafür zu hassen. Sie behaupten, zwischen Siedlern wie mir und 
den Hamas-Terroristen bestehe gar kein Unterschied; daß ich 
den Staat an den Abgrund bringe; daß ich den Mord an Rabin 
mitverschuldet habe; daß ich das Volk spalte; daß ihnen 
Palästinenser lieber sind; daß ihnen ein Bruderkrieg egal wäre, 
da sie sich nicht als meine Brüder fühlen und schlimmstenfalls 
vor einem Bruderkrieg nicht zurückschrecken. Da habe ich 
schon Lust, ihnen zu sagen: Wenn du mich liebst, liebe auch ich 
dich, und wenn du mich haßt, dann hasse auch ich dich. Doch 
werde ich mich überwinden und von mir aus der Erste sein, der 
Liebe zeigt. Vielleicht werde ich damit auf Gegenseitigkeit 
stoßen. Schade, daß sie so über mich denken, trotzdem sind es 
meine Brüder, und ich liebe sie. Sie kennen mich nicht 
persönlich, und wenn sie mich kennen würden, hoffe ich, daß 
sie ihre Meinung änderten. Wollen wir das Beste hoffen. Auch 
wenn sie mich hassen, werde ich sie lieben. Das deprimiert 
zwar etwas, doch fühle ich dabei gerade eine ganz wunderbare 
Erhebung.

Es gibt aber noch Schlimmere: Jene, die mich kriminalisieren. 
Das ist schon echte Böswilligkeit. Zum Beispiel verbreiten sie, 
ich wäre gewalttätig. Ich gewalttätig?! Wenn es nicht so traurig 
wäre, könnte man darüber lachen. Ich gewalttätig?! Manchmal 
sehe ich bei Demonstrationen und Straßensperrungen, wie 
unsere Leute Prügel beziehen und nicht zurückschlagen, 
einmal, weil sie wirklich nicht gewalttätig sind, und zum anderen, 
damit sie nicht noch mehr geschlagen werden. Ich bin übrigens 
gegen Straßensperrungen, doch das gehört hier nicht zum 
Thema, sondern die begleitende Gewalttätigkeit; geprügelte, 
verletzte und zerrissene Jugendliche. G~ttseidank kommt das 
nur selten vor, es ist aber trotzdem furchtbar. Und hinterher 
kommen Leute von den Massenmedien, und manchmal von der 
Polizei, die behaupten, jene Jugendliche seien gewalttätig! Das 
ist doch abgrundtiefe Bosheit! Jetzt habt ihr mich erfolgreich auf 
die Palme gebracht. Trotzdem werde ich mich überwinden. Ich 
werde euch weiter lieben. Wisset nur, daß ich getroffen bin, tief 
getroffen. 

Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, daß ihr doch 
versprochen habt, keine Provokateure mehr zu schicken. Ihr 
macht aber weiter damit. Ihr wollt die Bewohner des Katif-
Gebietes auf die Straße setzen, und darum wollt ihr vorher ihr 
Ansehen und das ihrer Freunde in den Schmutz ziehen. Streitet 
es nicht ab! Wir alle haben es wieder und wieder bemerkt. Das 
ist wirklich verbrecherisch. Entschuldigt meine Ausdrucksweise. 
Wie wollt ihr, daß ich euch liebe? Ihr macht es mir wirklich 
schwer. Ich habe mir zwar vorgenommen, zu lieben, doch wie 
ist es möglich? Darauf komme ich noch zurück, denn jetzt ist 
mir ein brennendes Thema eingefallen. 

