DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BALAK
Nr. 521
9. Tammus 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 22,2-25,9):
Balak, König von Moaw, fürchtet Invasion der Kinder Israels und 
läßt Bil'am, den nichtjüdischen Propheten, kommen, um durch 
dessen Flüche das Schicksal abzuwenden; auf der Reise 
mißhandelt Bil'am seine Eselin, und sie beschwert sich; auf 
G~ttes Befehl segnet Bil'am die Israeliten, statt zu verfluchen, 
zu Balaks Mißfallen; das Volk macht sich an die Moabiterinnen 
ran, göttliche Strafung durch Seuche; Pinchas, Enkel Aharons, 
beendet das Treiben durch Aufspießen des Anführers und 
seiner midjanitischen Gefährtin.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Kinder der Armen

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Unter den zahlreichen Segnungen des bösen Bile'am findet sich 
der Vers "Es wird rinnen Wasser aus deinen Eimern und seine 
Saat an reichlichen Gewässern" (Num. 24,7), der die Fülle des 
Guten beschreibt, dessen Israel in der Zukunft anteilig wird. Wie 
seine übrigen Prophezeiungen ist auch diese verschlüsselt und 
bedarf der Deutung. Die talmudischen Weisen verwendeten 
diesen Toravers auf die Schulpolitik, nämlich als allgemeine 
Aufnahmebedingungen: "Seid vorsichtig mit den Kindern der 
Armen, denn von diesen geht die Tora aus, wie es heißt: Es 
wird rinnen Wasser aus deinen Eimern [midaljaw] - von ihnen 
[den Armen, midalaw, gleiche Konsonantenfolge] geht die Tora 
aus" (Nedarim 81a).

Diese Weisung beschäftigte besonders den MaHaRaL ("hoher 
Rabbi Löw" aus Prag), sowohl hinsichtlich ihrer theoretischen 
als auch ihrer praktischen Seite. Er sah darin einen Prüfstein für 
die korrekte Einstellung zur Tora und ihrer Heiligkeit. Seinen 
Worten nach geht es hier nicht nur um die soziale Frage der 
Chancengleichheit im Erziehungswesen, wodurch automatisch 
die statistische Wahrscheinlichkeit des Hervorbringens von 
Toragrößen durch die sozio-ökonomisch benachteiligten 
Schichten erhöht werde, sondern vor allem um religiöse 
Aspekte. Allerdings befaßte sich der MaHaRaL auch mit den 
besonderen Eigenschaften des Armenkindes, die es für den 
Erhalt der Tora geeigneter machen als seine Altersgenossen 
aus wohlhabenderen Häusern, sei es wegen seines Abstandes 
von materiellen Dingen, der zwangsläufig aus einem Leben des 
Mangels und der Not im Hause eines Armen resultiert, sei es 
wegen gesteigerter Demut, die sein gesellschaftlicher Status 
mitsichbringt. Dieses Thema scheint aber mit dem Verständnis 
der Charaktereigenschaften dieses oder jenes Schülers noch 
nicht vollständig ausdiskutiert, vielmehr birgt es ein viel 
weitreichenderes Prinzip in sich.

Wenn sich hier und dort unter Toraschülern eine ganz 
natürliche Neigung zur Klickenbildung mit toraorientiertem 
Charakter zeigt, ist daran nichts auszusetzen, nur daß dieser 
Zusammenschluß keinen Dunst von Abkapselung oder 
Überheblichkeit ausströmen darf. Wenn aber die Förderung der 
Erziehung der kommenden Generation zur Abweisung der 
Armenkinder durch die Toraschulen führt, zeigt sich darin eine 
vollkommen fehlgeleitete Auffassung vom Wesen der Tora. Die 
Tora darf nämlich nicht auf nur bestimmte Gruppierungen 
innerhalb des jüdischen Volkes beschränkt werden, sondern 
steht Jedem offen "in absoluter Einfachheit" (wie sich der 
MaHaRaL ausdrückte), und darum muß man sich vorsehen, ihr 
keinen sektoral beschränkenden Stempel aufzudrücken.

