DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TASRIA-MEZORA
Nr. 457
3. Ijar 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 12,1-15,33):
Das Gebot der Beschneidung; Geburtsunreinheit und
Reinigungsopfer; Ausschläge, deren Bedeutung auf den
Reinheitsstatus des Befallenen, die Begutachtung durch den
Priester und die Behandlung; Reinigungsprozedur und
zugehörige Opfer; entsprechende Behandlung eines vom
Aussatz befallenen Kleides oder Hauses; entsprechende
Regelungen für Ausflußleidende und die Monatsblutung.

5. Ijar: Jom Ha'Azma'ut
 
Am Schabbes-Tisch...

Weißer geht's nicht

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Der jüdische Mensch verfügt über ein in seine Haut integriertes
"Lackmus-Papier". Tief in seiner Seele steckende moralische
Verdorbenheit bleibt nicht verborgen. Sie strebt an die
Oberfläche und wird für alle sichtbar. Das hat seinen guten
Grund. Verdeckte Infektion bedeutet höchste Gefahr. Sie bleibt
unerkannt und unbehandelt. Wenn aber der Eiter hervorquillt,
wenn die Dinge ans Tageslicht kommen - dann kann man
niemandem mehr etwas vormachen. Man muß den Weg zum
Kohen (Priester) antreten, der die Krankheit und das ihr
zugrundeliegende moralische Problem begutachtet, und mit
dem Prozeß der Selbstverbesserung und -reinigung beginnen.

Doch sieheda, welch Wunder - gerade, wenn die Krankheit mit
voller Wucht auftritt und die ganze Oberfläche bedeckt, "wenn
aber der Aussatz ausbricht in der Haut, so daß der Aussatz
bedeckt die ganze Ausschlagshaut vom Kopf bis zu den Füßen,
so weit die Augen des Priesters sehen" (Lev. 13,12),
ausgerechnet in diesem Fall gilt der Mensch nicht als unrein.
"Sieht nun der Priester, und siehe, der Ausschlag bedeckt sein
ganzes Fleisch, so erkläre er den Ausschlag für rein" (13,13).
"Ist er überall weiß geworden, so ist er rein" (ebda.). Wie kann
das angehen?, wundern wir uns. Darum wollen wir Wasser aus
tiefen Brunnen schöpfen, um unseren Wissensdurst zu stillen.

Folgende Deutung gab der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus
Prag: Ein weißer Fleck auf der Haut zeugt von einem
fundamentalen Makel im Charakter der Person; ein Makel, den
es schnellstens zu bereinigen gilt. Wenn er jedoch "überall weiß
geworden" ist, dann haben wir hier keinen Charakterfehler vor
uns, sondern eine andere Ursache. Diese Erscheinung wurde
nicht durch Menschenhand hervorgerufen, sondern durch
direkten göttlichen Einfluß. Darum zeugt diese Erscheinung
nicht von einer Sünde, vielmehr will G~tt damit auf eine
Neuschöpfung in diesem Menschen hinweisen. Als
Voraussetzung für diese Neuschöpfung muß allerdings die
Form der vorherigen Existenz beseitigt werden. Darum gilt, laut
MaHaRaL, der sich über den ganzen Körper von Kopf bis Fuß
erstreckende Aussatz nicht als Symptom einer Krankheit,
sondern als Zeichen der Gesundung, wie jene Raupe, die
wächst und gedeiht, bis sie eines Tages ihre alte Haut abstreift
und ein wunderbar anzusehender, bunter Schmetterling
erscheint.

Aus dem Vers "Ist er überall weiß geworden, so ist er rein"
lernten die talmudischen Weisen einen bedeutenden Grundsatz:
"Der Sohn Davids wird erst dann kommen, wenn die Regierung
ganz der Ketzerei verfallen sein wird" (Sanhedrin 97a). Der
Torakommentar "Kli Jakar" entnimmt dies einer
Buchstabendeutung: Das Wort "weiß" (lawan) ergibt rückwärts
gelesen nawal, unrein machen: "Wenn alle den Fels ihrer
Rettung unrein machen, dann wird G~tt notwendigerweise das
ganze Land von ihrem Schmutz reinigen... Wenn er ganz weiß
wurde, wird der Sünder ganz sicher an reumütige Umkehr
denken. So auch Israel, wenn sie sehen werden, daß die ganze
Regierung der Ketzerei verfiel, und fürchten, daß die Lage
unhaltbar werde - dann werden sie sicherlich vollkommene
reumütige Umkehr tun, und dann - 'ist er rein'".

