DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ERA
Nr. 444
1. Schwat 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 6,2 - 9,35):
G~tt erinnert Moscheh an seinen Bund mit den Vorvätern und
das Versprechen, ihren Nachkommen das Land Kanaan zu
geben; schickt ihn zu den Kindern Israels, den Auszug
anzukündigen, doch sie wollen nichts davon hören; kleine
Stammeskunde; Moscheh und Aharon wieder bei Pharao;
Wunderzeichen, Pharaos Zauberer machen es nach; die ersten
7 der 10 Plagen.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Und sie hörten nicht auf Moscheh

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Moscheh kehrte vollkommen enttäuscht von seiner großartigen
Predigt zurück, die er dem Volk gehalten hatte, und sprach, wie
zu sich selbst, vor G~tt, in vollem Bewußtsein, daß G~tt ihn
hörte: "Siehe, die Kinder Israel hören nicht auf mich, und wie
wird Pharao mich hören..?" (Ex. 6,12). Was wollte Moscheh
damit sagen?

Wir müssen dazu wissen, daß die Tätigkeit des Hörens den
Menschen auf verschiedene Weise "berührt". Es gibt das
einfache Hören, ohne die besondere Bezeichnung einer
bestimmten Beziehung - "wie wird Pharao mich hören". Dann
gibt es das Hören auf die Stimme (lekol) eines Menschen -
"Und hören sie auf deine Stimme" (Ex. 3,18), und das Hören auf
die Stimme (bekol) eines Menschen: "Wer ist der Ewige, auf
dessen Stimme ich hören soll..?" (Ex. 5,2). Schließlich gibt es
das Hören auf einen Menschen: "aber sie hörten nicht auf
Moscheh vor Kleinmut und vor schwerer Arbeit" (Ex. 6,9).

G~tt schickte also Moscheh, damit er zu den Kindern Israel
spreche. Er wußte natürlich um die Problematik, "die Juden aus
der Galut (Exil) zu holen", und um die nicht geringere
Schwierigkeit, "die Galut aus den Juden zu holen". Darum
schickte er Moscheh sowohl zu Pharao als auch zu den
Ältesten Israels. Über die Erfolgschancen dieses Unterfangens
informierte ihn G~tt vorher: "Und hören sie auf deine Stimme"
(s.o.) lekol, nicht bekol. An vielen Stellen erklärte Rabbiner
Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin (Leiter der dortigen Jeschiwa
vor etwa 120 Jahren), daß es sich beim "Hören auf die Stimme"
- lekol um blindes Gehorchen handelt, beim "Hören auf die
Stimme" - bekol um Hinhören und Verinnerlichen von Botschaft
und Inhalten. In dieser Situation, als die Ältesten zum ersten Mal
die Botschaft der Erlösung hörten, konnte man nicht erwarten,
daß sie auf seine Stimme im Sinne von bekol hörten, in
Verinnerlichung und vollkommener Solidarität. Es genügte, daß
sie seiner Stimme gehorchten (lekol) und ihm nachfolgten.
Moscheh reichte das jedoch nicht. Er wandte sich an G~tt und
behauptete: "Sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine
Stimme (bekol) hören" (Ex. 4,1). Das Volk sei nicht bereit,
meine Botschaft zu akzeptieren. Darauf antwortete G~tt, indem
er ihn die Wunderzeichen lehrte und sagte: "Wenn sie dir nicht
glauben und nicht hören auf die Stimme des ersten Zeichens
(lekol), so werden sie glauben der Stimme des andern
Zeichens"  (Ex. 4,8). Erwarte keine Solidarität oder
Verinnerlichung. Ein auf Wunderzeichen gebauter Glauben ist
noch lange kein vollkommener Glauben. Es reichte vorerst,
wenn sie Moscheh und seiner Prophetie gehorchten.

