DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BECHUKKOTAI
Nr. 514
19. Ijar 5765

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 26,3-27,34):
Wohlstand und Frieden im Lande Israel bei Gebotsbeachtung, 
Armut, Tod und Exil bei Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von 
dem Tempel geheiligten Personen und Sachwerten.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Und stürzen übereinander

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

"Und die Übriggebliebenen von euch, in deren Herz will ich 
Feigheit bringen... daß sie jage das Rauschen eines gewehten 
Blattes und sie fliehen, wie auf der Flucht vor dem Schwerte, 
und fallen, und keiner verfolgt. Und stürzen übereinander, wie 
vor dem Schwerte, und kein Verfolger ist da; und ihr werdet 
nicht standhalten vor euern Feinden. Und ihr werdet 
umkommen unter den Völkern; und verzehren wird euch das 
Land eurer Feinde" (Lev. 26,36-38).

Mit diesen Worten schildert uns der Herr der Welt die 
bedrückende Geisteshaltung des jüdischen Volkes im Exil 
(Galut).

"Und die Übriggebliebenen von euch, in deren Herz will ich 
Feigheit bringen... daß sie jage das Rauschen eines gewehten 
Blattes". Der Fluch der Galut herrscht über die Seele. Angst 
bemächtigt sich des Menschen, nicht nur als natürliche 
Reaktion auf tatsächlich drohende Gefahren, sondern auch als 
unnatürliche Reaktion auf eingebildete Gefahren. Das 
Rauschen eines gewehten Blattes hört sich wie eine nahende 
Armee an, die Phantasie macht aus einer unwahrscheinlichen 
Gefahr eine wahrscheinliche, und in der Folge ereignet sich eine 
massenweise Flucht vor einem Verfolger, der gar nicht existiert. 
"Und stürzen übereinander, wie vor dem Schwerte, und kein 
Verfolger ist da".

Der Alptraum von furchtbaren Gefahren, die keine feste Basis in 
der Wirklichkeit haben, strahlt nach innen auf die inneren 
Beziehungen im Volke aus. Die eingebildete Gefahr wirkt 
anders als die echte Gefahr. Einem wirklichen Feind gegenüber 
steht das Volk geeint zum Kampf. Man kennt den Feind, kann 
herausfinden, von wo er angreifen wird und entsprechend eine 
Kampfstrategie wählen. Was aber geschieht, wenn die 
existenzbedrohende Gefahr nur in der Einbildung der Einzelnen 
herumspukt? Was passiert, wenn jeder die Gefahr woanders 
sieht und sichere Zuflucht gerade dort sucht, wo der Nächste 
die höchste Gefahr lokalisiert? Dann spaltet sich das Volk auf in 
viele Parteien, die gegensätzliche und widersprüchliche 
Richtungen verfolgen, wobei jede einzelne die Anstrengungen 
der anderen zu neutralisieren sucht, der jeweils empfundenen 
Gefahr zu entrinnen. "Und stürzen übereinander, wie vor dem 
Schwerte". Allerdings, wie gesagt, "ist kein Verfolger da", weil 
die drohende Gefahr gar nicht existiert, außer in der wilden 
Phantasie jedes Einzelnen.

In dieser Situation ensteht eine wirklich existenzbedrohende 
Gefahr. "..und ihr werdet nicht standhalten vor euern Feinden". 
Welche Kraft hat ein Volk zur Auseinandersetzung mit äußeren 
Feinden, wenn es sich von innen zerfrißt? Welches Rückgrat 
kann es mobilisieren gegen eine gut geölte 
Propagandamaschinerie, die der Gegner bei jeder Gelegenheit 
über alle Massenmedien einsetzt? 

Das tragische Resultat läßt nicht lange auf sich warten. "Und ihr 
werdet umkommen unter den Völkern..". Dabei ist um G~ttes 
Willen nicht von physischer Vernichtung die Rede, wurde uns 
doch versprochen: "Und auch dann noch, wenn sie im Lande 
ihrer Feinde sind, habe ich sie nicht verworfen, und nicht so 
ausgestoßen, daß ich sie völlig aufriebe..." (Lev. 26,44); 
vielmehr von psychologischer und gesellschaftlicher 
Vernichtung. Bezüglich der inneren Ebene erklärte Raschi (zu 
Lev. 26,38): "Wenn ihr zerstreut seid, wird einer dem anderen 
verloren sein". Jedem Einzelnen von euch wird dann bewußt 
werden, daß ihm sein Nächster fehlt - mit dem er in 
existenziellen Fragen zerstritten war - und er ohne ihn 
überhaupt nicht weiterbestehen kann. Auf der äußeren Ebene 
werdet ihr der Irrelevanz verfallen, im Sinne von "Ich irre wie ein 
verlorenes Schaf" (Psalm 119,176), bis hin zu "und verzehren 
wird euch das Land eurer Feinde".

