DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MASS'EH
Nr. 524
1. Aw 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 33,1-36,13):
Liste aller Reisestationen während der Wüstenwanderung, 
Gebot der Austreibung der Kana'aniter, die 6 Levitenstädte, 
Gesetz von der Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht für 
Frauen; Ende des 4. Buches Moscheh.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die zwei Gebote

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

In der ganzen Tora gibt es nicht noch einen Abschnitt, der so 
wie dieser vom Lande Israel handelt, von den Grenzen des 
Landes, von seiner Eroberung und von seiner Besiedlung. 
Selbst die Reisestätten in der Wüste, die am Anfang des 
Wochenabschnittes aufgezählt werden - auch diese dienten 
dem Ziel, ins Land Israel zu gelangen; ebenso der Schluß mit 
der Zuteilung von Boden als Erbteil an die Töchter Zelofchads, 
über die es heißt: "die das Land liebten" (Raschi zu Num. 26,64). 

In der Parscha findet sich folgender Vers: "Und ihr sollt das 
Land in Besitz nehmen und sollt darin wohnen, denn euch habe 
ich das Land gegeben, es zu besitzen" (Num. 33,53) - der Dreh- 
und Angelpunkt der ganzen Geschichte. Dieser Vers lehrt uns, 
das Gebot der Ansiedlung im Lande durch zwei Taten zu 
erfüllen: 1. Eroberung, und 2. Besiedlung. Raschi schreibt: "ihr 
sollt das Land in Besitz nehmen - ihr sollt seine Bewohner 
austreiben, und dann sollt ihr darin wohnen, könnt ihr darin 
bestehen, und wenn nicht, könnt ihr nicht darin bestehen". 
Diese Worte erklärte Rabbiner Chajim ben Attar in seinem 
Torakommentar "Or Hachajim": "Das Gebot besteht im 'in Besitz 
nehmen', aber 'darin wohnen' ist ein Versprechen". Nach seiner 
Deutung gibt es nur ein Gebot, und zwar die Eroberung des 
Landes, und wenn wir es dann würdig sind, werden wir das 
Land in Sicherheit bewohnen. Dann fügte der "Or Hachajim
noch hinzu, daß Rabbiner Moscheh ben Nachman 
("Nachmanides") das Gebot gerade in der Besiedlung des 
Landes sah, auf das sich das Gesetz stützt, daß Alle nach dem 
Lande Israel einwandern. Mit anderen Worten: Nachmanides 
widerspricht Raschi, und nach seiner Ansicht besteht das Gebot 
in der Besiedlung des Landes, während die Eroberung nur das 
Mittel zu diesem Zweck darstellt. Der "Or Hachajim" entscheidet 
zwischen diesen Auffassungen zugunsten Raschis: "Die 
einfache Wortbedeutung scheint wie die Erklärung Raschis zu 
sein, was sich aus dem Schluß des Verses entnehmen läßt: 
denn euch habe ich das Land gegeben, es zu besitzen; wenn 
nämlich die Besiedlung das Gebot wäre, hätte der Vers diese 
als Hauptsache zu erwähnen und geheißen: denn euch habe 
ich das Land gegeben, es zu bewohnen".

