DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TRUMA
Nr. 449
6. Adar 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 25,1 - 27,19):
Sachspendenaktion zum Bau des Wüstenheiligtums
(Bundeslade, Tisch der Schaubrote, Leuchter, Stiftszelt,
umgebende Trennwand, Vorhänge, Altar), Maße und
Anordnung der einzelnen Teile.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Annäherung durch Entfernung

Rav Se'ev Karov
Leiter der Jeschiwa in Karnej Schomron

Das erste der Gebote zur Errichtung des Wüstenheiligtums
("Mischkan", Vorläufer des Tempels) betrifft die Anfertigung der
Bundeslade, in der die Gesetzestafeln aufbewahrt werden.
Dieses Gebot weist sowohl inhaltlich als auch formal einige
Besonderheiten auf: 1. Die Tragestangen der Lade dürfen nicht
aus ihren Halterungen entfernt werden. 2. Bei allen Teilen des
Wüstenheiligtums lautet das Gebot "und mache...", nur bei der
Bundeslade heißt es: "Und sie sollen machen..." (Ex. 25,10). 3.
Die Maße aller anderen Geräte bestehen aus ganzen
Einheiten, nur bei der Lade heißt es: "..zwei und eine halbe Elle
ihre Länge und eine und eine halbe Elle ihre Breite" (ebda.).

Die talmudischen Weisen erklärten die Vorrangigkeit des
Gebotes über die Bundeslade mit folgenden Worten: "So wie
die Tora Allem voranging, so ging die Anfertigung der
Bundeslade des Mischkan allen Geräten voran". Diese Aussage
über die Tora gibt ihrer Hochrangigkeit Ausdruck. Die Tora
enthält einen Aspekt der Erhabenheit, als hätte sie gar nichts
mit dem Menschen zu tun. Als nämlich Moscheh in den Himmel
aufstieg, um die Tora in Empfang zu nehmen, fragten die Engel:
"Was hat dieser Menschensohn bei uns zu suchen?!"
(Midrasch). Damit wollten uns die talmudischen Weisen diesen
Aspekt lehren, nach dem die Tora nichts für Menschenkinder
ist. Es stellt sich daher die Frage, ob es überhaupt eine
Verbindung dieser besonderen, den höheren Sphären
zugehörigen Tora mit dem Menschen aus Fleisch und Blut
geben kann?

In der Tat muß man wissen, daß der Mensch das innere Wesen
der Tora nicht begreifen kann. Wir können nur die "Kleider" der
Tora erfassen. So wie man nicht direkt in die Sonne schauen
kann, sondern nur durch getönte Gläser, kann man auch nicht
die Tora ohne Verpackung und Hilfsmittel aufnehmen. Darum
gibt es ein besonderes Gebot, die Tora nicht "unbekleidet"
anzufassen.

Häufig muß man sich etwas entfernen, wenn man etwas
begreifen will. Manchmal ist ein zeitlicher Abstand von einem
Ereignis nötig, um seine Bedeutung zu verstehen, und
manchmal muß man sich räumlich von einer großen Lichtquelle
entfernen, um ihre Strahlen genießen zu können.

Wer seine Grenzen nicht kennt und Dinge zu begreifen
versucht, die über seinen Verstand gehen, wird am Ende vor
einem Scherbenhaufen stehen. Wir sind in der Lage,
Erleuchtungen, die von der Tora ausgehen, aufzunehmen. Wir
müssen uns erst entfernen, um uns ihr nähern zu können.

In diesem Sinne läßt sich folgender Vers deuten: "Siehe, ich
werde zu dir kommen in der Dichte des Gewölks" (Ex. 19,9).
G~tt offenbart sich uns durch ein dichtes Gewölk, um uns die
Aufnahme des großen göttlichen Lichtes zu ermöglichen.

Andererseits irrt, wer glaubt, er könne sich der Tora überhaupt
nicht nähern. "Warum heißt es bei allen Geräten 'und mache...',
und bei der Bundeslade 'Und sie sollen machen...'? Dazu
bemerkte Rabbi Jehuda ben Rabbi Schalom: Es sagte ihnen der
Heilige, gelobt sei er, es sollen Alle kommen und sich mit der
Lade beschäftigen, damit sie der Tora verdienstig werden".

