DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SUKKOT
Nr. 429
15. Tischri 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

CHAG SSAME'ACH!
 
 

Der Stand der Dinge...
Das rechte Maß der Freude
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die drei Wallfahrtsfeste Pessach, Schawuot (Wochenfest) und
Sukkot (Laubhüttenfest) bilden eine Serie, die mit Pessach, dem
Fest unserer Freiheit, beginnt, und über Schawuot, dem Erhalt
der Tora, bei Sukkot, der "Zeit unserer Freude", endet. Am
Anfang ziehen wir aus der Sklaverei in die physische
Unabhängigkeit, zu Pessach. Danach erhalten wir die spirituelle
Unabhängigkeit bei der Übergabe der Tora, wie die
talmudischen Weisen sagten: "['und die Schrift war die Schrift
G~ttes, eingegraben auf die Tafeln' (Ex. 32,16)] man lese nicht
charut [eingegraben], sondern cherut [Freiheit]" (Eruwin 54a),
und wegen der physischen und der spirituellen Freiheit geraten
wir in eine unbeschreibliche Freude "zur Zeit unserer Freude",
zu Sukkot.

Nach dem Stand der Dinge zogen wir aus der Knechtschaft in
die politische Unabhängigkeit mit der Gründung des Staates
Israel, doch fehlt es uns immer noch an spiritueller
Unabhängigkeit, bis die jüdischen Massen die Verpflichtungen
von Tora und Geboten auf sich nehmen. G~ttseidank kehren
immer mehr Juden zur jüdischen Tradition zurück. Der Tag ist
schon nicht mehr fern, an dem sich das göttliche Versprechen
verwirklicht: "Und ich - dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der
Ewige - mein Geist, der auf dir ist, und meine Worte, die ich in
deinen Mund gelegt, sie sollen nicht weichen aus deinem
Munde und aus dem Munde deiner Nachkommen, und aus dem
Munde der Nachkommen deiner Nachkommen, spricht der
Ewige, von nun an bis in Ewigkeit" (Jeschajahu 59,21). Dann
werden wir auch den folgenden Vers verwirklicht sehen:
"Erfreue uns gleich den Tagen, da du uns gebeugt, den Jahren,
da wir Unglück geschaut" (Psalm 90,15). Nicht nur das Volk
Israel wird aus der Finsternis ins Licht treten, sondern die ganze
Menschheit, die durch die Sünde der ersten Menschen Adam
und Chava mit bitteren Schmerzen bestraft wurde, wie es heißt:
"Zu dem Weibe sprach er: Mehren und mehren will ich die
Schmerzen deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du
gebären Kinder... und zum Menschen sprach er: ...so sei
verflucht der Erdboden um deinetwillen, mit Schmerzen sollst du
davon essen all die Tage deines Lebens" (Gen. 3,16-17). Die
ganze Menschheit wird eine Stufe größter Freude erreichen, wie
es heißt: "es freut sich der Ewige seiner Werke" (Psalm 104,31)
- und wann? Wenn "die Erde voll ist der Erkenntnis des Ewigen,
wie Wasser die Meerestiefe bedecken" (Jeschajahu 11,9), das
messianische Zeitalter, wie der Name "Maschiach" andeutet,
der aus den gleichen Buchstaben zusammengesetzt ist wie
"Ssimcha" (Freude), und unser Gebet erhört wird: "gib uns,
Ewiger, unser G~tt, in Freude und Wonne deine heiligen Feste
zur Vererbung, daß dein sich Israel freue, die deinen Namen
heiligen" (aus dem Schmone-Esre Gebet der Wallfahrtsfeste).

Mit den besten Segenswünschen zu Sukkot,
Rav Dov Begon
 
 
 
Frage und Antwort

Unsere Armee

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In letzter Zeit wird die Frage aufgeworfen, ob ein Soldat
die Ausführung eines Befehles verweigern sollte, der seinem
Gewissen zuwiderläuft, wie z.B. jüdische Bürger aus ihren
Häusern gewaltsam zu entfernen, um die entsprechenden
Gebiete den sogenannten Palästinensern zu überlassen.
Gleichfalls gibt es ja auch jene, die den ganzen Wehrdienst
nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Antwort: Es handelt sich hierbei um unsere Armee, und darum
besteht kein Raum für Befehlsverweigerung.