Wie dem auch sei besteht das Gebot von der Besiedlung des 
Landes aus zwei Tätigkeiten, die Inbesitznahme (Eroberung) 
und die Besiedlung (Bewohnen). Nachdem es uns aber 
vergönnt war, das Land sowohl zu erobern als auch zu 
besiedeln, müssen wir wissen, daß das Land Israel nicht 
irgendeine Immobilie ist, mit der man nach Belieben Geschäfte 
machen kann, sondern ein Land "beständig sind die Augen des 
Ewigen deines G~ttes darauf, vom Anfang des Jahres bis zum 
Ende des Jahres" (Dt. 11,12), und wenn wir aus freier 
Entscheidung damit Unfug treiben, so hat das seinen Preis. Das 
Land wird darauf reagieren, schlimmstenfalls wird "das Land 
euch ausspeien" (Lev. 20,22). Selbst das Tempo der Eroberung 
wird nicht von uns bestimmt, auch hierbei offenbart uns die Tora 
ein Vorgehen Schritt für Schritt: "Und der Ewige dein G~tt wird 
diese Völker vor dir austreiben, nach und nach; du wirst sie 
nicht schnell aufreiben können, daß sich nicht mehre wider dich 
das Gewild des Feldes" (Dt. 7,22). Entsprechend gilt für die 
"nach und nach" erlangten Gebiete das Gebot der Besiedlung, 
jedes Gebiet, das in unsere Hände fällt, müssen wir bewohnen. 
Auch bezüglich der Ansässigen legte uns die Tora 
Beschränkungen auf und erlaubte uns, Fremde (Nichtjuden) bei 
uns wohnen zu lassen, und wie Rabbiner A.J.Kuk an 
verschiedenen Stellen schrieb, besteht diese Möglichkeit nicht 
im nachhinein, sondern von vornherein: "...und das ist der 
Beisaßproselyt, der Fremde in unseren Toren, den unsere 
heilige Tora zu erwähnen nicht verabsäumte als jemanden, der 
unserem gesellschaftlichen Leben beigezogen ist, und wir 
geben ihm unter uns Lebensunterhalt und Arbeit als hoheitlich 
herrschendes Volk im Lande und freigebigen Geistes". 
Gleichzeitig aber fordert die Tora von uns, die schlechten 
Fremdlinge aus unserem Land zu entfernen, die Böses gegen 
uns im Schilde führen, sonst, wie es in unserem 
Wochenabschnitt heißt, "werden die, die ihr verschonet von 
ihnen, zu Dornen in euren Augen und zu Stacheln in euren 
Seiten, und sie werden euch befeinden in dem Lande, in 
welchem ihr wohnet" (Num. 33,55). Wenn wir uns heute also 
fragen, warum uns so viele Probleme um Gusch Katif plagen, 
dann müssen wir uns in Erinnerung rufen, daß wir im Zuge der 
Oslo-Abkommen zehntausende Mörder mit dem Blut tausender 
jüdischer Bürger an den Händen ins Land zurückbrachten, und 
wie bereits Raschi in dem oben erwähnten Zitat andeutete: "ihr 
sollt das Land in Besitz nehmen - ihr sollt seine Bewohner 
austreiben, und dann sollt ihr darin wohnen, könnt ihr darin 
bestehen, und wenn nicht, könnt ihr nicht darin bestehen". Und 
der "Or Hachajim" schrieb zum Vers "und sie werden euch 
befeinden in dem Lande, in welchem ihr wohnet": "Wenn wir 
den schlechten Fremdlingen Herrschaft über einen Teil des 
Landes Israel geben, werden sie sich nicht mit diesem Teil 
begnügen, sondern auch den in Israels Hand befindlichen 
[fordern], den ihr bewohnt. Auch dort werden sie euch befeinden 
und zu euch sprechen: Hebet euch hinweg!". Aus den Worten 
der Tora, Raschis und des Or Hachajim lernen wir, daß wir mit 
dem Lande Israel nicht alles machen können, was uns in den 
Sinn kommt und die Reaktion des Landes auf unsere Taten 
ignorieren.

Lassen wir uns in unserer Standfestigkeit nicht beugen; auch 
wenn es g~ttbehüte Verzögerungen im Ablauf unserer 
nationalen Wiedererstehung gibt, werden wir auf unserem Weg 
fortfahren, und G~tt wird uns zur Seite stehen.
 
