DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHUKKAT
Nr. 520
2. Tammus 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 19,1-22,1):
Wasser mit Asche der roten Kuh zur Beseitigung von 
Leichenunreinheit im Tempel; Mirjam stirbt, Brunnen versiegt, 
Volk murrt; Moscheh eröffnet neue Quelle, aber nicht genau wie 
von G~tt befohlen; Edom verweigert Durchreise; Aharon stirbt 
nach Übertragung der Hohepriesterschaft auf seinen Sohn 
Elasar; Kana'aniter greifen an und werden geschlagen; Volk will 
kein Manna mehr, Strafung durch Giftschlangen; kupferne 
Schlange; Volk singt Loblied; Eroberung von Moaw und 
Baschan (Transjordanien und Golan).
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Geloben und Vereinigen

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Ein großes Unglück trifft das Volk vor seinem Eintritt in das 
Land Israel. Das Land, schon so nahe, rückt plötzlich wieder in 
weite Ferne wegen der Weigerung des Königs von Edom, sie 
durch sein Land ziehen zu lassen. Aharon der Hohepriester 
stirbt auf dem Berge Hor. Und jetzt trifft sie ein weiteres Übel. 
Der kana'anitische König von Arad greift Israel an, und es 
gelingt ihm sogar, Gefangene zu machen. In dieser Situation 
hätte man leicht verzweifeln können und dem nur zu 
wohlbekannten Mantra früherer Notlagen verfallen können: 
"Laßt uns ein Oberhaupt setzen und nach Ägypten 
zurückkehren". Und wer trotz des Erfolges der Kana'aniter noch 
nicht aufgegeben hat, wird sicherlich die Einsetzung eines 
amtlichen Untersuchungsausschusses verlangen, der die 
Gründe für diesen Rückschlag offenlegt und Empfehlungen für 
etwaige personelle Konsequenzen ausspricht. Die Israeliten 
jedoch, Gläubige, Nachkommen von Gläubigen, reagieren auf 
eine ganz andere Weise: "Da tat Israel ein Gelübde dem 
Ewigen und sprach: Wenn du dieses Volk in meine Hand gibst, 
so will ich ihre Städte bannen" (Num. 21,2).

Das erste Grundprinzip unserer Vorväter lautete: Diese Welt ist 
nicht sich selbst überlassen. In ihr verbirgt sich der Herr der 
Welt. Wenn uns ein Unheil befällt, so hat es seinen ersten 
Ursprung nicht in Irrtümern der Führung und nicht in 
Fehleinschätzungen des Militärs, sondern bei dem, der durch 
seinen Spruch die Welt schuf. "Ich, der Ewige vollführe alles; 
ausgespannt' ich die Himmel allein, dehnte die Erde aus meiner 
Macht. Er macht die Zeichen der Lügenredner zunichte, und die 
Wahrsager zu Narren. Er heißt die Weisen zurücktreten, und 
ihre Einsicht betört er" (Jeschajahu 44,24-25). Darum müssen 
wir uns zuerst an ihn wenden. Genau das bringt das Gelübde 
(neder) zum Ausdruck. 

An vorderster Stelle der "Gelobenden" steht unser Vorvater 
Jakov: "Und Jakov tat ein Gelübde und sprach..." (Gen. 28,20) - 
"sprach zu den kommenden Generationen, daß sie zur Zeit ihrer 
Not Gelübde ablegen" (Midrasch raba). Die Gelübde Israels 
lassen sich also auf diese Quelle zurückführen; "Da tat Israel 
ein Gelübde" - "der Vorvater Israel [=Jakov]" (ebda.).

Ein Gelübde wirkt nicht wie ein Amulett, das vor Unheil 
bewahren soll. Es soll auch kein Geschenk oder 
Bestechungsgeld sein, mit dem wir G~tt überreden, uns vor 
unseren Feinden zu erretten. Vielleicht irrte in diesem Punkt 
Jiftach, als er gelobte: "Wenn du die Söhne Ammon in meine 
Hand gibst, so soll dasjenige, was herauskommt aus den Türen 
meines Hauses mir entgegen.. dem Ewigen gehören, und ich 
will es als Ganzopfer darbringen" (Richter, 11,30-31), denn die 
Angelegenheit endete in Tränen, als ihm ausgerechnet seine 
Tochter bei seiner Rückkehr als Erste entgegenkam. Wir 
müssen uns fragen, welche Besserung G~tt von uns erwartet, 
um uns aus der Not zu retten? So schrieb Rabbi Jehuda 
Hachassid: "Wer in einer Notlage steckt... gehe zu einem 
Weisen... und der Weise wird ihm einen angemessenen Rat 
erteilen: Daß er ein Gelübde ablege, das er erfüllen kann, und 
das Gelübde sollte der Notlage entsprechen... und wenn er in 
seiner Not ein Gelübde ablegt, tue er das nicht wie die 
Emoriter... sondern folge dem himmlischen Willen... passend 
zur Notlage. Er stelle sich vor, vielleicht wurde er nur deswegen 
in diese Notlage gebracht, damit er ein dementsprechendes 
Gelübde aufsichnehme" (Sefer Chassidim). 