Mit der Wehrdienstverweigerung möchte ich mich hier nicht
beschäftigen. Es geht dabei um eine Gruppe von einigen
hundert Personen im Gegensatz zu hunderttausenden treuen
Soldaten, die mit großer Selbstaufopferung dienen, und ich
halte es für Zeitverschwendung, sich damit zu befassen.
Überhaupt wundern mich die Medien, die einfach nicht von
dieser Randerscheinung ablassen können. Man sollte jene
armseligen Geschöpfe eher bedauern, die die Armee in den
Schmutz ziehen und dabei selber von der Nation als abstoßend
empfunden werden - möge sich G~tt ihrer erbarmen. Vielmehr
wollen wir hier über tapfere und opferbereite Soldaten reden, die
mit Herz und Seele ihren Wehrdienst leisten. Doch was ist mit
der Räumung von Vorposten und Teilen des Landes Israel?

Wollen wir voranschicken, daß diese Frage nur untergeordnete
Bedeutung hat. Viel wichtiger ist die Frage, wie das Ideal des
Landes Israel zu stärken, unser Bewußtsein zum Lande Israel -
dann würden solche Fragen gar nicht erst gestellt werden.
Dieser Fall ähnelt einem intensiven Streit über die Linderung der
Symptome eines Todkranken, anstatt sich um seine Heilung zu
kümmern. Wollen wir "fest und stark sein für unser Volk und für
die Städte unseres G~ttes" (Schmu'el II 10,12), dann werden
solche leidigen Fragen, die von Schwäche und Verwirrung
zeugen, gar nicht auf der Tagesordnung stehen.

Wenn wir allerdings zu unser Schmach und Schande in so
einen fürchterlichen Zustand hineingeraten, müssen wir wissen,
daß eine Armee, in der es zu Befehlsverweigerung kommt,
schon keine Armee mehr ist. An diesem Punkt setzt
Lebensgefahr ein, die eventuelle religionsgesetzliche Verbote
aufwiegt. Ist die Tora aber nicht mehr wert als die Armee?
Sicher. Und genau diese Tora ist es, die den Gehorsam in der
Armee gebietet. (Ha'emek Sche'ela; siehe "Betrachtungen"
Nr. 364).

Wenn natürlich jemand meine unmaßgebliche Ansicht mit der
einer der Toragrößen im Lande vergleicht, wird sicher dem
Großen vor dem Kleinen den Vorzug geben. Doch ich der
Kleine - das ist meine Meinung.

Auch wer seinem Rabbiner durch Feuer und Wasser folgt, sollte
wissen, daß jede Regel ihre Ausnahmen hat; so berichtet uns
z.B. der Talmud, daß in jeder Angelegenheit Abaje wie sein
Lehrer Rav entschied, außer in drei Fällen, in denen er
Schmu'el (Ravs Kontrahent) folgte (Schabbat 22a). Das heißt
aber nicht, daß er deswegen nicht mehr der treue Schüler Ravs
genannt würde.

Und noch etwas: Vielleicht bin ich nur eine kleine Leuchte, ich
stütze mich aber auf eine der bedeutendsten Größen, nämlich
unseren Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, ein furchtloser
Mensch, der niemandem nach dem Mund redete, der im
Zusammenhang mit unserem Kampf um das Land Israel häufig
scharfe Ausdrücke gebrauchte und die Bevölkerung mit
unzähligen Veröffentlichungen überschwemmte - doch gibt es
niemanden, der bezeugen könnte, daß er jemals einem
Soldaten die Weisung gab, den Befehl zu verweigern! Sicher
sagte er, daß es jedem Juden geboten sei, mit ganzer Energie
dafür zu kämpfen, daß nicht auch nur ein Millimeter unseres
Landes aufgegeben werde, und daß die Armee ihren Einfluß auf
die Regierung geltend machen muß gegen eine Politik der
Zerstörung und der Vernichtung - und als am Ende seiner Tage
die Aufgabe von Siedlungen und der Abzug aus den Gebieten
um Jamit (Sinai) verhandelt wurde, bezog er schärfste
Opposition. Doch niemals ordnete er an: Soldaten, verweigert
den Befehl! Auch gibt es keinen einzigen Soldaten, der
bezeugen könnte, dies von ihm als individuelle Weisung
erhalten zu haben. Seine bedeutendsten Schüler sammelten
alle seine Aussprüche mit größtem Respekt, doch eine
halachische Aufforderung zur Befehlsverweigerung findet sich
nicht darunter. Aufrufe und Meinungskampf - sicherlich,
Befehlsverweigerung - nein. Rabbiner Kuk war sehr
verantwortungsbewußt in seiner Ausdrucksweise, sowohl in
Bezug auf Inhalt wie auch auf den Stil, und er ließ nicht zu, daß
Dinge in seinem Namen verkündet wurden, die er nie gesagt
hatte.