Der Kommentar "Or Hachajim" bringt diesen Gedanken in 
direkte Verbindung mit dem Wortlaut des Toraverses. Das 
"Rinnen des Wassers aus dem Eimer" zeigt, daß die gesamte 
Tora bereits an Moscheh übergeben wurde ("unter Wasser ist 
die Tora zu verstehen", Baba kama 17a), und wenn in der 
Zukunft seine Schüler neue Erklärungen erdenken, so sind 
diese nicht gänzlich jenen zuzuschreiben, sondern entspringen 
im Grunde Moschehs Tora. Daraus entnehmen wir, daß die 
Verbindung mit der Tora jedem Einzelnen auf individueller 
Ebene möglich ist, unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu 
irgendeiner bestimmten gesellschaftlichen Gruppierung.

Wollen wir uns zuletzt noch den Kommentar "Ha'emek Dawar
dazu ansehen. Er konzentriert sich gerade auf den zweiten Teil 
des genannten Verses, "seine Saat (seri'a) an reichlichen 
Gewässern" und stellt eine gedankliche Verbindung her 
zwischen dem Begriff Seri'a und und einem ebenso genannten 
Vorgang zur Schaffung eines religionsgesetzlich akzeptablen 
Tauchbades (Mikwe). Beim Vorgang der Seri'a wird geschöpftes 
Wasser, das normalerweise für eine Mikwe nicht tauglich ist, in 
eine koschere Mikwe gegeben und durch die Vermischung 
tauglich. Das Wesen dieser Verbindung von Kontakt, Mischung 
und gegenseitiger Befruchtung bedeutet nicht zwangsläufig 
restloses Absorbieren. Entsprechendes läßt sich auch über die 
Welt des Torastudiums sagen, wo sich Lernende aus vielen 
unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten begegnen, die 
dieser Rahmen verbindet, und das, ohne von irgendeiner 
Schicht zu erwarten, eine andere Schicht als toramäßig 
erhabener anzusehen und sich ihr vollständig unterzuordnen.
 
 
Frage und Antwort

Einreißen und neubauen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Angesichts des ungeheuren Verbrechens der 
Zerstörung ganzer Ortschaften im Lande Israel bekomme ich 
manchmal Lust, zeitweilig eine Auslandsaufgabe zu 
übernehmen, aber eigentlich sollten lieber jene "Gesandte des 
Bösen" ins Ausland verschwinden, wenn sie doch nur unser 
Land zerstören wollen. Vielleicht sind all jene Anhänger des 
Vertreibungsverbrechens [Vertreibung der jüdischen 
Bevölkerung aus dem Katif-Gebiet], ob sie nun zu den Politikern 
oder zu den Armeeangehörigen zählen, Nachkommen des 
sogenannten Mischvolkes [Erew raw; Nichtjuden, die sich mit 
Moschehs Wohlwollen den Juden beim Auszug aus Ägypten 
anschlossen und hinterher allerlei Probleme verursachten], über 
das Rabbiner A.J.Kuk schrieb: "Der Abschaum der 
Schattenseite des Mischvolkes... den Schlimmsten unter ihnen 
ist es unmöglich, irgendeinen Halt im Lande Israel zu finden, 
'anzufassen die Zipfel der Erde, daß abgeschüttelt werden die 
Frevler von ihr' (Ijow 38,13; Igrot I, 264). Sicher befinden wir uns 
in einer "Zeit des Bauens" (Kohelet 3,3), doch vielleicht obliegt 
es uns gerade jetzt, diesen korrupten Staat niederzureißen? 
Eine Diktatur braucht man nicht mit Samthandschuhen 
anzufassen, sondern muß sie zerstören, und aus den Ruinen 
wird eine neue und bessere Welt entstehen. Ja, ich will mich 
mal erdreisten und behaupten, vielleicht ist die Zeit gekommen, 
die Schale der spirituellen Unreinheit des Zionismus zu 
zerbrechen. Vielleicht ist die Zeit reif für einen Umsturz.

