DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM (CHASON)
Nr. 525
8. Aw 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22):
Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den 
Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick auf 
die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der 
Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen 
und welche erobert werden.

9.Aw Sonntag - Fasttag zum Gedenken an die 
Tempelzerstörung "Tischa Be'Aw"
 
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Ich erhebe Einspruch

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die Weissagung Jeschajahus ("Chason Jeschajahu"), nach der 
dieser Schabbat auch "Schabbat Chason" genannt wird, 
beendet die Serie der zurechtweisenden Haftarot
[Prophetenlesung nach der wöchentlichen Toralesung]. Diese 
Zurechtweisung benutzt äußerst scharfe Worte zur 
Beschreibung der Sünde, doch wo es um die detaillierte 
Auflistung geht, läßt sich kaum eine besonders schwere Sünde 
ausmachen. Darüberhinaus werden ausgerechnet Sünden wie 
Nachlässigkeit des Richters bei der Behandlung von 
Forderungen eines Beraubten als leichte Sünden aufgefaßt, 
die nicht besonderer Bosheit entstammen, sondern 
mangelndem Mitgefühl. Anscheinend hielten auch die 
Menschen jener Generationen diese Sünde für nicht besonders 
schlimm, im Vergleich zu den schweren Sünden, derenwegen 
der Tempel zerstört wurde.

Der Midrasch beschreibt einen weiteren Grund, den die 
Menschen jener Zeit zur Verteidigung der Sünder anführten. Die 
gesellschaftliche Norm war nämlich auf ein so schäbiges Niveau 
gesunken, daß jeder Einzelne gezwungen war, sich mehr oder 
weniger zwangsläufig der Situation anzupassen. Im 
Zusammenhang mit dem Vers aus der Haftara: "Dein Silber 
ward Schlacken, vermischt ist mit Wasser dein Getränke" (1,22) 
schildert der Midrasch ein Gespräch zwischen Käufer und 
Händler: "Sagte der Verkäufer zum Käufer: Dein Silber ward 
Schlacken, darauf antwortete der Käufer dem Verkäufer: 
vermischt ist mit Wasser dein Getränke". Dieser Dialog hebt die 
volle Gegenseitigkeit des Mißtrauens zwischen beiden Seiten 
hervor, die sich mit Handelsgeschäften befassen, und am Ende 
sind alle Verlierer. Außerdem erschwert eine solche 
gesellschaftliche Lage ehrlichen Menschen ganz besonders, der 
Versuchung zu widerstehen, es den anderen gleichzutun.

Doch gerade deswegen wurde Jeschajahu zur Zurechtweisung 
des Volkes geschickt, gerade wegen dieser Sünden, die den 
Übergang von privater zu öffentlicher Sünde bilden. Solange der 
Einzelne die allgemeine Atmosphäre toleriert, wird er auf ihr 
Niveau keinen Einfluß haben, auch wenn allen bekannt ist, daß 
er in seinen eigenen vier Wänden nicht sündigt. Wenn aber ein 
gesellschaftlicher Sog entsteht, weil einige Strauchelnde die 
öffentlichen Normen zum Sinken bringen, so bedeutet dies 
einen Makel für die gesamte Öffentlichkeit, wofür alle die 
Verantwortung übernehmen müssen. Die Tatsache an sich, 
"deine Minister Genossen der Diebe" (V.23) g~ttbehüte, reicht, 
um die gesellschaftliche Norm herunterzuschrauben und so 
indirekt Diebstahl und Mord zu ermutigen.

Hieraus können wir entnehmen, welchen gewaltigen Wert 
scharfer öffentlicher Protest an jedem Ort hat, wo sich die 
gesellschaftliche Norm zum Schlechteren wandelt und lansam 
aber sicher in Unmoral umschlägt. Auch wenn der Protest keine 
sofortige Wirkung zeitigt, kann er doch auf lange Sicht einen 
Eindruck hinterlassen, besonders, wenn er von vielen und guten 
Leuten kommt, die in aller Öffentlichkeit deutlich machen, daß 
sie sich nicht mit den Dingen abfinden. Obwohl das Gebot der 
Zurechtweisung eines individuellen Sünders von vielen 
Bedingungen abhängt, die in der heutigen Zeit nicht gegeben 
sind, sollte man sie dennoch im Zusammenhang mit öffentlichen 
Angelegenheiten in Erwägung ziehen, wenn ein neuartiges 
öffentliches Problem entsteht. Nicht umsonst beklagt sich die 
Öffentlichkeit über eine Führung, die das eine Thema 
stillschweigend übergeht, andere aber an die große Glocke 
hängt.