Ihr übt manchmal Gewalt gegen uns. Neulich nahm ein 
Bekannter an einer Straßensperrung teil - ich erwähnte bereits, 
daß ich dagegen bin - da steigt jemand aus seinem Auto aus 
und sticht ihn nieder! Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?! 
Und die Polizei nimmt den Täter nicht fest. Ein anderer droht: 
Ich werde mir einen Muskelmann zulegen und auf jeden 
loslassen, der an der Kreuzung einen orangenen Katif-
Sympathiestreifen aufhängt. Ich hoffe, er wird seine Worte nicht 
wahrmachen. Ein anderer schoß mit einem Luftgewehr aus 
seinem Auto auf Jugendliche, die orangene Streifen verteilten, 
und verletzte zwei von ihnen. Ein Glück, daß er nicht besser 
getroffen hat. Das Lieben wird immer schwieriger.

Vielleicht werdet ihr jetzt sagen: Das sind doch Ausnahmefälle, 
verallgemeinere nicht! Beschuldige nicht! Ok, ich akzeptiere 
das. Manchmal handelt es sich gar nicht um Ausnahmefälle; 
was ich sagen wollte, Gewalttätigkeit erfolgt nämlich nicht 
immer nur durch physische Kraft. Alle stimmen überein, auch 
seine Anhänger, daß unser Regierungschef alles niederwalzt 
und mich mit Füßen tritt. Also warum schaut ihr zu und 
schweigt?

Es kommt aber auch zu echter Gewalttätigkeit. Ich erwähnte 
bereits meine Gegnerschaft bezüglich der Straßensperrungen, 
doch die daran beteiligten Jugendlichen sind Idealisten, die 
Israel lieben und dafür Examen sausen lassen und ihre Bildung 
aufs Spiel setzen und ihre Zukunft riskieren. All dies für ein 
Ideal, es tut ihnen wirklich weh um das Land Israel. So einer 
kommt nach Hause, muß sich ein Machtwort von den Eltern 
anhören, hinterher in der Schule, und auch von mir manchmal, 
aber ich liebe ihn ja - doch die Schläge, die er von der Polizei 
ensteckt - ein erschütternder furchteinflößender Anblick. Man 
konnte das im Fernsehen und Internet sehen. Er leidet lange an 
den Schmerzen, und auch seine Seele nimmt Schaden. 

Es fällt mir schwer, solche Polizisten zu lieben. Ich versuche, 
aber es ist schwer. Vielleicht könnt ihr mir dabei helfen. Gut, ich 
werde es versuchen. Anscheinend hat man diese Polizisten 
gegen ihren Willen in diese unmögliche Situation gebracht, 
darum verloren sie die Selbstbeherrschung. Hm, klingt nicht 
sehr überzeugend. Vielleicht haben Sie auch Verdienste, sie tun 
nicht nur Böses, sondern auch gute Sachen. Kann sein. Und 
vielleicht tun sie auch die bösen Dinge in Erfüllung des 
himmlischen Willens - grundsätzlich eine mögliche Behauptung, 
in unserem Fall aber sehr unwahrscheinlich. 

Es geht hier wohl um "das Tier im Menschen", oder in den 
Worten der kabbalistischen Weisen: die tierische Seele (Tanja
Orot Hakodesch III, S.235). Im Menschen gibt es das "Ebenbild 
G~ttes" und auch das "Tier im Menschen". Jeder Mensch, auch 
ich, hat gewalttätige Züge - man muß sie aber überwinden.

Gut, ich werde mich beruhigen. Es ist schwer zu lieben, aber es 
lohnt sich. Ich werde sie alle lieben, auch die, die einen 
strengen Geruch ausströmen - von Bruderhaß und grundlosem 
Haß. Ich liebe und umarme sie alle, - auch diejenigen, die mich 
vertreiben wollen. Ich werde niemals vergessen, daß wir alle 
einen Staat bilden, wir sitzen alle im selben Boot, und ich werde 
mich nicht davon "abkoppeln". Ich glaube, fast alle denken so. 
Und selbst wenn einer anders redet - dann glaube ich ihm 
einfach nicht. Der sagt das doch nur so.

Also, eine Sache ist mir nicht ganz klar: Wenn ich alle liebe, 
warum lieben sich nicht alle gegenseitig? Das wäre doch 
wunderschön, und wir würden jedes Problem lösen. 
 

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