Antwort: Bitte tun Sie mir einen Gefallen und lassen den Begriff 
des Erew raw aus dem Spiel. Er wird Ihnen kein Glück bringen. 
Der Rabbi von Kumerna schrieb, daß uns alle die Geschichten 
vom Erew raw nur dazu überliefert wurden, damit der Mensch 
bei sich selber die Flecken der Unreinheit des Erew raw suche 
und entferne, aber nicht bei anderen! (Hejchal Habracha).

Nun zum eigentlichen Thema: Unsere heutigen Probleme 
lassen sich in keiner Weise mit dem abgrundtief bösen Erew 
raw vergleichen, den Rabbiner Kuk im Sinn hatte. Es handelte 
sich um eine linksextreme Splittergruppe, die in ihrem Geiste 
und ihren Ideen der kommunistischen Partei nahestand und 
eine tiefe Spaltung im "Kampfbund der Arbeit" verursachte. Ihre 
Anhänger wurden ausgeschlossen, zogen in die Sowjetunion, 
nahmen Verbindung mit der örtlichen Regierung auf, begannen 
Verhandlungen mit ihr und stimmten für eine allgemeine 
Rückkehr nach Sowjetrussland, dem Land der Großen 
Revolution. Im Jahre 5687/1927 verließen sie das Land Israel 
und zogen auf die Krim. Dort gründeten sie eine Art Kibbutz mit 
dem Namen "Via Nova", der später vernichtet wurde. 

Wie kann man nur jene Leute mit den teuren Juden in unserem 
Lande vergleichen, die nur das Beste des Volkes Israel und des 
Landes Israel im Sinn haben. Sie tun viele gute Dinge, nicht nur 
Böses, was keine Entschuldigung sein soll, aber man darf auch 
nicht nur die Schattenseite sehen. Darüberhinaus liegen ihren 
schlechten Taten wenigstens gute Absichten zugrunde, was die 
Sache zwar nicht erlaubt macht, aber in die Beurteilung 
miteinbezogen werden muß. 

Warum sehen Sie, mein lieber Freund, alles korrupt, alles 
böse? Wir leben hier unter Juden, gesunden Kindern, guten 
Freunden, ohne Atombomben, ohne Seuchen, es gibt Brot zu 
essen und Kleider anzuziehen und sogar Häuser zum Wohnen. 
Sicher gibt es auch Arme und Arbeitslose, den Plan der 
"Abkoppelung" und Mörsergranaten, Wirtschaftsprobleme und 
Beschränkungen der Jeschiwot, scheidungsverweigerte Frauen 
und Behinderte und Schabbatentweihung - aber es ist doch 
nicht alles im Eimer. 

Wissen Sie eigentlich, was Hunger bedeutet? Oder Diktatur? 
Oder Holocaust? Wußten Sie, daß es arme und in winzigen 
Wohnungen lebende strengreligiöse Juden gibt, die aber in ihrer 
Welt des Torastudiums glücklich sind? Daß es auch im Katif-
Gebiet und im nördlichen Schomrom [die für die Vertreibung 
vorgesehenen Gebiete] fröhliche Juden gibt? Daß große 
Rabbiner in Amerika ihre Kinder zum Torastudium nach Israel 
schicken?

Vielleicht gibt es eine Schale um den Zionismus herum, doch in 
dieser Schale steckt eine Frucht!

Darum träumen Sie bitte nicht von Revolutionen. Spalten Sie 
nicht die Nation. Wir haben das schon einmal mitgemacht, bei 
der Zerstörung des Tempels, und vorher schon bei der Spaltung 
des salomonischen Königreiches. Anarchie kennen wir von 
noch früher, aus der Zeit der Richter, als "jeder tat, was recht 
war in seinen Augen" (z.B. 17,6). 