Dieser schlimme Ausblick will nichts anderes als den Fluch der 
Galut beschreiben, wo wir unter den Völkern verlorengehen und 
uns das Land unserer Feinde verzehrt. Wenn wir allerdings in 
unser Land zurückkehren, sieht die Lage wesentlich anders 
aus. Im Leben in der Galut verfolgen wir keine nationalen Ziele. 
Unser ganzes Streben konzentriert sich auf das Überleben, bis 
die Zeit der Erlösung reif ist. In so einem Zustand handeln wir 
nicht in Richtung auf ein positives Ziel, sondern nur zur 
Beseitigung wirklicher oder eingebildeter Bedrohungen. Das 
daraus resultierende, vorherrschende Gefühl im Leben ist die 
Angst und Sorge vor existenziellen Gefahren. Mit der Rückkehr 
in unser Land, mit dem Auszug aus der Sklaverei in die Freiheit 
- können wir im Lichte der großen Bestimmung handeln, für die 
wir geschaffen wurden; eine Bestimmung, die sich nur durch ein 
hoheitlich herrschendes und in seinem Lande siedelndes Volk 
realisieren läßt. Wenn es nämlich positive und erhabene Ziele 
gibt, deren Verwirklichung wir verfolgen, Ziele, die es würdig 
sind, in anhaltenden Einsatz und das Lösen von 
Schwierigkeiten zu investieren, Gefahren auszustehen und 
Risiken einzugehen - dann ist es nicht die Angst vor Gefahren, 
die unser Leben vorantreibt. Das ewige Volk hat keine Angst 
vor einem langen Weg. Dann durchströmen uns ganz andere 
Gefühle: Hoffnung und Glauben, Frohsinn und Schaffensfreude, 
allen Widrigkeiten zum Trotz. Diese großen Bestrebungen 
erzeugen weder Spaltung noch Trennung, sondern Einigkeit 
und tiefgehende Verbindung, auch bei unterschiedlichen 
Ansichten über deren Definierung und den zu ihrer 
Verwirklichung führenden Weg. Diese erhabenen Gefühle 
verursachen keinen Zorn und keinen gegenseitigen Haß, 
sondern Toleranz und ein Gefühl enger Zusammengehörigkeit.

Entsprechend beendet die Tora den Abschnitt der Warnung mit 
Worten der Erlösung, die vor uns das erhabene Ziel aufzeigen, 
für das wir leben und auf alle Ewigkeit existieren: "Und gedenke 
ihnen des Bundes mit den Vorfahren, die ich vor den Augen der 
Völker aus dem Lande Ägypten geführt, um ihnen G~tt zu sein. 
Ich der Ewige" (Lev. 26,45).
 
 
 
 
Frage und Antwort

Liebe....

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sie reden immer und immer wieder von "jüdischer 
Nächstenliebe" bei politischen Auseinandersetzungen. Und daß 
man nicht gewalttätig und brutal werde. Aber warum eigentlich 
nicht? Warum keinen Bruderkrieg führen, wenn die andere 
Seite die wesentlichsten Gesetze der Tora übertritt? Hat es 
denn nicht schon einmal Bruderkrieg gegeben, um das 
"Kebsweib in Gibea" (Richter, 19./20. Kapitel)? Sie sagen immer 
wieder: Nicht die Hand erheben, nicht beschimpfen, keinen 
Haß, keinen Krieg, keine Verfluchungen, nichts nachtragen. 
Sicher bin auch ich für Nächstenliebe, aber vielleicht kommen 
wir gerade durch eine große Erschütterung und die Erzeugung 
eines Traumas zur Nächstenliebe? Auch Rabbiner Zwi Jehuda 
Kuk drückte sich manchmal äußerst scharf aus. Das "Siedeln in 
den Herzen" hat sich nicht bewährt. Im Gegenteil, wegen der 
"Nächstenliebe" ziehen wir den Kürzeren!

Antwort: Sie behaupten, wegen der Nächstenliebe verlieren 
wir. Aber wer ist das, "wir"? Sie grenzen eine Gruppierung ab 
und krönen sie dann mit dem Titel "Wir". Ich benutze diese 
Bezeichnung immer für das Volk Israel. Ohne Nächstenliebe 
verlieren wir, das Volk Israel. Wenn Vater und Mutter streiten, 
verliert immer die Familie, verlieren immer die Kinder, 
unabhängig davon, wer im Streit siegt, wer Recht oder Schuld 
hat. Darum möchte ich Ihre Frage bezüglich "Kebsweib in 
Gibea" nicht beantworten. Haben Sie noch nie etwas von der 
"Entweihung des heiligen Namens" (Chilul Haschem) gehört? 
Lesen Sie noch einmal den Artikel von Rabbiner A.J. Kuk "Der 
Sturz der Tochter meines Volkes", daß der furchtbarste Chilul 
Haschem nicht in Götzendienst besteht, sondern im Streit 
zwischen Brüdern. Was geschah damals? Es gab Streitereien 
zwischen verschiedenen Fraktionen, die ihren Höhepunkt in der 
gewaltsamen Störung einer Versammlung fanden. Rabbiner 
Kuk bezeichnete das folgendermaßen: "Die abscheuliche Aktion 
dieses verächtlichen Kampfes, dieses irrationalen, 
unmoralischen, wilden und grausamen Bruderkrieges" 
(Ma'amarej Hara'aja, S.365). 