Am Anfang übertraf die Wirklichkeit alle Erwartungen: "...und tat
die Zeichen vor den Augen des Volkes. Und das Volk glaubte,
und sie hörten, daß der Ewige wahrgenommen der Kinder
Israel.." (Ex. 4,30-31). Doch bei der ersten ernsthaften Prüfung
versagten die Hörer. "Und danach kamen Moscheh und Aharon
und sprachen zu Pharao" (Ex. 5,1), nur sie alleine, "die Ältesten
blieben aber einer nach dem anderen zurück"
(Raschikommentar). Es stellte sich heraus, daß sie nicht bekol
und noch nicht einmal lekol hörten, sondern nur ein rein
akustisches Anhören, ohne Akzeptierung des Inhalts. So finden
wir auch in der aramäischen Übersetzung des Onkelos, der das
vorangegangene Hören mit Annahme übersetzt, hier aber nur
einfach "hören".

Zu diesem Zeitpunkt, als sich Moscheh vielleicht enttäuscht von
den Ältesten abwandte, richtete er nunmehr seine Bemühungen
auf das Volk. Dort erwartete ihn allerdings eine noch herbere
Abfuhr. "aber sie hörten nicht auf Moscheh"; Rabbiner Berlin
erklärte dazu: "Sie achteten überhaupt nicht auf seine Worte".
Nicht nur, daß sie sie nicht verinnerlichten und auch zu
gehorchen nicht bereit waren, nicht einmal ihn anhören - selbst
von den Worten netto wollten sie nichts wissen, "vor Kleinmut
und vor schwerer Arbeit".

Da wandte sich Moscheh ab und sagte: "Siehe, die Kinder Israel
hören nicht auf mich, und wie wird Pharao mich hören..?" -
wenn die Kinder Israel mich noch nichteinmal anhören, wie wird
Pharao überhaupt zu meinem Gerede hinhören, geschweige
denn auf den Inhalt achten? Danach drückte er sich noch
schärfer aus: "Siehe, ich bin unbeschnitten an Lippen, und wie
wird Pharao auf mich hören?" (Ex. 6,30) - wie kann es angehen,
daß er mir überhaupt zuhören wird?

G~tt antwortete nicht direkt auf diese Frage, im Gegenteil. Er
übernahm sogar die Verantwortung für den pharaonischen
Unwillen, hinzuhören, der nicht den "unbeschnittenen Lippen"
Moschehs zuzurechnen war, sondern der Verhärtung seines
Herzens. Nichtsdestoweniger, und trotz alledem, kommt die
Erlösung: "Nun sollst du sehen, was ich tun will an Pharao;
denn durch starke Hand soll er sie entlassen und durch starke
Hand soll er sie treiben aus seinem Lande" (Ex. 6,1). Wo Worte
nicht weiterhelfen, ist die Zeit reif für Taten. "Und so wird
Pharao nicht auf euch hören, und ich werde meine Hand legen
auf Ägypten... und Ägypten soll erfahren, daß ich der Ewige bin"
(Ex. 7,4-5). Und wenn die Kinder Israel die Plagen der Ägypter
sehen, "sollt ihr erkennen, daß ich der Ewige euer G~tt es bin,
der euch wegführt, hervor unter den Lastarbeiten Ägyptens"
(Ex. 6,7), ohne die Notwendigkeit weiterer Erläuterungen.
 
 
 
Frage und Antwort

Sei doch froh!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Vor einigen Jahren beging ich regelmäßig Sünden, und
mit G~ttes Hilfe gelang mir eine fast vollständige Erhebung über
diese Dinge. Leider umgibt mich immer noch ein Schleier von
Trübsal wegen meiner früheren und jetzigen Sünden, und
deswegen schäme ich mich vor mir selbst, ich fühle mich nicht
des Sonnenlichtes würdig.

Antwort: Sie besitzen eine teure und sanfte Seele, mögen sich
solche in Israel mehren. Sie begehen eigentlich nur eine einzige
ernste Sünde: Ihre Traurigkeit! Das ist die Sünde aller Sünden,
eine Sünde, die weitere nachsichzieht, eine bösartige Krankheit,
die sich immer weiter ausbreitet und alles Gute vernichtet.

Unser großer Lehrer, Rabbiner Moscheh ben Maimon
("Maimonides", lebte vor etwa 800 Jahren) schrieb: "Daß der
Körper gesund und unversehrt sei, gehört zu den Wegen
G~ttes, ist es doch unmöglich, etwas zu verstehen oder zu
wissen, wenn man krank ist" (Sittenlehren, 4.Kap., Hal.1). Wenn
das schon für den Körper gilt, dann erst recht bezüglich der
Gesundheit der Seele. Traurigkeit und Trübsal sind echte
Geisteskrankheiten.