So ein Gelübde legten die Israeliten ab. Sie stehen vor dem 
Eintritt ins Land, das zwei Gesichter zeigt. Das eine - ein Land 
von Milch und Honig, und das andere - das Land G~ttes. Um 
diesen göttlichen und prinzipiellen Status der Erbschaft des 
Landes hervorzuheben, mußten sie sämtliche Beute der ersten 
Städte, die in ihre Hände fielen, dem Ewigen widmen. 

"Denn jedes der 613 Gebote, das der Mensch nur in Erfüllung 
des himmlischen Willens ausführt... - schwingt sich in die 
Höhen, und so eine Pflichterfüllung zieht eine andere 
Pflichterfüllung nach sich... und dazu gebe ich folgende 
Deutung:... darum bannten sie die Städte der Götzendiener und 
ihre Beute... denn ihre Absicht war es, nur in Erfüllung des 
himmlischen Willens zu kämpfen" (Tiferet Schlomo).

Das Gelübde gibt demnach der Anstrengung, aus der Notlage 
loszukommen, eine weit tiefere Bedeutung. Nicht nur, daß es 
der Erkenntnis Ausdruck gibt, alles sei in den Händen G~ttes 
und von den Händen G~ttes, es spiegelt auch den Versuch 
wider, den durch diese Notlage übermittelten göttlichen 
Ausspruch zu verstehen und bringt den Menschen dazu, die 
Konsequenz zu ziehen und von jetzt an nach seinem 
Verständnis dieser göttlichen Anleitung zu handeln. 

In diesem Sinne läßt sich eine neue Idee verstehen, die dieser 
Tage den Lehrhäusern des Katif-Gebietes entsprang, auf den 
Spuren von Vorvater Israel zu wandeln und G~tt ein Gelübde 
abzulegen (wegen der Strenge dieser Verpflichtung ziehen wir 
allerdings vor, diese durch den Ausspruch "bli neder
abzuschwächen). Sie verstehen, daß in dem grausamen Dekret 
der "Abkoppelung" [Übergabe des Katif-Gebietes an die 
Palästinenser nach Vertreibung der jüdischen Bewohner] eine 
an alle gerichtete Aufforderung nach verstärkter 
Verbindungsaufnahme mit dem übrigen Volke in allen seinen 
verschiedenen Teilen verborgen liegt, jeder auf seine Weise, 
wie es seiner Persönlichkeit entspricht, sei es durch persönliche 
Begegnungen, durch Mildtätigkeit oder auf sonstigen Wegen, 
bis an uns "Und der Ewige hörte auf die Stimme Israels" (Num. 
21,3) in Erfüllung geht. Darum ist jeder nicht nur dazu 
aufgefordert, "zu glauben und zu säen" [siehe Artikel "Viel Geld 
für Gusch-Katif", Nr. 515], sondern auch "zu geloben und zu 
vereinigen".
 
 
HaRav Ari'el
 

Werd' ich zum Augenblicke sagen... (II)

Rav Jakov Ari'el
Stadtrabbiner von 
Ramat Gan und Kandidat zum israelischen Oberrabbinat

[Fortsetzung von Nr. 518]   Der weltliche (nichtreligiöse) 
Zionismus löste sich von der Verwurzelung in der 
Vergangenheit und verwischte die Zukunftsvision des 
Judentums. Zwar führte man Verse aus der Bibel im Munde und 
zitierte Abschnitte aus dem Talmud und anderen Quellen, doch 
identifizierte man sich nicht vollständig mit unserer großen 
Vergangenheit und unserer noch größeren Zukunft. Die zweite 
und dritte Generation schränkten ihre Beziehung zu 
Vergangenheit und Zukunft immer weiter ein bis zur 
vollständigen Vorherrschaft allein der Gegenwart.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings begannen die Religiösen, sich 
der Gegenwart anzunehmen. Die Träger der gehäkelten 
Käppchen [ein Symbol national-religiöser Einstellung] mit ihrer 
toratreuen Erziehung und unter Einwirkung ihrer Rabbiner 
erhoben das Banner der Besiedlung aller Weiten des Landes 
Israel, und ließen es mit großem Eifer und Begeisterung wehen. 
Sie begnügten sich nicht mit einem Anlehnen an die 
Vergangenheit und passivem Ausblick auf die Zukunft, sondern 
begannen die Visionen an Ort und Stelle in die Tat umzusetzen, 
hier und jetzt.

