DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KEDOSCHIM
Nr. 511
28. Nissan 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 19,1-20,27):
Gebot und Versprechen, heilig zu sein; div. Ge- und Verbote 
und deren Strafen; Inbesitznahme des Landes von Milch und 
Honig. 

Jom Ha'Atzma'ut - Do. 3. Ijar 5765 (vorgezogen)
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Sprießen der Erlösung

Rav Se'ev Karov
Leiter der Jeschiwa in Karnej Schomron

In dieser schweren Zeit, in der das Damoklesschwert der 
"Abkoppelung" [Euphemismus für den Rückzug aus dem 
Gasastreifen] über Siedlungen im Lande Israel hängt, läßt sich 
auch ein Gerede der Abkoppelung von der Einstellung 
gegenüber dem Staate Israel als dem Beginn der 
Verwirklichung der prophetischen Visionen vom Sprießen der 
Erlösung vernehmen. Manche wollen nicht mehr das Gebet zur 
Wohlfahrt des Staates Israel sagen, und andere gehen gar so 
weit, das festliche Begehen des Unabhängigkeitstages 
infragezustellen. 

In einigen knappen Worten wollen wir versuchen, zu diesen 
Rufen nach Abkoppelung Stellung zu nehmen.

A. "Die ersten Sprosse unserer Erlösung"

Was veranlaßte einen Teil der größten Toragelehrten dazu, die 
Gründung des Staates als Beginn des Erlösungsprozesses 
auszurufen und den Tag der Unabhängigkeitserklärung zu 
einem Feiertag der Freude und des Dankes an den Schöpfer 
der Welt zu machen?

Aus dem Studium der Toraverse, der Worte der talmudischen 
Weisen und der Toragelehrten aller Generationen geht hervor, 
daß die Erlösung von drei Bestandteilen definiert wird, und das 
Exil (Galut) durch deren Gegenteil. Der MaHaRaL ("hohe Rabbi 
Löw") aus Prag faßte dies im ersten Kapitel seines Werkes 
"Nezach Israel" für uns zusammen, gestützt auf den Midrasch: 
"Bekannt - daß ich sie [die Kinder Israel] zerstreue, wisse - daß 
ich sie einsammeln werde. Bekannt - daß ich sie verpfände, 
wisse - daß ich sie auslöse. Bekannt - daß ich sie verknechte, 
wisse - daß ich sie erlöse". Daraus folgt: 1. Die Rückkehr des 
jüdischen Volkes in das Land Israel, 2. Die Einsammlung der 
Zerstreuten, 3. Jüdische Souveränität im Lande Israel.

1. Die Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel ist eine 
Voraussetzung für die Erlösung. Die Juden mögen sich wohl 
nach Brooklyn oder Berlin einsammeln, aber diese Art der 
Einsammlung brächte nicht die Erlösung. Das Land Israel ist 
das Land des Heiligen, das G~tt zum Erbbesitz des jüdischen 
Volkes auserwählte. "Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einzig 
Volk im Lande" (Chronik I, 17,21) - im Lande werden sie "einzig" 
genannt. Das ist der Ort für die Erlösung Israels. 2. Folgendes 
wird in den Responsen "Jeschu'ot Molcho" ausgeführt: "..denn 
die Einsammlung ist der Beginn der Erlösung, wie es heißt: 
Ferner werd' ich sammeln zu ihm, zu seinen Gesammelten 
(Jeschajahu 56,8)", und fügt hinzu, daß die Anwesenheit von 
mindestens 130 Familien als "Einsammlung der Zerstreuten" 
gilt. Andere Rabbiner hielten dafür allerdings eine Anzahl von 60 
Myriaden Juden [= 600.000, wie beim Auszug aus Ägypten] für 
notwendig. 3. Jüdische Souveränität im Lande Israel macht den 
dritten Bestandtteil der Erlösung aus. Die Rischonim [Rabbiner 
der Periode von vor 700-1000 Jahren] wiesen darauf hin, daß 
die Periode des zweiten Tempels nicht als Erlösung gelte, trotz 
der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und dem Bau des 
Tempels, "weil sie [dem Perserkönig] Koresch unterworfen 
waren" (siehe Jeschajahu 11,11; Raschikommentar). 

Nach 2000 Jahre währender Galut war es uns vergönnt, mit 
eigenen Augen zu sehen, wie alle drei Bestandteile der 
Erlösung Wirklichkeit wurden. Die Bezeichnung unseres 
Staates als "Beginn des Sprießens unserer Erlösung" stützt sich 
auf die Tatsache einer Einsammlung der Verstreuten von weit 
mehr als "60 Myriaden", der Einsammlung ins Land des Heiligen 
unter Errichtung eines souveränen, jüdischen Staates mit 
eigener, jüdischer Armee. 

