DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 437
11. Kislev 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 - 32,3):
G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu schützen,
Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Leah, die
vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der Stämme,
Lawans Betrügereien und göttliche Wende zu Jakovs Vorteil,
beschleunigte Abreise nach Kana'an und Showdown mit Lawan
auf dem Wege.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Arbeitsethik

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

"Jakov, ein schlichter Mann, wohnend in Zelten" (Gen. 25,27).
Doch nun war die Zeit für ihn gekommen, die Zelte zu verlassen
und sich in das werktätige Leben zu stürzen. Der Übergang vom
akademischen "Elfenbeinturm" in die rauhe Schule des
Wirtschaftslebens mit allen ihren Komplikationen ist kein
leichter. Ruft doch das Lehrhaus zu einem Leben von Recht
und Aufrichtigkeit auf, von Wahrheit und Treue, und in der
praktischen Wirklichkeit herrschen Eifersucht und Konkurrenz,
List und Betrug - kurz gesagt: die "Welt der Lüge".

Die volle Wucht dieser Diskrepanz spürte Jakov bei seiner
Ankunft in Charan. Er erreichte den Ort bereits zur
Mittagsstunde, und was fiel ihm als Erstes auf? "Und er schaute
hin und siehe, ein Brunnen war auf dem Felde, und siehe,
daselbst waren drei Schafherden gelagert neben demselben"
(Gen. 29,2). Dieser Anblick war unverständlich. Mitten am Tage
lagern drei Herden am Brunnen?! Sind die Hirten denn keine
Tagelöhner, die das Vieh den ganzen Tag weiden sollten?!
Warum lassen sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen?!
Unser Vorvater Jakov war nicht blind. "Der Stein auf der
Mündung des Brunnens war groß" (ebda.). Ihm war sofort klar,
daß es keinen anderen Weg zur Tränkung des Viehs gab, als
abzuwarten "bis dort alle Herden versammelt waren, so wälzten
sie den Stein von der Mündung des Brunnens, und tränkten die
Schafe, und brachten wieder den Stein auf die Mündung des
Brunnens an seine Stelle" (29,3). Allerdings konnte er sich eine
provokative Bemerkung nicht verkneifen: "Siehe, noch ist der
Tag lang, es ist nicht Zeit, das Vieh einzutreiben; tränket die
Schafe und gehet hin, weidet!" (29,7). Jakov spürte hier einen
Trick der Hirten am Werke, ihre Arbeitgeber zu überlisten.
Wozu war ein so großer Stein auf der Brunnenmündung nötig?
Herrschte dort etwa Wassermangel?! Handelte es sich doch
nicht um ein "Wasserloch", wie man es im wasserarmen Lande
Israel antraf, sondern um einen "Brunnen" mit ständiger
Wasserzufuhr! Und wenn man befürchtete, ein Kind könne
vielleicht hineinfallen, würde dann nicht ein viel kleinerer Stein
völlig ausreichen, den ein einzelner Erwachsener hochheben
kann, maximum zwei? Jakov erkannte, daß dieser Riesenstein
einzig und allein als Vorwand diente, den Hirten eine
ausgedehnte "Frühstückspause" zu ermöglichen: Erstmal muß
man abwarten, bis sich alle versammelt haben. Dann heben alle
zusammen den Stein hoch. Dann muß der Stein auch wieder
zurückgewuchtet werden, was natürlich erst möglich ist, wenn
auch das letzte Vieh getränkt wurde. Jakov reagierte auf diese
Lage nicht mit Worten, sondern mit Taten. "Und es geschah, so
wie Jakov sah die Rachel, Tochter Lawans, des Bruders seiner
Mutter, und die Schafe Lawans, des Bruders seiner Mutter, da
trat Jakov hinzu, und wälzte den Stein von der Mündung des
Brunnens, und tränkte die Schafe Lawans, des Bruders seiner
Mutter" (29,10). Zweifellos bewegte Jakov diesen Stein nicht mit
normaler menschlicher Kraft, den drei oder vier Hirten nicht
heben konnten. Doch die scheinbare Leichtigkeit, mit der dieser
Akt vor den Augen der Hirten vollführt wurde, enthüllte ihre
Schande vor aller Welt. Mit der nötigen Motivation, ihrer Pflicht
gegenüber ihren Auftraggebern nachzukommen, wäre das
Problem des Steines relativ leicht zu lösen gewesen. (Nebenbei
bemerkt, angesichts des Verhaltens der Hirten läßt sich leicht
verstehen, warum Lawan es vorzog, sie zu entlassen, und
stattdessen sein Vieh mit seiner kleinen Tochter schickte).

