DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA
Nr. 517
11. Sivan 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16):
Dienstweihung der Leviten; 1.Pessach in der Wüste und 
Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der 
Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten; 
Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über 
einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung 
von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten 
im Lager; üble Nachrede von Mirjam und Aharon über Moscheh, 
Aussatzstrafung Miriams.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Fleischeslust

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Die Geschichte vom "lüsternen Volk" bedeutet einen Höhepunkt 
grobmaterialistischer Sucht im Volke Israel, als die Gier auf 
Fleischverzehr alles Schamgefühl verdrängte und auf offene 
und provokative Weise zum Vorschein kam: "Wer wird uns 
Fleisch zu essen geben?" (Num. 11,4). Der Nachmanides-
Kommentar hebt die Absurdität dieser Begierde hervor, die in 
jenen, die an den edlen Geschmack des Man ("Manna") 
gewohnt waren, einen künstlichen, eingebildeten Appetit 
erweckte "wie einen Appetit auf Kohle, Sand und 
Verschimmeltes". Ihre Begierde ging sogar soweit, daß sie sie 
selber bis in den Überdruß trieben, und nach einem vollen 
Monat der Hingabe an den Fleischverzehr wurde er ihnen ekelig 
- "bis es euch zur Nase herauskommt und es euch zum Ekel 
wird" (V.20). 

In diesem Sinne erklärte Rabenu Bechaje die besondere 
Zählung der Tage des Fleischessens: "Nicht einen Tag werdet 
ihr zu essen haben, und nicht zwei Tage und nicht fünf Tage 
und nicht zehn Tage und nicht zwanzig Tage" (V.19); diese 
Ausführlichkeit will uns sicher etwas mitteilen. Seiner Ansicht 
nach spielt diese Zählweise, die normalerweise mit Hilfe der 
Finger und Zehen des Menschen durchgeführt wird, auf das 
Benehmen des "Begehrenden" beim Essen an. Am Anfang ißt 
er mit einem Finger oder zweien, dann mit einer Hand und dann 
mit beiden Händen, und zum Schluß auf allen Vieren wie ein 
Tier vor lauter Gier...

Auch der Zeitpunkt dieser Episode verlangt nach einer 
Erklärung. Diese Begierde brach aus gerade bei der ersten 
Reise vom Berge G~ttes nach dem Lande Israel, als die Kinder 
Israels die höchste spirituelle Stufe erreicht hatten und den 
Dienstengeln ähnelten. Nur wenige Tage vorher standen sie 
noch am Fuße des Berges Sinai und erlebten die 
Verwirklichung ihres Strebens, wie die Engel G~ttes gruppiert 
zu werden, und nun erniedrigen sie sich durch grobe Fresserei 
wie Tiere. Nur kurze Zeit vorher erfolgte ihre Eingliederung in 
die Heerscharen G~ttes, und durch die Kraft der vor ihnen 
ziehenden Bundeslade war ihnen die Zerstreuung ihrer Feinde 
in alle Himmelsrichtungen sicher, doch im Kampf gegen den 
einfachsten der Triebe, die Lust auf Fleischverzehr, erlitten sie 
eine schmerzliche Niederlage. 

Genau darin liegt die Lösung: Gerade die wundersame und 
erhabene Lebensweise dieser Generation des Wissens, die sich 
auf die Entwicklung der spirituellen Kräfte der Seele 
konzentrierte, führte zu einem stetig wachsenden Gefühl des 
Mangels in Hinsicht auf die anderen natürlichen Kräfte der 
Seele. Im Kommentar "Sfat Emmet" wird dieser Gedanke 
besonders akzentuiert formuliert, bezugnehmend auf die 
Verdoppelung des Wortes "Gelüste" in Vers 4 - die auf Gelüste 
in reiner himmlischer Absicht anspielt. Gerade die hohe 
spirituelle Stufe führte zu einem Verkümmern der körperlichen 
Gelüste, bis daß sie sich nichts sehnlicher wünschten, als die 
Existenz einer materiellen Lust an sich zu spüren, um auch 
diese im Dienst an G~tt einzusetzen.

Das empfindliche Gleichgewicht der diversen Kräfte der Seele 
läßt sich allerdings nicht auf die Schnelle erreichen, sondern nur 
durch einen langwierigen Prozeß, und kommt nur im Lande 
Israel zur Geltung. In diesem Land des Heiligen, wo man durch 
bloße Anwesenheit und weltliches Leben bereits ein Gebot 
erfüllt, nur dort "essen wir von seinen Früchten und sättigen uns 
an seinem Guten" (aus dem Segensspruch nach dem Verzehr 
von u.a. Früchten des Landes Israel), was wegen ihrer Heiligkeit 
bereits als Gebotserfüllung gilt. Je mehr sich das Volk Israel 
schwertut, die richtige Balance zwischen Geist und Materiellem 
und zwischen Weltlichem und Heiligem zu finden, verlängert 
und verkompliziert sich der Weg zum Lande Israel. 

Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß die "Sünde des 
lüsternen Volkes" einer jeglichen Generation, in all ihrer 
Schwere und Niedrigkeit, nicht unbedingt einen Ekel gegenüber 
dem toratreuen Leben zum Ausdruck bringt und auch nicht 
zwangsläufig zum Verlassen eines prinzipienorientierten 
Lebenswandels führt. Im Gegenteil, gerade diese Kräfte sind zu 
großen Dingen vorbestimmt, nur daß sie einen Prozeß der 
Zäumung und Milderung durchmachen müssen, "..wie wenn du 
einen teuren [bußfertigen Umkehrer] aus einem Schlemmer 
machst" (Jirmijahu 15,19).
 
 
HaRav Ari'el
 

Jüdisch-israelische Demokratie 
und die Rechte der 
Minderheiten

Rav Jakov Ari'el
Stadtrabbiner von 
Ramat Gan und Kandidat zum israelischen Oberrabbinat

Bei der Gründung des Staates Israel verfügte der damalige 
Oberrabbiner, Rav Jizchak Eisik Halevi Herzog, daß den 
Minderheiten im Lande Gleichberechtigung zustehe, weil ohne 
eine solche Regelung Israel nicht von der Völkergemeinschaft 
akzeptiert werde, und ohne internationale Anerkennung könnte 
es nicht existieren. Er sah in der Lebensfähigkeit des Staates 
eine Frage der Lebensgefahr, die das Verbot "ihnen keinen 
Gefallen erweisen" (Dt. 7,2) verdränge, das die Einbeziehung 
der nichtjüdischen Minderheiten in den Staat Israel als 
gleichberechtigte Staatsbürger verbietet. Trotzdem bleibt auch 
seiner Ansicht nach die Quelle der Staatsautorität der "Demos", 
das Volk Israel.

Aufgrund dieser israelitischen Autorität verlieh der Staat auch 
den Minderheiten Bürgerrechte. Doch trotz der ihnen 
eingeräumten Rechte bedeutet dieser Staat nicht ihre Nation, 
und unser Unabhängigkeitstag ist kein Festtag für sie. Sie 
können sich nicht wie wir an diesem Tage freuen, und jede 
Aufforderung dazu ihnen gegenüber wäre nichts als 
Scheinheiligkeit! Die Fahne ist nicht ihre Fahne, an der 
Festfreude haben sie keinen Anteil, so wie die hebräische 
Sprache, der jüdische Kalender, die Kultur und der Staat nicht 
zu ihnen gehören; und trotzdem besitzen sie volle Bürgerrechte. 
Darin besteht kein Widerspruch. Sie sind individuelle Bürger in 
einem Staat, der im öffentlich-nationalen Sinne ein jüdischer 
Staat ist. Darin besteht die Größe und die Macht der ihnen 
verliehen Staatsbürgerschaft.

Jetzt könnte jemand kommen und behaupten: "Würde man die 
Juden in der Diaspora so einstufen, wie wir es gegenüber den 
Minderheiten im Staate Israel verlangen, würden sie sicher auf 
die Barrikaden gehen und lauthals 'Antisemiten!' rufen!".

Das wäre allerdings ein großer Irrtum. Wir bedauern es, daß 
sich die Juden in der Diaspora als vollkommen gleichwertige 
Bürger in ihren jeweiligen Ländern fühlen. Wir wollen nicht, daß 
z.B. die Juden in Frankreich am 14. Juli besondere 
Freudengefühle hegen. Wir haben kein Interesse daran, daß ein 
Jude dazu eingeladen wird, vor den Fernsehkameras 
Ehrenfeuer anzuzünden und als Vertreter der Nation die 
Nationalfahne zu schwenken. Wir wären froh, wenn die 
französische Regierung die Juden von dem Gefühl der 
Verpflichtung für die französische Republik befreien würde, als 
ob sie deren Heimat wäre. Nein! Frankreich ist nicht der Staat 
seiner Juden. Sie haben damit nichts zu tun, denn sie sind dort 
in der Galut (Exil). So müßten sie sich jedenfalls empfinden, als 
Fremde, als Galutjuden, als jemand, der sich selbst belügt. 
Bekanntlich beugten sich die Juden der Forderung Napoleons 
und erklärten sich "als Franzosen mosaischen Glaubens". 
Daraufhin begann das französische Judentum seinen 
Niedergang in die totale Assimilation. 

