DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN
IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 495
5. Schwat 5765
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 2) 6519 780
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese
Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):
Die
letzten drei Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung
der
Erstgeborenen; Definition des "ersten Monates";
Vorbereitungen
zum Auszug aus Ägypten: Opferblut an
Türpfosten,
Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israels
backen
Matze; Gesetze von Tefillin und Erstgeborenen der
Haustiere
zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
| Am
Schabbes-Tisch...
Freiheit für
immer
Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret" |
Ein Volk von Sklaven steht nach 210 Jahren furchtbarer
Knechtschaft vor seiner Befreiung. Nicht nur körperlich war es
knochenbrechender Schwerstarbeit unterworfen. Auch der
Geist, des Individuums wie der Gemeinschaft, mußte sich dem
ägyptischen Imperium und seiner Kultur unterwerfen. So wie
unsere Vorväter mit ihren Füßen in Sand, Lehm und Steinen
steckten, versank ihr Geist in den "49 Stufen ägyptischer
Unreinheit". Darum reichte die Zustimmung Pharaos zum
physischen Auszug der Juden aus Ägypten nicht aus. Viel
drastischere Maßnahmen waren erforderlich, um ihren Geist
aus der kulturellen und spirituellen Beengung zu befreien, in der
er eingesperrt war. Ein chassidisches Sprichwort bringt diese
doppelte Befreiung besonders deutlich zum Ausdruck:
Maschiach ben Josef wird kommen, um die Juden aus der Galut
(Exil) zu holen, und Maschiach ben David wird kommen, um die
Galut aus den Juden zu holen...
Eine komplette "Umerziehung" mußte das jüdische Volk
während des Auszugs aus Ägypten absolvieren. Dadurch wird
auch verständlich, warum es so wichtig war, das Herz Pharaos
verstockt zu machen und ihn mit zehn Plagen zu schlagen,
bevor Israel aus Ägypten zog. Die erniedrigten Juden, denen ein
Gefühl der Minderwertigkeit gegenüber ihren ägyptischen
Unterdrückern in Fleisch und Blut übergegangen war, mußten
ein ums andere Mal die Niederlage ihrer Herren vor dem G~tt
Israels unter die Nase gerieben bekommen, bis hin zu "und
Israel sah Ägypten tot am Ufer des Meeres" (Ex. 14,30). Dies
wird dem "einfältigen Sohn" unter ihren Nachkommen erzählt:
"Mit starker Hand hat uns der Ewige aus Ägypten, dem
Sklavenhause, herausgeführt" (Pessach-Hagada). Das reicht
allerdings noch nicht. Eine spirituelle Umwälzung kann nicht
durch äußere Einflüsse stattfinden, durch passives
Betrachten,
was Anderen geschieht. Die spirituelle Revolution muß durch
die Taten der Kinder Israels selber erfolgen.
Das erste Gebot, das den Kindern Israels befohlen wurde,
betraf den jüdischen Kalender. Die Jahreszeiten formen dir
Identität eines jeden Menschen und eines jeden Volkes. Die
Einstellung der Benutzung des ägyptischen Kalenders und die
Adaptation an einen eigenen Nationalkalender symbolisieren
wie kaum etwas anderes die Entlassung des Volkes in die
ewige Freiheit. Die Zählung der Jahre wurde nunmehr vom
Nullpunkt des Auszugs begonnen, und nicht von der
Inthronisierung der Pharaonen. Die Jahre der Knechtschaft
wurden "prähistorisch", ohne jede Relevanz gegenüber der
sich
erneuernden Identität. Auch die Monate werden nach einer
eigenen Methode gezählt und erhielten neue Namen im Glanze
des Monats der Freiheit, der "euch der erste sei unter den
Monaten des Jahres" (Ex. 12,2).
Danach wurde die religiöse Rebellion ausgerufen. Jedes
jüdische Familienoberhaupt nehme den Gott seiner
Unterdrücker, das Schaf, und binde ihn vier Tage lang an
seinen Bettpfosten. Danach sei er zu schlachten und von dem
Blute an die Haustür zu streichen. Die Sache wird nicht
geheimgehalten, sondern in aller Offenheit ausgeführt. Nicht im
Dunkeln gemunkelt, sondern in vollem Tageslicht. Und der
Ewige sprach zu seinem Volke: "und an allen Göttern Ägyptens
werde ich Strafgerichte üben, Ich der Ewige" (Ex. 12,12).
Die Freiheit bedeutet nicht nur eine "Entfernung vom Bösen",
einen Auszug in die Freiheit aus dem Joch der Knechtschaft.
Die Freiheit verpflichtet zur Formung einer spezifischen und
selbständigen Identität. Diese nationale Identität entsteht
nicht
nur durch Taten und Ideen - sondern auch durch den Mund.
