DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIKRA
Nr. 453
5. Nissan 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):
Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und
wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des
Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).
 
 

Der Stand der Dinge...
Ende gut - alles gut
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Wer im Monat Nissan hinausgeht und blühende Fruchtbäume
sieht, sagt folgenden Segensspruch: "Gesegnet seist Du, G~tt,
unser G~tt, König der Welt, der es in seiner Welt an nichts hat
fehlen lassen und hat darin gute Geschöpfe und gute Bäume
geschaffen, deren sich die Menschen zu erfreuen haben"
(Schulchan Aruch O.C. §226).

Das Betrachten der blühenden Bäume soll uns ein wichtiges
Prinzip lehren. Unser Leben gleicht dem Baume; so wie der
Baum im Winter ohne Blätter scheinbar tot dasteht und im
Frühling, im Monat Nissan, wieder zu blühen beginnt, sein
Blätterkleid anlegt und am Ende seine süßen Früchte
hervorbringt, so verhält es sich auch mit dem menschlichen
Leben. Wenn man das Leben aus weiter Perspektive
betrachtet, in allgemeinem Überblick, findet man das Sprichwort
"Ende gut, alles gut" bewahrheitet, auch wenn es
zwischendurch schwere Perioden gab, in denen wir dem
winterlichen, scheintoten Baum glichen - wie es heißt: "Und G~tt
sah alles, was er gemacht, und siehe, es war sehr gut" (Gen.
1,31). Wenn man alles in Betracht zieht und sich nicht nur mit
Ausschnitten begnügt, ist alles gut.

Nach dem Stand der Dinge gibt es sowohl im Leben des
Einzelnen Höhen und Tiefen, Perioden göttlicher Zuwendung
und Perioden göttlicher Verborgenheit, als auch im Leben des
ganzen Volkes Israel. Jahrtausende verbrachten wir in der Galut
(Exil) und sahen aus wie tot, wie es der Prophet Jecheskel in
seiner Vision vom "Tal der Gebeine" (37.Kap.) beschrieb, und
am Ende kamen wir heim, und Israel ersteht zu neuem Leben
im Lande Israel.

Auch wenn wir heute schwer zu ertragendes Gerede von der
Vertreibung von Juden aus ihren Siedlungen im Lande Israel
hören, müssen wir Mut fassen, erkennen, wissen und glauben,
daß trotz vieler menschlicher Überlegungen doch der Ratschluß
G~ttes, der gut über sein Volk Israel denkt, bestehen wird, wie
es heißt: "Denn nicht lassen wird der Ewige sein Volk, und sein
Erbe verläßt er nicht" (Psalm 94,14).

Wir befinden uns zwar erst am Anfang des Sprossens und der
Blüte unseres Volkes in unserem Lande, doch ist der Tag nicht
mehr fern, wenn wir die süßen Früchte des jüdischen Volkes in
seinem Lande ernten werden, deren Aufgabe darin besteht,
zum Wohle der Welt zu wirken und diese zu erleuchten.

Dann wird große Freude in der Welt herrschen, wie es heißt:
"Frohlocke der Himmel und juble die Erde... fröhlich sei die Flur
und alles, was darin, Dann müssen jauchzen die Bäume des
Waldes vor dem Ewigen..." (Chronik I, 16,31-33) - denn Ende
gut, alles gut.

In Erwartung der vollständigen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Jung gefreit!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wir sind verlobt, beide 25 und möchten wirklich
schnellstmöglich heiraten. Wir befürchten nämlich Hindernisse
und Versuchungen. Andererseits möchte ich mich aber auch
selbstverwirklichen, beruflich Karriere machen und kann mir
dabei nicht vorstellen, den Rest meines Lebens zwischen
Kochtöpfen und vollen Windeln zu verbringen. Auch mein
Verlobter möchte erst seine Studien zuendebringen. Wenn wir
heiraten, laden wir uns ein finanzielles Joch auf und können uns
nicht mehr angemessen unseren Studien widmen. Kinder
kosten Zeit und Geld, und auch das Studium kostet Zeit und
Geld. Anders sähe es aus, wenn uns die Rabbiner die Erlaubnis
gäben, ersteinmal zu heiraten und das Kinderkriegen bis nach
Beendigung der Studien und finanzieller Konsolidierung
aufzuschieben, d.h. einige Jahre. Außerdem fürchten wir,
Kinder könnten einen Keil zwischen uns treiben und den Aufbau
unserer Partnerschaft stören.