So wurden auch wir sozusagen zu "Jüngern der Gegenwart". 
Allerdings unterscheidet sich unser "Hier und Jetzt" ganz 
wesentlich von dem, was die Straßenkultur darunter versteht. 
Es bildet nämlich einen organischen Bestandteil von 
Vergangenheit und Zukunft. Unser "Hier und Jetzt" bedeutet 
Mittel, aber nicht Zweck. Wir möchten mithilfe unserer Taten in 
der Gegenwart alle unsere Ziele erreichen, jene, die unseren 
Vorvätern in der Vergangenheit versprochen wurden, und jene, 
die von unseren Prophten für die Zukunft projiziert wurden. 

Wer nicht die innere dialektische Spannung des Gläubigen 
kennt, mag irrtümlich den Eifer und die Begeisterung, mit der 
der gläubige Mensch seine Ideen in die Tat umzusetzen 
versucht, als rein gegenwartsbezogen interpretieren, und was 
sich nicht hier und heute erreichen läßt, auch in der Zukunft 
nicht erreicht werden kann. Wer die Dinge so sieht, überträgt 
die Einstellung der Straßenkultur des Augenblickes auf die 
Gegenwartsbezogenheit des Glaubens, die sich allerdings 
ihrem ganzen Wesen nach von ihr unterscheidet. 

"Der Gläubige überstürzt nichts" - lehrte uns unser Meister 
Rabbiner Zwi Jehuda Kuk. Der wahre Gläubige übereilt nicht 
seine Ideen und deren Umsetzung in der Gegnwart, getrieben 
von der Befürchtung: "Wenn nicht jetzt, dann war alles 
umsonst". Im Gegenteil, er glaubt, daß die vollständige 
Verwirklichung der Dinge nur von G~ttes Willen abhängt, und 
nicht alles nur von ihm selber. Wer glaubt, alles hänge nur von 
ihm selber ab, gehört nicht zu den Gläubigen, sondern zu den 
Widerspenstigen! Andererseits sieht sich der Gläubige als 
Gesandter der Vorsehung, der das Maximum unter den 
gegebenen Bedingungen leisten muß, und es ist ihm verboten, 
von seiner göttlichen Mission abzulassen.

Der Gläubige drückt sich nicht vor objektiven oder äußerlichen 
Sachzwängen. Sein Glaube daran, daß alle göttlichen Pläne 
Wirklichkeit werden müssen - teils heute, teils in der ferneren 
Zukunft - bewirkt, daß er zu einem Idealisten mit erhöhter 
Motivation wird. Von ganz alleine werden die äußeren 
Umstände für ihn weniger bedeutend gegenüber der Stärke 
seines Glaubens in die Pflicht der Verwirklichung der göttlichen 
Ideen.

Der Idealist ist auch ein Realist. Er ist weder blind noch blöde. 
Vielmehr sieht er alles zwangsläufig von einer höheren Ebene. 
Von seinem hohen Blickpunkt aus sehen Dinge, die von unten 
betrachtet hoch erscheinen, für ihn viel niedriger aus. Seine 
Begeisterung blendet nicht seine Augen, nicht mehr die 
objektive Wirklichkeit zu sehen, und er verliert nicht die Klarheit 
seines Denkens. Junge Menschen, die noch nicht ausgelernt 
haben, die sich dem großen Lager der Gläubigen anschließen, 
bedienen sich vielleicht einer etwas extremeren 
Ausdrucksweise und neigen auch eher zu leichtsinnigen Taten, 
doch sind nicht sie es, die uns den wahren Glauben und die 
vollkommene Tora lehren.

Zu unserem Leidwesen entstand in der öffentlichen Meinung ein 
Zerrbild des Glaubens. Die Massenmedien konzentrieren sich 
auf Randgruppen und spektakuläre Vorkommnisse, dazu 
kommentieren sie Glaubensangelegenheiten entsprechend ihrer 
Voreingenommenheit. Man muß von diesen Erscheinungen 
lernen und die Glaubensfragen auf ihre verläßlichen Quellen 
zurückführen. Glauben führt zu Begeisterung, doch nicht jede 
Begeisterung bedeutet wirklichen Glauben. Glauben führt zu 
Idealismus, doch nicht jedes Ignorieren von objektiven 
Sachzwängen ist mit Glauben gleichzusetzen. Der Glauben will 
auch in der Gegenwart in die Tat umgesetzt werden, doch darf 
er dabei nicht die Hoffnung auf zukünftige Generationen 
verlieren: "alle Tage deines Lebens, dies schließt die 
messianischen Tage ein" (Brachot 12b). In tiefem Glauben und 
mit gesundem Menschenverstand sind wir der Überzeugung, 
daß nur die Stärkung des Volkes Israel in seinem Lande, durch 
dessen Besiedlung, das Schlagen von Wurzeln und durch 
felsenfestes Bestehen auf seine wahren Rechte die 
vollkommene Erlösung - bald - herbeigeführt wird.
 
 

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