DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 496
12. Schwat 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 13,17 - 17,16):
Ägypter verfolgen die Kinder Israels nach dem Auszug; 
Spaltung des Schilfmeeres; Übergang der Israeliten, Untergang 
der Ägypter; 2 Lobgesänge; erste Beschwerden; Man 
("Manna"); freitags doppelte Menge, reicht auch für Schabbat; 
wiederum Zank um Trinkwasser; Moscheh schlägt den Felsen; 
Überfall der Amalekiter; Gebot, Amalek in allen Generationen zu 
bekämpfen.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Von links und von rechts

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Bei der detaillierten Schilderung der Teilung des Schilfmeeres 
betont die Tora besonders die Trennung der Fluten und ihre 
beidseitige Aufstellung, ja wiederholt sogar den Vers "und das 
Wasser war ihnen eine Mauer zu ihrer Rechten und zu ihrer 
Linken" (Ex. 14, 22+29). Es leuchtet ein, daß die doppelte 
Erwähnung und besondere Betonung nicht nur dem Wunder 
vom Einfrieren und Aufstellen der Wassermassen auf beiden 
Seiten einer trockenen Passage gelten, sondern hauptsächlich 
einer Lehre für spätere Generationen.

Die talmudischen Weisen schilderten ausführlich das Gefühl der 
Bedrängnis, das der Teilung des Schilfmeeres voranging, als 
die Kinder Israels vor sich das Meer und hinter sich die 
anrückenden Ägypter sahen und sich etwa wie zwischen 
Hammer und Amboß fühlten. "In jener Stunde standen sie und 
wußten nicht, was zu tun, das Meer versperrte den Weg, und 
der Hasser verfolgte sie, und wilde Tiere von der Wüste" 
(Midrasch Schemot rabba, §21). Der Tossafotkommentar 
(Ta'anit 16b) verstärkt noch das Gefühl der Verzweiflung und 
der Ausweglosigkeit in jener Stunde, und überhaupt im Zeitalter 
des Auszugs aus Ägypten. Seiner Ansicht nach bietet dieses 
Gefühl den Rahmen für das Gebet "Wer unsere Väter am 
Schilfmeer erhörte, wird uns erhören... und das Vergessene 
erinnern", weil diese Errettung erst eintrat, als die Kinder Israel 
die Hoffnung gänzlich aufgegeben hatten. Darum halten wir für 
alle Generationen fest, wie G~tt ihr verzweifeltes Flehen 
erhörte, und das Maß der Erinnerung, das vor dem Thron seiner 
Ehre aufgerüttelt wurde und "er das Vergessene erinnert", um 
sie zu erlösen.

In diesem Lichte bilden die gewaltigen Wassermauern, die sich 
rechts und links von ihnen auftürmten, eine Art Fortsetzung des 
Beengungsgefühls und Überbrückung vom Höhepunkt der Not 
zum Höhepunkt der Erlösung, und hinterließ selbst dann im 
Volke Israel einen Hauch von einzwängender Bedrängnis. Wo 
wir erwartet hätten, das Wunder als Auszug von der Bedrängnis 
in die Weite im Sinne von "Aus der Enge rief ich zum Ewigen, er 
führte mich in die Weite" (Psalm 118,5) zu sehen, erfahren wir 
eine "Enttäuschung" in der Erscheinung des trockenen Pfades 
zwischen den gewaltigen Wassermauern, bis daß die Juden 
sogar vor einem Vorangehen zurückschreckten (siehe "Sprüche 
der Väter" nach Rabbi Nathan, §33). Der hautenge Schutz, den 
die riesige Wassermauer den Israeliten bot, wurde in ihren 
Augen auch als Bedrohung aufgefaßt, und darum sagten sie: 
"Wir können nicht zwischen diesen Mauern hindurchgehen..." 
(ebda.) aus Furcht, sie könnten über ihnen zusammenstürzen 
(wie es auch beinahe geschah, als das Götzenbild von Micha 
dort durchkam).