Ein Anarchist kann sicher ein großer Idealist sein, wie z.B. 
Bakunin oder Kropotkin, doch hält er seinen eigenen Willen für 
den höchsten, unumstößlichen Wert, und er ist unter keinen 
Umständen bereit, eine Herrschaft der Gesellschaft und des 
Staates zu akzeptieren. Wenn sich die Dinge nicht gütlich mit 
seiner Weltanschauung vereinbaren lassen, ist er bereit, alles 
kurz und klein zu schlagen. Er wird auf Druck von oben mit 
spontanen Drohgebärden von unten reagieren, in dem Glauben, 
daß die Zerstörung des Vorhandenen von ganz alleine 
konstruktive Kräfte freisetzt. Das Problem besteht nur darin, 
daß Zerstören leicht ist, Aufbauen aber schwer, und auch viel 
Zeit inanspruchnimmt. Nihilisten wie Netschajew entwickelten 
ihre eigene Lehre der Rechtfertigung des Einsatzes brutaler 
Mittel, doch wissen sie nur von Zerstörung, aber gar nichts vom 
Aufbauen. Es ist wohl wahr, daß der Herr der Welt manchmal 
auch zerstört, wie z.B. durch die Sintflut oder Sdom und 
Amorra, doch weiß er auch sehr gut aufzubauen. Jene, die das 
zaristische Verbrechensregime stürzten, erhielten dafür ein 
noch viel schlimmeres kommunistisches Regime. Die 
Franzosen mordeten bei ihrer Revolution für Freiheit, Gleichheit 
und Brüderlichkeit ungefähr zwei Millionen ihrer Bürger, ein 
Viertel der Bevölkerung...

Darum meine Bitte an Sie, überschreiten Sie nicht die Grenze 
von offenem Protest zu Unterminierung. Auch bei einem offenen 
Protest mit lauteren Zielen und unter Selbstaufopferung sind 
nicht alle Mittel erlaubt. Eine Festnahme durch die Polizei wird 
Ihnen nicht zur Ehre gereichen. Nicht nur, weil Jugendliche mit 
einem Haftvermerk in den Akten das ganze Leben lang 
Schwierigkeiten bekommen, der ihnen das Führen einer Waffe 
unmöglich macht und eine Karriere in der Armee und anderen 
Berufen versperrt, sondern vor allem aus dem einfachen 
Grunde, daß man einen Staat nicht durch Anarchie 
zugrunderichtet, sondern gemeinsam aufbaut, wobei gerade der 
Staat die einigende Kraft bildet.

Bei allem Vorgenannten war allerdings immer von offenem 
Protest die Rede, auch wenn er nicht immer den Regeln 
entspricht. Hiermit will ich Sie aber einfürallemal warnen, wenn 
Sie mit Anschlägen aus religiöser Überzeugung anfangen, mit 
der Zerstörung öffentlicher Einrichtungen, Stromleitungen, 
Telefon, Medien, Eisenbahn, mit dem Anzünden von Autos auf 
der Autobahn und anderen lebensgefährlichen Aktivitäten, und 
erst recht das Ansammeln von Kampfmitteln - dann gehören Sie 
nicht mehr zu uns, nicht mehr zu den Rabbinern, nicht mehr 
zum Katif-Gebiet, nicht zu Jehuda und Schomron und nicht 
mehr zur Nation.

Zu behaupten, wenn man das Bestehende zerstört, werden wir 
eine bessere Zukunft erhalten, so wie die Sozialisten in der 
"Internationale" sungen, läßt sich nicht beweisen. So einer 
gehört nicht zu uns, wie schon Rabbiner A.J.Kuk schrieb, der 
sich der Idee von Revolutionen zur Besserung der Welt 
widersetzte (Ejn Aja, Brachot). 

Es gehört schon ein bißchen Verstand und ein bißchen Demut 
dazu, und man soll nicht glauben, alleine im Besitz der ganzen 
Weisheit zu sein. "Und sie werden nicht ferner lehren Einer den 
Anderen, und ein Jeglicher seinen Bruder, also: Erkennet den 
Ewigen; denn sie alle werden mich erkennen, von Klein bis 
Groß, ist der Spruch des Ewigen" (Jirmijahu 31,34). Bevor aber 
diese großartige Zukunft eintrifft, sei jeder sein eigener Schüler.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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