 
 
HaRav Aviner

Unmöglich für die Armee?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Zahal kann das nicht! (Zahal=die israelischen 
Verteidigungsstreitkräfte). "Kann nicht" gibt's nicht! Höchstens 
"will nicht". So sagt man in der Armee, und zu recht. Überhaupt 
gibt es sowas nicht, daß Zahal eine Mission nicht erfüllen kann. 
Wenn Zahal das nicht kann, dann ist das nicht mehr Zahal. So 
lautet das Prinzip. Es gibt aber keine Regel ohne Ausnahme. 
Und es gibt sogar ein umgekehrtes Prinzip, daß Zahal nicht 
kann, und wenn es könnte, wäre es nicht mehr Zahal

Wenn Zahal ganze jüdische Ortschaften im Lande Israel 
unterpflügt - dann ist das nicht mehr Zahal. Wenn Zahal einen 
Bruderkrieg anfängt, der, wie vom Amt des Ministerpräsidenten 
verlautet, g~ttbehüte mehrere hundert Getötete fordern kann, 
dann ist das nicht mehr Zahal. Denn Zahal soll, wie der Name 
schon besagt, die jüdische Nation verteidigen, aber sicher nicht 
gute und friedliche Juden aus ihren Häusern vertreiben, um 
diese dann an ihre Mörder zu übergeben. Wenn Zahal Männer, 
Frauen und Kinder auf die Straße wirft, ohne Haus, ohne 
Einkommen, ohne Schule, dann ist das nicht mehr Zahal, die 
israelische Verteidigungsarmee, sondern die israelische 
Vertreibungsarmee, oder die israelische Entwurzelungsarmee, 
oder die israelische Weglaufarmee.

Folgenden Brief erhielt ich von einem Offizier: "Ich bin ein 
Abteilungskommandant bei der Infanterie, und wir wurden zur 
Räumung von Bürgern [aus dem Katif-Gebiet] eingeteilt. Wir 
wurden auf verschiedene Szenarios trainiert, und in jedem Fall 
wurde kein Zweifel daran gelassen, daß die Befehle mit einem 
Maximum an Einfühlungsvermögen und einem Minimum an 
Gewaltanwendung ausgeführt werden müssen. Nur ein einziges 
Szenario wurde nicht in Betracht gezogen, und zwar ganz 
einfach, daß wir dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Nicht 
weil wir nicht stark genug wären, sondern weil wir einen Juden 
nicht von seinem Land entfernen können, besonders nachdem 
wir ihn so eine lange Zeit unter Einsatz unseres Lebens 
beschützt haben. Eines ist vollkommen klar, wenn es soweit ist, 
wird es einen Marschbefehl geben, aber keine Soldaten, die ihn 
ausführen. Darum bitte ich Sie, jegliche Gewalt [bei Aktionen 
gegen die Räumung] zu vermeiden, die alles zerstören würde. 
Wir sind dieser Aufgabe nicht gewachsen, im Gegenteil, wir 
werden den Betroffenen helfen, in ihre Häuser zurückzukehren. 
Ich schließe mit der Feststellung, daß ich zu den Nichtreligiösen 
gehöre und stolz darauf bin, den es freut, daß es noch 
klardenkende Juden im Lande gibt. Für euch ist es mir wert, zu 
kämpfen, zu wachen und unser Land und unseren Staat zu 
verteidigen. So wie mich gibt es noch viele, viele andere, die 
noch nicht den Mund aufgemacht haben. Am Tage des 
Einsatzes jedoch werden wir von ihnen hören. 

Mit gebrochenem Herzen und Tränen in den Augen werde ich 
allen sagen, daß wir alle Brüder sind, und mit Brüdern streitet 
man nicht. Auf Wiedersehen im Katif-Gebiet".

Glücklich der Soldat, der nicht fähig ist, glücklich der Soldat, der 
Mensch bleibt, der ein Jude mit jüdischem Herzen bleibt, - das 
sie nicht ausrotten konnten, was ihnen auch niemals gelingen 
wird.
Glücklich die Armee, die in menschlicher Hinsicht keinen 
Selbstmord begeht. Glücklich die Armee, die ihre Soldaten nicht 
in Stücke zerreißt, sie nicht mit einem unmöglichen Dilemma 
konfrontiert und nicht von einem Bruder verlangt, den anderen 
samt Frau und Kindern zu schlagen. Glücklich die Armee, die 
sich nicht mit Gehirnwäsche beschäftigt, jene abscheuliche 
Methode, die die Koreaner im Koreakrieg auf kriegsgefangene 
Amerikaner anwandten, um sie "umzudrehen".

