DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT JITRO
Nr. 497
19. Schwat 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 18,1 - 20,23):
Jitro, Moschehs Schwiegervater, kommt zum Volk Israel in die 
Wüste; gibt Moscheh Rat, Richtervollmachten zu delegieren; 
Bund mit dem Ewigen, ein heiliges Volk zu sein und seine 
Worte zu befolgen; die 10 Gebote am Berge Sinai; das ganze 
Volk Augenzeugen.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Noch bevor die Tora dem jüdischen Volk übergeben und bevor 
die Zehn Gebote bekanntgemacht wurden, sandte G~tt 
Moscheh "vom Berge zum Volke", um es mit der generellen 
Zielsetzung der Tora vertraut zu machen, die ihr im 
wesentlichen ihre Bedeutung gibt: "Und ihr seid mir ein 
Königreich von Priestern und ein heiliges Volk" (Ex. 19,6). Keine 
Ansammlung von Individualisten, die gemeinsam die Tora 
einhalten, sondern ein Volk und Königreich, Volk und Staat; 
ebenfalls nicht als Gemeinschaft, die die Tora nur zu ihrem 
eigenen Wohl befolgt - sondern zum Wohle der ganzen 
Menschheit.

"Dadurch werdet ihr euch auszeichnen, wenn ihr ein Königreich 
von Priestern seid, wenn ihr verstehen werdet und das ganze 
Menschheitsgeschlecht lehrt, alle den Namen G~ttes, des 
Ewigen anzurufen und ihm Seite an Seite zu dienen, wie es 
heißt: Und ihr werdet Priester G~ttes genannt (Jeschajahu 
61,6), und von Zion wird die Lehre ausgehen (Jeschajahu 2,3)" 
(Sforno-Kommentar zu Ex. 19,6).

Unsere Existenz als Vereinzelte, die G~tt dienen, konnte die 
Welt dulden. Im Verlaufe unseres Exils begnügte sich die Welt - 
sowohl die christliche wie die moslemische -  die meiste Zeit mit 
einer Vorstellung von uns als erniedrigter Gemeinde einzelner 
Juden, Angehörige einer anderen Religion, die unter ihrer 
Herrschaft leben und von ihrer Gnade abhängen. Mit unserer 
Eigenschaft als Volk und Königreich allerdings, die den Namen 
G~ttes in ihrem nationalen Wesen tragen, dazu noch mit einer 
universalen, menschheitlichen Bestimmung - damit kann sich 
die Welt nur schwer abfinden. 

Nach einer Überlieferung, von der wir durch Rabbi Akiva wissen 
(Schabbat 86b), hat dieser Ausspruch - "Und ihr seid mir ein 
Königreich von Priestern und ein heiliges Volk" - seinen 
Ursprung im zweiten Schöpfungstag, an dem die "oberen und 
unteren Wasser" voneinander getrennt wurden (Gen. 1,7). An 
diesem Tage wurden Zwist und Haß geschaffen. An diesem 
Tage wurde auch das "Gehinnom" ("Hölle") geschaffen. Die 
Gesetze der Bestimmung und des jüdischen Schicksals kamen 
miteinander verflochten zur Erde herunter. Am "Berg Sinai" 
erhielten wir die Gesetze unserer Bestimmung, und dort wurde 
unser Schicksal als Nation besiegelt, ein Volk zu sein, das den 
Haß (ssina) der Völker der Welt erleidet. "Der Berg Sinai heißt 
so, weil dort der Haß zu den Völkern der Welt herunterkam" 
(Schabbat 89a). Am Tage des Erhaltes unserer Bestimmung 
wurde über uns verhängt, ein kämpfendes Volk zu sein, das 
sich fortwährend mit der Welt messen muß, nicht nur wegen 
Interessen und punktueller Probleme, sondern auch um seine 
ganze Existenz. Darum scheiterten alle Versuche zur 
Beseitigung des Antisemitismus. Auch Jene, die meinten, wenn 
wir nur ein "normales Volk" würden, das in seinem Lande "wie 
alle Völker" lebt und sich die in Europa und in Amerika 
herrschenden Normen zu eigen macht, würde der 
Antisemitismus verschwinden - mußten zu ihrer Überraschung 
feststellen, daß ihnen höchstens eine Umbenennung des 
Antisemitismus in Antizionismus gelungen war, aber nicht seine 
Fortschaffung aus der Welt. 