Sicher ist noch nicht alles perfekt. Noch befindet sich nicht das 
ganze Land Israel in unseren Händen, noch wurden nicht alle 
Juden eingesammelt, und auch die souveräne Herrschaft erfolgt 
nicht in einer Weise, wie wir es gerne hätten. Doch darf man 
nicht vergessen, daß während kaum einer Periode jüdischen 
Lebens im Lande Israel Vollkommenheit dieser drei Bestandteile 
herrschte. Da gab es Könige, die die Bevölkerung versündigten, 
viele Juden, die den Aufenthalt in der Galut bevorzugten, 
Perioden, in denen Jeder tat, was recht in seinen Augen war - 
und trotzdem rechneten jene Jahre, in denen das Volk Israel 
hoheitlich in seinem Land weilte, als Jahre der Erlösung.

Der Unabhängigkeitstag (Jom HaAtzma'ut) vereinigt auf sich 
alle drei genannten Bestandteile. Der Tag der Verkündung 
unserer Staatshoheit im Lande Israel bedeutete gleichzeitig eine 
Sicherung der Möglichkeit zur Rückkehr ins Land für jeden 
Juden, dem daran gelegen war, ganz zu schweigen von der 
physischen Rettung durch die Gründung des Staates. Von einer 
Situation, in der Juden nach Belieben gemordet, mißbraucht 
und beraubt wurden, in einer Situation, in der pro Tag 18.000 
Juden ermordet wurden, wechselten wir über zur Fähigkeit, 
durch unsere Soldaten eine Anzahl jüdischer Geiseln im fernen 
Uganda zu befreien. Und wenn man nach der Befreiung aus der 
Knechtschaft eine Lobeshymne singt, dann doch erst recht nach 
der Befreiung aus der Todesgefahr.

B. Was also hat sich an alledem in unseren Tagen geändert?

Was hat sich geändert, bis daß sich heute Leute erheben und 
nicht mehr weiterwollen, nicht mehr den Unabhängigkeitstag 
feiern wollen? Beseitigt etwa der derzeitige Plan der 
"Abkoppelung" einen der drei Bestandteile der Erlösung? 

Wurde doch das Hallel-Gebet am Jom HaAtzma'ut nicht wegen 
des "Käppchens" von Ben-Gurion eingeführt, auch nicht zu 
Ehren seiner Schabbatentweihung, und auch wurde niemals 
behauptet, daß das Hallel-Gebet etwas mit dem Problem von 
torafernen Juden zu tun hat. Warum veranlaßte das skandalöse 
Verhalten der israelischen Regierung gegenüber den 
Einwanderern aus dem Jemen vor über 40 Jahren niemanden 
dazu, von den Bittgebeten für den Staat Israel abzulassen? 
Warum führte der Rückzug aus dem Sinai mit der Zerstörung 
von jüdischen Siedlungen wie Jamit nicht zu der "Entdeckung", 
wir befänden uns nicht mehr im ersten Sprießen unserer 
Erlösung? Wurden etwa andere Schriftquellen gefunden, die die 
oben zitierten widerlegten?

Worüber sagten wir das Hallel-Gebet am Jom HaAtzma'ut vor 
dem Sechstagekrieg? Etwa nicht über eine Lage, wie sie auch 
heute existiert? Wenn g~ttbehüte alle Siedlungen in Jehuda, 
Schomron und Gasastreifen zerstört würden, beteten wir dann 
nicht trotzdem das Hallel-Gebet über all das, worüber wir es bis 
zum Sechstagekrieg gesagt haben?

Wir haben nicht mit dem Hallel-Gebet an Chanukka aufgehört, 
als die Chaschmonäer- und sonstige jüdische Herrschaft im 
Lande Israel zuendeging, und wir werden sicher nicht damit 
aufhören, solange sich noch ein Teil des Landes in unseren 
Händen und unter unserer Staatshoheit befindet und während 
viele Juden in unser Land zurückkehrten und noch 
zurückkehren. Sicher hat die Erlösung ihren eigenen Rhythmus. 
Manchmal wirkt sie im Offenen, manchmal im Verborgenen. 
Auch die "Leiden des messianischen Zeitalters" sollte man nicht 
auf die leichte Schulter nehmen. Rabbiner A.J.Kuk sah voraus, 
daß es zu spiritueller Rebellion und großen Krisen kommen 
wird, wobei allerdings der von ihnen verursachte Schmerz die 
ganze Welt auf eine höhere geistige Stufe im messianischen 
Zeitalter bringt.