Solange nur Randgruppen des Lagers von spiritueller
Schwäche befallen wurden, ist die Generation noch nicht reif für
die Wende. Wenn sich aber die Schwäche aller Teile des
Lagers bemächtigt hat, "vom Fußballen bis zum Haupt ist nichts
Heiles dran" (Jeschajahu 1,6) - dann wird es den Leuten wohl
dämmern, daß es so nicht weitergehen kann, und dann ist die
Zeit reif für die spirituelle Wende.

Ganz anders erklärte Rabbiner Naftali Z.J. Berlin aus
Woloschin. Wenn ein Aussatz irgendwo auf der Hautoberfläche
des Menschen auftaucht, dann ist das eine Aufforderung zur
Umkehr und Besserung seines Verhaltens. Wenn sich der
Aussatz aber auf dem ganzen Körper ausgebreitet hat, so ist
das kein Zeichen, daß es nichts zu verbessern gibt, im
Gegenteil! Es hat nur keinen Sinn, ihn dazu aufzufordern, denn
es läßt sich kein positiver Punkt ausmachen, von dem aus der
Prozeß der Besserung beginnen könnte. Wann kann man erst
damit anfangen? Dazu sagt uns die Tora: "Und am Tage, wo
sich darin rohes Fleisch sehen läßt, ist er unrein" (Lev. 13,14).
Am Tage, an dem man an ihm auch nur ein kleines Stückchen
gesundes Fleisch erkennen kann, an dem man etwas Positives
an ihm erkennen kann - dort kann man ansetzen, ihn
aufpäppeln und zum Sprießen bringen, bis er wieder gesund ist.

Beide Ansichten passen auf unsere Generation. Einerseits
(Rabbiner Berlin) die Krankheit, die sich überall ausgebreitet
hat, und die Suche nach dem kleinen Fleckchen Gesundheit,
von dem die Rettung ausgeht, bis "die ganze Generation
verdienstvoll" ist. Auf der anderen Seite (MaHaRaL, Kli Jakar)
der allgegenwärtige Aussatz als ein Zeichen von innerer
Gesundheit, und die Weisung, die spirituelle Wende in
Verbindung mit ihr voranzutreiben.

Gerade aufgrund der bedrückenden Empfindung des "Blicke
rechts und sieh, da ist mir kein Bekannter, entschwunden ist mir
die Zuflucht; niemand, der sich meiner annimmt" (Psalm 142,5)
kommt David und sagt: "Ich schreie zu dir, Ewiger, spreche: Du
bist mein Schutz, mein Teil im Lande des Lebens" (V.6). Und
daher bittet er: "Führe aus der Haft meine Seele (=führe mich
aus der Isolation des Aussätzigen) zu preisen deinen Namen" (V.8).
 
 
HaRav Aviner

Tröstung der Trauernden

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Ein schweres Gebot, die Tröstung von Trauernden. Es gibt
dafür auch keine genauen, in alle Einzelheiten gehenden
Bestimmungen. Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides")
schrieb dazu: "Es ist ein auf die talmudischen Weisen
zurückgehendes Gebot, Kranke zu besuchen, Trauernde zu
trösten usw. Jene bedeuten mit dem eigenen Körper
auszuführende mildtätige Werke, für die kein bestimmtes Maß
genannt wurde. Obwohl diese Gebote von den Weisen
formuliert wurden, gehören sie doch zum [Toragebot] 'Liebe
deinen Nächsten wie dich selbst', alle Dinge, von denen du
möchtest, daß Andere sie dir tun, tue du sie an anderen"
(Trauergesetze, 14.Kap., Hal.1).

Aus diesem Grunde gibt es dafür keine eisernen Regeln, und es
hängt z.B. vom Alter des Verstorbenen ab, ob er in hohem
Greisenalter verstarb oder in der Blüte seiner Jahre, ob plötzlich
und unerwartet oder nach langer Krankheit, und so weiter. Auch
gleicht nicht ein Trauernder dem anderen - wie sich ihre
Gesichter unterscheiden, so auch ihre Ansichten und ihre
Mentalität, und man muß ein bestimmtes Fingerspitzengefühl für
den Umgang mit Trauernden entwickeln. Allgemein läßt sich
sagen, für dieses Gebot wie auch für andere, die zur
Nächstenliebe zählen, sind Einfühlungsgabe und
Vorstellungskraft nötig. Darum sind die folgenden Anweisungen
nur als Anhaltspunkte zu werten.