Wir könnten unser bitteres Schicksal, den Haß der Völker 
erleiden zu müssen, als ein unlösbares Problem beweinen. Es 
liegt aber in unserer Hand, dies als Herausforderung 
aufzufassen. Wenn wir während mehrtausendjähriger 
Geschichte für unser Judentum leiden müssen, so ist dies ein 
weiteres Zeichen für seine in ihm verborgene tiefere Bedeutung. 
Wenn wir mehr als hundert Jahre lang unser Blut geben für 
unser Land und unseren Staat, und trotz aller Versuche kein 
Ende in Sicht ist, dann ist es ein Zeichen für die große Aufgabe, 
die uns erwartet: "So spricht der G~tt der Ewige, der erschaffen 
die Himmel und sie ausgespannt, die Erde ausgedehnt mit ihren 
Sprößlingen, der Odem gibt dem Volke auf ihr, und 
Lebenshauch denen, die auf ihr wandeln. Ich, der Ewige, habe 
dich berufen zum Heile, und deine Hand gefaßt und dich 
gebildet, und dich eingesetzt zum Bunde für das Volk, zum 
Lichte von Nationen" (Jeschajahu 42,5-6). Die Offenbarung am 
Berge Sinai präsentierte uns die Bedeutung unserer Existenz, 
die Erklärung für die fortgesetzten Leiden durch alle 
Generationen. Wir sollen ein "heiliges Volk" sein - im Verhältnis 
zu unserem G~tt, und von daher auch "ein "Königreich von 
Priestern" gegenüber der gesamten Menschheit. 

Diese erhabene Vision hat allgemeinen und nationalen 
Charakter. Doch reicht sie bis hinunter auf die Ebene eines 
jeden Einzelnen. Es reicht nicht, ein "heiliges Volk" auf der 
Ebene der Allgemeinheit zu sein, und sich im Privatleben in 
allen erdenklichen Ausschweifungen und Bosheiten zu ergehen. 
Das "Königreich", die Staatlichkeit, besteht aus einzelnen 
Bürgern, von denen jeder als "Priester" ein gewisses 
moralisches und spirituelles Niveau zu halten verpflichtet ist, 
wobei sie deren Zusammenkommen in einem Verbund zu einem 
"Königreich" macht. Nur so kann ein "heiliges Volk" entstehen. 

Diese Dinge bezeichnen nicht nur die Bestimmung und den 
Zielpunkt, die wir anstreben, sondern auch das nationale 
Schicksal. Auf diese Ausrichtung bezog sich der Kommentar 
"Ba'al Haturim" mit dem Hinweis, das Wort "Königreich" 
(Mamlechet) erscheine nur wenige Male im ganzen Tanach. 
Einmal hier: "ein Königreich von Priestern", und einige weitere 
Male im Zusammenhang mit politischer Herrschaft, wie z.B.: 
"Am Anfang der Regierung (Mamlechet) Jehojakims..." 
(Jirmijahu 27,1), "Und Moscheh gab ihnen... das Königreich des 
Sichon, Königs des Emori, und das Königreich des Og, Königs 
von Baschan" (Num. 32,33). Hiervon lernen wir, "für 'ein 
Königreich von Priestern' verdienten sie die Königsherrschaft 
und erhielten die Königreiche dieser Völker". Parallel dazu 
erscheint der Ausdruck "und ein Volk" (mit "und", vegoj) nur 
viermal im Tanach, einmal hier: "und ein heiliges Volk" (vegoj 
kadosch), und die anderen Male beim Propheten Jirmijahu: 
"...und ein großes Volk wird wach von den Enden der Erde" 
(6,22), "Siehe, ein Volk kommt von Norden und eine große 
Nation..." (50,41), in seinen Prophezeiungen über die 
Tempelzerstörung; andererseits aber "...und ein Volk, das dich 
nicht kannte, eilet zu dir... wegen des Heiligen Israel's, denn er 
hat dich verherrlicht" in der Trost-Prophezeiung Jeschajahus 
(55,5). Auch hier schreibt "Ba'al Haturim": "Wenn ihr 'ein 
heiliges Volk' sein werdet, wird geschehen: 'und ein Volk, das 
dich nicht kannte, eilet zu dir', und wenn nicht, dann: 'ein Volk 
kommt von Norden und eine große Nation'".

Möge es G~ttes Wille und uns vergönnt sein, unseren Staat, 
den Staat Israel, im Sinne seiner großen Bestimmung wirken zu 
sehen, als "ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk".
 
 
HaRav Aviner

Die Bewegung für Annäherung

Rav Schlomo Aviner 
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Das ist unsere Bewegung, die "Bewegung für Annäherung", 
eine alt-neue Bewegung. Je mehr Leute sich ihr anschließen, 
um so mehr Segen wird sie bringen, und um so mehr 
Umwälzung.