Darum geht es hier: Schicke den Soldaten nicht ins Kreuzfeuer
politischer Kalkulationen. Laß ihn aus dem Spiel. Laß ihn außen
vor den politischen Streitpunkten, die nur die zivile Öffentlichkeit
angehen. Doch muß auch er natürlich moralisch und anständig
handeln.

Es gibt allerdings Situationen, wenn unser Soldat sagt: "Ich
kann nicht, ich bin dazu nicht fähig", und wir legen ihm das nicht
aus als "Ich will nicht. Gebt mir bitte einen anderen Auftrag".
Sicher ist das gut, angebracht und akzeptabel in einer Armee, in
der alle Freunde sind.

Nur kann sich nicht jeder Soldat auf diese Weise an seinen
Vorgesetzten wenden, aus dem einfachen Grunde, weil er
selber der Vorgesetzte ist. Dazu bemerkten wir bereits, daß
Disziplin und Gehorsam in der Armee mit Lebensgefahr zu tun
haben. Wenn dir der Arzt bei Lebensgefahr sagt, du mußt
Schweinefleisch essen, wirst du es tun, obwohl du dich
gleichzeitig aus tiefster Seele dagegen sträubst. Dasgleiche gilt
auch für unseren Fall.

Das ist nunmal unsere Armee, und wir halten zu ihr, was immer
auch geschehe. Auch wenn wir einen furchtbaren Befehl
erhalten, werden wir ihn mit tiefst empfundenen Schmerz
ausführen. Das ist unsere Armee, und man darf sie nicht
zerstören. Wir arbeiten mit ihr zusammen, und nicht als
Partisanen.

Das Gebot von der Eroberung des Landes Israel gilt für die
Allgemeinheit, aber nicht für den Einzelnen. Natürlich gibt es für
den Einzelnen das Gebot, das Land zu besiedeln und es zu
bewohnen. Doch das ist nicht das Problem, sondern die
staatliche Hoheit über unser Land. Dieses Gebot kann nur von
der Allgemeinheit ausgeübt werden, sie erobert das Land und
nicht jeder Einzelne für sich. Wenn die Allgemeinheit dieses
Gebot nicht erfüllen will, blutet das Herz, doch kann der
Einzelne als solcher nicht diese Aufgabe übernehmen. Alles
was wir tun, tun wir alle zusammen. Wenn unser Volk
feststeckt, werden wir nicht voranlaufen, sondern bei ihm
bleiben; immer zusammen.

Am Ende seiner Tage machte Rabbiner A.J.Kuk nur vereinzelte
Äußerungen: "Sehen wir doch, daß G~tt Zionist ist", "Es gibt
keinerlei Erlaubnis für Spaltungen der Öffentlichkeit" ("3. Elul",
Ende des 1. Teils). Das war sein spirituelles Testament - keine
Spaltung. Unendlich die geistigen wie auch die materiellen
Leiden, die durch Spaltung hervorgerufen werden. Selbst das
Gerede über mögliche Ursachen für eine Spaltung ist schon
schädlich, wie alles Gerede über Spaltung. Und wenn dies im
Zivilleben der Fall ist, erst recht, was die Armee angeht.

Diese Diskussion gehört nicht in den Bereich der "Staatsräson",
sondern zur "Armeeräson". Natürlich darf man keine Gesetze
brechen, aber nicht jede Gesetzesübertretung bedeutet gleich
ein Verstoß gegen die Staatsräson, so wie jemand, der einmal
das rituelle Händewaschen ausließ, nicht gleich ein Ketzer,
Sadduzäer oder G~ttesleugner genannt wird. Beim Soldaten
aber liegen die Dinge anders, dort gelten andere Regeln.

Wir haben keine Furcht vor den Gefängnissen der britischen
Mandatsherrschaft. Aber unsere Armee ist nicht die britische
Armee, und wir gehen auch nicht ins Gefängnis. Wer die
Teilung unseres Landes betreibt, gehört ins Gefängnis. Wir sind
in Ordnung, bauen das Land Israel auf und halten am Lande
Israel fest. Danach geht es schließlich, nach den Erbauern, die
den Weg der Wahrheit gehen.
Seid stark und fest!
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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