DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHAJE SARA
Nr. 485
22. Marcheschwan 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Gen. 23,1-25,18):
Saras Tod, Kauf der Höhle Machpela bei Chewron ("Hebron"), 
Awrahams Hausverwalter Elieser auf Brautschau für Jizchak, 
bringt Riwka, Awrahams neue Frau Ketura und ihre 
Nachkommen, Awrahams Tod, seine Beerdigung in der Höhle 
Machpela durch Jizchak und Jischma'el, Jischma'els 
Nachkommen und Tod.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Beschwörung, Logik und Glauben

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Eine schwere Befürchtung lastet auf Eliesers Herz, Awrahams 
Diener, an der Wasserquelle. Eine große Verantwortung ruht 
auf seinen Schultern. Er muß eine passende Frau für Jizchak 
finden. Wird die von ihm Gewählte wirklich den edlen 
Eigenschaften Jizchaks gerechtwerden? Wird der Bräutigam an 
diesem Schidduch Gefallen finden? Zu seinen Gunsten kann er 
sich zwar Awrahams Versprechen anrechnen: "Der Ewige, der 
G~tt des Himmels... wird seinen Engel vor dir her senden, daß 
du ein Weib nehmest für meinen Sohn von dort" (Gen. 24,7); 
dennoch kann er die Befürchtungen nicht restlos aus seinem 
Herzen verbannen. Darum stellt Elieser seine Bitte: "Und es sei, 
das Mädchen, zu der ich sagen werde: Neige doch deinen Krug, 
daß ich trinke! und sie wird sagen: Trinke und auch deine 
Kamele will ich tränken; diese habest du bestimmt deinem 
Knechte, dem Jizchak, und an ihr werd' ich erkennen, daß du 
Gnade erwiesen meinem Herrn" (V.14). Diese Bitte geht auf der 
Stelle in Erfüllung, als nämlich Riwka sogleich an der Quelle 
erscheint.

Wenn wir, die "Söhne", darangehen, die Lehren aus "den 
Gesprächen der Diener unserer Vorväter" zu lernen, müssen wir 
uns fragen: Was sollte diese Bitte Eliesers bedeuten? Kann 
damit vielleicht eine Beschwörungsformel gemeint sein, um 
herauszufinden, ob er auf dem richtigen Wege ist, nach der 
Sitte der Götzendiener, über die die Tora sagte: "..ihr sollt nicht 
aus Schlangen und nicht aus Wolken deuten" (Lev. 19,26)? 
Oder war es vielleicht ein Gebet? Oder handelte es sich um 
kühle Berechnung, um die guten Charaktereigenschaften der 
Heiratskandidatin an Ort und Stelle ausforschen zu können, 
denn schließlich sollte aus ihr eine der Stammütter Israels 
werden? 

Die Torakommentatoren bieten eine Vielfalt von Deutungen, 
und wir wollen den etwas verschlungenen Pfaden des 
MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag folgen. In seiner 
ersten Deutung erklärt er, Elieser war von reiner Logik geleitet. 
Jenes Mädchen, das eine weit über das geforderte Maß 
hinausgehende Barmherzigkeit zeigt, und auch weit mehr, als 
nach allgemeiner Sitte üblich ist, das paßt. Doch diese 
Erklärung ist unzureichend. Warum präsentierte Elieser diese 
rein logische Überlegung als Gebet? Wollte er bloß um 
himmlische Unterstützung für seine rationale menschliche 
Anstrengung bitten?