Wo sich allerdings die Weisen der Generation der lockeren 
öffentlichen Stimmung anpassen und sich nicht deutlich von ihr 
distanzieren, tragen sie mit an der Verantwortung für den 
weiteren Niedergang. So auch bei der Geschichte von "Kamza 
und Bar-Kamza" (Gittin 55b/56a), die mit zum Untergang 
Jerusalems führte, als der Gastgeber den Bar-Kamza vor allen 
beleidigte und sich niemand fand, ihm zur Seite zu stehen. Das 
Schweigen der anwesenden Rabbiner wurde als Duldung der 
Tat gewertet. Diese Art der Zurückhaltung war in der 
gegebenen Situation nicht am Platze, und sie war es, die 
unseren Tempel zerstörte, denn sie wurde als Legitimation 
grundlosen Hasses aufgefaßt. 

Und so wie Unterdrückung öffentlichen Protestes aus falscher 
Bescheidenheit zum Untergang des Tempels führte, wird ihn in 
Zukunft eindrucksvoller öffentlicher Protest, der großer Demut 
entspringt, wieder aufbauen, schnell und in unseren Tagen.
 
 
Zum Gebet

Baruch ata a-donai...

Rav Uri Scherki
MACHON MEIR

"Gesegnet seist du, Ewiger, unser G~tt und G~tt unserer Väter, 
G~tt Awrahams, G~tt Jizchaks und G~tt Jakovs...". Diese 
ersten Worte des Schmone-Esre-Gebetes sind auf den ersten 
Blick nur sehr schwer zu verstehen. Wir sagen: "Gesegnet seist 
du, Ewiger". Wenn wir diese Worte nach ihrer von den meisten 
Menschen verstandenen Bedeutung nehmen, so kommen sie 
der Ketzerei nahe, g~ttbehüte. Jemanden "segnen" bedeutet 
nämlich, ihm etwas zu verschaffen, was ihm fehlt [Kindersegen, 
'Sich regen bringt Segen' usw.]. Demnach will die Formel 
"Gesegnet seist du, Ewiger" dem Anschein nach ausdrücken, 
daß wir dem Herrn der Welt etwas geben, was ihm fehlt. 

Vor diesem Irrtum rettet uns Rabbiner Chajim aus Woloschin 
mit seinem Buch "Nefesch Hachajim" (2. Abschnitt). Dort erklärt 
er den Unterschied zwischen dem Wort baruch (gesegnet; 
Attribut) und meworach (gesegnet; Passiv). Nehmen wir zum 
besseren Verständnis das Wort rachum (barmherzig; Attribut) 
und merachem (barmherzig sein, sich Jemandes erbarmen). Ein 
Mensch merachem, d.h. es wird Barmherzigkeit in ihm erweckt, 
wenn er z.B. Leiden sieht, sein Innenleben ändert sich also 
aufgrund eines äußeren Anstoßes. Diese Reaktion weist auf 
eine gewisse Weichheit seiner Seele, was auch Schwäche 
bedeuten kann, eine gewisse Unterworfenheit unter äußere 
Einflüsse. Ganz anders rachum, das ist jemand, der auch ganz 
ohne äußeren Anstoß Barmherzigkeit ausstrahlt. Ebenso ist das 
Wort baruch zu verstehen, etwa wie "gesegnete Quelle". Nicht 
daß die Quelle selber Segen erhält, vielmehr spendet sie 
Segen. Demnach bedeutet "Gesegnet seist du, Ewiger": "du 
Quelle des Segens". Das Aussprechen des Wortes baruch soll 
in uns die Erkenntnis entwickeln, daß der Herr der Welt die 
Quelle alles Segens ist. Wir erwähnen das, um in unserer Seele 
die Leitungen göttlichen Einflusses zu öffnen. 