Antwort: 1. Jung heiraten. Zuerst gilt es, ein normaler Mensch
zu sein und jung zu heiraten. "Ein Mensch, der keine Frau hat,
lebt ohne Freude, ohne Segen und ohne Güte... ohne Tora und
ohne Umgebung, ..ohne Frieden" (Jewamot 63a/62b).
Ausgedehntes Junggesellentum bedeutet eine Katastrophe
sowohl vom religionsgesetzlichen als auch vom
psychologischen Standpunkt aus. Demgegenüber schützt frühe
Ehe vor folgenschweren Fehltritten. Übrigens, bei den
Begegnungen vor der Hochzeit ist besonders auf die Einhaltung
der Jichud-Gesetze [abgesondertes Alleinsein von nicht
miteinander verheirateten Mann und Frau] zu achten, und
vielleicht noch mehr auf die Vermeidung von Begegnungen
unter vier Augen, die auch wenn sie nicht unbedingt nach dem
Buchstaben des Gesetzes verboten sind, doch etwas
Abscheuliches darstellen. Um zum Thema zurückzukommen: je
älter man wird, desto schwieriger das Finden eines passenden
Partners/in. Darüberhinaus erleichtert eine frühe Ehe die
Herstellung einer Verbindung, ein Zusammenwachsen und die
Formung einer erfolgreichen Partnerschaft.

2. Unreife Ehepartner. Allerdings darf man nicht ins andere
Extrem verfallen und zu jung heiraten. Dabei überwiegen die
Nachteile die Vorteile. Zwar sagten die talmudischen Weisen:
"Mit 18 zur Chuppa" (Mischna "Sprüche der Väter", 5.Kap.), die
Meisten sind in diesem Alter allerdings sowohl seelisch als auch
charakterlich noch nicht reif für die Ehe. Das Gebot betrifft nicht
nur die Hochzeit, sondern auch die Führung eines guten
gemeinschaftlichen Ehelebens in Liebe und Brüderlichkeit,
Frieden und Freundschaft. Der Erfahrung nach werfen
frühzeitige Ehen viele Probleme auf und enden häufig in
Scheidung. In Amerika hat sich die Scheidung zu einer wahren
Plage entwickelt. 70% der Ehen werden schon in den ersten
Jahren wieder aufgelöst, weil die Partner egoistische
Liebeserwartungen hegen, anstatt in der Ehe Liebe und
Verantwortung zu suchen. Es hat sich überdies herausgestellt,
daß die Kommunikation zwischen Eheleuten, die schon vor der
Ehe zusammenlebten - bei uns heißt das Hurerei - ganz
besonders unter Problemen leidet, weil sich die Partner an das
Fehlen bindender Verantwortung gewöhnt hatten.
Zusammengefaßt läßt sich sagen, vor der Ehe muß man sich
gute Charaktereigenschaften zulegen, und in der Zwischenzeit,
bis zur Hochzeit, den Trieben trotzen und das Buch "Weg der
Frommen" (Messilat Jescharim; Rabbiner Moscheh Chajim
Luzatto) hundert Mal durchlesen.

3. Zwischen 20 und 25. Nicht in Extreme verfallen. Die
Erfahrung zeigt, daß die Spanne zwischen 20. und 25.
Lebensjahr am besten für die Eheschließung geeignet ist.
Natürlich lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren, und
jeder Fall muß individuell geprüft werden, aber im Allgemeinen
hat sich dieses Alter als am geeignetsten erwiesen.

Auch ein Jeschiwe-Schüler, der einmal eine Toragröße werden
will und in Ruhe ohne die Sorge um eine Familie lernen muß
und der nach jüdischem Gesetz die Ehe aufschieben darf, sollte
auch nicht über die genannte Grenze hinaus abwarten.

Gleichfalls ist der Dienst in einer Eliteeinheit der Armee keine
gute Idee während des ersten Ehejahres, wenn die junge
Ehefrau einsam und verängstigt zuhause sitzt; doch auch
hierbei sollte man sich vor Übertreibungen in beide Richtungen
hüten.

Was die Mädchen angeht, so sind zwei Jahre Zivildienst nicht
zu empfehlen, oder ein Jahr Zivildienst zuzüglich ein Jahr
Mädchenseminar [jüdische Studien], weil dadurch das
Heiratsalter zu weit hinausgeschoben wird, sondern ein Jahr
Zivildienst mit parallellaufenden jüdischen Studien, oder diese
mit der Berufsausbildung verflechten. Doch auch hier gibt es
keine eisernen Regeln, denn manches Mädchen braucht das
Jahr im Seminar wie die Luft zum Atmen - aber wie gesagt, die
Rede ist von der allgemeinen Regel.

4. Heirat und Geburt. Im Normalfall kommt nach der Hochzeit
das Kinderkriegen. Ima sein. Aba sein. Und nicht heiraten und
dann kinderlos bleiben. So lautet das Gesetz, und so ist es auch
normal. Im Talmud heißt es, wer ohne Frau bleibt, ist kein
Mensch. Im Sohar heißt es, wer keinen Sohn und keine Tochter
hat, ist kein Mensch.

