DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH
Nr. 519
25. Sivan 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):
Putschversuch Korachs und seiner Anhänger gegen Moscheh 
und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden, andere werden 
von himmlischem Feuer verzehrt; deren Räucherpfannen 
dienen als Altarüberzug zum Mahnmal; anschließender Unmut 
im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon heilt; göttliches 
Wunder mit Aharons Stab bestätigt Führung durch Moscheh 
und Aharon; Bestimmung der Priester und der Leviten zum 
Tempeldienst und die ihnen zustehenden Abgaben.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Von G~tt gesandt

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Im Streit des Korach wird die Aufmerksamkeit vor allem auf 
diesen Mann, seine Partei und seine Behauptungen gelenkt, die 
in der Tora erwähnt werden, und in Beurteilung seiner 
Beweggründe und den Methoden seiner Propaganda fügten die 
Kommentatoren weitere hinzu, an denen sich das Muster aller 
Meinungsstreitigkeiten im Volke Israel bis auf den heutigen Tag 
ablesen läßt. Seinem Wesen nach diente dieser Streit dazu, 
einen großen Eindruck auf die gesamte Öffentlichkeit zu 
machen, und entsprechend wurde der passende Zeitpunkt und 
die demagogische Formulierung der Behauptungen gewählt. 
Wie wir den Toraversen entnehmen können, gelang es Korach 
auch, in weiten Teilen des Volkes Zweifel zu säen, das sich von 
seinen rhetorischen Fähigkeiten überzeugen ließ, und dazu trug 
nicht unwesentlich auch die Entschlossenheit derer bei, die das 
Räucherwerk darbrachten, die sich damit einer großen Prüfung 
unterwarfen und sich wissentlich der Gefahr aussetzten. 

Angesichts dieser eindrucksvollen Gemeinde, die anscheinend 
immer stärker wurde, ernteten Moschehs letzte 
Besänftigungsversuche der Streitparteien nichts als Spott, weil 
sie so sehr den Eindruck von Verzweiflung hinterließen, so daß 
nur noch durch göttlichen Eingriff die krankhafte Ausbreitung 
dieses Zwistes verhindert werden konnte, ohne den die 
Amtsenthebung von Moscheh und Aharon durch Korach 
unvermeidlich gewesen wäre. 

Hier stellt sich die Frage: Wie würden wir in einer ähnlichen 
Streitsituation reagieren, wenn die Aufrührer die Initiative 
ergreifen und in den Augen der Öffentlichkeit als die 
Entschlossenen erscheinen, als stärker und geeinter? Sollten 
wir uns dazu vollkommen passiv verhalten und zum Schöpfer 
beten, daß er ein Wunder geschehen lasse und zwischen dem 
Gerechten und dem Bösewicht unterscheide? Und wenn nicht, 
wie sollte man vorgehen, auf welche Weise eine 
gegengerichtete Unterstützung durch die Öffentlichkeit zu 
erlangen und einen Umschwung der öffentlichen Meinung zu 
erzielen? Darüberhinaus verboten einige der Rischonim 
(Rabbiner der Periode vor etwa 600-1000 Jahren) strengstens 
die Hinzuziehung potentieller Anhänger auf die Seite des 
Rechtes in einem Meinungsstreit, "daß man nicht sei wie 
Korach und sein Anhang (Num. 17,5) - daraus entnimmt man, 
daß man an einem Streit nicht teilnehmen darf". Wegen dieses 
Gesetzes machte der Chafez Chajim (Name und Verfasser 
eines Gesetzbuches zur Vermeidung übler Nachrede) darauf 
aufmerksam, daß zu dessen Übertretung das bloße Anhören 
von übler Nachrede und Klatsch bezüglich eines Streites 
ausreiche. Welche Möglichkeit der Verteidigung bleibt demnach 
der betroffenen Seite in einem Streit, der ihr gegen ihren Willen 
aufgezwungen wurde?

