DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 531
20. Elul 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):
Erstlingsfrüchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am 
Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim, 
ausführliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und 
Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.

Moza'ej Schabbat: Beginn der "Selichot" vor dem täglichen 
Morgengebet bis Erew Jom Kippur [Minhag Aschkenas]
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Wir haben gehorcht

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die beiden Gebote unseres Wochenabschnittes, die zu den 
letzten der Tora gehören, verlangen vom einzelnen Landwirt, 
vor G~tt Rechnung abzulegen. 

Beim Gebot der Erstlingsfrüchte muß er einen historischen 
Rückblick anstellen, wie es ihm vergönnt war, hier und jetzt im 
Tempel G~tt durch Darbringung der Erstlingsfrüchte seines 
Bodens Dankbarkeit zeigen zu können. Beim Gebot der 
Zehntabgaben muß er für die Gegenwart Rechnung legen, wie 
er mit größter Genauigkeit das Gebot der Verzehntung erfüllte, 
vom Absondern der Früchte bis zur Übergabe an den 
Empfänger. Die erste Abrechnung wird vor der eigentlichen 
Ernte angestellt, die zweite erst mit ihrer Beendigung. Beide 
Rechnungslegungen haben die große Freude gemeinsam, von 
der sie begleitet werden, in der festen Überzeugung, daß die 
Schlußbilanz positiv ausfallen wird.

Das Darbringen der Erstlingsfrüchte an sich enthält bereits eine 
Art Antwort und die Feststellung, daß das Volk Israel in seinem 
Lande lebt, eine nicht immer selbstverständliche historische 
Tatsache, wo seine Existenz fortwährender Bedrohungen 
ausgesetzt ist. Der Kommentar "Sefat Emet" vertieft diesen 
Gedanken weiter, indem er behauptet, die hauptsächliche 
Erfüllung dieses Gebotes fand bei seiner ersten Ausführung 
nach dem Eintritt ins Land statt, ein Ereignis, das die Größe der 
historischen Wandlung hervorhob, die das Volk Israel gerade 
erfuhr. Seitdem rekonstruiert jeder, der seine Erstlingsfrüchte 
zum Tempel bringt, die Ursprünglichkeit dieses mächtigen 
Erlebnisses.

Als Vervollständigung kommt der Abschnitt vom "Bekenntnis 
des Zehnten", bei der jeder Jude seine Bemühungen bei der 
Erfüllung des Gebotes der Verzehntung in allen seinen 
Einzelheiten bezeugt und hinzufügt: "Ich habe der Stimme des 
Ewigen meines G~ttes gehorcht, ich habe ganz so getan, wie 
du mir geboten" (Dt. 26,14). Das ist der allumfassende 
Ausspruch eines Juden, der im Lande Israel siedelt, durch den 
letztendendlich die Gebote G~ttes vollumfanglich erfüllt werden, 
und er seine Freude daran hat und andere damit erfreut. Wenn 
wir nun diese beiden Zeugnisse zusammennehmen, sehen wir 
das lebendige Volk Israel, mit G~ttes lebendiger Tora in seinem 
Innern, auch wenn die Dinge nur langsam zum Vorschein 
kommen und von schweren Krisen begleitet werden.

Vor diesem Hintergrund wird folgende Bitte geäußert: "O blicke 
herab (haschkifa) aus der Wohnung deiner Heiligkeit, aus den 
Himmeln, und segne dein Volk Israel" (Dt. 26,15), und der 
Raschikommentar dazu erklärt: "wir haben getan, was du uns 
befohlen hast; tue auch du, was dir zukommt zu tun". Wenn es 
auf den ersten Blick so aussieht, als gehe es hier um eine 
einfache und komplikationslose Angelegenheit von gutem Lohn 
für gute Taten, entpuppt sich diese Annahme als Irrtum. Raschi 
lehrte uns bereits im 1. Buch Moscheh die biblische Regel, 
"überall, wo in der Tora haschkafa (schauen) im Vers 
vorkommt, ist es zum Bösen, außer blicke herab aus der 
Wohnung deiner Heiligkeit - denn groß ist die Kraft der 
Armenabgaben; sie verwandelt die Eigenschaft des Zornes in 
Erbarmen" (zu Gen. 18,16). 

Der Kommentar "Schem MeSchmu'el" fügt eine weitere 
Erläuterung über die spezielle Kraft des Gebens hinzu, ein 
böses Urteil abzuwenden. Seiner Ansicht nach existiert das 
"böse Urteil" nicht nur im Bereich des Abstrakten als Kraft des 
Rechtes, die im himmlischen Gerichtshof die Anklage führt, 
sondern offenbart sich real vor unseren Augen. Die Existenz 
des Armen an sich, in seinem heruntergekommenen Zustand, 
das ist das böse Urteil, von dem die Rede ist, der Ausblick auf 
Böses, das bereits ein Geschöpf befallen hat, die Kraft des 
Rechtes, die bereits zur Ausführung kam. Die Größe des 
Gebens besteht nun darin, daß wir uns nicht mit dem bösen 
Urteil abfinden, sondern es mit eigenen Händen in ein Zentrum 
von Mildtätigkeit umfunktionieren und damit die Zeichen des 
göttlichen Zorns in eindrucksvolle Erscheinungen des 
Erbarmens umwandeln. 

Diese Eigenschaft der Barmherzigkeit offenbart sich immer 
wieder im Volke Israel, in verschiedenen Formen und 
vielfältigen Wegen in weitreichendem Maße, und es genügt 
sicherlich zum Zeugnis "wir haben ganz so getan, wie du uns 
geboten". Nur vor diesem Hintergrund kann man zur Liste der 
Verfluchungen übergehen, die den Schwerpunkt dieses 
Wochenabschnittes bildet, auf daß wir mit G~ttes Hilfe erleben: 
"beendet hat sich ein Jahr und seine Verfluchungen" (aus dem 
Gebet "Achot Ktana" vor Rosch Haschana).
 