In Wirklichkeit aber verstärkt dieses Gefühl der 
Hoffnungslosigkeit bloß das Wunder und den Kontrast vom 
Extrem der Verzweiflung und des Verlorenseins gegenüber dem 
Extrem himmlischer Errettung. Die absolute Abhängigkeit der 
die Pfade zwischen den Wassermassen Durchschreitenden von 
ihrem himmlischen Vater beließ nicht den geringsten Zweifel bei 
den Teilhabern dieses Wunders, ob sie das Wunder nun 
zugeben wollten oder auch nicht. Solche Momente kommen nur 
sehr selten in der Geschichte einer Nation vor, in denen die 
Hand G~ttes so deutlich in Erscheinung tritt, daß überhaupt kein 
Raum für irgendwelche Fragen oder Unsicherheit über die 
Richtigkeit des Weges bestehen. Zu jener Stunde, als ein jeder 
seinen Finger erhob und sagte: "Dieser ist mein G~tt, ich will ihn 
verherrlichen" (Ex. 15,2), gab es nur einen einzigen Weg, 
dessen Seitengrenzen eindeutigst durch G~tt selber 
vorgegeben waren. Dieser Weg eröffnete sich mitten in 
dunkelster Nacht und erhellte sie, doch sollte er zudem ein 
klares Ziel eröffnen, das auch den weiteren Generationen Licht 
spendet, wenn sie von der Finsternis überwältigt werden und 
Unklarheit über den weiteren Weg herrscht, "du bringst sie und 
pflanzt sie ein auf dem Berge deines Eigentums" (Ex. 15,17; 
tägl. Morgengebet).

Dieses Thema kommt auch im weiteren Verlauf des 
Wochenabschnitts zum Ausdruck, und zwar beim Man 
("Manna"), das auch von beiden Seiten, von oben und von 
unten, von Wasser umgeben war (Tau), wie in einem 
Umschlag. Diese doppelte Verpackung soll das Wesen des Man 
als Brot vom Himmel verdeutlichen in Verneinung der 
abwegigen, wenn auch verbreiteten Auffassung von der 
Bedeutung des Brotes im Leben des Menschen - "nicht durch 
das Brot allein lebt der Mensch" (Dt. 8,3). Nur auf der 
zweifachen Grundlage der Umfassung eines göttlichen 
Wunders von rechts und links, von oben und unten kann zu 
vollkommener Gewißheit und absoluter Annahme der Tora 
erzogen werden, und darum wurde die Tora gerade denen 
gegeben, die das Man gekostet hatten. 
 
 
HaRav Aviner

Ein wahrer Pädagoge!

Ein Brief an Rav Schlomo Aviner 
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Sehr geehrter Herr Rabbiner Aviner,
In diesen Tagen finden die Aufnahmeprüfungen für das nächste 
Schuljahr in den Jeschiwot und den Mädchenseminaren statt 
[für die 9. Klasse]. Dazu möchten wir Ihnen gerne unsere 
Geschichte erzählen.

In einer Ausgabe der "Betrachtungen zum Wochenabschnitt" 
[Tezawe 5762 Nr. 344] veröffentlichten Sie einen Artikel mit 
dem Titel "Elitäre Erziehung". Dort antworteten Sie auf die 
Anfrage einer Mutter, die von ihren Schwierigkeiten berichtete, 
ihren Sohn auf einer Mittelstufen-Jeschiwa unterzubringen, über 
die Laufereien, die Suche und die Ablehnungen wegen der 
mittelmäßigen Zensuren ihres Sohnes in Mathematik und 
Talmud. 

Mit ihrer Antwort an diese Mutter ermutigten Sie uns ganz 
besonders, weil wir genau denselben Problemen begegnen.

Unser Sohn, der seinerzeit die Unterstufe beendet hatte und 
nun in die Mittelstufe aufsteigen sollte, machte die Prüfungen an 
vier Jeschiwot in der Umgebung Jerusalems. 

