DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ZAW
Nr. 454
12. Nissan 5764

Schabbat Hagadol

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):
Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und
wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des
Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Den Zehnt ins Schatzhaus

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Eine schwere Ermahnung läßt der Prophet das Volk anhören:
"Mit dem Fluche werdet ihr verflucht, und doch betrügt ihr mich,
das gesamte Volk" (Male'achi 3,9). Ein Fluch lastet auf euch,
weil ihr Mich bestiehlt - so verkündet G~tt dem Volke Israel
durch seinen Boten, den Propheten Male'achi. Das Volk fragt
verwundert: "Womit haben wir Dich betrogen?" (3,8), was
haben wir Dir gestohlen, und wie haben wir Dich betrogen?
Darauf antwortet G~tt: "Um den Zehnt und um die Hebe"
(ebda.). Im Lichte dieser Dinge gebietet der Prophet dem Volk,
"dem gesamten Volk": "Bringet alle Zehnten in das Schatzhaus"
(3,10). Nun stellt sich allerdings die Frage, was es mit diesem
"Schatzhaus" aufsichhat, zu dem von nun an das ganze Volk
alle Zehntabgaben zu bringen hat?

Bekanntlich müssen Zehntabgaben und Hebe dem Kohen
(Priester), Leviten und dem Armen übergeben werden, ein
persönliches Gebot, nicht gebunden an bestimmte Institutionen.
Es handelt sich nicht um eine öffentliche Steuer, mit deren
Einkassierung und Verteilung eine Behörde beauftragt wäre.
Vielmehr hat jedermann die Pflicht, den Kohen zu wählen, dem
er seine Hebe gibt, einen Leviten, der den ersten Zehnt erhält,
und einen Armen, der den Armenzehnt bekommt. Diese
unmittelbare Verteilung ist von großem Wert. Man wählt sich
"seinen Kohen", eine hochrangige Persönlichkeit, deren
Heiligkeit, Gelehrsamkeit und Reinheit auf andere ausstrahlt,
und kommt auf diese Weise in den Genuß direkten spirituellen
Einflusses. "Denn die Lippen des Priesters sollen die Erkenntnis
wahren, und Lehre soll man suchen aus seinem Munde, denn
ein Bote des Ewigen der Heerscharen ist er" (Male'achi 2,7).
Man wählt sich "seinen Armen" aus, für dessen Schicksal man
eine Art persönliche Verantwortung übernimmt, und fühlt dabei
sehr direkt ein Gefühl der Barmherzigkeit und der Bruderliebe,
das das Geben begleitet. Gerade direktes Geben ist der
angemessene Weg. Am Ende der Periode des ersten Tempels
und zu Beginn des zweiten herrschte jedoch ein anderer
Zustand. Auch unter den Kohanim und den Leviten gab es
welche, die Götzen dienten. Es gab Kohanim und Leviten, die
ihre Priesterwürde besudelten, indem sie "vor Ort" erschienen,
um ihre Abgaben wie Bettler einzufordern. Zu Beginn der
Periode des zweiten Tempels kam ein weiteres Problem hinzu.
Darüber klagt der Prophet: "Ihr habt verletzt den Bund des Levi"
(2,8), "Priester, Verächter meines Namens" (1,6). So gut wie
keiner der Leviten hörte auf Esra HaSofer, aus dem
babylonischen Exil nach dem Lande Israel zurückzukehren,
vielmehr zogen sie vor, in der Diaspora zu verbleiben. Dafür
strafte sie Esra, indem er ihre Rechte am Zehnt beschränkte.
So blieb keine andere Wahl, als den Abgaben eine
institutionelle Basis zu geben. Bereits König Chiskijahu ordnete
an, die Hebe in Lagerräume des Tempels zu bringen, von wo
aus sie an die Priester ausgegeben wurde (Chronik II, 31.Kap.).
Diese Methode wurde von Esra befürwortet. Zu Beginn des
zweiten Tempels bestand noch keine strikte Tora-Pflicht zu den
Abgaben, doch jene Generation nahm dieses Gebot als
rabbanitische Weisung freiwillig auf sich. Dazu wurde eben
auch angeordnet, den Zehnt und die Hebe zum "Schatzhaus" im
Tempel zu bringen und sie nicht mehr direkt an einen Kohen
oder Levi zu geben, weil nicht alle dessen würdig waren
(Nechemja 10.Kap.). Und ebenso befahl Male'achi.

