DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL-PEKUDE
Nr. 452
27. Adar 5764

Schabbat HaChodesch

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 40,38):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für
alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue
Beschreibung des Stiftszeltes, der Bundeslade, des Tisches der
Schaubrote, des Räucheraltars und des Wasserbehälters.
Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung
der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung
des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.
 
 

Der Stand der Dinge...
Unsichtbare Verbindung
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die Balken des Wüstenheiligtums wurden von zwei verschieden
Arten Riegeln zusammengehalten. Der "mittlere Riegel" verband
alle Balken [einer Seitenwand] des Wüsten-Heiligtums, wie es
heißt: "Und er machte den mittleren Riegel, daß er mitten durch
die Bretter laufe von einem Ende bis zum anderen" (Ex. 36,33).
Die anderen Riegel waren außen angebracht und verbanden
jeweils nur einen Teil der Balken. Wie die Riegel die Balken des
Heiligtums von innen und von außen zusammenhielten, so gibt
es auch bei den Menschen innerliche und äußerliche Dinge, die
sie miteinander verbinden. Moralische und ideelle Grundwerte
sowie eine gemeinschaftliche Kultur entsprechen dem "mittleren
Riegel", der alle Balken von einem Ende bis zum anderen von
innen zusammenhält. Auf der anderen Seite steht das
gemeinsame Interesse wie in Fragen der Existenz, der
Wirtschaft, der Sicherheit und der Politik, die den äußeren
Riegeln entsprechen, die jeweils nur einen Teil der Leute
miteinander verbinden, und auch nicht auf Dauer. Von
gemeinsamem Interesse getragene Einigkeit fällt unter die
Regel "Jede Liebe, die an eine Sache geknüpft ist, hört auf,
wenn die Sache aufhört" (Mischna "Sprüche der Väter"; 5.Kap.).

Nach dem Stand der Dinge ist die besondere Seele der
israelitischen Gesamtheit, die ihr beim Auszug aus Ägypten
eingepflanzt wurde, der "mittlere Riegel", der das jüdische Volk
von einem Ende bis zum anderen durch alle Generationen bis
ans Ende der Tage eint. Jeder einzelne Jude hat Anteil an
dieser guten Seele, unabhängig davon, welcher Strömung im
Judentum, welcher ethnischen Gruppe oder welcher Partei er
angehört. Diese Seele befindet sich im Volke Israel und in
jedem einzelnen Juden, wie wir jeden Morgen sagen: "Mein
G~tt! Die Seele, die du mir rein gegeben, du hast sie
geschaffen...", doch sie befindet sich nicht nur in mir, sondern in
uns allen.

Um diese gute Seele zu nähren und zu offenbaren ist eine
werteorientierte Erziehung nötig, die auf die Wurzeln
zurückgreift, zu denen diese Seele gehört. Wie Wurzeln und
Stamm die Zweige des Baumes einen, so auch die Wurzeln des
Volkes Israel, nämlich die Tora und unsere Tradition, die uns in
Wahrheit einen. Diese sind es, die unsere gute Seele nähren
und zu ihrer Offenbarung führen, wohingegen die gemeinsamen
Interessen, so wichtig sie auch sein mögen, die Nation nicht
einen können. Im Gegenteil, manchmal führen sie zu Spaltung
und Streit, wie wir tagtäglich in Fragen der Sicherheit, der
Wirtschaft und der Politik gewahr werden.

Wollen wir lieber unsere jüdischen Wurzeln in Liebe und
Glauben vertiefen und auf diese Weise den "mittleren Riegel"
offenbaren, der das ganze Volk Israel verbindet.

In Erwartung der vollständigen Errettung,
Rav Dov Begon
 
Frage und Antwort

Immer vorwärts

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Angesichts einer Politk der Aufgabe von Siedlungen
möchte man schier verzweifeln. Alles, was wir aufgebaut haben,
geht vor die Hunde. Vielleicht waren wir von Anfang an nicht auf
dem richtigen Wege?

Antwort: Wir waren auf dem richtigen Wege. Der Ausdruck,
alles geht vor die Hunde, ist reine Übertreibung und auch ein
Zeichen von Undankbarkeit. Haben Sie keine Angst vor
schlechter Politik, man muß ihr mit Entschlossenheit
entgegentreten und zum Guten wenden.