Diese Frage verpflichtet zu exakter religionsgesetzlicher 
Definition, was genau ein "Streit" ist und "jemand, der an einem 
Streit teilnimmt", doch ist dies nicht der geeignete Ort dafür. Auf 
ideeller Ebene jedoch bietet uns dieser Wochenabschnitt eine 
klare Unterscheidung zwischen der personenbezogenen 
Einstellung Korachs mit seinen Behauptungen und der 
sachbezogenen Einstellung Moscheh und Aharons, die in ihren 
Reaktionen und Aktivitäten zum Ausdruck kam. Korach 
sündigte darin, daß er seine spirituelle Größe sich selbst 
zuschrieb (Sefat Emet) und die ihm gebührende Würde des 
Anführers verlangte, und er erdreistete sich weiter zu der 
Behauptung, auch Moscheh sei aus diesem Holz geschnitzt und 
nutze seine Stellung zur Bevorzugung seiner 
Familienangehörigen. Obwohl er zugab, daß deren Einsetzung 
auf Weisung G~ttes erfolgte, verdächtigte er Moscheh, seine 
Stellung zu besonderen Bitten gegenüber G~tt auszunutzen, 
den Posten an seinen Bruder zu vergeben, und wenn ein 
Gerechter etwas beschließt, so erfüllt es G~tt (Ha'emek Dawar). 
Demgegenüber ließen sich Moscheh und Aharon nicht auf die 
Beschäftigung mit Personalfragen ein, und ihr Verhalten war 
ausschließlich von reiner Demut gekennzeichnet. 

Und die Moral von der Geschichte: Wenn jemand ankommt und 
auf seine persönlichen Verdienste pocht, wonach ihm ein 
bestimmter Status und Rechte zustehen, so gehört er dem 
Wesen nach zu Korachs Gemeinde, und er kann keine Vorzüge 
gegenüber seinen Konkurrenten geltend machen. Wenn er sich 
aber auf eine Mission berufen kann, mit der er beauftragt wurde, 
sei es direkt durch G~tt, sei es durch die Umstände des Lebens, 
wie sie ihm der Verursacher aller Dinge zukommen ließ, so 
gehört er prinzipiell der Gemeinde Moscheh und Aharons an, 
die keinerlei Position im Streit beziehen, sondern ausschließlich 
den Willen G~ttes ausführen, was letzendlich Bestand haben 
wird (siehe Mischna "Sprüche der Väter", 5.Kap.).
 
 
 
Frage und Antwort

Einfach normal sein

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich denke, wir sollten wie ein ganz normales Volk in 
unserem Lande leben und das Fernsehen, Internet und die 
anderen Massenmedien nutzen. Ich will gar nicht behaupten, 
daß die Sache so unproblematisch ist, doch vor Problemen darf 
man nicht davonlaufen! Man setzt sich mit ihnen auseinander 
und kämpft dagegen an! Die Lösung besteht nicht in einem 
Boykott, sondern in kontrolliertem Betrachten.

Antwort: Ich verstehe nicht, was Sie da reden. Würden Sie 
vielleicht eine Schüssel Schweinefleisch auf den Tisch bringen, 
um sich damit auseinanderzusetzen? Würden Sie in Ihrem 
Hause eine Schabbatentweihung organisieren, um dagegen 
anzukämpfen? Sicher, wenn jemand gezwungenermaßen in so 
eine Situation gerät, muß er mit aller Kraft dagegen ankämpfen 
und sich auch nicht ein kleines bißchen schuldig machen. Wer 
aber sich selbst in die Löwengrube der Sünden stürzt, soll etwa 
"normal" heißen?! Allerdings laufen auf der Straße unnormal 
angezogene Leute herum, und schon Rabbiner Elijahu ("der 
Ga'on") von Wilna sagte: "Wer vorhat, öffentliche Straßen zu 
benutzen, bete vorher und bitte um Erbarmen, daß er nicht 
durch ein kleines Vergehen oder sündige Gedanken scheitere" 
(Orchot Chajim). Und weiter: "Ein schlechter Gedanke - selbst 
die Altvordern waren nicht gefeit davon... wer sein Denken von 
dem schlechten Gedanken ablenkt, bezwingt damit den 
Ursprung des Bösen, und wenn er diesen Gedanken hegt, das 
ist das krankhaft Böse". 

