DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SCHMINI AZERET / SIMCHAT TORA
Nr. 430
22./23. Tischri 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

CHAG SSAME'ACH!
 
 

Der Stand der Dinge...
Wenn ich hier bin...
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Wer die Lustbarkeit der Wasserprozession nicht gesehen hat,
hat im Leben keine Lustbarkeit gesehen... die Frommen und
Männer der Tat tanzten vor ihnen mit Fackeln in den Händen
und sangen Lieder und Lobgesänge... Man erzählt von Hillel
dem Älteren, daß er folgendes sagte: Bin ich da, so ist alles da;
wer da, wenn ich nicht da bin?" (Sukka 51a/53a).

Hillel der Ältere liebte alle Juden, und so wie alle, die wahre
Liebe empfinden, mit dem Objekt ihrer Liebe eins sein wollen,
so fühlte er bis hin zur Selbstüberzeugung eine Einheit mit allen
Juden. Darum sagte er "ich" und meinte sich und alle Juden
zusammen, in deren Gemeinschaft er in Liebe aufging. "Bin ich
da" bedeutet: "Ist mein Volk da", und wenn das Volk Israel "da
ist", in Jerusalem und im Tempel, dann sagt er in unbändiger
Freude: "so ist alles da", d.h., die ganze Welt ist da, die ganze
Menschheit. Vor seinem geistigen Auge offenbart sich die
"Einheit und die Allgemeinheit"; mit anderen Worten: die Welt
hat einen König, der über alles herrscht, wie wir beten: "und
alles, was Atem hat in seinem Antlitze spreche: G~tt, G~tt
Israels ist König und seine Regierung waltet über alles"
(Schmone-Esre von Rosch Haschana). Und wenn "ich"
g~ttbehüte nicht hier bin, wenn mein Volk nicht hier ist, in
Jerusalem und im Tempel, wer ist dann da? Weder offenbart
sich die göttliche Präsenz in der Welt noch G~ttes
Königsherrschaft.

Nach dem Stand der Dinge haben wir das große Glück und den
guten Anteil, daß das jüdische Volk in großem Umfange
bußfertige Umkehr zeigte und nach Israel und Jerusalem, der
Stadt des Heiligtums, zurückkehrt, und der Tag ist schon nicht
mehr fern, wenn wir auch den Bau des Tempels miterleben
können. Aufgrund dieser Rückkehr nach Zion und Jerusalem
wird sich immer mehr vor den Augen aller die Zentralität des
jüdischen Volkes und seine Bestimmung offenbaren, nämlich
das Licht der Liebe und des Glaubens in der Welt zu mehren
und zu verstärken, so daß die immense Freude der
Festlichkeiten um die Prozession des Wasserschöpfens
während des Festes wirklich Allen zuteil wird.

Mit den besten Segenswünschen zum Fest und in Erwartung
der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
 
 
Frage und Antwort

Rabbiner A.J. Kuk

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie sich herausstellte hatte Rabbiner Awraham Jizchak
Kuk doch recht. (Lebenslauf)  Die Mehrheit der Rabbiner stimmte seiner
Ansicht allerdings nicht zu - und man muß sich doch nach der
Mehrheit richten?

Antwort: Auf diese Frage gibt es fünf Antworten, von denen
jede einzelne ausreicht, und auf jeden Fall alle zusammen.
1. Woher haben Sie eigentlich, daß die Mehrheit der Rabbiner
ihm nicht zustimmte? Das entspricht nicht der Wirklichkeit jener
Zeitperiode. Die Mehrheit der Toragelehrten sowohl in
Jerusalem als auch im Lande Israel wie auch in der Diaspora
waren seinen Ansichten sehr nahe. Erst später begannen die
Versuche, die Geschichte rückwirkend zu verfälschen. Suchen
sie sich einen greisen Rabbiner von über 90 Jahren, der Ihnen
die Wahrheit berichten wird, daß ihm nämlich die Mehrheit der
Rabbiner nahestand, außer einer kleinen, aber lautstarken
Minderheit. Jemand schrieb unserem Lehrer Rabbiner Zwi
Jehuda Kuk: "In Polen, Ungarn und Deutschland herrscht
Unmut über die Führung Ihres Vaters in Fragen der
Allgemeinheit", und er antwortete dazu: "Inzwischen mehrten
sich die Großen und G~ttesfürchtigen sehr, die sich unter den
Einfluß meines Lehrers und Rabbiners, Aba, möge er lange
leben, begeben und ihm anhängen, auch in den genannten
Ländern", "In letzter Zeit wurde mir klar, daß es zwar von
berühmten Großen und Gerechten aus der Ferne betrachtet so
aussah, wie aus Ihren oben erwähnten Worten hervorgeht, es
sich in Wirklichkeit aber herausstellte, daß ihnen nichts ferner
läge, um Himmels willen" (Lenetiwot Israel III, S.348). "Wo
entsteht hier demnach die Pflicht des 'der Mehrheit anschließen'
(Ex. 23,2), und wo befindet sich die Mehrheit der
Lehrmeinungen? - wie ich bereits oben schrieb, selbst was die
von Euer Ehren erwähnten Länder betrifft, besteht eine
Übertreibung im Bericht von der Vielzahl der dort befindlichen
Rabbiner mit abweichenden Ansichten, und erst recht in
anderen Staaten und Landstrichen mit großer jüdischer
Bevölkerung, und schon gar im heiligen Lande selber, wo
absolut klar und offensichtlich ist, wie die überwältigende
Mehrheit der Toragelehrten und G~ttesfürchtigen in Wahrheit zu
ihm strömen und sich mit seinem allumfassenden heiligen
großen Einfluß verbinden und verknüpfen" (ebda. S.353).