Doch um zum eigentlichen Kernpunkt zu gelangen, muß man
sich ein für alle Mal das Prinzip des "Stück um Stück" einprägen
(siehe Talmud jeruschalmi, Brachot 1,1). Vor etwa 120 Jahren,
als das große Erwachen zur Rückkehr nach Zion begann,
schieden sich die Geister an der Frage des rechten Weges:
eine Seite war für den Ankauf von Ländereien, Grundstück um
Grundstück, um so zu Ruhe und Erbbesitz zu gelangen, und die
andere Seite war für sofortige Staatsgründung, was automatisch
die Herrschaft über alle Grundstücke und Ländereien
mitsichgebracht hätte. Über beide Wege, den praktischen
Zionismus und den politischen Zionismus, läßt sich sagen:
"Diese und jene sind Worte des lebendigen G~ttes" (Eruwin
13b). Und beide bauten gemeinsam das Haus Israels.

Der praktische Zionismus wurde von großer Opferbereitschaft
begleitet, die in Wirklichkeit schon lange vorher existierte. Es
gab weder Arbeit noch Behausungen, kein Essen und
manchmal fehlte sogar Wasser zum Trinken. Nur eines gab es:
Opferbereitschaft. Eine Siedlung nach der anderen wurde
gegründet, Boden wurde hinzugekauft Quadratmeter um
Quadratmeter. Um jedes bißchen wurde hartnäckig gerungen.
Manchmal klappte es, manchmal nicht. Wenn es klappte -
g~ttseidank! Wenn nicht, versuchte man es ein andermal
wieder; nach einer Woche, nach einem Monat, nach einem
Jahr, nach zweien - bis zum Erfolg. Das Prinzip lautete:
Opferbereitschaft. Am Ende schafften sie es. Sie gaben nicht
auf, nutzten jede Gelegenheit, jede sich bietende Öffnung.
Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels)
erklärte, daß zu der Erwartung der Erlösung das Schärfen des
Blickes gehört, sich keine Gelegenheit entgehen zu lassen, die
Erlösung voranzubringen (Sidur "Olat Ra'aja"). Konnte man
nicht hier siedeln, siedelte man dort. Wurde hier geräumt, wurde
dort wieder aufgebaut. Wenn die Türken nur den Bau eines
Stalles erlaubten, aber kein Haus, wurde ein Stall errichtet - und
später zu einem Haus umgebaut. Man nutzte jede Gelegenheit
und brachte so die Erlösung Stück um Stück.

Im Buche "Chafez Chajim" (Gesetze zur Vermeidung übler
Nachrede) wird ein Gleichnis gebracht im Zusammenhang mit
Leuten, die diese Gesetze mit der Behauptung nicht einhalten
wollen, da sie ihre Übertretung sowieso nicht vermeiden
können. Ein Rabbiner wurde einmal gefragt, was man tun
müsse, wenn einem gegen Ende des Schmone-Esre-Gebetes
bewußt wird, daß man sich die ganze Zeit nicht aufs Gebet
konzentriert hat. Woher nehme man die Kraft, sich
zusammenzureißen? Er antwortete so: Es war einmal ein
Mädchen, das auf dem Markt Gemüse verkaufte. Da kam ein
Bösewicht und stürzte ihren Stand um. Alles rollte überall auf
dem Boden, und die Leute fingen an, sich selbst zu bedienen,
während das Mädchen machtlos zusah. Da rief ihr jemand von
weitem zu: Warte nicht, bis sie alles weggenommen haben,
sondern greife auch du dir, soviel du kannst! Und alles, was du
ergreifst, ist deines! - So auch beim Gebet: der Trieb nimmt dir
von deinem Gebet weg? Dann nimm auch du dir von deinem
Gebet einen Anteil! Gleiches gilt auch für die üble Nachrede,
der böse Trieb verleitet dich und siegt über dich, so schnappe
auch du von ihm, was du kannst, und so weiter in
kontinuierlichem Kampf gegen ihn. Das gleiche Prinzip galt und
gilt auch bei der Besiedlung des Landes.

