DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR
Nr. 513
12. Ijar 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-26,2):
Gesetze des Siebentjahres (Schmitta), des Joweljahres (alle 
50); Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Auslösung von 
Hauseigentum; Sonderregelungen für Leviten; Zinsverbot; 
Sklaven- und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Wessen Knechte?

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die Gebote der Tora sind unterschiedlich schwer zu erfüllen. 
Manche Gebote gelten als "leichter" und andere als "schwerer", 
und "je nach der Mühe der Lohn" (Mischna "Sprüche der Väter", 
Ende des 5. Abschnittes). Nirgendwo in der Schrift läßt sich 
jedoch eine offizielle Anerkennung des Schwierigkeitsgrades 
bezüglich des Ausführenden feststellen, sei es durch Worte der 
Ermunterung oder eines ausdrücklichen Versprechens 
göttlichen Beistandes, vielmehr beschränkt sich die Tora auf 
eine allgemeine Segensformel zugunsten der gebotstreuen 
Juden.

Eine Ausnahme zu dieser Regel bildet allerdings das Gebot des 
Brachjahres (Schmita-Jahr, auch Siebtjahr genannt, Schwi'it), 
wobei sich die Tora wohlwollend mit den diesbezüglichen 
Befürchtungen des Landwirtes auseinandersetzt. Sie bietet 
nämlich detaillierte Versprechen zur vollständigen Lösung der 
psychologisch bedingten Abneigung und dem Mangel an 
Gewißheit. Hier stärkt die Tora ausnahmsweise das 
Selbstbewußtsein des Grundbesitzers, der seine 
lebensnotwendigen Produktionsmittel während eines ganzen 
Jahres ruhen läßt und seinen Bodenertrag der Allgemeinheit 
überläßt. Darum verspricht ihm die Tora einen besonderen 
Segen - "Ich aber werde euch meinen Segen entbieten im 
sechsten Jahre, daß es den Ertrag bringe auf drei Jahre" (Lev. 
25,21).

Der Kommentar "Schem MeSchmu'el" versucht die Überlegung 
zu beurteilen, die von Vielen geäußert wird: "Und wenn ihr 
sprechet: Was sollen wir essen im siebenten Jahr?" (ebda.20) - 
handelt es sich dabei um einen Riß im G~ttvertrauen des 
Bauern, oder gerade um ein Zeichen der Umfänglichkeit seines 
Glaubens? Sollte man diese Frage als den Ausdruck von 
Schwäche ansehen, der man mit Verständnis begegnet und ihr 
eine Lösung entsprechend dem spirituellen Rang des 
Fragenden bietet, oder, im Gegenteil, als Zeugnis für die 
geistige Größe des Fragestellers, der den Ewigen in seine 
Befürchtungen einbezieht und ganz unbefangen fragt, wie er 
sich zu verhalten und angemessen vorzubereiten hat. Einerseits 
braucht er das Versprechen des Segens, die Ernte werde ihn 
drei Jahre lang ausreichend versorgen, andererseits zeugt der 
ganze Rahmen für die seelische Reife des Empfängers dieses 
Segens, danach handeln zu wollen.

In Wirklichkeit besteht hier gar kein Widerspruch zwischen 
gegensätzlichen seelischen Einstellungen, vielmehr handelt es 
sich hierbei um eine fortgesetzte, vielschichtige 
Glaubensentwicklung in einem Dauerzustand der Ungewißheit. 
Sie beginnt mit starken Befürchtungen und endet mit deren 
Beruhigung durch gedankliche Vertiefung, denn je mehr man 
das Problem durch die Brille des Glaubens betrachtet, desto 
größer werden die Gewißheit und das Vertrauen auf G~tt. 
Dieser Übergang aus der Welt des Zweifels in die Welt der 
Gewißheit kennzeichnet den Mut der Hüter des 
Siebtjahrgebotes, "gewaltige kräftige Vollführer seines Wortes" 
(Psalm 103,20) im Einzelnen, und alle Landwirte im 
Allgemeinen: "die mit Tränen säen, mit Jubel sollen sie ernten" 
(Psalm 126,5). Die große Prüfung des Glaubens besteht nicht 
im Abstreiten der Realität und der großen Fragezeichen, die sie 
vor uns aufwirft, sondern in der Vertiefung der Gewißheit in die 
Größe der Aufgabe, mit der der Mensch von der göttlichen 
Vorsehung betraut wurde; "und der Ewige wird tun, was gut ist 
in seinen Augen" (Chronik I, 19,13). 