Wir haben zu Recht auf Leere und Schwäche aufmerksam 
gemacht angesichts von Politikern, die ständig ihre Ideale 
wechseln und die "roten Linien" woanders ziehen. Wie hielten 
es für eine Schande, wenn Schwierigkeiten in der Realität zum 
Wechsel von Ideologie und Grundwerten führten. Und jetzt 
zeigen sich Leute in unserem eigenen Lager, die die große 
Entdeckung machen, daß der Staat nicht so ist, wie sie es sich 
gedacht hatten, und deswegen sei über diesen Staat nicht mehr 
das Hallel-Gebet zu sprechen. Sicher werden sie dazu 
großartige Vorträge zu halten und tiefsinnige Spitzfindigkeiten 
hervorzubringen wissen, aber an der Tatsache ändert das gar 
nichts.

Vielleicht haben wir es hier mit der Schwierigkeit zu tun, mit 
solchen "Leiden des messianischen Zeitalters" fertigtzuwerden, 
oder weil die "Abkoppelung" das eigene Haus und die eigene 
Familie berührt? Nur G~tt weiß die Antwort.

Als gläubige Juden danken wir dem Schöpfer der Welt für das, 
was wir haben, und unternehmen alle Anstrengungen, die 
Mißstände zu beseitigen, denn so verhält sich ein gläubiger 
Mensch seit uralten Zeiten.
 
 
 
HaRav Aviner

Kennen Sie G~tt?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Die jüdischen Weisen aller Generationen sehnten sich danach, 
etwas von der Erkenntnis über das Wesen G~ttes zu erlangen. 
Dazu gibt es eine ausdrückliche Anweisung: "Erkenne den G~tt 
deines Vaters" (Chronik I, 28,9), wenn du G~tt ohne 
G~tteserkenntnis dienst, läufst du Gefahr, daß dir am Ende 
deines Lebens klar wird, daß du ihm überhaupt nie gedient hast, 
und was du glaubtest, es sei G~tt, war er in Wirklichkeit nicht 
(Rabbi Awraham Ibn Esra). Darum mußt du zuerst "den G~tt 
deines Vaters" kennenlernen.

Was kann man über den Herrn der Welt wissen, wie kann man 
über ihn Definitionen anstellen? Auf diese Frage gibt es zwei 
Antworten, nach zwei Methoden. Die eine Methode beschreibt 
ihn, und die andere spricht über das Verhältnis zwischen ihm 
und dem Menschen, und über die Bedeutung dieser 
Verbindung. Die erste Methode ist sehr einfach, so verfahren 
kleine Kinder. Für Kinder ist G~tt eine Person. So wie Vater und 
Mutter gibt es auch G~tt. Er weiß alles und kann alles. Natürlich 
kann man einem Kind nicht seine kindische Betrachtungsweise 
nachtragen, wenn aber ein Erwachsener so denkt, dann gerät 
er in den Bereich des Götzentums.

Um G~tt kennenzulernen, müssen wir die göttlichen Ideale 
erforschen. Der Herr der Welt erscheint durch das Ideal der 
Mildtätigkeit, und darum müssen wir dieses Ideal erforschen und 
uns eng damit verbinden, um G~tt kennenzulernen. So verhält 
es sich auch mit den Idealen der Gerechtigkeit, der Wahrheit 
und der Barmherzigkeit. Wenn wir sagen, G~tt sei gut, wollen 
wir damit nicht ausdrücken, er selbst sei gut, vielmehr 
begegnen wir ihm mit dem Verständnis unserer Erkenntnis von 
jemandem, der gut ist. Ein Ausspruch, er sei in seinem Wesen 
gut oder nicht, entbehrt jeder Bedeutung. Er kann auch 
gleichzeitig gut und nicht gut sein. Wie ist das zu verstehen? 
Rabbi Jehuda Halevi erklärte dies anhand eines Beispieles: Ist 
ein Stein klug oder dumm? Er ist weder klug noch dumm, denn 
Steine und Klugheit haben nichts miteinander zu tun. So wie 
sich der Begriff der Weisheit auf einer höheren Ebene als die 
des Steines befindet, existieren Gut und Böse auf einer 
niedereren Ebene als der Herr der Welt (Kusari 2,2). Für uns ist 
er weise, mildtätig, gerecht und kümmert sich um die 
Geschehnisse der Wirklichkeit, doch niemals werden wir uns 
anmaßen, eine Aussage über sein inneres Wesen zu treffen, so 
wie es die Götzendiener tun, oder, lehavdil, Kinder. Wir werden 
nur über die Art und Weise reden, wie er sich uns offenbart. 
Wie er "wirklich" ist, wissen wir nicht, so wie noch viele andere 
Dinge in unserer Welt. 
 

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