Doch wie kann bloß jemand auf den Gedanken kommen, unter 
dem Vorwand der Problembewältigung kulturelle Aktivitäten zu 
organisieren, die die Triebe anreizen?! Die religionsgesetzliche 
Regelung des Schulchan Aruch lautet wie folgt: "..Dinge der 
Lust, wie das Buch Emanuel, ebenso Bücher über Kriege, ist 
verboten, darin zu lesen... und übertritt das Gebot 'Wendet euch 
nicht den Götzen zu'... und reizt den bösen Trieb, und wer 
solche [Bücher] schreibt oder kopiert, ganz zu schweigen 
druckt, verursacht Vielen zu sündigen" (O.C. 307,16).

Auch nach Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") 
bezieht sich das Verbot "Wendet euch nicht den Götzen zu" 
(Lev. 19,4) nicht ausschließlich auf den Götzendienst, sondern 
auch auf alle übrigen Dinge, die den Menschen von den 
Grundlagen der Tora abbringen (Gesetze vom Götzendienst, 
2,3), wie es im Sefer Hachinuch zusammengefaßt steht: "Jeder 
Gedanke, der den Menschen dazu bringt, etwas von der Tora 
abzuziehen". Die Quelle dazu bietet der Vers: "..und ihr nicht 
umherspähet nach eurem Herzen und nach euren Augen" 
(Num. 15,39; Mitzwa 213). 

Weiter heißt es dort über diesen Vers: "Dieses Gebot bildet in 
Wirklichkeit ein bedeutendes Fundament des Glaubens, denn 
die schlechten Gedanken sind 'Väter' der Unreinheit, und die 
Taten ihre 'Kinder'... eine Sünde führt eine andere herbei, und 
eine Pflichterfüllung führt zu einer weiteren Pflichterfüllung... 
denn wenn du deine Gedanken einmal dazu hingibst, deine 
bösen Triebe zu befriedigen, wirst du ihnen weitere Male 
folgen... Jedermann, der sich an seine Triebe gewöhnt hat und 
ihnen regelmäßig folgt, dessen bemächtigt sich seine böse 
Neigung jeden Tag immer mehr, und wenn er sich ihrer enthält, 
wird er mit seinem Anteil alle Tage glücklich sein" (Mitzwa 387).

"Kontrolliertes (TV-)Betrachten" ist ein hohles Schlagwort, ein 
Gemisch aus Sünden, das Gegenteil von dem, was uns der 
Herr der Welt geboten hat: "..und ihr nicht umherspähet nach 
eurem Herzen und nach euren Augen". Wird denn jemand 
mitten im Film, wenn etwas Unschönes am Bildschirm erscheint, 
den Kasten abdrehen?! Machen wir uns nichts vor! So wie wir 
uns in Sachen Fernsehen nichts vormachen dürfen, ebenso 
nicht, was das Internet und neuerdings auch die 
hochentwickelten mobilen Telefone angeht - welche Zerstörung 
sie in der Familie und in der Gesellschaft anrichten! Wieviele 
Familien und Kinder sind schon daran zerbrochen! 

Ist uns denn nicht bekannt, daß in allen Ländern der Welt ein 
Zusammenhang zwischen Brutalität in Filmen und der Gewalt 
im täglichen Leben besteht?! Manche behaupten zwar, es 
bestehe wohl ein Zusammenhang, aber nicht ein Verhältnis von 
Ursache und Wirkung, d.h., nicht das Anschauen gewalttätiger 
Filme führe zu Gewalt, sondern eine Neigung zu Gewalt führe 
zum Anschauen gewalttätiger Filme. In Wirklichkeit sind leider 
beide Ansichten zutreffend. 

Im Gegenteil, wenn die Charaktereigenschaften von einer 
Krankheit behaftet sind, muß man ins andere Extrem verfallen, 
wie Maimonides schrieb (Acht Kapitel, IV). Er bezog sich dabei 
auf das Individuum, und unser Lehrmeister, Rabbiner A.J.Kuk, 
erweiterte diesen Gedanken auf die Allgemeinheit (Arpelej 
Tohar). Wenn die Gesellschaft so sehr dem Schmutz in den 
Masenmedien nachläuft, müssen wir uns dem auf extreme 
Weise enthalten.

Das Anschauen von minderwertigen Programmen, 
Unsittlichkeit, Lügen, Gewalt - das soll normal sein?! Nein, 
sondern wir, die wir auf dem Wege der Reinheit gehen, sind die 
Normalen. Wir, die wir reine Luft atmen und keine verseuchte, 
sind die Normalen, wir, reinen Geistes, sind die Normalen.
 

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