Da er unter Lernschwierigkeiten leidet und all die Jahre 
behandelt wurde, erhielt er Stützung sowohl vom Elternhaus als 
auch von der Schule, und wir haben ihm mit allen Mitteln 
geholfen, die uns zur Verfügung standen. Es ist ein großartiger 
Junge aus ihm geworden, voller Bescheidenheit, Höflichkeit und 
Himmelsfurcht, was in seinen Zeugnissen immer mit 
besonderen Auszeichnungen honoriert wurde. In den 
Lernfächern allerdings galt er nur als mittelmäßig und darunter, 
trotz hoher Motivation.

Wie nun die Zeit des Übergangs auf eine Mittelstufen-Jeschiwa 
näherrückte, zogen wir von Jeschiwa zu Jeschiwa, von Prüfung 
zu Prüfung, und von allen besagten Jeschiwot erhielten wir 
Absagen.

Ich kann Ihnen gar nicht die Scham und die Traurigkeit 
beschreiben, die wir fühlten, nicht etwa wegen unseres Sohnes, 
um Himmels willen, sondern wegen eines Schulsystems von 
Jeschiwot, das vorgibt, einen hohen Standard von Ethik, guten 
Charaktereigenschaften und Himmelsfurcht für sich gepachtet 
zu haben. Auf welche Kriterien konzentrieren sie sich dazu, auf 
die Zensuren in Englisch und Mathematik?!

Und so standen wir da mit leeren Händen, ohne von einer 
einzigen Jeschiwa angenommen worden zu sein, und das eine 
Woche vor Beginn des Schuljahres (unserem Sohn sagten wir 
nichts von den Ablehnungen, um seine Gefühle nicht zu 
verletzen).

Und dann, ganz plötzlich, rief die Sekretärin der Jeschiwa bei 
uns an, an der unser Sohn derzeit lernte, und teilte uns mit, daß 
wegen einer Änderung in den Leitlinien der Jeschiwa auf 
Veranlassung des für die spirituelle Ausrichtung zuständigen 
Rabbiners entschieden wurde, auch mittelmäßigen Schülern, 
deren Verhalten ansonsten einwandfrei sei, ein Weiterlernen an 
der Jeschiwa zu ermöglichen. Entsprechend würde unser Sohn 
für das kommende Schuljahr angenommen werden. 

Heute lernt unser Sohn an der Jeschiwa in Kochaw Haschachar 
in der 11. Klasse, und dank der Unterstützung, der Geduld und 
der besonderen pädagogischen Methode der Jeschiwa zeitigen 
seine Bemühungen in Richtung Abitur die ersten Erfolge. 
Besondere Glücksgefühle allerdings verursachten uns diese 
Woche die Worte des Leiters der Jeschiwa. Anläßlich unserer 
Begegnung sagte uns der Rabbiner, es gebe an seiner 
Jeschiwa einige Schüler, bei denen er das Bedürfnis verspüre, 
sich von seinem Platz zu erheben, wenn sie den Lehrsaal 
betreten, und einer von ihnen sei unser Sohn. Der Rabbiner bat 
uns auch, wenn unser Sohn s.G.w. eines Tage unter der 
Chuppa stünde, nicht zu vergessen, ihn einzuladen, damit er an 
diesem Ereignis teilhaben könne. 

Eine Schlußbemerkung: Was wäre wohl geschehen, wenn er 
damals nicht aufgenommen worden wäre? In welchem Loch 
wäre er gelandet? Leider gibt es viele gute Kinder, denen das 
Lernen schwerfällt, und jene, die nicht von Jeschiwot 
angenommen wurden, die sich dann herumtreiben und in 
schlechte Gesellschaft geraten. So wie Sie damals in Ihrem 
Artikel schrieben: "Dieser Maimonides war von langsamer 
Auffassungsgabe, wenig willig zu lernen. Sein Vater prügelte 
ihn, bis er die Hoffnung aufgab und ihn 'Sohn des Schlachters' 
nannte". Wer weiß, wieviele Maimonidesse heutzutage nicht 
von Mittelstufen-Jeschiwot aufgenommen werden. Vielleicht 
sollten Sie dieses Thema wieder einmal öffentlich ansprechen, 
um die Jeschiwaleiter zu einem Überdenken ihrer 
Aufnahmekriterien von Schülern anzuregen.
Hochachtungsvoll
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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