Jedes Volk hat seine typischen Nationalgerichte. Und hier
gebietet G~tt das "Menü der Freiheit": "das Fleisch... am Feuer
gebraten" (Ex. 12,8; vielleicht stammt von hier - unterbewußt
-
der Brauch, am israelischen Unabhängigkeitstag ins Grüne
zu
fahren und Fleisch vom Holzkohlengrill zu essen) mit Matze und
Bitterkraut. Später, beim Zug durch die Wüste, wird sich
daraus
der Disput zwischen dem himmlischen Brot, dem Man
("Manna"), und den Fleischtöpfen Ägyptens entwickeln, "die
Fische, die wir umsonst aßen in Ägypten, die Gurken, Melonen,
Lauch, Zwiebeln und Knoblauch" (Num. 11,5). Bis auf den
heutigen Tag werden Symbole jüdischer Identität selbst an
den
vom Judentum entferntesten Winkeln der Welt in Form der für
die Feiertage typischen Speisen gefunden: Mazzeklöße an
Pessach, Hamansohren an Purim und Berliner Pfannkuchen an
Chanukka.
Natürlich läßt sich eine nationale Identität nicht
auf dem Füllen
des Bauches begründen. Gerade in jener Stunde, "da Mazza
und Maror vor dir liegen", wenn Gesichts- und Geschmackssinn
auf vollen Touren arbeiten, ist es jedem jüdischen Menschen
geboten, seinen Kindern die Geschichte zu erzählen, für die
diese Dinge stehen, die Geschichte vom Auszug aus Ägypten:
"Und an jenem Tage sollst du deinem Sohn erzählen: Das ist
um dessentwillen, was der Ewige an mir getan, als ich aus
Ägypten zog" (Ex. 13,8). Die Geschichte vom Auszug aus
Ägypten bedeutet weit mehr als nur nur eine Wiedergabe der
Gnade und der Wunder G~ttes. Das ist die Auszugs-Geschichte
des Volkes als Volk G~ttes, als Volk, das jederzeit und überall
von der göttlichen Vorsehung begleitet wird. Im Gegensatz zu
Ägypten, das sein Nationalbewußtsein auf die nach außen
sichtbare Stärke stützte, in Form riesiger Pyramiden, mächtiger
Sphinxe und eindrucksvoller Monumente, begründet das ewige
Weltvolk sein Bewußtsein auf etwas viel Abstrakteres, nämlich
auf die Erzählung, die durch die Sprache des Mundes und das
Hören des Ohres von Generation zu Generation weitergegeben
wird; eine Erzählung, die kein Imperium zerstören oder
totschweigen kann, die uns kein Dieb oder Räuber nehmen und
der kein Zahn der Zeit etwas anhaben kann.
Mit dem Auszug aus Ägypten erhielten wir weitere Gebote, die
unser Bewußtsein der Freiheit und Einzigartigkeit vertiefen
sollen: die Beschneidung als Symbol der Freiheit am Körper
des Juden, und die Tefillin, die an die Grundsätze des Glaubens
und die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erinnern und dem
Geist den Stempel der Freiheit aufdrücken.
Lang ist der Weg zur Freiheit, und kompliziert. Sie muß alle
Bereiche des Lebens und alle Schichten der individuellen und
der nationalen Seele erfassen. Sie verpflichtet zu umfassendem
und allgemeinem Wechsel - des Kalenders, der Speisen, und
beim Ortswechsel auch der Wirtschaftsordnung und der
Sprache, vor allem aber des Bewußtseins, daß der
Hauptbaustein dieser Freiheit fünfzig Tage später empfangen
wird, am Tage der Übergabe der Tora am Berge Sinai.
Und wer weiß, vielleicht sollen gerade die Ereignisse unserer
Tage der Herausforderung dienen, die Galut aus den Juden zu
holen...
| HaRav
Aviner
Zur Ehre unserer
Armee
Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa
von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt |
 |
-Hallo? Hauptmann Eres Lotam?
-Ja, Schalom. Hier spricht Eres.
-Ich bin dein Cousin (zweiten Grades), Jarel.
-Wie geht's, Reb Jarel?
-Baruch Haschem. Ich wollte dich zur Brit Mila meines Sohnes
morgen einladen.
-Leider kann ich nicht. Ich würde sehr gerne kommen, aber wir
haben zu viel zu tun.
-Kannst du nicht von deinem Vorgesetzten einen kleinen
Kurzurlaub bekommen?
-Ich bin mein eigener Vorgesetzter, aber ich kann einfach nicht.
In unserem Abschnitt brodelt es.
-Was hast du dann davon, ein Kommandeur zu sein?
-Gar nichts habe ich davon. Ich habe nichts davon, aber unser
Volk hat viel davon. Das macht mich glücklich. Gerade hatte ich
eine ganz ausgezeichnete Nacht.
-Hast du ausgezeichnet geschlafen?
-Im Gegenteil. Ich habe überhaupt nicht geschlafen. Wir haben
fünf Terroristen geschnappt, die einige Anschläge planten.
-Jascher koach! Da wirst du den versäumten Schlaf eben ein
andermal nachholen.
-Schön wär's. Ich schlafe durchschnittlich drei Stunden pro
Nacht.
-Schläfst du dann nicht mitten im Kampf ein?
-Sowas ist unmöglich! Aber bei Offiziersrunden fallen mir schon
manchmal die Augen zu.