Die zweite Deutung des MaHaRaL ist noch viel verwunderlicher. 
Dort behauptet er, da es sich um die Erfüllung eines Gebotes 
handelte, war ihm die Beschwörung erlaubt. Diese Erklärung ist 
für uns schwer zu fassen. Darf man etwa zur Gebotserfüllung 
ein ausdrückliches Verbot der Tora übertreten?! Doch was der 
MaHaRaL in unserem Wochenabschnitt im Dunkeln beläßt, 
erhellt er an anderer Stelle, im Abschnitt Kedoschim. Dort 
erklärt er das Verhalten Eliesers und auch des Jonathan, Sohn 
von König Scha'ul, bei der Schlacht von Michmas (Schmu'el I, 
14.Kap.): "Da sie mit der Erfüllung eines Gebotes beschäftigt 
waren, konzentrierten sie ihre Gedanken auf G~tt, als ob sie 
ausdrücklich sagten, G~tt möge ihnen den Weg weisen, das 
Gebot zu erfüllen... denn eine Beschwörung liegt nur vor, wenn 
der Betreffende sagt: wenn dies oder jenes geschieht, werde ich 
so oder so handeln, und das [hängt ab] von weltlichen 
Angelegenheiten. Bei himmlischen Angelegenheiten aber, wenn 
er es von G~tt abhängig macht, wenn mir dies oder jenes 
geschieht, werde ich wissen, wie das Gebot zu erfüllen ist... das 
gehört nicht in den Bereich der Beschwörung, denn G~tt gibt 
ihm ja ein Zeichen". 

Der Götzen-Beschwörer richtet seine Hoffnungen nicht auf G~tt, 
sondern auf blinde mystische Kräfte, von denen er glaubt, sie 
beherrschten die Welt. Nicht so der Gläubige. Er weiß, daß 
alles, was ihm widerfährt, nur von G~tt kommt. Wo er auch 
geht, fühlt er die Gegenwart G~ttes. Bei allen Geschehnissen 
spitzt er die Ohren, um die göttliche Stimme zu vernehmen, die 
aus der Realität hervorbricht. Alle seine Taten begleiten Gebete 
und Bitte um Erfolg. Was auch geschehe, alles ist ein Zeichen 
G~ttes. Alle seine Tage verbringt er im Zwiegespräch mit 
seinem Schöpfer und Lenker. Mit dieser Einstellung bittet er 
G~tt um Weisung für seinen Weg.

Demnach scheint der MaHaRaL nichts anderes zu tun als eine 
Mystik gegen eine andere auszutauschen, eine "Mystik des 
Aberglaubens" gegen eine "Mystik des Glaubens". Das ist 
jedoch nicht die Art des MaHaRaL, der uns nämlich im weiteren 
Verlauf schreibt, daß es sich nicht um einfache Zeichen handelt, 
sondern um Zeichen, die mit der Wirklichkeit auf dem direkten 
Wege logischer Analyse verknüpft sind:
"Allerdings leuchtet ein, daß auf jeden Fall eine Begründung 
dafür notwendig ist, so wie Elieser sagte, sie müsse 
Barmherzigkeit zeigen; ohne eine Begründung aber handelt es 
sich um Beschwörung, denn G~ttes Taten halten sich im 
Rahmen des normalen Weltenlaufes, was aber nicht zum 
normalen Weltenlauf gehört, bedeutet Beschwörung".

Der Schöpfer kommuniziert mit uns nicht durch irgendwelche 
Zeichen, sondern durch die innere Logik der Wirklichkeit. Die 
göttliche Hilfe, die Elieser bei der Identifizierung der für Jizchak 
passenden Frau erhält, erreicht ihn gerade über ein logisches 
Erkennungszeichen von Barmherzigkeit, die Riwka an den Tag 
legt. Dasgleiche gilt für Jonathan, Sohn König Scha'uls, dem die 
passende Methode des Angriffs gegen die Philister durch ein 
logisches Erkennungszeichen offenbart wird, das die im 
feindlichen Lager herrschende Furcht aufzeigt. 