Heißt es doch ausdrücklich: "Dafür, daß du nicht gedient hast
dem Ewigen deinem G~tte, mit Freude und Herzenslust bei
Überfluß an allem, sollst du nun deinem Feinde dienen" (Dt.
28,47-48). Gegen wen richtet sich der göttliche Zorn? Nicht
gegen Jene, die den Schabbat entweihen oder nicht koscher
essen, weder gegen Blutvergießen, Götzendienst noch Inzest,
auch nicht gegen einen Mangel an Sittlichkeit oder sonstige
Vergehen, sondern gegen den himmelsfürchtigen Juden, der
Tora und Gebote einhält - der aber G~tt in Traurigkeit dient, als
permanenter Schwerenöter.

Möge man vielleicht einwenden, ob ein Sünder denn seine
Taten auf die leichte Schulter nehmen solle?! Hat er denn nicht
allen Grund zur Traurigkeit? Natürlich soll er darüber traurig
sein, aber mit Bedacht und in Maßen, ohne zu übertreiben.
Selbst beim Tode eines teuren Verwandten heißt es: Drei Tage
des Weinens, sieben Tage der Nachrufe, und 30 Tage bzw. ein
Jahr der Trauer. Aber nicht auf ewig! Selbst über den Fall von
unserem ersten König, Scha'ul, und damit dem Niedergang des
Königtums, sagte G~tt zum Propheten Schmu'el: "Wie lange
trauerst du um Scha'ul?" (Schmu'el I, 16,1).

Über eine Sünde muß man weinen, aber nicht übertreiben.
Reumütige Umkehr, und weiter! Auch wer sich noch immer nicht
von seinen Sünden loslösen kann, muß vorankommen. Wie
zum Beispiel ein Offizier in der Schlacht, der voranstürmt, und
währenddessen fallen einige seiner Soldaten. Wird er sich etwa
auf einen Stein am Wegesrand setzen und bitterlich zu weinen
anfangen?! Im Gegenteil, er wird weiter voranstürmen!

In einigen deutschen Gebetbüchern wurde an bestimmten
Stellen vermerkt: "Hier weinen". Das bedeutet, man soll nicht
während des ganzen Gebetes weinen, sondern nur ein wenig,
und der guten Ordnung halber wurden die genauen Stellen
markiert.

Auch wenn man jemanden (oder sich selber) ermahnt, sollte
man sorgfältig darauf achten, nicht die Lebensfreude
abzuwürgen. Einmal schleuderte ein Wanderprediger harte
Worte der Ermahnung gegen sein Publikum und beschuldigte
die Leute, ihre Sünden verhinderten das Kommen des
Maschiach. Sagte ihm Rabbi Suscha aus Anipoli: Sie sind
derjenige, der das Kommen des Maschiach aufhält, denn Sie
machen die Leute traurig, anstatt über das Verdienst der Juden
zu reden!

Übrigens sollte man sich auch weltliche Dinge nicht zu sehr zu
Herzen nehmen. Beim Examen durchgefallen? Dann werden
Sie eben nicht Professor werden! Hauptsache, sie bewahren
sich Ihren Frohsinn. Besser ein fröhlicher Tellerwäscher, der
den ganzen Tag singt, als ein bedrückter, armselig trauriger
Professor, der ißt und dick wird.

Zurück zu unserem Thema: Einmal kam ein Mann zum "Seher"
von Lublin und beklagte sich, daß ihn üble Gedanken plagen
und er dem Trübsal verfalle. Der Gerechte bestärkte ihn in
seinem Herzen und sprach zu ihm: "Entferne dich von der
Traurigkeit, die dem Dienst an G~tt mehr schadet als jene
Sünde, die dir diese Traurigkeit verursachte. Das Ziel der
Bemühungen des bösen Triebes ist nicht, den Menschen zu
sündigen zu veranlassen, sondern ihn über seine Sünden
traurig zu machen, damit er immer weiter sündige. So fängt er
die arme Seele im Netze der Verzweiflung".

Darum seine Sie immer froh, immer voller Begeisterung!
 

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