Das zweite Wort, ata, du, ist auch etwas problematisch. Wie 
kann man sich an den Schöpfer mit einem so einschränkenden 
Ausdruck wenden?! Wenn wir ata sagen, konzentrieren wir uns 
auf einen bestimmten Punkt unserer Erkenntnis, derjenige, an 
den wir uns wenden. Der Herr der Welt aber ist doch unendlich? 
Wie kann man sich an ihn als etwas Spezifisches wenden, als 
eine bestimmte Persönlichkeit? Vielmehr müssen wir uns 
wiederum an den grammatikalischen Ursprung des Wortes ata
im Hebräischen wenden. Das Wort ata als Tätigkeitswort, 
le'atot, bedeutet 'kommen'. Wie der Vers am Ende des 
Chumasch, im Abschnitt "Wesott habracha": "Der Ewige kam 
von Sinai... und fuhr einher (ve'ata) aus Myriaden des 
Heiligtums" (Dt. 33,2). Auch im Aramäischen [der dem 
Hebräischen sehr verwandten Sprache des babylonischen 
Talmuds] bedeutet das Verb ata kommen. Wenn wir also zum 
Herrn der Welt 'ata' sagen, wenden wir uns gar nicht zu ihm hin, 
sondern bestätigen die Tatsache, daß er zu uns kommt. 
Demnach bedeutet 'Baruch ata': Die Quelle des Segens, die zu 
uns kommt. Auch das dritte Wort, adonai, (jud-heh-waw-heh, 
Wortstamm Hawaja, Sein; dieser Name wurde nur im Tempel 
und nur an Jom Kippur exakt ausgesprochen), bedarf der 
Erläuterung. Hat doch G~tt noch viele andere Namen, z.B. 
Elohim, Schadai, Zewa'ot, Rachum und Chanun. Warum 
wählten die Weisen der "Großen Versammlung", die Autoren 
des Schmone-Esre Gebetes, für alle Gebete den Hawaja-
Namen, und keinen der vielen anderen? Weil der Hawaja-Name 
für die Eigenschaft des Erbarmens steht, d.h., der den Gang der 
Natur ändern kann. Wenn wir vor dem Herrn der Welt zum 
Gebet erscheinen, möchten wir von ihm, daß er den Lauf der 
Welt ändert. Wenn wir von ihm erbitten wollten, den Gang der 
Welt festzuschreiben, würden wir den Namen 'Elohim' benutzen, 
seine Eigenschaft als Schöpfer der Natur. Wir aber wünschen, 
daß er unsere Bitten erhört, unsere Kranken heilt, die 
Gefangenen befreit und die Toten auferstehen läßt. Wir wenden 
uns also an jemanden, der die normalen Abläufe in der Natur 
umgehen kann und sich durch die Eigenschaft des Erbarmens 
über sie erhebt. Damit können wir zusammenfassend sagen: 
'Baruch ata a-donai' - die Quelle des Segens kommt zu uns in 
der Eigenschaft des Erbarmens, er - unser G~tt und der G~tt 
unserer Väter, G~tt Awrahams, G~tt Jizchaks und G~tt Jakovs.
bogrey19
 
 

H A L A C H A
Tischa be'Aw an Moza'ej Schabbat

Dieses Jahr beginnt der Fasttag gleich mit Schabbatausgang. 
Wenn wir das Abendgebet für Tischa be'Aw zur üblichen Zeit in 
der Synagoge beten wollen, haben wir ein kleines Problem - mit 
den Schuhen. An Tischa be'Aw dürfen nämlich, wie an Jom 
Kippur, keine lederhaltigen Schuhe getragen werden. Wie und 
wann soll also der Schuhwechsel vollzogen werden? Dazu 
kommt:
1. Schuhwechsel macht Netilat Jadajim erforderlich
2. Verbot der Vorbereitung am Schabbat für den folgenden 
Wochentag
3. Das Anfüllen des Gebetsraumes mit Schuhen entspricht nicht 
der Würde der Synagoge (+Geruch!)
4) Würdige Kleidung/Schuhe beim Gebet, auch an Tischa 
be'Aw

Wegen 1. sollte der Schuhwechsel nicht nach Beginn des 
Abendgebetes erfolgen, wegen des zu erwartenden 
Durcheinanders.
Wegen 2. dürfen die Tischa be'Aw-Schuhe nicht am Schabbat 
zur Synagoge gebracht werden (wenn ein Eruv existiert; wenn 
nicht, stellt sich diese Frage gar nicht erst)
Wegen 4. sollte man keine simplen Gummilatschen verwenden, 
sondern wenigstens Turn-, Tennisschuhe aus Stoff.

Lösungsmöglichkeiten:
-Sternenaufgang für Schabbatausgang ohne Chumrot
berechnen; zu diesem Zeitpunkt sage man zuhause "Baruch 
hamavdil bejn kodesch lechol", ziehe die Tischa be'Aw-Schuhe 
an und komme zur Synagoge; Gebetsanfang entsprechend 
später.
-Tischa be'Aw-Schuhe vor Schabbat zur Synagoge bringen, dort 
in einem Nebenraum aufbewahren, nach Sternenaufgang bei 
Schabbatausgang dort Schuhe wechseln, Netilat Jadajim (nur 
Finger), und zum Abendgebet in den Gebetsraum kommen.
-den ganzen Schuhwechsel durch Tragen von lederfreien, aber 
schabbatwürdigen Schuhen vermeiden.

Weitere Einzelheiten siehe Kitzur Schulchan Aruch §125, 
Schulchan Aruch O.C. §556.
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
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