5. Aufbau der Partnerschaft. Bezüglich der Behauptung, das
Kinderkriegen müsse zugunsten der Festigung der
Partnerschaft aufgeschoben werden: natürlich muß eine gute
Partnerschaft zwischen Mann und Frau vor der Ankunft des
ersten süßen Babys aufgebaut werden, und das kommt nicht
zuletzt dem Kind zugute. Doch dafür reicht ein Jahr vollkommen
aus, so wie es in der Tora heißt: "..frei soll er sein für sein Haus
ein Jahr, und erfreuen sein Weib, das er genommen" (Dt. 24,5).
Sowieso vergeht meistens ein Jahr von der Hochzeit bis zur
Geburt des ersten Kindes. Auch stört die Schwangerschaft
keineswegs beim Aufbau einer innigen Partnerschaft. Darum
bietet das keinen Grund, außer in Sonderfällen, wo die
Entscheidung eines Rabbiners einzuholen ist, die
Schwangerschaft aufzuschieben. Überhaupt sollte man ein Kind
nicht als Keil zwischen den Eltern ansehen! Im Gegenteil,
Kinder stärken die partnerschaftliche Bindung, die in
gemeinsamem Sorgen für die Familie aufgebaut wird. "Und sie
werden zu einem Fleische" (Gen. 2,24), erklärte Nachmanides:
durch die Liebe, Raschi: durch die Kinder.

Eheliche Partnerschaft bedeutet Elternschaft, Geben und
gemeinsame Verantwortung. Nicht sich gegenseitig tief in die
Augen schauen - sondern beide in die gleiche Richtung. Sonst
ist das immer noch Egoismus. Natürlich muß zwischen den
Eltern eine gute Verbindung bestehen, damit die Kinder gut
aufwachsen. Darum heißt es: "..frei soll er sein für sein Haus ein
Jahr" (s.o.).

6. Finanzielle Probleme. Was die wirtschaftliche Seite angeht,
besteht keine Veranlassung zu vorzeitiger finanzieller
Konsolidierung. Bei Schwierigkeiten wird die Familie aushelfen.
Was Euch betrifft, so müßt Ihr in diesem Fall auf
Lebensstandard verzichten, auf eine teure Wohnung, auf ein
Auto - das alles kann nicht das Lächeln eines Säuglings
aufwiegen. Der Normalfall sieht so aus: Heiraten und
Kinderkriegen. Der Rest läßt sich hinterher erledigen. Vor allem
- normal sein! Mit G~ttes Hilfe wird sich alles einrenken. Die
meisten Probleme sind sowieso nur eingebildet, und mit etwas
gutem Willen lassen sich die wirtschaftlichen und
organisatorischen Fragen schon lösen. Man darf sich seinen
Lebensweg nicht vom Geld diktieren lassen.

7. Berufliche Karriere. Natürlich sind wir nicht gegen Karriere,
weder beim Mann noch bei der Frau. Im Gegenteil, wir sehen
mit Freude die höchstmögliche Entwicklung des
Berufspotentials eines Jeden, der so der Nation Segen bringt.
Man darf dabei aber nicht die Werteskala aus den Augen
verlieren: Die vorrangige Karriere der Frau ist die Familie, und
dazu kann eine weitere, zweitrangige, berufliche Karriere
kommen. Ehe und Familie gehen über alles. Das ist die höchste
Stufe der Selbstverwirklichung.

Nach einem langen und inhaltsreichen Leben, wenn der Mensch
zurückschaut und Bilanz zieht, was hat ihm am meisten Freude
und Glück gebracht? Karriere oder Kinder? Kinder natürlich!

8. Kinderkriegen. Das ist das Prinzip: Ehe und Geburt kamen
gemeinsam vom Himmel herab. Wenn man schon geheiratet
hat, soll man das Kinderkriegen nicht aufschieben. Das ist nur in
extremen Ausnahmefällen möglich, und auch nur nach
Konsultierung eines entscheidungsbefugten Rabbiners.

In der Tora steht nicht, wieviele Kinder man zur Welt bringen
muß, sondern prinzipiell so viele wie möglich. Diese Möglichkeit
ist eine individuelle Angelegenheit. Das erste Kind aber ist
keinesfalls aufzuschieben.

9. Hochzeit und Schwangerschaftsverhütung. Wenn man mir
aber die Pistole an die Schläfe setzt und mich vor die Wahl
stellt: Wir sind beide über 25 Jahre alt - entweder, wir heiraten
und schieben das Kinderkriegen auf unbestimmte Zeit in die
Zukunft, oder wir schieben die Hochzeit auf - denen sage ich:
Wählt die bessere bzw die weniger schlechte Option und
heiratet ersteinmal, um wenigstens das Gebot der Ehe zu
erfüllen. Nebenbei gesagt ist eine Ehe ohne Kinder dem
verbotenen Zusammenleben vorzuziehen, wie die neue Mode
von widerlicher Perversion, als ob ein Untertauchen in der
Mikwe die Hurerei mit einer Nebenfrau erlaubte, G~tt möge uns
retten.

Darum heiratet, und möge Euch der Aufbau eines treuen
jüdischen Haushalts vergönnt sein, in Liebe und Brüderlichkeit,
Frieden und Freundschaft (Hochzeitssegen). Zwar verpaßt Ihr in
der Zwischenzeit das Gebot, Kinder zur Welt zu bringen, erfüllt
aber wenigstens das Gebot der Ehe, das Euch vor Fehltritten
wegen Überlänge der Verlobungszeit schützt. G~tt sei mit Euch
und segne Euch.
 

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