Wie damals hegen auch wir heute unsere Befürchtungen 
bezüglich der Zukunft. Nicht immer ist der Weg klar vor uns. 
Häufig neigt man dazu, sich ausschließlich auf eine kalte, 
logische Analyse der Wirklichkeit zu verlassen. Andere wenden 
sich an Hellseher, Weissager und Kaffeesatzdeuter, um den 
Vorhang von der Zukunft beiseitezuschieben. Natürlich liegen 
der Tora beide Wege fern, die uns gebietet: "Untadlig sollst du 
sein gegen den Ewigen, deinen G~tt" (Dt. 18,13). Wir sollen das 
ständige Zwiegespräch mit G~tt pflegen: uns durch Gebete und 
unsere Taten in dieser Welt an ihn wenden und seinen Worten 
lauschen, die uns durch seine Tora und über unseren Verstand, 
den gesunden Menschenverstand und logisches Denken 
erreichen, seine Lenkung der Wirklichkeit zu verstehen. Dann 
werden wir in der Lage sein, den Auspruch des Nachum Isch 
Gamsu nachzuvollziehen, der auch in schwerer und 
bedrohlicher Lage zu sagen wußte: "Auch dieses ist zum Guten" 
(Ta'anit 21a, Sanhedrin 108b). Entsprechend wird sich Bileams 
Segen erfüllen: "Denn es ist keine Zauberei in Jakov, und keine 
Wahrsagerei in Israel; zur Zeit wird Jakov und Israel verkündet, 
was G~tt im Werke hat. Siehe da, ein Volk, wie eine Löwin 
erhebt es sich..." (Num. 23,23-24).
 
 
 
HaRav Aviner

Gib ihr einen Get!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Gib ihr einen Get (Scheidungs-Dokument) und setz' ihr nicht 
mehr zu. Und auch der Frau sei gesagt: Nimm den Get an und 
mach keine Schwierigkeiten (dieser ganze Artikel ist sprachlich 
auf den Mann ausgerichtet, gilt aber genauso für die Frau).

Ein Get ist nicht dazu da, Gelder zu erpressen, sondern um eine 
Möglichkeit der Trennung zu bieten, wenn es keinen anderen 
Ausweg mehr gibt, damit Beide eine neue Familie gründen 
können.

Wenn Sie sich also für die Scheidung entschieden haben, 
geben Sie noch am selben Tage den Get. Über die Aufteilung 
der Werte können Sie danach verhandeln, solange es nötig ist. 
Natürlich scheidet man seine Ehe nicht aus einer Laune heraus, 
sondern wendet sich zuerst an Ratgeber und Eheberatung. 
Sobald aber eine endgültige Entscheidung gefallen ist, wird die 
Scheidung sofort durchgeführt, und die Geldangelegenheiten 
sind hinterher zu regeln.

Wenn Ihre Frau die Scheidung will, Sie aber nicht, dann ist das 
zwar eine Tragödie, halten Sie sie aber nicht mit Gewalt bei 
Ihnen, denn Liebe erlangt man nicht mit Gewalt. Lassen Sie sie 
gehen! Seien Sie kein grausamer Herrscher!

Nutzen Sie in beiden Fällen die Religionsgesetze nicht in 
Böswilligkeit. Es sind gute Gesetze zum Besten der Menschen, 
zum Besten des Einzelnen und zum Besten der Familie, sie 
lassen sich allerdings auch mißbrauchen. "Denn gerade sind die 
Wege des Ewigen, die Gerechten wandeln darauf und die 
Missetäter straucheln darauf" (Hoschea 14,10). Die Halacha 
bietet den geraden Weg, und Sie benutzen sie für Ihre krummen 
Touren! Genug! Lassen Sie Ihre Frau gehen! Danach kann man 
über Geld reden.

Ich weiß nicht, wie Sie so tief absinken konnten, wie Sie so 
hinterhältig wurden. Wenn Sie so weitermachen, verspreche ich 
Ihnen die Hölle, sowohl in dieser wie in der kommenden Welt. 
Ihre Kinder werden Sie nämlich hassen für das, was Sie ihrer 
Mutter antaten, und Ihre Umgebung wird Sie verabscheuen.