G~tt "senkte" die Tora zu uns herab. "Die Tora sprach wie die
Sprache des Menschen" (Brachot 32b u.a.). Der Mensch muß
nur wissen, daß die Tora weit mehr enthält, als er versteht. Sie
hat zwei Ebenen: das Offenbare und das Verborgene. Das oben
erwähnte Gebot, die Tragestangen der Bundeslade nicht aus
ihren Halterungen zu entfernen, lehrt uns, sich der Tora in
Demut und in der Erkenntnis zu nähern, daß wir die Tora selbst
nicht erfassen können, sondern nur die Erleuchtung, die von ihr
ausgeht. Aus diesem Grunde wurde die Lade nach halben
Maßen gebaut. Das soll uns andeuten, daß wir keine
Vollkommenheit beim Verständnis der Tora erreichen können.

Heutzutage wird viel von den Fähigkeiten des Menschen
gesprochen, von seinem Wissen, seiner Kraft und seinen
Schöpfungen. Dabei fällt die Demut unter den Tisch. Das
hartnäckige Ignorieren der Grenzen des Menschen bringt
Finsternis in unser Leben. Wenn man den Sinn für
Verhältnismäßigkeiten verliert, gerät das ganze Leben aus der
Bahn.

Die Akzeptierung menschlicher Schwäche bedeutet nicht eine
Minderwertigkeit des Menschen, sondern ein Zeichen dafür,
daß er seinen Platz kennt und nach der Vollkommenheit strebt,
die ihm abgeht. Die Beschreibung vom Bau des
Wüstenheiligtums und der Bundeslade will uns lehren, daß wir
nicht alleine auf der Welt sind. Zur Auseinandersetzung mit der
Wirklichkeit stehen uns nicht nur die menschlichen Kräfte zur
Verfügung.

So erklärte Rabbiner Don Jizchak Abarbanel (lebte vor etwa
500 Jahren, Berater der portugiesischen und spanischen
Königshäuser) das Gebot von der Errichtung des
Wüstenheiligtums: "Die Absicht G~ttes, gelobt sei er, beim Bau
des Mischkan und seiner Geräte, daß man nicht glaube, er
habe die Welt verlassen... und im Himmel sei sein Sitz, entfernt
von den Menschen. Um aus ihren Herzen diesen Irrglauben zu
entfernen, befahl er ihnen, ihm diese Wohnung zu errichten, als
wohne er in ihrer Mitte, damit sie glaubten, der lebendige G~tt
weilt in ihrer Mitte, und seine höchste Vorsehung ist innigst mit
ihnen verbunden".

Das ist eine gute Nachricht für den Menschen, daß er in den
Genuß der G~ttesnähe und der Erleuchtung durch die absolute
Wahrheit kommen kann, die dabei hilft, die menschlichen
Begrenzungen zu überwinden. Wir sind deswegen noch lange
nicht armselig zu nennen, nur weil wir des göttlichen Gebotes
bedürfen, und verkleinern unsere Bedeutung nicht auf
übertriebene Weise. Wir kennen unseren Wert, wir
vervollkommnen uns und erheben uns durch Anschluß an die
Quelle des Lebens.
 
 
 
HaRav Aviner

Wir alle sind Schadchanim !

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Im jüdischen Volke gibt es viele Ledige. Sie sehnen einem
Partner entgegen, der jedoch nicht erscheinen will. Viele
Privatleute und Organisationen beschäftigen sich mit
Heiratsvermittlung (Schiduchim). Manche arbeiten gratis,
manche lassen sich nur die Telefonspesen usw. ersetzen,
manche kassieren eine angemessene Gebühr und andere einen
Wucherpreis - und der Ewige steht ihnen zur Seite, doch trotz
alledem gibt es immer noch viel zu viele Unverheiratete.
Manche Schadchanim arbeiten mit großem Eifer unter Einsatz
unterschiedlichster Mittel, ergreifen die Initiative, zerbrechen
sich den Kopf, geben von ihrer Zeit und ihrer Kraft, organisieren
Treffen - und trotzdem warten noch immer Viele vergeblich. So
sieht die Lage in Israel aus (in 1000; ohne Geschiedene und
Witwen/r):
 
Ledige/m Ledige/w gesamt
über 19J. 371 285 656
über 24J. 186 139 325
über 29J. 83 77 160

Und darum, unter gleichzeitiger Anerkennung der großartigen
Arbeit, die alle Schadchanim leisten, bleibt keine andere Wahl,
als daß wir alle an diesem Werk teilnehmen.