Wir kennen die wirklichen Hintergründe für das Verhalten der
Hirten nicht. Vielleicht hatten ihnen ihre Arbeitgeber früheren
Lohn vorenthalten? Vielleicht folgten sie bloß der "Landessitte",
die wir beim betrügerischen Lawan noch kennenlernen sollten?
Oder war es einfach nur ihre Faulheit? Wie dem auch sei -
Jakov hatte andere Vorstellungen.

Unser Vorvater Jakov hielt nicht nur Moralpredigten, sondern
erfüllte auch selber, was er von anderen verlangte. So
verkündete er bei seiner Abschiedsrede am Berge Gilead:
"Diese zwanzig Jahre, die ich bei dir war, haben deine
Mutterschafe und deine Ziegen nicht fehlgeboren; und die
Widder deiner Schafe hab' ich nicht gegessen. Zerissenes
brachte ich dir nicht heim, ich mußt' es büßen, von meiner Hand
fordertest du es, das Gestohlene am Tage und das Gestohlene
in der Nacht. Wo ich war am Tage, verzehrte mich die Glut, und
der Frost in der Nacht; und es floh der Schlaf meine Augen"
(Gen. 31,38-40). Streik oder "Dienst nach Vorschrift" kamen bei
ihm nicht ein einziges Mal vor. So verhält sich ein treuer
Arbeiter, der auch dann arbeitet, wenn er weiß, daß ihn sein
Arbeitgeber verspottet, betrügt und seinen Lohn zigmal ändert.

Wollen wir jedoch nicht dem Glauben verfallen, unser Vorvater
Jakov wäre ein einfältiger Mensch gewesen, eine leichte Beute
für jeden Betrüger. Er kannte ganz genau alle Tricks und Drehs
von Lawan, dem Aramäer [durch Umstellung der Buchstaben
von "Aramäer", arami, entsteht ramai, "Betrüger"] und zögerte
nicht, sich selbst als "sein Bruder in der Listigkeit" (Baba batra
123a) zu bezeichnen. So fand er einen absolut legalen und
legitimen Weg, das ihm Zustehende zu erhalten, indem er das
Vieh zu veranlassen verstand, bunte, gesprenkelte und getupfte
Junge zur Welt zu bringen - die er nach den jeweiligen
Abmachungen mit Lawan zum Lohn erhielt. Auf Lawans Niveau
der Betrügerei erniedrigte er sich jedoch nicht, auch in den
Gefilden Aram blieb er "Jakov, ein schlichter Mann, wohnend in
Zelten"; "Du wirst Jakov Wahrheit geben" (Micha 7,20).

Entsprechend kann man nicht still bleiben angesichts der
Tränen der Beraubten. In diesen schweren Zeiten sind
bekanntlich viele unserer Brüder auf Arbeitslosengeld
angewiesen. Doch wieder und wieder, wenn sie sich an das
Arbeitsamt wenden, um den ihnen gesetzlich zustenden
Lebensunterhalt zu erhalten, stehen sie vor verschlossenen
Türen. Es wird wieder einmal gestreikt, um angeblich die
Rechte der Angestellten zu schützen. Nicht nur ein oder zwei
Tage, sondern viele Tage, und wo sollen die Arbeitslosen
inzwischen ihren Unterhalt finden? Wäre es nicht angebracht,
wenigstens die Arbeitsämter Israels aus der Streikwelle und den
Arbeitskämpfen herauszuhalten, um die Leiden der Arbeitslosen
zu erleichtern und damit zu demonstrieren, daß die Streiks
wirklich und ehrlich nur dazu dienen, gesellschaftliche
Ungerechtigkeiten zu beseitigen und die Rechte der Schwachen
und Bedrückten zu stärken?
 
