DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 501
17. Adar I 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):
Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für 
Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des 
Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des goldenen 
Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung 
der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im 
Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt, 
verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht 
den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40 
Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Moscheh und Elijahu

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Nicht von ungefähr wurde die Geschichte vom Propheten 
Elijahu als Haftara des Wochenabschnitts vom goldenen Kalb 
gewählt, und wir werden uns die Gemeinsamkeiten und auch 
die Unterschiede etwas näher ansehen. 

In beiden Fällen sündigt das Volk durch Götzendienst, in der 
Parscha - das Kalb, in der Haftara - der Götze Ba'al. In beiden 
Fällen erfolgt eine Handlung, die jeden Zuschauer bis aufs 
Innerste erschüttert. Hier zerbricht Moscheh die Gesetzestafeln, 
und dort fällt Feuer vom Himmel. Hier wie dort kommen die 
Götzendiener ums Leben. Hier 3000 Kalbanbeter, dort 950 
Priester des Ba'al und der Aschera. Beide Male geht der 
Prophet zum Berge Sinai, beide Male 40 Tage, nur daß 
Moscheh 40 Tage auf dem Berge weilt, während Elijahu 40 
Tage zum Berge hingeht. Beide erfahren dort eine göttliche 
Offenbarung: Moscheh in der Felsenkluft, Elijahu in der Höhle. 
Doch gerade die Ähnlichkeiten machen die Unterschiede 
deutlich. 

In der Geschichte vom goldenen Kalb tritt Moscheh als 
Fürsprecher des Volkes Israel auf, der seine Seele für den 
Weiterbestand des Bundes zwischen Israel und G~tt riskiert. 
Elijahu hingegen betont gerade ihre Unzulänglichkeiten. Bei 
seiner Begegnung mit König Achaw beschuldigt er diesen, ein 
"Verderbenbringer" zu sein (Kö.I 18,18), und bei seiner 
Begegnung mit G~tt sagt er: "..denn verlassen haben deinen 
Bund die Kinder Israel: deine Altäre haben sie niedergerissen, 
und deine Propheten haben sie mit dem Schwerte erschlagen" 
(19,10). Moscheh fleht G~tt an, Israel nicht zu bestrafen, 
wohingegen Elijahu an der Strafung durch Dürre beteiligt ist, sie 
vielleicht sogar betreibt. Der Unterschied kommt besonders im 
Resultat zum Ausdruck. Moscheh bleibt dem Volk als 
Oberhaupt auf lange Jahre verbunden, während Elijahu in die 
Wüste geht und sich einen Nachfolger suchen kann. Moscheh 
erhält die (nachträgliche) göttliche Zustimmung zu seiner Tat: 
"Jascher kochacha für das Zerbrechen!" (Midrasch raba), bei 
Elijahu hört sich das anders an: "..nicht in dem Winde war der 
Ewige... nicht in dem Erdbeben war der Ewige... nicht in dem 
Feuer war der Ewige...", sondern im "Ton sanften Säuselns" 
(Kö.I 19,11-12).

In der Tat findet eine schwere Auseinandersetzung mit dem um 
das goldene Kalb tanzenden Volk statt. Es sieht doch so aus, 
als sei guter Rat teuer, und man brauche nichts mehr von ihnen 
zu erwarten. Dazu kommt G~ttes verführerischer Vorschlag: 
"Nun denn, lasse mich, daß mein Zorn über sie entbrenne und 
ich sie vernichte; und ich will dich zu einem großen Volke 
machen" (Ex. 32,10). Man kann sehr leicht zu dem Schluß 
kommen, daß hier der Ausruf am Platze ist: "Geeifert habe ich 
für den Ewigen, den G~tt der Heerscharen" (aus der Haftara, 
Kö.I 19,10), mit Erdbeben, Wind und Feuer. Das ist allerdings 
nicht der richtige Weg. Drei Jahre Dürre, die mit sintflutartigen 
Regenfällen endet, vom Himmel fallendes Feuer, das das ganze 
Volk zum Ausruf hinreißt: "Der Ewige, der ist G~tt!" (Kö.I 18,39) 
- haben nicht die Kraft, eine wirkliche Wende zu bewirken. Zwar 
ist auch beim goldenen Kalb eine drastische Maßnahme 
angebracht, die Erschütterung hervorruft. Die Gebotstafeln 
zerbrechen. Das goldene Kalb wird eingeschmolzen und die 
Reste zerrieben. Die unmittelbaren Sünder trifft eine harte 
Strafe. Doch damit beginnt ein langwieriger Prozeß. Die nächste 
Stufe erfolgt durch das Gebot G~ttes: "Schreibe dir diese Worte 
auf" (Ex. 34,27), die Worte der Tora, die du tagtäglich und 
ausdauernd lernen sollst, "denn auf den Inhalt dieser Worte 
schließe ich mit dir einen Bund und mit Israel" (ebda.). Und 
sofort danach ist das ganze Volk zwecks Herstellung des 
Wüstenheiligtums und der dazugehörenden Geräte zu 
versammeln. Und wenn das Volk nicht in der Lage ist, 
Moschehs Gesicht wegen gleißender Strahlung anzuschauen, 
dann wird er eine Maske davorhalten, die den persönlichen 
Kontakt mit ihm ermöglicht. Bei Elijahu findet ein anderer 
Prozeß statt. Die Wirkung der eindrucksvollen Ereignisse auf 
dem Karmel-Berg verflüchtigt sich rasch. Elijahu, dessen hohe 
Erwartungen ihn auf Distanz zum Volk halten, steigt im 
Feuersturm gen Himmel, und an seiner Statt wird Elischa zum 
Propheten gesalbt. Elischa tritt nicht auf als am Tore 
mahnender Prophet, drohend und züchtigend, sondern als 
Ratgeber im Volke; er wirkt Wunder und bringt Rettung den 
Vielen wie den Einzelnen, streichelt und umarmt, mit dem Voke 
verbunden und Verbindung suchend.
 