2. Selbst wenn es stimmte, daß er die Mehrheit gegen sich
hatte, so bezieht sich der von der Tora definierte Begriff, der
Mehrheit zu folgen, "der Mehrheit anschließen" (s.o.) auf eine
"Mehrheit der Gesamtheit". So steht es in den Regeln (Get
paschut, allgem. Regeln, Regel 1). Das bedeutet, wenn alle
Weisen in einem Raum zusammensitzen, alle miteinander
diskutieren, ein jeder alle Argumente hört, Fragen stellt und
Antworten erhält, bis keine Fragen mehr offen sind und dann
abgestimmt wird - die so erzielte Mehrheit ist jene, die nach der
Tora als solche gilt. Wenn man aber von Rabbiner zu Rabbiner
zieht, jeden nach seiner Meinung fragt und zum Schluß eine
Bilanz der Antworten aufstellt, so hat eine auf diesem Wege
erlangte Mehrheit keine Wirkung nach den Regeln der Tora.
Dazu schrieb Rabbi Schlomo ben Aderet (RaSchbA,
Talmudkommentator aus der Periode der Rischonim; zitert in
Bet Josef, Choschen Mischpat, am Ende von §13): "Wenn die
Mehrheit die Argumente der Minderheit gehört hätte, würde sie
vielleicht zustimmen". Natürlich hat auch eine Mehrheit durch
Befragung einzelner Rabbiner einen gewissen Wert, denn es
besteht immerhin eine Wahrscheinlichkeit, daß die Mehrheit
rechthat, doch ist dies nicht die Mehrheit, die die Tora gemeint
hat, und darum muß so eine Mehrheit vor anderen Argumenten
zurückweichen. So verhält es sich bei unserem Thema. Haben
sich die Gegner von Rabbiner Kuk jemals in dessen Werk
"Orot" vertieft und wissen überhaupt, wovon er spricht?!

3. Man folge der Mehrheit - aber welcher Mehrheit? Der
qualitativen oder der quantitativen Mehrheit? Darüber herrscht
eine Meinungsverschiedenheit bei den Rischonim, und darum
wurde im Schulchan Aruch verschärfend nach beiden
Meinungen entschieden (RaM"A zu Ch.M. 25,2). Auch die
qualitative Mehrheit hat einen Wert, wie Nachmanides im
Namen von Rav Hai Gaon schrieb, weil es nicht angehen kann,
daß eine Menge Idioten selbst wie die Anzahl der Auszügler aus
Ägypten auch nur einen einzigen großen Toragelehrten
überstimmen könnte. Rabbiner Kuk verkörperte so eine
qualitative Mehrheit. Der Rabbi von Gur folgte zwar nicht dem
Wege Rabbiner Kuks, sagte aber nach einer persönlichen
Begegnung mit ihm: "In den letzten 50 Jahren gab es nicht noch
so einen Kopf wie diesen". Man stritt mit ihm, nannte andere
Namen, doch er blieb bei dieser Ansicht (Likutej Hara'aja,
Rabbiner Moscheh Zwi Nerja). Ebenso sagte der weise
Rabbiner Jizchak Hutner, Autor des Buches "Pachad Jizchak",
der Rabbiner Kuk sehr nahestand, sich aber später der "Agudat
Jisrael" anschloß und nach Amerika fuhr: "Wenn alle Rabbiner
Israels auf einer Waagschale wären und Rabbiner Kuk auf der
anderen, würde er sie alle zwanzigmal auf allen Gebieten
aufwiegen" (Quelle: Rabbi Elieser Waldmann, ehemaliger
Schüler von Rabbiner Hutner in Amerika).