 
 
Frage und Antwort

Wozu Nezarim?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Bedeutet es nicht ein moralisches Problem, die Siedlung
"Nezarim" im Gasastreifen aufrechtzuerhalten? 1. Gefährdung
der vielen Soldaten, die einen Ort bewachen, der kein
Existenzrecht besitzt, Kräfte, die für die Sicherung anderer Orte
fehlen, und hohe wirtschafliche Kosten zulasten anderer
wichtiger Dinge, 2. Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit, der
Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und
Gesundheitsdiensten der Palästinenser in der Gegend, und
überhaupt ihrer Selbstbestimmung auf ihrem Boden.

Antwort: Sie stellen das Problem sehr richtig dar. Alles hängt
jedoch vom letzterwähnten Punkt ab: Handelt es sich um
arabischen Boden, oder um unseren Boden? Wenn es nicht
unser Boden ist, haben wir dort wirklich nichts zu suchen. Ich
bemühe mich des Öfteren ins ferne Ausland, um die Juden dort
von der Einwanderung nach Israel selbst unter Opfern zu
überzeugen. Stattdessen könnte ich mir ja die Arbeit wesentlich
leichter machen und bloß nach Nezarim fahren, um die dortigen
Einwohner zur Alija zu bewegen. Doch das ist nicht der Fall.
Nezarim und die ganze Umgebung gehören zum Lande Israel!
So verhält es sich nach dem Worte G~ttes, nach der Bibel,
nach der Weltgeschichte, entsprechend der Weisung der
nichtjüdischen Völker in der Balfour-Erklärung und der
Entscheidung des Völkerbundes vom 24. Juli 1922. Man muß
einfürallemal entscheiden: Ist das hier Israel oder nicht!

Nicht Nezarim bedeutet eine Gefährdung, sondern das Gerede,
von wegen Nezarim gehöre nicht zum Lande Israel. Die
arabischen Mörder vergießen doch nicht einfach aus Mordlust
Blut, sondern weil sie sich in unserem Land selbständig machen
wollen - denn 22 arabische Staaten, die sich über gewaltige
Gebiete erstrecken, bieten ihnen nicht genug Lebensraum.
Wenn wir ihnen nun beipflichten, daß der Gasastreifen im
Grunde ihnen gehört und wir dort nur wie eine Imperialmacht
sitzen, ebnen wir den Weg für alle Mordtaten und Kriege.

Darum stellen wir mit allem Nachdruck fest: Jeder Punkt im
Lande Israel, neben seiner Eigenschaft als Land Israel, schützt
das ganze übrige Israel. Jeder kennt doch die Halacha, wonach
aus einer Stadt in der Nähe der Grenze am Schabbat, wenn
Nichtjuden anrücken, angeblich nur um Heu und Stroh zu
erbeuten, die Armee mit voller Ausrüstung zum Kampfe
auszieht, d.h. in Entweihung des Schabbat (Eruwin 42a,
Schulchan Aruch O.C. §329,6) [obwohl wegen des Diebstahls
von Heu und Stroh sonst nicht der Schabbat entweiht werden
darf], weil der Verlust der Stadt an die Eindringlinge ihnen die
Eroberung des ganzen Landes erleichtert (Raschikommentar).
Fragen Sie nur ruhig einen von unseren hohen Offizieren, und
er wird ihnen bestätigen, was die Siedlung Nezarim für die
Landesverteidigung bedeutet.