Einmal wollte ein junger Ehemann seine Frau nicht freigeben. 
Alle redeten ihm zu, sie gehen zu lassen, alle flehten ihn an, alle 
Rabbiner, alle Erzieher und alle seine Freunde und Bekannten, 
doch er ließ sich nicht erweichen. Sie sagten ihm: Du bist auf 
dem Weg in die Hölle! Er tobte und wütete und schrie: Niemals! 
Und ich brüllte ihm zurück: Hölle! Er brüllt Nein! und ich Hölle! 
Schließlich hatte ich ihn weich, und noch am selben Tag gab er 
seiner Frau den Get. Drei Tage brauchte ich, um mich von 
dieser Begegnung zu erholen, aber so rettete ich ihn vor der 
Hölle, vor der Hölle auf Erden. 

Ein anderer Mann bereitete seiner Frau die Hölle auf Erden. Ihr 
Rabbiner riet ihr allerdings von der Scheidung ab, denn "dann 
weint der Altar im Tempel". Dazu erwiderte sie: "Ich habe schon 
soviel geweint - soll er auch ein bißchen weinen!".

Einer anderen Frau, die ebenfalls unter ihrem Mann litt, sagte 
der Rabbiner: "Mir erschien der Prophet Elijahu im Traum und 
sagte, wenn Sie sich scheiden lassen, halten Sie die Erlösung 
auf". Darauf sagte sie: "Wenn Ihnen der Prophet Elijahu das 
nächste Mal erscheint, dann schicken Sie ihn gleich zu mir, ich 
werde ihm die Sache schon richtig erklären!", verließ den Raum 
und schlug die Tür hinter sich zu. 

Genug! Lassen Sie Ihre Frau gehen! Und zwar sofort! Was soll 
das heißen?! Sklaverei? Erpressung? Warum machen Sie sich 
zur Belastung?! Wenn Ihre Frau gehen will, haben Sie nur einen 
moralischen Anspruch: "Laß uns gemeinsam zu einer 
ernsthaften Beratung gehen, zu unserem eigenem Besten und 
dem unserer Kinder". Aber dann lassen Sie sie gehen, geben 
Sie ihr einen Get ohne Bedingungen, und Geldangelegenheiten 
- später. 

Wenn Sie Ihrer Frau zusetzen, werde ich Ihnen zusetzen, wir 
alle werden Ihnen zusetzen, das ganze Volk Israel wird Ihnen 
zusetzen. Wir sind ein empfindsames Volk, wir können 
Missetaten nicht ausstehen, wir können nicht ausstehen, wenn 
jemand seinen Nächsten unterdrückt, schon gar nicht seinen 
Ehepartner.

Es gibt Menschen, deren ganzes Vermögen in ihrer Freiheit 
besteht - und diese treten Sie mit Füßen! Wie tief sind Sie 
gesunken, Sie und ihr widerlicher Rechtsanwalt, der nicht für 
Recht und Gerechtigkeit kämpft, sondern für Rechtsverdrehung, 
der zu lügen gelernt hat und an den Qualen Ihrer Frau sein Geld 
verdient. Werfen Sie ihn raus und nehmen sich einen 
anständigen Anwalt, oder noch besser: Wenden Sie sich an die 
Organisation für Vertrauensbildung/Vergleiche, das ist billiger 
und unendlich effektiver. 

Doch all das hinterher, erstmal geben Sie ihr einen Get. Wenn 
Sie ihr keinen Get geben, wird Ihnen auch die Hölle keinen Get 
geben. Alles, was Sie Ihrer Frau antun, wartet hinterher in der 
Hölle auf Sie. Es gibt nämlich Gerechtigkeit im Himmel - und auf 
Erden. 

Schnell, schnell, begehen Sie reumütige Umkehr! Sie haben ein 
Käppchen auf dem Kopf, einen Bart, Zizit und Schläfenlocken - 
und sind so ein Bösewicht. G~tt wird Ihnen nicht vergeben, und 
wir werden Ihnen nicht vergeben.

Und auch Sie, die Ehefrau, seien Sie keine Bestie, nehmen Sie 
den Get an, denn wie wir bereits erwähnten, dieser Artikel gilt in 
beide Richtungen.

Die richtige Reihenfolge: Der Wille zur Trennung, Beratung, 
Get, Geld. 
Und G~tt möge sich erbarmen.
 

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