1. Gemeinschaftlicher Trauerbesuch. Meistens ist es keine gute
Idee, mit einem großen Trupp anzurücken, so daß man sich in
der Wohnung des/der Trauernden nicht mehr rühren kann und
andere Besucher draußen warten müssen.
2. Kinder. Man sollte besser keine Kinder zu einem
Trauerbesuch mitbringen. Auch keine Säuglinge, und wenn es
sich nicht vermeiden läßt, sollten sich die Mütter draußen beim
Babysitting abwechseln.
3. Uhrzeit des Trauerbesuches. Nicht zu früh erscheinen.
Gegen acht Uhr werden die Trauernden noch beim Frühstück
sein. Auch sollte man die Zeit der Mittagsruhe meiden. Die
Trauernden brauchen auch körperliche Ruhe, sowohl zur
Erholung von den Besuchern, als auch, um ein wenig unter sich
zu sein. Auch sollte man nicht spätabends kommen, denn die
Trauernden müssen Dinge für den nächsten Tag organisieren,
miteinander reden und genug schlafen, um wieder früh
aufstehen zu können.
4. Verweildauer. Wenn viele Besucher kommen, bleibe nur
kurze Zeit und mach Platz für andere. Wenn kaum Besucher
erscheinen, bleib lange. Wenn du nur ein entfernter Verwandter
oder Bekannter bist, dränge dich nicht zu sehr auf. Als naher
Verwandter allerdings bist du hier nötig.
5. Eröffnung eines Gespräches. Nach dem Gesetz darf der
Besucher nicht von sich aus ein Gespräch beginnen, denn
vielleicht bedrückt das den Trauernden, der lieber seine Ruhe
hat. Warte eine Aufforderung ab. Auch ein Seufzer kann eine
Aufforderung sein. Manchmal sucht der Trauernde das
Gespräch, weiß aber nicht, seinen Wunsch zu äußern. Dann
muß der Besucher anfangen und reden und reden. Wie weiß
man, was der Trauernde möchte? Wie wir bereits erwähnten:
Fingerspitzengefühl.
6. Weltliche Unterhaltung. Das ist nicht der Ort für Gespräche
zu weltlichen Themen wie z.B. über die politische Lage, und erst
recht nicht für Witze. All diese verursachen Peinlichkeit.
Allerdings kann manchmal eine witzige Bemerkung eine
lastende Schwere vertreiben.
7. Eigene Sorgen. Es ist nicht angebracht, von seinen eigenen
Sorgen und Nöten zu erzählen, in der Hoffnung, geteiltes Leid
sei halbes Leid. Das Leid des Trauenden steht hier und jetzt zur
Debatte, und nicht das Leid des Tröstenden.
8. Gruppenbildung. Man soll keine Privatgespräche mit anderen
Besuchern führen, sondern nur mit den Trauernden reden.
Außerdem ist das unhöflich. Gibt es dort mehrere Trauernde,
muß man mit Weisheit und Bedacht verfahren. Mobiltelefone
sind auf jeden Fall abzuschalten. In dieser Situation zu
telefonieren bedeutet eine große Frechheit.
9. Tröstung. Wie tröstet man? Schwer zu sagen. Man muß dem
Trauernden zuhören. Wenn man nicht weiß, was man sagen
soll, halte man am besten den Mund. Es war einmal ein
Trauernder, der vor lauter Traurigkeit nicht mit dem Weinen
aufhörte. Da kam ein Toragelehrter, setzte sich zu ihm und
weinte mit ihm eine halbe Stunde lang. Das verschaffte dem
Trauernden etwas Erleichterung.
10. Tröstung per Post. Wenn du nicht persönlich kommen
kannst, schick einen Brief per Post oder mit einem der
Besucher. Manchmal ist das sogar einem Besuch vorzuziehen.
Einen Brief kann man immer wieder lesen. Hauptsache, man
zeigt Anteilnahme.
11. Tröstung per Telefon. Man kann auch anrufen, sollte sich
aber kurz fassen, außer, man spürt, daß der Trauernde gerne
länger reden möchte. Vielleicht braucht er Ruhe, oder er hat
gerade viele Besucher bei sich.
12. Mischna lernen. Man kann auch vorschlagen, zum Nutzen
der Seele des Verstorbenen Mischnajot zu lernen. Das kann
man natürlich auch während des Trauerbesuches vorschlagen.
13. Praktische Hilfe. Man kann für die Trauernden z.B.
Einkaufen gehen, Essen vorbereiten, Geschirr spülen, das
Zimmer aufräumen oder den Müll rausbringen.

"Er macht verschwinden den Tod für immer, und es löscht G~tt,
der Herr, die Träne von jeglichem Angesichte" (Jeschajahu 25,8).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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