Sicher hat unser großer Lehrmeister Rabbiner Zwi Jehuda Kuk 
manchmal scharfe Worte gebraucht, doch waren diese 
Ausdrücke von einem Meer von Liebe begleitet, und darum 
wurden sie auch von den Zuhörern akzeptiert, entsprechend der 
Halacha von der Ermahnung, die nur von Wohlgesonnenen 
angenommen wird (Schulchan Aruch O.C. §608,1). Einmal 
sagte er im Fernsehen: "Wenn Leute kommen und mit Gewalt 
nehmen - ich glaube nicht, daß es richtig ist. Natürlich wollen wir 
mit unserer eigenen Armee keine gewalttätigen 
Auseinandersetzungen". 

Glauben Sie ja nicht, wenn Sie das Image eines Verrückten 
annehmen und den Eindruck erwecken: Legt euch nicht mit mir 
an, ich bin unberechenbar!, daß Sie damit irgendetwas 
erreichen können. Machen Sie sich keine falschen 
Vorstellungen. Das schreckt vielleicht ein paar Tage lang ab, 
und dann fällt es auf Sie zurück wie ein Bumerang.

Seinerzeit sagte Rabbiner Moscheh Zwi Nerja über den 
Rückzug aus der Sinaihalbinsel: "Wir sind gegen Bruderkrieg. 
Das Aufhalten des Rückzuges soll dazu dienen, zukünftig das 
Vergießen von jüdischem Blut zu verhindern, und es darf nicht 
zum Vergießen von jüdischem Blut in der Gegenwart führen. 
Ein Bruderkrieg ist schlimmer als jeder Rückzug, und wir 
werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit kein Jude 
gegen einen anderen die Hand erhebt. Auch diese 
Demonstration wird sich voll und ganz an das Gesetz halten, 
und es wird nichts Ungesetzliches durchgeführt werden, was 
nicht vorher mit den Polizeikräften vereinbart wurde"... 
"Systematische Vorbereitung - ja. Demonstrationen - ja. 
Proteste, Aufrufe und Publikationen - ja. Gewalt - nein. Kein 
Vergeben und kein Vergessen, auf gar keinen Fall, für 
jemanden, der auch nur einen einzigen Stein einem Soldaten an 
den Kopf wirft. Sogar das Ausrufen von Beleidigungen gegen 
Zahal-Soldaten, erst recht das Erheben der Hand, sind ernste, 
unwürdige und absolut verbotene Handlungen. Auch wenn ein 
Soldat handgreiflich wird - müssen beide Arme ganz fest an den 
Körper angelegt werden, mit aller Kraft, und nicht darauf 
reagieren" (aus dem Buch "Chewlej Jamit").

Ich kann Sie aber beruhigen: Es wird keinen Bruderkrieg geben. 
Das ist alles leeres Gerede, sowohl von denen, die von einem 
"Gleichgewicht der Gewalt" reden, wie auch von der anderen 
Seite, die ein verkrummtes Feindbild erzeugen will. G~ttseidank 
sind wir ein Volk voller Liebe. Natürlich gibt es auch Verrückte, 
aber nicht genug, um uns ins Unglück zu stürzen. Sie bilden 
eine kleine Minderheit, und beide Seiten werden 
zusammenarbeiten, um deren schlechten Einfluß zu vereiteln. 

Auch Sie, lieber Freund, begehen Sie bußfertige Umkehr und 
verwechseln Sie nicht Freund und Feind. Und was Sie 
behaupten, das "Siedeln in den Herzen" habe sich nicht 
bewährt, damit irren Sie sich und führen Andere irre, denn Sie 
kennen nicht die Wirklichkeit. Aber selbst, wenn es so wäre, ist 
die jüdische Nächstenliebe schließlich kein technisches 
Hilfsmittel im Kampf um Jescha (Abk. f. Jehuda, Schomron und 
Gasastreifen), als ob das Volk Israel nur für Jescha existierte. 
Die jüdische Nächstenliebe bedeutet einen Wert an sich, einen 
heiligen, wunderbaren Wert, eine spezifische Besonderheit, und 
außerdem bringt sie großen Segen. 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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