 
 
HaRav Elijahu

Es soll nicht geschehen
 

Rav Mordechai Elijahu 
(früherer sefardischer Oberrabbiner Israels)

Wir sprachen und beteten und hofften und weinten, "das soll 
nicht geschehen" (Jeches.20,32). Und wir wiederholen auch 
heute: "das soll nicht geschehen". G~tt schwor unseren 
Vorvätern Awraham, Jizchak und Jakov, daß dieses Land uns 
gehören werde. Eintausendneunhundert Jahre lang gaben wir 
die Hoffnung und die Überzeugung nicht auf, hierher 
zurückzukehren, denn "keines deiner Worte wird leer ausgehen" 
(aus dem Segensspruch nach der Haftara). G~ttseidank kehrten 
wir ins Land Israel zurück, genauso, wie es G~tt unserem 
Lehrer Moscheh vor 3300 Jahren versprochen hatte. "So wird 
der Ewige dein G~tt deine Gefangenen zurückführen und sich 
dein erbarmen, und dich wieder aus all den Völkern sammeln, 
dahin der Ewige dein G~tt dich zerstreut hat. Wenn deine 
Verstoßenen am Ende des Himmels sein werden, so wird von 
dorther der Ewige dein G~tt dich sammeln, und von dorther dich 
holen" (Dt. 30,3-4).

Wir durften bereits den Anfang der Erfüllung dieses 
Versprechens miterleben, und wir sind sicher, auch die 
vollständige Erfüllung dieser Prophezeiung ansehen zu können. 
"Und der Ewige dein G~tt wird dich in das Land bringen, das 
deine Väter besessen, und du wirst es besitzen, und er wird dir 
wohltun und dich vermehren mehr als deine Väter. Und der 
Ewige dein G~tt wird dein Herz beschneiden und das Herz 
deiner Nachkommen, zu lieben den Ewigen deinen G~tt mit 
deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, auf daß 
du lebest" (V.5-6). 

Wir sind uns des Eintreffens dieses göttlichen Versprechens 
sicher. Genau deshalb beten wir. Seinetwegen wanderten wir 
ein, und dieses Versprechen gab uns die Kraft zum Aufbau, 
zum Pflanzen und zum Säen. Mit dieser Überzeugung beten wir 
um die weitere Erfüllung des Versprechens. 

Auch der Kampf um unsere Siedlungen im Katif-Gebiet beruhte 
auf diesem G~ttvertrauen. Es läßt sich nicht ohne G~ttvertrauen 
kämpfen. Es läßt sich nicht ohne Nachdrücklichkeit kämpfen. Es 
läßt sich nicht geplagt von Zweifeln kämpfen. Beim Kampf muß 
man sich seiner Sache vollkommen sicher sein. Und wirklich 
waren bei diesem Kampf die Hauptpunkte unsere Überzeugung 
und unser G~ttvertrauen, die uns die ganze Zeit begleiteten. Am 
Ende verloren wir leider die Häuser und die Siedlungen, die 
Pflanzungen und die Gewächshäuser, die Jeschiwot und die 
Lehrhäuser, die ganz besondere Schönheit der Siedlungen im 
Katif-Gebiet. Doch Überzeugung und G~ttvertrauen haben wir 
nicht verloren, auch nicht die Hoffnung. Wir haben uns an der 
Zerstörung des Siedlungswerkes nicht beteiligt. Wir sind an 
diesem furchtbaren Verbrechen nicht beteiligt.

Zwar hat ein Teil von uns einen Teil seines Eigentums verloren 
- die überwältigende Mehrheit aber wurde gerettet. Zwar leben 
wir heute wohl auf Hotelzimmer verteilt und ohne unsere 
eigenen Häuser. Doch "Geld und Besitz" spielten niemals die 
Hauptrolle in unserem Leben, sie bedeuteten höchstens eine 
wichtige Nebensache. Hauptsache waren für uns das Leben, 
die Erziehung, der Glauben und der Weg. Wir sind dort mit allen 
unseren Werten fortgezogen. Wir haben auf keinem Gebiet 
nachgegeben. Wir haben um unseren Weg bis zum letzten 
Augenblick gekämpft. Wir haben unsere Prinzipien nicht 
gebeugt, weder aus Schwäche und Müdigkeit, noch durch 
Unterwerfung und Nachgiebigkeit. 

Wer dort mit seinem Glauben herauskam, kann weitermachen, 
aufbauen, erfolgreich sein und das Verlorene wettmachen. Wer 
den Glauben verlor, aber seine Besitztümer gewann - für den 
wird es jetzt schwer werden. Wir machen weiter in Glauben. Wir 
sagen weiterhin "das soll nicht geschehen". Wir wissen, daß der 
Weg des Nachgebens keine Chance hat. Ein Weg, der gegen 
die Worte des lebendigen G~ttes führt, hat nicht die geringste 
Chance. Wer gegen den Schwur G~ttes an Awraham, Jizchak 
und Jakov angeht, hat keine Chance.

In der Geschichte gab es viele Führer, die gegen das Wort 
G~ttes ankämpften. Sie blieben auf der Strecke, und ihre Wege 
führten ins Nichts, "aber das Wort unseres G~ttes besteht 
ewiglich" (Jeschajahu 40,8).

Wir werden in das Katif-Gebiet auf größere und umfänglichere 
Weise zurückkehren. Mit G~ttes Hilfe werden wir dort in großer 
Sicherheit wohnen, in Seelenruhe, Frieden, still und sicher. 
Amen, möge es G~ttes Wille sein. 
MJ213
 

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