 
 
HaRav Aviner

Finger weg von Zahal! 
(2. Teil)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Doch auch wenn ein Soldat oder ein Offizier in eine unmögliche 
Lage geraten sind, müssen sie trotzdem ihren Dienst in Treue 
fortsetzen. Sie dürfen sich nicht weigern, und schon gar nicht 
die Armee deswegen verlassen. Zahal ist schließlich kein 
staatliches Räumkommando, sondern im Großen und Ganzen 
eine Armee zur Rettung des Volkes und des Landes in 
Heiligung des göttlichen Namens. Auf keinen Fall verlassen wir 
die Armee. Womit hat die Nation das verdient? Was sind die 
Kinder schuld am Ehekrach der Eltern? Die Nation ist geteilter 
Ansicht, und der Regierungschef versteht es nicht, einen 
Konsensus zu erzeugen, sondern will mit Gewalt vollendete 
Tatsachen schaffen. Das rechtfertigt aber nicht, es ihm 
gleichzutun.

Auch wenn die Regierung verbrecherisch handelt und auch 
wenn der Staat verbrecherisch handelt und auch wenn die 
Armee gezwungen wird, verbrecherische Befehle auszuführen - 
so bleibt es doch immer unsere Armee, unser Staat und unsere 
Regierung. Man muß einfürallemal entscheiden: identifizieren 
wir uns mit dieser Armee - ja oder nein? Wisse, wer aus der 
Armee austritt, tritt aus der Nation aus. Das ist auch eine Art 
"Abkoppelung" [das offizielle Schlagwort für den Rückzug aus 
dem Gasastreifen] - vom Volke! Abkoppelung heilt man nicht 
durch Abkoppelung. Und noch etwas: Wer nicht mit dabei ist, 
kann auch keinen Einfluß ausüben. Du schießt dir bloß selbst 
ins Bein, und ein anderer wird deinen Platz übernehmen - so 
wie es bei den linken Wehrdienstverweigerern geschah. Der 
Autor des Buches "Em habanim smecha" gab seinem Schmerz 
Ausdruck, daß die streng-orthodoxen Juden vom großen Werk 
der Rückkehr nach Zion ihren Abstand hielten und darum nicht 
an ihm beteiligt sind - und dann regen sie sich auf, wenn die 
Dinge nicht so laufen, wie sie es gerne hätten. Als ob sie nicht 
wußten, "wer am Schabbat essen will, muß am Erew Schabbat 
vorbereiten" (Awoda sara 3a), und "wer des Feigenbaumes 
wartet, isset seine Frucht" (Sprüche 27,18).

Wenn keine private Absicht hinter der Verweigerung oder des 
Verlassens steht, sondern eine politische, macht das die Sache 
nur noch schlimmer. Militärische Aufgabe oder Rang dürfen 
nicht für politische Ziele zweckentfremdet werden. Ein Soldat in 
seiner Eigenschaft als Bürger darf sich durchaus mit Politik 
beschäftigen, aber nicht ein Soldat in seiner Eigenschaft als 
Soldat. Weder Soldaten noch Offiziere bestimmen das 
Schicksal des Staates, und wir werden hier keine Militärdiktatur 
einrichten. Darum wurde sofort bei Staatsgründung die Palmach 
aufgelöst. Vielmehr herrscht das Volk. Das Volk! Und wenn man 
nicht weiter weiß - dann macht man eine Volksbefragung! Nicht 
die Armee führt das Volk, sondern das Volk führt sich selber. 
Darum ist es besonders bitter, wenn der vom Volk für eine 
bestimmte Politik gewählte Regierungschef genau das 
Gegenteil davon tut. Die Armee dient dem Volk und benutzt 
seine Macht nicht zur Verschiebung politischer Zielvorgaben. 
Ein Verweigerer, ob von links oder rechts, ist draußen vor. 

Das ist das Prinzip: Bist du drinnen oder draußen?! Protest - 
drinnen. Demonstration - drinnen. Andere überzeugen - drinnen. 
Politik - drinnen. Aber Befehlsverweigerung - draußen. Hand 
erheben gegen einen Soldaten - draußen. Steinewerfen auf 
Offiziere - draußen. Einem Offizier zusetzen - draußen. 
Schwarze Listen von Offizieren und ihren Frauen - draußen. 
Verlassen des Armeedienstes - superdraußen.