Für diese Bewegung gibt es allerdings bestimmte 
Aufnahmebedingungen: Man muß an das Volk Israel glauben 
und eine große Liebe für das Volk Israel verspüren, nicht aber 
Hoffnungslosigkeit und Gefühlsstumpfheit.

Schon vor langem hätten wir diese Bewegung gründen sollen, 
doch wir hatten Angst, ganz umsonst, denn wir alle haben doch 
sehnsüchtig darauf gewartet. Wir verbinden uns nicht nur mit 
dem Katif-Gebiet ("Gusch Katif", der jüdisch besiedelte Teil des 
Gasastreifens), sondern mit unserem ganzen Volk. Gusch Katif 
ist der Aufhänger, eine Stütze der Motivation. 

Die Bewegung für menschliche Annäherung beschreitet den 
Weg der Umgehung von Massenmedien und Politik, von 
Demonstrationen und harten Protesten, drohenden Parolen, 
Umgehung von Aussprüchen wie "wenn es mir dreckig geht, 
geht es dir auch dreckig", Umgehung des "Anti"; Annäherung ist 
immer "für", vor allem für Einigkeit der Nation. Die Annäherung 
ist gegen Sieger und Besiegte, sie ist dafür, daß wir alle siegen 
und keiner besiegt wird, sie ist für ein Gehen von Haus zu Haus 
und von Herz zu Herz.

Wenn du zu unserer Bewegung gehören willst, dann mußt du 
etwas von deiner Zeit opfern und bereit sein, Leuten zu 
begegnen. Wenn ja, nimm einen Freund mit oder deine Frau 
und klopf an eine Tür (vielleicht sogar an die Tür des Nachbarn, 
den du nicht kennst, obwohl er dort schon zwanzig Jahre 
wohnt), und sage mit einem Lächeln:
"Guten Tag, wir kommen von der 'Bewegung der Annäherung'. 
Wir befinden uns in Krisenzeiten und Wirren, und die Politik 
steckt in einer Sackgasse. Wir dachten, in dieser Lage wäre 
wohl die Annäherung am besten. Wir kommen, um zuzuhören 
und miteinander zu sprechen. Vielleicht nur zuhören, vielleicht 
nur sprechen, vielleicht beides zusammen". Nimm in deiner 
Provianttasche ein wenig Lebenselixier mit, von dem du dann 
anbieten kannst: Glauben, Liebe, Mut, Wahrheit, Demut - du 
gibst davon, aber du bekommst auch davon. Besonders Demut 
- denn wir sind ja nicht allwissend.

In unserer Bewegung pflegen wir zu sagen, wie sehr wir uns 
freuen, gemeinsam in unserem Land zu leben, wie sehr wir uns 
über unseren eigenen Staat und unsere eigene Armee freuen. 
Wir freuen uns über das Erreichte und streben nach noch viel 
mehr: daß Arbeit ehrt und wir nicht Fremde dafür bemühen 
müssen, daß es eine Ehre ist, Soldat zu sein, und noch mehr in 
einer Eliteeinheit; wir streben nach guter Erziehung mit Herz, mit 
Glauben und guten Charaktereigenschaften; nach natürlichen, 
anständigen und wahrhaftigen Gerichtsentscheidungen; einer 
anständigen und guten Jugend ohne Gewalt, Alkohol, 
Prostitution und Drogen; Sicherheit im Lande ohne Terror; 
sauberes Fernsehen und sanfte Kunst; glückliche Familien ohne 
geschlagene und erniedrigte Frauen; reines, sittliches und 
treues Eheleben; kinderreiche Familien; Respektierung der 
Schabbatruhe ohne Einkaufsbummel und zwangsweise 
Extraarbeit der Angestellten; breitgefächerte Sozialgesetze, die 
wirtschaftliche Not verschwinden lassen. So sehr viele 
Bestrebungen! Wie kann uns das gelingen?! Die Antwort: Alle 
gemeinsam werden wir es schaffen. Dazu werden wir 
miteinander reden, werden wir uns einander annähern - weit 
entfernt von den Scheinwerfern der Lügenmedien. 

"Meine Brüder suche ich" (Gen. 37,16) lautet das Prinzip. Wir 
werden uns begegnen, nicht um etwas zu erreichen, sondern 
um der Begegnung willen, denn schließlich sind wir Brüder, und 
mit dieser Einstellung werden wir alles erreichen. 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
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