Entsprechendes gilt für den Armenzehnt. Zwar hat die direkte
Gabe ihren Wert der Barmherzigkeit und der Brüderlichkeit,
aber auch bestimmte Schattenseiten. Kann denn jeder
Privatmensch jeden Armen ausforschen, ob er wirklich arm ist
oder sich nur als bedürftig ausgibt? Beschämt es denn nicht den
Armen, eine Gabe direkt aus der Hand des Spenders
anzunehmen? Sollte wirklich "der Eine seine zukünftige Welt
auf Kosten der diesseitigen Welt eines Anderen erwerben"?
Auch hierbei ist das indirekte Geben über eine
Wohlfahrtsorganisation zu bevorzugen, die besser über die
Armen informiert ist und die Unterstützung effektiver und unter
Berücksichtigung der Gefühle der Empfänger verteilen kann.

Die öffentliche Lesung dieser Verse am Schabbat Hagadol, dem
Schabbat vor Pessach, ist kein Zufall. Zweimal innerhalb von
sieben Jahren - im 4. und 7. Jahr - fällt das "Fortschaffen der
Zehntabgaben" während des Pessachfestes, der letzte Termin
für die Ablieferung dieser Abgaben, der die Pflichtigen zur
Beeilung mahnt. Ferner wird traditionsgemäß jedes Jahr
rechtzeitig vor Pessach "Weizengeld" oder "Kimcha
dePess'cha" (wörtl. Mehl für Pessach, für Matzot, praktisch aber
Geldspende für Bedürftige) gegeben, und man lädt Gäste zum
Seder ein: "Wen es hungert, der komme und esse, wer in Not,
der komme und feiere mit mir das Pessachfest" (Hagada).
Darum wiederholen wir gerade zu diesem Zeitpunkt die
mahnenden Worte des Propheten Male'achi, auf respektvolle
und würdige Übergabe von Zehnt und Hebe an ihre Empfänger
zu achten:
"Bringt alle Zehnten in das Schatzhaus, daß Vorrat sei in
meinem Hause, und prüfet mich doch damit, spricht der Ewige
der Heerscharen, ob ich euch nicht öffne die Schleusen des
Himmels und euch herabschütte Segen bis zum Unmaße"
(3,10).

Wer in Zeiten wirtschaftlicher Not nach einem Patentrezept für
Einkünfte sucht, braucht sich nicht zu Kabbalisten oder den
Gräbern der Frommen zu begeben, um einen entsprechenden
Segen oder einen Talisman zu erhalten. Das vom Propheten
übermittelte göttliche Versprechen, für großzügige
Zehntspenden in den Genuß unermeßlichen Segens zu
kommen, übertrifft alle anderen Methoden - erwiesenermaßen
durch langjährige Erfahrung. Jeder sollte es versuchen - es
lohnt sich!

*Spenden an MACHON MEIR - siehe unten*
 
 
Frage und Antwort

Der Anfang der Erlösung

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie wissen wir, daß wir uns am Anfang der Erlösung
befinden?

Antwort: Der Raschikommentar erklärt im Buch der Psalmen
zum Vers "Dem Sangmeister. Von David, zu erinnern" (70,1) -
an wen zu erinnern? An David. Raschi zitiert dazu einen
Midrasch: "im Midrasch zu den Psalmen sah ich ein Gleichnis
vom König, der über seine Herde zürnte, das Gehege
forträumte und die Herde samt Hirten hinausschickte. Nach
einiger Zeit holte er die Herde zurück und baute das Gehege
wieder auf, machte aber keine Bemerkung über den Hirten. Da
sagte der Hirte: 'Die Herde wurde zurückgeholt und das Gehege
wiedererbaut, und ich werde nicht erwähnt'; so wurde schon
vorher über dieses Thema gesprochen [am Ende des
vorangegangenen Psalmes, Nr.69, 36-37] 'denn G~tt wird Zion
helfen', 'und die seinen Namen lieben, darin wohnen' - also ist
das Gehege gebaut und die Herde eingesammelt, aber der Hirte
[David] nicht erwähnt; darum heißt es: 'Von David, zu erinnern.
G~tt, zu meiner Rettung'". Worauf spielt dieses Gleichnis an?
G~tt zürnte uns, verwüstete das Land Israel und warf uns ins
Exil mitsamt unserem König. Später versöhnte sich der Herr der
Welt mit uns, baute das Land Israel neu auf und brachte das
jüdische Volk in sein Land zurück. Da sagte König Maschiach
("Messias"): Und wo bleibe ich?! Wird es etwa keinen
Maschiach geben? Natürlich wird es ihn geben, und darum
heißt es: "Von David, zu erinnern", G~tt erinnert alles und bringt
den Maschiach, doch in der richtigen Reihenfolge: den
Maschiach zum Schluß.