Glücklich die Armee, die keine Milliarden ausgibt, um Juden zu 
vertreiben und eine sicherheitspolitische Katastrophe über 
andere Juden heraufbeschwört, die im nördlichen Negev und im 
Scharon-Küstengebiet wohnen. Glücklich die Armee, die sich 
nicht zur Verteidigungsarmee des Ministerpräsidenten vor 
strafrechtlicher Verfolgung umfunktionieren läßt. Glücklich die 
Armee, die die Brüderlichkeit nicht ausradiert. 

Wenn Zahal nun nicht kann, und sich dabei auch vielleicht nicht 
ganz wohl fühlt, werden wir sie trösten und ihr sagen, daß sie 
Eigenschaften des Schöpfers emuliert, denn es gibt auch Dinge, 
die der Herr der Welt nicht kann, wie unser großer Lehrer, 
Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") bereits 
erwähnte: daß G~tt keinen zweiten wie sich schaffen kann und 
auch zu keiner körperlichen Gestalt werden kann - was ihm 
allerdings nicht als Unvermögen oder Schwäche angerechnet 
werden kann ("Führer der Unschlüssigen" II,13). Und wir wollen 
hinzufügen, daß der Herr der Welt nichts Unmoralisches tut, 
und auch nichts Unlogisches, und auch das ist kein Zeichen 
eines Mangels, sondern im Gegenteil, von Erhabenheit.

Gleiches gilt für unsere Armee. Es kann nicht vorkommen, daß 
sie nicht unser Land verteidigen kann - entsprechend verteidigt 
sie es. Es kann nicht angehen, daß sie nicht mit dem Terror 
fertigwird - entsprechend wird sie mit dem Terror fertig. 
Gleichermaßen kann sie nicht der sanften Entrüstung 
standhalten: "Mein Bruder, du vertreibst mich?!"

Hier muß nur noch festgehalten werden, daß weder 
Befehlsverweigerung noch Meuterei infragekommen. Wir 
befassen uns nicht mit politischer Manipulation oder einem 
Gleichgewicht des Schreckens, sondern in Wirklichkeit mit den 
ethischen und menschlichen Hemmungen des Soldaten, der vor 
einem unlösbaren Dilemma steht, vor einem endlosen 
moralischen Problem, vor einem absoluten brüderlichem Nicht-
in-der-Lage-Sein.

Zwei nichtreligiöse, linksorientierte Soldatinnen hielten in 
Vorbereitung der Räumung der jüdischen Gebiete des 
Gasastreifens unzählige Seminare ab, wobei sie mit großer 
Begeisterung und Überzeugungskraft von der Pflicht zum 
Befehlsgehorsam sprachen. Und sieheda, eines Tages erhielten 
sie die Einberufung, selbst an der Vertreibung teilzunehmen. Da 
brachen sie in ein großes Wehklagen aus. Darauf wunderten 
sich die Soldaten: "Ihr habt doch selber ohne Unterlaß von der 
absoluten Pflicht gepredigt, diese Befehle auszuführen!". Darauf 
antworteten sie: "Sicher - aber doch nicht wir!".

Denn das ist und bleibt das Herz der Armee: Verbürgung einer 
für den anderen. Wir haben eine Armee, eine Polizei, das 
Zentrum der nationalen Übereinstimmung. Wir lieben unsere 
Armee und unsere Polizei so sehr, daß wenn sie einmal nicht 
können, wir sie umso mehr lieben werden, und so bleiben wir 
immer ein Volk und eine Armee.
 
 

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