Auch nach der Staatsgründung blieben ungelöste Probleme,
selbst nach dem Sechstagekrieg, die ein hartnäckiges
Vorgehen Quadratmeter um Quadratmeter nötig machten. Am
Anfang wurde nur Kfar Etzion zur Besiedlung freigegeben - so
soll es sein! Dann durfte ein Sederabend in einem Hotel in
Chevron abgehalten werden - so soll es sein! Später wurde dort
bloß im Gebäude der Militärverwaltung gesiedelt - so soll es
sein! Die ersten Gebäude von Elon Moreh wurden abgerissen -
und gleich woanders wieder aufgebaut! Auch dort wurden sie
abgerissen, und wiederum woanders aufgebaut, und wiederum
abgerissen. Erst nach dem achten Versuch ließ man die
Gebäude stehen. In Ofra wurde nur ein Lager für
archäologische Ausgrabungen genehmigt - so soll es sein! Das
Gebiet um Jamit mußte geräumt werden - da haben wir den
Katif-Block gegründet. Wir nahmen, was wir konnten. War es
verboten, eine Siedlung zu gründen, bauten wir ein Stadtviertel.
War ein Stadtviertel verboten, bauten wir ein Haus. War die
Zuwanderung verboten, gab es natürliche Vermehrung. War die
Siedlung verboten, gründeten wir einen Vorposten. War die
zivile Besiedlung verboten, wurde ein Militärposten oder eine
Feldschule eingerichtet. Ließ man uns keine Stadt bauen, dann
eben eine Landstraße. Bauen wir hundert, und verlieren fünfzig
- bleiben uns immer noch fünfzig übrig. Hauptsache: Vorwärts!
Die ganze Zeit vorwärts. Heute gibt es in Jehuda, Schomron
und 'Asa ("Jescha") hunderte Siedlungen und eine Viertelmillion
Einwohner!

Nur nicht aufgeben, nicht nachlassen, nicht fluchen, nicht böse
sein, kein Gleichgewicht der Abschreckung aufbauen, nicht über
mögliche Siedlungsräumungen lamentieren, nicht von
Befehlsverweigerung reden - sondern immer vorwärtsstreben.
Wie ein Offizier in der Schlacht, und auch wenn einer seiner
Leute fällt, stürmt er voran. Rechts versperrt? Dann von links!
Immer vorwärts, immer vorwärts!

Mit Mut und Glauben Meter um Meter. Nicht mit der Armee
streiten, nicht mit dem jüdischen Volk streiten, Zeit gewinnen,
ducken, nicht auffallen. Und immer weiter vorwärts! In dieser
Zeit des Krieges gegen unsere Feinde dürfen wir nicht
untereinander streiten. Im Gegenteil, mehr Liebe und
Brüderlichkeit, und immer weiter vorwärts!

Nicht verzweifeln, und nicht zweifeln! Nicht fragen: "Woran mag
ich wissen, daß ich es besitzen werde?" (Gen. 15,8), denn diese
Frage nahm der Herr der Welt übel. Nicht schreien, nicht
angreifen, keine üble Nachrede reden, sondern soviel wie
möglich vorangehen, Initiative ergreifen, kämpfen, Mut und
Glauben mehren, mehr Opferbereitschaft zeigen. Alle
Möglichkeiten ausprobieren. Wer fällt - steht wieder auf. Immer
nur vorwärts!

Liebe zum Staat; nicht wie eine Fliege jeden Schmutz
aufsuchen, sondern wie ein Schmetterling zum Licht streben.
Das Licht verdrängt die Finsternis. Immer reumütige Umkehr
tun, Umkehr zur jüdischen Gemeinschaft. Über das Verdienst
der Gemeinschaft reden, Himmelsfurcht mehren, Himmelsfurcht
in Form der Liebe zum Volke, das in Zion wohnt - und vorwärts!

Nicht vergessen, daß das Land Israel durch Lust und Mühe
erworben wird (Sfat Emet zu Parschat Schelach). Denk dran,
daß wir eine große Generation sind, eine wunderbare, daß der
Herr der Welt Wunder wirkt. Denk daran, daß keine Mühe ohne
Lohn bleibt. Wenn sich die Früchte nicht sofort zeigen, dann
später. Der Etzion-Block fiel bei der Verteidigung Jerusalems im
Unabhängigkeitskrieg in die Hände der Araber. War er umsonst
erbaut worden? Um G~ttes Willen! Darum wurde er als erster
gleich nach dem Sechstagekrieg wieder aufgebaut. Wir müssen
unser Gehirn durch solche reine Gedanken reinigen - und
immer vorwärts!

Achte nicht auf die Gedanken von Öde und Leere und
Wahnsinn über die Räumung von Siedlungen. Wir müssen
gegen diese Pläne eine menschliche Mauer bilden, für unser
Volk und die Städte unseres G~ttes. Die ganze Zeit vorwärts,
wir kommen voran! Trotz aller Hindernisse und der auf der
Strecke Gebliebenen - vorwärts! VORWÄRTS!
 

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