Aus der Tora lernten wir: "Eisen und Kupfer dein Riegel" (Dt.
33,25) - "jetzt spricht er zu ganz Israel; ihre Helden werden in
den Städten an der Grenze wohnen und diese verschließen,
daß die Feinde nicht in sie eindringen können, als wenn sie mit
Schlössern und Riegeln von Eisen und Kupfer verschlossen
wäre" (Raschikommentar). Dazu gehören auch die Helden von
Nezarim, einschließlich ihrer Greise und Kinder. Einmal fragte
jemand den berühmten Rabbiner, nach einem seiner Werke
"Chason Isch" genannt (der kein Zionist im Sinne von
Armee/Staat war): Ich wohne nahe der Grenze, und das ist
gefährlich, vielleicht sollte ich lieber ins Landesinnere
umziehen? Darauf antwortete der Rabbiner: Wenn das Alle
täten, würde ja das Landesinnere zum Grenzgebiet werden!

Wenn wir in diesem Sinne Verrat an unseren Grenzorten üben
und sie dem Feind überlassen, wird unser Land immer weiter
schrumpfen. Das erinnert an die Geschichte vom britischen
Untersuchungsausschuß, der beschloß, den Arabern weite
Gebiete zuzuteilen, uns aber nur winzige Gebietsstreifen. Ein
besonders flinker Zeichner entwarf eine Briefmarke für den
neuen Staat und erklärte: Zwei von diesen Briefmarken
zusammen ergeben den neuen Staat in Originalgröße.

Die Regel lautet: So wie man keinen verletzten Soldaten auf
dem Feld aufgibt, gibt kein Soldat eine verletztes Feld auf.

Wir werden damit fertigwerden. So wie wir es bisher geschafft
haben, werden wir es auch in Zukunft schaffen. Einmal wurde
der erste Präsident Chajim Weizmann gefragt: Der Staat hat so
viele Probleme, Wirtschaft, Verteidigung, Gesellschaft - haben
Sie dafür eine realistische Lösung? Darauf antwortete er: Wer in
unserm Land nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.

Wir brauchen schon nicht mehr an Wunder zu glauben, es
reicht, den Blick zu schärfen, um sie mit eigenen Augen zu
sehen und uns von der Kurzsichtigkeit zu befreien, die unseren
Aktionsradius und den Geist der Nation einengt, die zu neuem
Leben in einem gewaltigen Prozeß erwacht - was Rabbiner
A.J.Kuk nannte: Die Erstickungsqualen des Geistes des Königs
Maschiach ("Orot", Israel veTchiato §14).

Mit kleinlichen Kalkulationen werden wir keinen Erfolg haben,
"gebet unserm G~tt die Größe" (Dt. 32,3)! Wir leben in einem
großen Zeitalter und kehren in unser Land zurück. Es reicht
nicht, im Lande Israel zu sitzen, es aufzubauen und dafür zu
kämpfen. Sicher ist das alles wichtig, man muß aber auch die
Augen öffnen und die gewaltigen Ereignisse der
Wiedererstehung der Nation in den letzten Generationen zur
Kenntnis nehmen. Darüber muß man sich jeden Tag aufs Neue
freuen und daraus Mut und Kraft schöpfen.

Schließen wir uns den Reinherzigen an, die hoch "auf jenem
Turme" stehen (Sohar, Einleitung; "Orot" ebda.) und mit dem
weiten Überblick das Zeitgeschehen betrachten.

Glücklich sind unsere Brüder, die in Nezarim wohnen, glücklich
unsere Brüder, jene teuren Soldaten, die dort Wache halten.
Freuet euch und jubelt (nach Psalm 32,11).

Durch euer Verdienst werden wir uns über alle Kleingeistigkeit,
Angst und Schwäche erheben, und uns mit Größe, Mut und
Kraft anfüllen.
 

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