Die Rückkehr nach Zion und der Aufbau des Landes erfolgen
ohne den Maschiach. Gäbe es jetzt den Maschiach, würde
keiner Fragen stellen, ob das denn jetzt die Erlösung sei. Wenn
der Maschiach kommt, wird man dessen schon gewahr werden!
Einmal gab es einen falschen Messias in Russland. Auch heute
noch behauptet fast jede Woche irgendeine Gruppierung, dieser
oder jener sei der Maschiach. Rabbiner Chajim aus Woloschin
hatte größte Bedenken bei diesem Lügenmaschiach, weil er
spirituelle Verwirrung zu stiften drohte. Darum schickte er
seinen Helfer los, in die Nachbarstadt zu reiten - selbst wenn er
erst am Schabbat dort ankommt - um den geplanten Auftritt des
Lügenmessias' zu vereiteln. Den hielt er für lebensgefährlich!
Der Helfer erreichte die Stadt denn auch erst am Schabbat, und
zwar als die Predigt bereits begonnen hatte. Da schlug er mit
der Faust aufs Lesepult und rief aus: Rabbiner Chajim aus
Woloschin gibt bekannt: Das ist ein Lügenmessias! Daraufhin
verließen alle Beter die Synagoge. Später fragte einmal ein
russischer Großgrundbesitzer Rabbi Chajim, was er von jenem
"Messias" halte. Dieser antwortete mit einer Gegenfrage: Und
was halten Sie von ihm? Da lachte jener und sagte, das habe
doch nichts mit ihm zu tun. Da sagte ihm Rabbi Chajim: Wenn
der wirkliche Maschiach kommt, dann geht auch Sie das etwas
an, und Sie werden ihn auch selber erkennen.

Der Maschiach ist keine zwielichtige Erscheinung, sondern eine
offensichtliche. Wenn er heute existierte, würde niemand daran
zweifeln. Der Herr der Welt entschied jedoch, daß die Erlösung
ohne Maschiach anfängt. Wieviel Zeit wird vergehen? Ein
Jahr? Zehn Jahre? Hundert Jahre? Tausend Jahre? Wir wissen
es nicht. Nur eines ist sicher: erst Erlösung - dann Maschiach.

Manche Leute klagen: "Wir haben keine wirkliche Führung,
weder eine politische noch eine spirituelle. Natürlich
respektieren wir die Rabbiner, aber eine echte Führung ist das
nicht". Antwort: Stimmt genau - bis heute haben wir alles ohne
wirkliche Führung und ohne Maschiach geschaffen! G~ttseidank
sind wir gar nicht so übel!

Wir haben Millionen im Lande Israel angesiedelt und aus einer
Wüste ein wunderbares Land gemacht, nach dem globalen
Maßstab befinden wir uns unter den ersten 20 Ländern der
Erde. Dieser Maßstab beurteilt die Staaten nach einem Fächer
von Aspekten, etwa wie eine Gesamtzensur in der Schule.
Innerhalb von 50 Jahren rückten wir an die 18. Stelle in der Welt
vor. Wir sind ein reiches Land, trotz hoher Ausgaben für die
Sicherheit, Urbarmachung der Wüste, Eingliederung von
Neueinwanderern u.v.m. Unser Land ist voller Tora, die
Jeschiwot und Mädchenseminare sind bis auf den letzten Platz
besetzt. All das schafften wir alleine, ohne Maschiach. Und
dann die Siege unserer Armee! Es herrschen gute
gesellschaftliche Beziehungen. Natürlich gibt es auch
streitsüchtige Menschen, aber im Großen und Ganzen herrscht
Brüderlichkeit. Dies ist das einzige Land auf der Welt, in dem
niemand Hunger leidet, und ohne Obdachlose, die auf den
Straßen herumlungern. Sicher gibt es noch viel zu verbessern,
doch haben wir g~ttseidank schon viel ohne den Maschiach
erreicht. Rabbiner A.J.Kuk antwortete auf die Fragen, "Warum
ist es gerade uns vergönnt? Sind wir etwa gerechter als die
Altvordern? Sind wir etwa besser oder heiliger?",
folgendermaßen: Ausgerechnet wir erleben die Erlösung,
weil wir sie zu erhalten verstehen. "Manche fragen, wodurch
gerade unsere Generation der Erlösung teilhaftig wurde. Die
Antwort ist einfach, weil sie sich mit dem größten aller Gebote
beschäftigte, mit dem Gebot, das die ganze Tora aufwiegt,
nämlich mit der Erlösung Israels. Nicht nur mit ihr beschäftigte,
sondern sich ohne Unterlaß mit ihr beschäftigt und beschäftigen
wird, und diese göttliche Kraft erhöht und erhebt sie in ihrer
Errettung" ("Acht Sammlungen", 7,201). Wir haben den
Fehdehandschuh aufgenommen, was keine Generation vor uns
tat. Jene sagten nicht: "Wir wandern ein unter
Opferbereitschaft, wir bauen auf, wir melden uns für die Armee".
Sie hatten andere Verdienste, über die wir nicht verfügen, doch
wir können diese Verdienste vorweisen. Im Laufe der
Jahrhunderte wanderten nur einige wenige besonders Fromme
ein, wie z.B. 300 Tossafisten (Talmudkommentatoren), hunderte
Schüler des Ba'al Schemtov, 800 Schüler des "Gaon von
Wilna". Und plötzlich, im Jahre 5641 (1881), begann die "erste
Alija", dann wanderten Tausende ein, danach Hunderttausende,
fromme Juden, durchschnittliche Juden und einfache Juden,
auch sie waren opferbereit, ließen im Ausland Gold, Silber und
gesellschaftlichen Status zurück und lebten hier ein karges
Leben. So besiedelten sie das Land, gründeten überall
Siedlungen, griffen zur Waffe und kämpften unter Einsatz ihres
Lebens.