Denk daran - das ist unsere Armee, die 99% der Zeit mit 
unserer Verteidigung beschäftigt ist, und nur 1% mit 
Schmutzarbeit, für die nicht der einfache Soldat die 
Verantwortung trägt, sondern die politische Führung: alle wissen 
doch, daß die Eroberung des Landes und die Herrschaft über 
das Land ein Gebot der Allgemeinheit und nicht des Einzelnen 
ist. Wenn, zu unserem Leidwesen, die Allgemeinheit nicht will, 
entfernt sich das Gebot auch vom Einzelnen, wie auch die 
Sünde, so daß er nicht als "Helfer der Übertretung" gilt oder 
"Stärkung der Hände der Sünder".

Denn dieses Gebot erfüllt man nicht unter Zwang. Wir sind 
überhaupt gegen Zwang. Wir sind für Religiosität und für eine 
jüdische Nation, aber gegen Religionszwang und gegen Zwang 
zu Nationalismus. So wie wir nicht wollen, daß unser 
Regierungschef und die linken Gruppierungen, die ihn stützen, 
Zwang ausüben, wollen wir auch nicht, daß die Siedler und die 
rechten Gruppierungen, die sie stützen, Zwang ausüben. Unser 
Regierungschef ist mit seiner unseligen Idee von der 
"Abkoppelung" nicht alleine, leider gibt es in unserem Land noch 
viele, die so denken. Man zwingt nicht für und auch nicht gegen 
das Land Israel. So wie ein Rechter keine Motivation aufbringen 
kann, eine Siedlung zu räumen, kann man einen Linken nicht zu 
der Motivation zwingen, für Jescha [Jehuda, Schomron und 
Gasastreifen] zu kämpfen, falls es Krieg geben sollte. Ohne 
Zwang! Nur mit Zustimmung!

Nebenbei bemerkt: Es wäre sehr naiv, zu glauben, man könne 
Zahal auf offenem Gelände besiegen. Ebenso naiv ist der 
Glaube, Befehlsverweigerung könne die "Abkoppelung" 
aufhalten. Das ruiniert bloß die Armee. Viele Soldaten sind ihren 
Offizieren treu und gehen mit ihnen durch Feuer und Wasser. 
Es wäre eine religiöse Überheblichkeit, zu glauben, die 
Rabbiner hätten alle religiösen Offiziere und Soldaten in der 
Tasche.

Im Gegenteil: All dieses Gerede schadet nur und lenkt von der 
Hauptsache ab. Anstatt über die furchtbaren Konsequenzen der 
"Abkoppelung" zu diskutieren, hält man sich mit Streitereien 
über Verweigerung und Gewaltanwendung auf. 

Kurz gesagt, die Regierung versündigt sich und zwingt die 
Armee zur Durchführung dieser Sünde, und "mit ihr [der Armee] 
sind wir in der Not" (nach Psalm 91,15). Ohne Zahal sind wir ein 
gespaltenes und zerstreutes Volk. Die Armee produziert 
Brüderlichkeit! Eine wunderbare Brüderlichkeit - zwischen 
rechts und links, Nichtreligiösen und Religiösen, Charedim und 
Zionisten! Die Armee bedeutet Einigkeit! Die Armee erfüllt Tag 
und Nacht große Gebote, auch wenn sie kein Käppchen auf 
dem Kopf hat.

"Mit ihm sind wir in der Not" (ebda.), in der Not wie auch in der 
Freude. So bringt uns der Herr der Welt voran, und wir werden 
ihm nicht sagen, daß es uns so nicht gefällt, sondern werden 
noch mehr Glauben und Liebe aufbringen.

Manche wenden ein, bei so vielen Ereignissen kam es schon zu 
Handgreiflichkeiten, und ich spreche von Liebe! - Genau darum 
spreche ich von Liebe! Nach den furchtbaren Ereignissen um 
die "Altalena" [ein Schiff mit Waffen für den gerade gegründeten 
Staat Israel, das auf Befehl von Jizchak Rabin und seinen 
politischen Freunden wegen innenpolitischer Rivalitäten unter 
Beschuß genommen und versenkt wurde] sagte unser Mentor, 
Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, nun müssen die Reserven jüdischer 
Nächstenliebe mobilisiert werden ("Lenetiwot Israel" II). 

Sicher stecken wir in einer tiefen Krise. Was machen manche 
Menschen, die in einer scheinbar aussichtslosen Lage stecken? 
Sie suchen Zuflucht bei Drogen, werden abhängig und kommen 
nicht wieder davon los. 

Auch wir haben eine Droge, ein Lebenselixier: jüdische 
Nächstenliebe! Je mehr wir uns von ihr leiten lassen, werden wir 
abhängig von ihr, kommen nicht mehr von ihr los, sondern 
nehmen immer größere und stärkere Dosen von dieser 
Lebensdroge ein.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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