Handelt es sich doch um eine große Mitzwa (Gebot)! "Ein
Mensch, der keine Frau hat, lebt ohne Freude, ohne Segen und
ohne Güte... ohne Tora und ohne Umgebung" (Jewamot 62b).
Außerdem handelt es sich dabei auch um ein Gebot gegenüber
der Nation, mehr jüdische Kinder in die Welt zu bringen, und je
früher man heiratet, desto besser.

Darum sollte jede Familie an diesem heiligen Werk teilnehmen,
geleitet von drei Prinzipien: 1. Jede Familie kümmert sich nur
um jemanden, den sie persönlich bestens kennt und dessen
Wohl ihr besonders am Herzen liegt, entweder ein Verwandter
oder ein sehr guter Freund, die auf sie vertrauen - aber kein
Arrangieren von Bekanntschaften aufs Geratewohl. 2. Die
Daten werden auf der Ebene von Stadtviertel, Siedlung oder
Gemeinde gesammelt. 3. Der Name des/der
Heiratskandidaten/in wird nicht bekanntgemacht, nur der Name
der vorschlagenden Familie wird genannt. In jedem
Stadtviertel/Siedlung/Gemeinde wird ein Verantwortlicher
ernannt, der die Fragebögen verwaltet.

Der Standard-Fragebogen sollte folgende Punkte enthalten:

-Namen der vorschlagenden Familie
-deren Telefon
-Alter/Geburtsjahr/Geschlecht des Kandidaten
-Größe und Aussehen [dran denken, daß Schönheit ein relativer
Begriff ist, und "eitel die Schönheit"]
-Wohnort
-Angaben über Armeedienst
-Studien (Vergangenheit und Gegenwart)
-Beschäftigung (Vergangenheit und Gegenwart)
-Religiosität (charedi, religiös mit Jeschiwa-Erfahrung, modern-
religiös, traditionell, unreligiös; "nimmt sich jeden Tag Zeit fürs Torastudium")
-Aussagen über den Charakter
-Brauch [sefardisch, aschkenasisch, jemenitisch usw.]
-Erwartungen vom zukünftigen Partner.

Die Fragebögen müssen gut leserlich und mit dunkler Tinte
ausgefüllt und bis zum festgelegten Zeitpunkt dem örtlichen
Verwalter zugeleitet werden. Dessen Aufgabe besteht darin,
alle eingereichten Bögen nach Anzahl der teilnehmenden
Familien zu fotokopieren (deswegen die dunkle Tinte!) und dann
jeder Familie einen Ordner mit allen Bögen zu übergeben. Der
Ordner besteht aus zwei Abteilungen, nämlich männliche und
weibliche Heiratskandidaten, jeweils nach aufsteigendem Alter
geordnet. Dieser Ordner ist nur zum internen Gebrauch
bestimmt und keinen anderen Familien zu überlassen. Ferner
sollte man ihn nicht herumliegen lassen und kindersicher
aufbewahren. Jedes Jahr sollte eine aktuelle Version angefertigt
werden.

Wie gesagt erscheint der Name der Heiratskandidaten nicht auf
den Fragebögen, vielmehr stellen die vorschlagenden
Familien untereinander den Kontakt her, wobei sie gemeinsam
abklären, ob die Kandidaten zueinander passen, da sie jene ja
bestens kennen und diesen dann auf dem weiteren Wege des
Bekanntmachens bis hin zur eventuellen Hochzeit hilfreich mit
allem Nötigen zur Seite stehen.

Diese Methode wurde an vielen Orten erfolgreich versucht, und
auf ihr Konto gehen zahlreiche jüdische Familiengründungen.
Und jetzt an die heilige Arbeit!
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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