"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem 
andern zu" (Schabbat 31a). Wir wollen den Minderheiten in 
Israel keine ähnliche Tragödie zumuten. Wir wollen weder ihre 
Assimilation noch ihr totales Aufgehen in unserer Mitte. Wir 
verlangen nicht von ihnen, in Kriegen mitzukämpfen, die sie 
nichts angehen. Wir erwarten von ihnen weder das Absingen 
der "Hatikva" (israelische Nationalhymne), das Schwenken 
unserer Fahne und das Entzünden der Fackeln des 
Unabhängigkeitstages. Wir nötigen sie nicht zu Scheinheiligkeit, 
Exilverhalten und Einschmeichelei, wie es unsere von der Galut 
geprägten Brüder in ihrem Exil manchmal für richtig halten. Wir 
verlangen von ihnen lediglich die Einhaltung der Staatsgesetze 
im Gegenzug für Gleichberechtigung und die ihnen verliehene 
Staatsbürgerschaft - nicht weniger, aber auch nicht mehr! Sie 
sind Bürger mit gleichen Rechten und Pflichten. Ich hoffe, sie 
verstehen, daß sie treue Staatsbürger sein müssen, und ich 
nehme an, daß die meisten es auch sind. Das hat nicht das 
Geringste mit Überheblichkeit oder gar Rassismus zu tun. So 
kommen Wahrheit, Aufrichtigkeit und dadurch auch 
Gerechtigkeit zum Zuge; aber nicht Lüge, Scheinheiligkeit und 
Theaterspielen. Weder unsererseits ihnen gegenüber, noch 
ihrerseits uns gegenüber. Wir werden uns nicht wie im Exil 
verhalten, und wir werden auch von ihnen kein solches 
Verhalten fordern. 

Man darf nicht den Glauben erwecken, es Allen recht machen 
zu können. Einerseits diesen Staat "Israel" nennen, ihn als die 
Verwirklichung des Zionismus und als Zentrum der 
Weltjudenheit ansehen, und andererseits den Minderheiten 
erzählen, sie wären in jeder Hinsicht gleichwertige Bürger. Die 
Gerechtigkeit verpflichtet dazu, die Dinge ehrlich und wahrhaftig 
beim Namen zu nennen und Niemandem etwas vorzumachen, 
wenn auch mit voller Behutsamkeit und Verantwortlichkeit auf 
allgemein akzeptierten Wegen der Überzeugung. Dieser Staat 
ist der Staat Israel.

Und das Land ist das Land Israel. Dem idealen Ger-Toschaw 
[im Lande Israel auf Dauer lebender Nichtjude] gewährt die Tora 
sehr viele Rechte. Es gehört zu den positiven Geboten, ihm ein 
geordnetes Leben zu ermöglichen, ihn zu stützen und sich um 
seine Bedürfnisse zu kümmern, doch ist er kein regulärer 
Bürger. Er unterliegt nicht allen Bürgerpflichten (wie z.B. 
Wehrdienst) und genießt entsprechend auch nicht alle 
Bürgerrechte (z.B. in eine Schlüsselposition gewählt zu 
werden). Ein Ger-Toschaw, der seine Rechte und Pflichten 
kennt, und hier bleibt, macht sich keine falschen Vorstellungen. 
Wer unsere Bedingungen nicht aufsichnehmen will, wird 
wegziehen; aus freien Stücken natürlich. Es würde sich 
gehören, ihn für sein zurückgelassenes Haus und sonstigen 
Besitz umfassend zu entschädigen. Es wäre wünschenswert, so 
bald wie möglich eine neue politische Linie über unser 
Verhältnis zu den Minderheiten festzulegen, und ihnen die volle 
Wahrheit zu sagen. Wir haben nichts zu verbergen. Wir 
präsentieren der Welt eine universale Idee wahren Friedens, 
volle Gleichberechtigung für jedes Volk in seinem Land, von 
wahrer Gerechtigkeit, ein Bestreben zu vollkommener Ethik. 
Gerade auf dieser Grundlage sollte jeder Mensch für sich seine 
Bestimmung ganz klar definieren, und worin seine Aufgabe in 
diesem System besteht. Aufgrund eigenen Verstehens, 
Rücksichtnahme und Respekt wird der Ger-Toschaw 
entscheiden, ob er hier, mit uns, leben will, und unsere 
Bedingungen akzeptiert. Das Ideal wäre ein Ger-Toschaw im 
Sinne der Halacha, doch auch der, auf den diese Definition 
noch nicht zutrifft, ist würdig, Bürgerrechte zu genießen. Der 
Staat Israel ist kein "demokratischer" Staat in seiner 
verwischenden, nebulösen und verwirrten Bedeutung. Dies ist 
der Staat Israel, dessen nationale Identität lautet: das Volk 
Israel! Und aufgrund der Autorität dieser klar definierten 
Identität respektiert dieser Staat jeden Menschen als Mensch 
und schützt seine fundamentalen Bürgerrechte - "Fremdling wie 
Beisaß, daß er bei dir lebe" (Lev. 25,35).
 
 

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