All dies taten wir, und nicht andere Generationen. Es stand zwar
auch nicht immer in ihrer Macht, sie waren aber auch nicht
daran interessiert. Auch in unseren Tagen gibt es viele Fromme
von der Art früherer Generationen von vor einigen hundert
Jahren: die Charedim, gute und gerechte Juden, die Tora und
Gebote mit großem Eifer einhalten, jeden freien Augenblick
Tora lernen, ohne sich ablenken zu lassen, konzentriert beten
und auch sonst über gute Eigenschaften verfügen. Aber mit
Einwanderung, Aufbau des Landes und Dienst in der Armee
haben sie nicht viel im Sinn. Sie sind nicht dafür, sie sind nicht
dagegen, das interessiert sie einfach nicht. In der kommenden
Zukunft allerdings, wenn der Maschiach erscheint, werden alle
eingezogen. In der Zwischenzeit jedoch beschäftigen sie sich
mit anderen Dingen. "So waren wir immer", alle
himmelsfürchtigen Juden während aller Generationen.

Vor etwa 120 Jahren jedoch begannen viele von uns ein
Interesse zu zeigen, sahen, daß G~tt uns die Hand ausstreckt,
daß sich plötzlich die Tore des Landes Israel öffnen und die
Einwanderung möglich wurde. Die Juden fingen an
herbeizuströmen, warteten nicht mehr auf den Maschiach.
Überall, wo man sie eine Siedlung gründen ließ, bauten sie
eine. Städte wurden mit ungeheurer Geschwindigkeit aus dem
Sand gestampft. Nach den Ereignissen von 5689 (1929) wurde
beschlossen, eine Untergrundarmee zu gründen, die Hagana,
es wurde im Verborgenen trainiert, bis sie sich im Laufe der Zeit
zu einer echten Armee mauserte. Kurz gesagt, wir verpaßten
keine der Chancen, die G~tt uns bot.

Manchmal werden historische Chancen verpaßt, wie z.B. bei
der Sünde der Kundschafter, als das Volk weinte, statt
einzuwandern, das Land zu erobern und es zu besiedeln. Auch
zu Beginn des zweiten Tempels wurde eine große Chance
verpaßt, da nach dem Ende des 70-jährigen babylonischen
Exils nur Wenige zurückkehrten, so daß der ganze Neubeginn
nur mühsam vom Fleck kam (siehe Joma 9b). Doch dieses Mal
verpaßten wir unsere Chance nicht. G~tt rief uns, und wir
antworteten: Ja! Das ist unser Verdienst. Zwar besteht nicht das
ganze Volk in Zion aus Frommen wie die Charedim, doch hörten
wir auf G~ttes Ruf und kamen. Auch säkulare Juden hörten auf
diesen Ruf. In Wirklichkeit hätten die Frommen die Pioniere sein
müssen, doch leider wurde diese Gelegenheit ja verpaßt; aber
schließlich sind wir nicht für kleinliche Aufrechnungen
eingewandert. Alles in allem hat die jüdische Gemeinschaft
diese Gelegenheit nicht verpaßt.

Sicher kommen auch heute viele Dinge nicht voran, wie sie
sollten. Woran liegt das? Weil wir es tun, und nicht der
Maschiach. Und auch, weil viele himmelsfürchtige Juden nicht
mitmachen. Doch nur Geduld! Im Laufe der Zeit, nach ein paar
Jahren oder Generationen wird alles ins Lot kommen. Zu
Beginn der Rückkehr nach Zion, vor etwa 120 Jahren, gab es
enorme Schwierigkeiten, und wir wurden mit ihnen fertig. Selbst
nach der Staatsgründung gab es kaum Geld für Nahrung und
Waffen, und nur wenige Jeschiwot, und auch damit sind wir mit
G~ttes Hilfe fertiggeworden. Wir treten nicht auf der Stelle,
sondern kommen auf allen Gebieten voran. G~tt rief uns, und
wir kamen.
 

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