-Dumme Frage, Eres, aber ein ganzes Bataillon, um fünf Feinde
zu fangen?! Das ist schon nicht mehr "Viele in die Hände von
Wenigen", sondern "Wenige in die Hände von Vielen"!
[Anspielung auf das Al-Hanissim-Gebet]
-Ach, Jarel, wie wenig kennst du die Realität. Terroristen, das
ist wie eine Kanone, die gleichzeitig in alle Richtungen feuert.
Stell dir mal vor, du spielst Tennis, und die Bälle kommen aus
allen Richtungen angeflogen. Du weißt gar nicht, wie schwer es
ist, auch nur einen einzelnen Terroristen zu fangen, wieviele
schlaflose Nächte, und welche Gefahren.
-Jetzt verstehe ich, warum ihr manchmal das Ziel verfehlt und
es Anschläge gibt.
-Damit tust du mir und meinen Leuten Unrecht, Reb Jarel. Wir
erzielen so viele Erfolge, und erhalten dafür so wenig
Anerkennung. Äußerst selten, daß mal etwas schiefgeht.
Wir
haben fast vollkommene Kontrolle über die Terroristennester,
und das auf ihrem eigenen Gebiet.
-Wie schafft ihr das?
-Durch ein Zusammentreffen mehrerer günstiger Umstände.
1. Großartige Soldaten, mutige, furchtlose Kämpfer. Jeder
Jahrgang übertrifft den vorigen. 2. Guter Kampfgeist, hohe
Kampfmoral, Überzeugung von der Richtigkeit des Weges,
"Heiter bei ihrem Ausgang und freudig bei ihrem Heimgang,
vollziehen mit Ehrfurcht den Willen ihres Schöpfers" (aus dem
Schabbat-Morgengebet), auch wenn sie kein Käppchen auf dem
Kopf haben. 3. Geschlossenheit. Absolute Verläßlichkeit
einer
auf den anderen. Pharao sagte seinerzeit: "Siehe, das Volk der
Kinder Israel ist zahlreicher und stärker als wir" (Ex. 1,9).
Wieso
"stärker als wir"? Dazu las ich einmal eine Erklärung, "weil
sie
ein Volk und geeint waren, und obwohl sie Wenige im Vergleich
zu den anderen Nationen waren, wurden sie für zahlreicher und
stärker als diese gehalten, weil jeder sein Leben für seinen
Bruder einsetzte - wie jeder, der etwas von Krieg versteht, weiß"
(Or Hachajim ebda.).
-Aber einmal habt ihr einen verletzten Soldaten beim Josefsgrab
in Schchem aufgegeben?
-Das war ein furchtbarer Irrtum, aber das ist die Ausnahme, die
einzige in unserer Geschichte, die gerade die Regel bestätigt.
Ich kann nur sagen, lieber Jarel, wie wunderbar das bei Zahal
[die israelische Verteidigungsarmee] zugeht, wo alle Brüder
sind, Religiöse und Nichtreligiöse, Rechte und Linke,
Aschkenasim und Sfaradim! Welch erfrischender Anblick!
-Du hast mir aber noch nicht auf die Sache mit den "Wenigen in
die Hände der Vielen" geantwortet.
-Ein optischer Irrtum. Wir sind von allen möglichen Feinden
umgeben. Die Terroristen bilden bloß die Spitze des Eisbergs.
Ringsherum gibt es Staaten mit hunderten Millionen
Einwohnern, die zum Krieg gegen uns rüsten. Nach einer
Umfrage sind wir das bedrohteste Land der Welt, mit der
größten Anzahl auf uns gerichteter Gewehrläufe pro
Quadratkilometer.
-Mach dir keine Sorgen, Eres, G~tt wird uns beistehen.
-G~tt steht uns schon jetzt bei, jeden Tag hilft er uns, und wir
helfen ihm, uns zu helfen. Wir sind seine Boten. Alle Häupter
der Terroristenorganisationen wurden liquidiert, was jetzt dort
rumläuft ist ungefähr sechste Wahl. Wir könnten uns
die
Wirklichkeit kaum besser vorstellen. Sicher hilft uns G~tt durch
Wunder, aber das kommt zusammen mit unserer
Opferbereitschaft.
-Auch ich opfere mich auf, für die Tora.
-Glaube mir, ich weiß das sehr zu schätzen. Aber bei meinen
Soldaten ist die Opferbereitschaft im wahrsten Sinne des
Wortes zu verstehen. Ich liebe sie alle. Solche mutigen
Kämpfer, und dabei doch so sensibel.
-Also vielleicht mit etwas Mühe kannst du trotzdem zur Brit Mila
kommen?
-Weißt du, Reb Jarel, daß ich schon drei Wochen lang keinen
Schabbat mit Frau Kindern verbringen konnte? Vor zwei
Wochen hatte ich schon alles für einen Schabbat zuhause
vorbereitet, und im letzten Moment war ich dann doch
gezwungen, hierzubleiben. Vor einer Woche rief man mich
mitten im Kiddusch zurück. Nur während der Woche konnte ich
einen Abend zuhause verbringen. Das gab ein wahres
Freudenfest!
-Kann ich dir was sagen, Eres?
-Sag was du willst.
-Alle Achtung, Zahal.
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