Eine ähnliche Idee kommt auch im Kommentar von Rabbiner 
Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin im Hinblick auf das Verbot "er 
soll nicht mit Härte über ihn herrschen" (Lev. 25,53) vor, das 
dem Herrn verbietet, seinen jüdischen Knecht mit 
Knochenarbeit zu belegen. Seiner Ansicht nach beschränkt sich 
dieses Gesetz nicht nur auf angemessene Arbeitsbedingungen 
für den Knecht und das Verbot übermäßiger physischer 
Belastung, sondern bezieht sich auch auf seelische Grundsätze. 
Dem Arbeitgeber, der praktisch für die Wiederherstellung der 
Fähigkeit des Knechtes sorgt, wirtschaftlich auf eigenen Beinen 
zu stehen, und ihm das Vertrauen in seine eigenen Kräfte 
wiedergibt, ist geboten, diesen zu ermutigen und ihn auf seine 
zukünftige Entlassung in ein selbständiges Leben vorzubereiten. 
Er soll die Hoffnung des Knechtes auf eine vorzeitige Auslösung 
durch einen seiner Verwandten erwecken und darf ihn nicht in 
servile Apathie wegen seines fortgesetzten Dienstes abgleiten 
lassen. Das ist nötig, weil seine wirkliche Aufgabe darin besteht, 
ein Diener G~ttes zu sein, und je mehr ihm diese Tatsache 
bewußt wird, desto näher kommt er dem Erwerb seiner Freiheit, 
"denn mir sind die Kinder Israel Knechte, meine Knechte sind 
sie" (Lev. 25,55) - "nicht aber Knechte von Knechten" 
(Kiduschin 22b).
 
 
 
Frage und Antwort

Ein Landstrich voll Optimismus

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum bereiten Sie die Leute in Gusch Katif [dem 
jüdisch besiedelten Gebiet des Gasastreifens] nicht auf die 
geplante Räumung vor, sondern versichern Allen, der böse 
Erlaß werde mit G~ttes Hilfe zurückgenommen werden? Dort 
existiert so eine Art psychologischer Schutzwall des 
Verdrängens - doch wenn die Räumung erst einmal zur 
Ausführung kommt, werden Ihre Leute zusammenbrechen. 
Verfügen Sie etwa über Prophetie?! Warum weigern sich die 
Bewohner, vorbeugende psychologische Behandlung 
anzunehmen und glauben an Phantasiegebilde, alles werde 
schon in Ordnung kommen?

Antwort: Sie müssen bußfertige Umkehr tun wegen der Sünde 
des Aufgebens und der Schwächung. Am Bett eines Ihrer 
Meinung nach Todkranken denken Sie bereits laut nach über 
die Ausrichtung der Beerdigung und Tröstung der Trauernden 
für jemanden, der in Wirklichkeit der Gesündeste im ganzen 
Land und auf jeden Fall gesünder als Sie ist, und Sie sind es, 
der von ihm Mut und Kraft schöpfen sollte.

Wir wissen sehr gut, daß es in dieser Welt Probleme gibt, man 
kann aber unmöglich sein ganzes Leben nur in deren Schatten 
verbringen. Wir wissen, daß manchmal Soldaten in der Schlacht 
fallen, aber wir halten ihnen keine Vorträge über 1001 
Möglichkeiten, im Krieg umzukommen.

Sehen Sie sich einmal an, was unser großer Lehrmeister 
Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") zu diesem 
Thema zu sagen hatte: "Wer furchtsam und zaghaften Herzens 
ist (Dt. 20,8) ..fürchte sich nicht und habe keine Angst", "..und 
jeder, der zu denken beginnt und überlegt im Krieg und sich 
selbst verunsichert - übertritt ein Verbot, wie es heißt: nicht 
werde zag euer Herz, fürchtet euch nicht und seid nicht bestürzt 
und zittert nicht (Dt. 20,3; Gesetze von Königen und Kriegen 
7,15)". 

Sicher haben wir Feinde. Die Frage ist nur, ob Sie Angst haben 
oder stark sind. Die Kundschafter hatten Angst: "..und wir waren 
in unseren Augen wie Grashüpfer, und so waren wir auch in 
ihren Augen" (Num. 13,33). Dazu sagten Jehoschua und Kalew: 
"..ihr habt das Volk des Landes nicht zu fürchten, denn unser 
Brot sind sie; gewichen ist ihr Schatten von ihnen und mit uns 
ist der Ewige; fürchtet sie nicht" (Num. 14,9). 

Psychologie ist nicht alles. Es gibt nämlich auch Ideale, 
Opferbereitschaft und Glauben. Darum liegt hier kein 
Verdrängen vor, sondern Mut!

Auch wer in Gusch Katif wohnt, hat schon von diesem 
verbrecherischem Gesetz gehört, das jedes Gefühl der 
Menschlichkeit entbehrt. Auch ihnen ist schon aufgefallen, daß 
es dort besorgte Menschen gibt und Kinder mit Symptomen von 
Phobien, die sie nachts weinend aufwachen lassen. Wir haben 
auch die Spannungen zwischen Ehepartnern bemerkt, sie 
fühlen sogar, wie das ist, unter Bedingungen der Ungewißheit 
zu leben. Die Frage ist nur, was man mit all diesen Gefühlen 
anfängt - sich fürchten oder sich stärken, verzweifeln oder 
glauben.

Sagte Rabbi Nachman: "Es gibt keinerlei Verzweiflung in der 
Welt!". Nach den 49 Stufen der spirituellen Unreinheit ist die 
gefährlichste Stufe, die grausamste, die fünfzigste Stufe, die 
Stufe der Verzweiflung, die den Menschen in eine tödliche 
Krankheit stürzt.

Anstatt sich also mit unnützen Dingen in Bezug auf die Sorge 
um die Zukunft zu beschäftigen, wollen wir uns lieber um die 
Gegenwart kümmern. "Heute - wenn ihr gehorchet seiner 
Stimme" (Psalm 95,7).

Und wenn Leiden hereinbrechen - bekanntlich gibt es Leiden im 
Leben - werden wir wissen, sie mit Mut zu bewältigen, denn wir 
haben schon in der Vergangenheit Schlimmes durchmachen 
müssen, wir haben bisher 5000 Granaten [in Gusch Katif] 
überstanden, jeder entsprechend seiner Widerstandskraft. Wir 
werden es gemeinsam überstehen, die Gemeinsamkeit wird uns 
Kraft geben.

Sicher ignoriert man nicht jemanden, der sich in Bedrängnis 
befindet. Sicher antwortet man immer jedem in Liebe, der eine 
Frage stellt. Jemandem, der sich in einer Notlage befindet, hilft 
man natürlich verständnisvoll unter Bezwingung seiner Ängste. 
Sicher wird man einem Leidenden persönliche Behandlung 
angedeihen lassen. Doch all dies bezieht sich auf die Ebene 
des Individuums. Individuell und nicht generell. Die 
Öffentlichkeit ist voller Mut und Kraft.

Sicher sind wir keine großen Propheten, noch nicht einmal 
kleine. Doch sind wir Gläubige, Nachkommen von Gläubigen. 
Wir glauben an die Richtigkeit unseres Weges. Wir glauben an 
den Herrn der Welt.

Was werden wir tun, wenn die Dinge doch geschehen? Darum 
geht es hier nicht. Die Frage lautet vielmehr: Was müssen wir 
tun, um es nicht geschehen zu lassen! Nicht Zukunft 
vorhersagen, sondern Zukunft machen. Der Weise ist dem 
Propheten überlegen, indem er die Ursachen erkennt, und 
indem er die Ursachen erzeugt

Natürlich vertrauen wir nicht auf Wunder, aber wir glauben an 
Wunder. Schärfen Sie Ihren Blick und erkennen Sie das 
Wunder - das Wunder der Menschen, die eine trostlose 
Sandwüste in einen Garten G~ttes verwandelten. Und noch 
viele andere Wunder. Durch das Verdienst der 
Opferbereitschaft geschehen Wunder (Brachot 20a). Das läßt 
sich natürlich nicht mathematisch berechnen. Es gibt Menschen, 
die etwas von Wundern verstehen, und es gibt einen 
Landstrich, der etwas von Wundern versteht. 

Wissen Sie eigentlich, von wem Sie sprechen? Sie sprechen 
über Menschen, die G~tt besonders gernhat und die er vor 
Tausenden Granaten gerettet hat! Und wissen Sie überhaupt, 
warum G~tt sie so sehr liebhat? Weil sie selber einer den 
anderen lieben und jeder seinen Nächsten bestärkt, denn das 
ist ein Ort ohne Schlechtheit und Umschweife, das ist ein Ort, 
wo "wenn du deiner Hände Arbeit genießest, Heil dir, und dir ist 
wohl" (Psalm 128,2), ein Ort, wo "nur Glück und Heil mir all 
meine Lebenstage folgen" (Psalm 23,6). Weil diese Leute keine 
üble Nachrede reden, keinen Haß hegen und Niemandem 
etwas nachtragen, ja sogar Jene lieben, die ihnen zusetzen 
kommen.

G~tt liebt jene, die ihre Nächsten lieben. Schärfen Sie Ihren 
Blick, und Sie werden erkennen, daß Gusch Katif von 
grenzenloser Liebe durchflutet ist zwischen allen möglichen 
Arten Juden, Aschkenasim und Sefaradim, Jemeniten und 
Äthiopier, Rechte und Linke, Religiöse und Nichtreligiöse, 
Charedim und Zionisten, Neueinwanderer und Alteingesessene, 
Toraschüler und Farmer. (Wollen auch wir von ihnen lernen, die 
drei national-religiösen Fraktionen zu einer Partei zu vereinen). 
Alle geeint im Lichte G~ttes. Eine geeinigte Gemeinde. Eine 
Familie. Liebe und Glauben!

Entscheiden Sie sich einfürallemal: Glauben Sie an G~tt oder 
glauben Sie nicht an G~tt? Hoffen Sie auf G~tt oder hoffen Sie 
nicht auf G~tt? "Seid stark, und fest sei euer Herz, alle, die ihr 
harret auf den Ewigen" (Psalm 31,25).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

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(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
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