Es besteht zwar eine Meinungsverschiedenheit, ob das Gesetz
nach der qualitativen oder der quantitativen Mehrheit bestimmt
wird, doch wir erwähnten bereits, daß der Begriff der Mehrheit
heutzutage nicht der Definition der Tora entspricht, die
"Mehrheit der Gesamtheit", darum hat die qualitative Mehrheit
mehr Bedeutung.

4. Der Begriff der qualitativen Mehrheit kann auch auf einem
beschränkten Gebiet gelten. Manchmal spezialisiert sich ein
Rabbiner auf einem Gebiet, in das er Tage und Nächte
intensiven Studiums investiert, und hat es dadurch besser im
Griff als einer der großen Toragelehrten seiner Zeit, der nicht
soviel Mühe für dieses Spezialgebiet aufgewendet hat und nach
kurzer Überlegung seine Entscheidung verkündet. Gibt es etwa
jemanden, der sich intensiver mit dem Thema der jüdischen
Gemeinschaft und der Wiedererstehung der Nation beschäftigt
hat als Rabbiner Kuk?! So schrieb sein Sohn, Rabbiner Zwi
Jehuda Kuk: "Haben überhaupt jene Vertreter abweichender
Ansichten jemals soviel Kraft und Verstand investiert und die
Tiefen dieser Themen ausgeforscht, sich mit den verborgenen
Seiten unserer heiligen Tora so sehr beschäftigt, mit Klärungen
und Offenbarungen unseres Glaubens, mit den Gesetzen des
öffentlichen Lebens, Weltanschauung und Wege des Dienstes
an G~tt, Taten und Leben der israelitischen Allgemeinheit, die
innere heilige Verbindung des ganzen Hauses Israel und der
einzelnen Juden untereinander, die Weiterentwicklung, der
Aufbau und die Ermutigung der gesamten heiligen Nation und
aller Siedlungen, und die spirituelle Perfektionierung unseres
heiligen Landes?" (Lenetiwot Israel III, S.353).

5. Bei den Meinungsverschiedenheiten der Schule Hillels und
der Schule Schammais hatte die Schule Hillels ein
zahlenmäßiges Übergewicht, die Schule Schammais galt jedoch
als scharfsinniger. Da ertönte eine himmlische Hallstimme und
entschied, das Gesetz sei wie die Schule Hillels (siehe Jewamot
14a). Heute jedoch, erklärte Rabbiner Kuk, ertönte eine
Hallstimme in Unterstützung derjenigen, die den Aufbau des
Landes betreiben, die zu der scharfsinnigen Fraktion gehören.
"Zum Thema der Beziehung zur Arbeit des Aufbaus des Landes
Israel und der Gegnerschaft dazu seitens der Mehrheit der
Toragrößen und Himmelsfürchtigen: Siehe, obwohl die Schule
Schammais als scharfsinniger galt, und sie darum einen tieferen
Einblick in die Dinge hatten und der Wahrheit auf den Grund
gingen, wurde das Gesetz nach der Schule Hillels entschieden,
die die Mehrheit stellte, wegen des Meinungsstreites - und in
dieser Sache, um das Land Israel, haben wir bereits den
Zustand erreicht, daß es um das Hauptthema bereits gar keinen
Meinungsstreit mehr gibt, wobei sich das Gesetz als im Einklang
mit jenen herausstellte, die durch Klärung ihrer Wahrheiten als
scharfsinniger galten" (Rabbiner A.J.Kuk, zitiert in "3. Elul" II,
§52). Wann ertönte diese Hallstimme? Macht die Augen auf und
seht den ungeheuren Erfolg des Aufbaus des Landes und der
Wiedererstehung der Nation. Das ist mehr als eine Hallstimme!
Wenn es Propheten gibt, spricht G~tt durch sie, wenn es keine
Propheten gibt, spricht G~tt durch die Geschehnisse.

Seht euch an, was den Juden geschah, die in Europa blieben
und nicht am Aufbau des Landes teilnahmen! Wenn man sich
nur daran erinnert, zerspringt das Herz schon in tausend
Stücke. Was für eine schreckliche Katastrophe, der sechs
Millionen Juden zum Opfer fielen, und danach der Holocaust der
Assimilation von weiteren Millionen Juden! Rabbiner in
Russland waren gegen die Einwanderung nach Israel, weil
Russland voller Tora war und das Land Israel leer. Und wie ist
es heute um die Juden in Russland bestellt? Eine einzige
Zerstörung, 99 Prozent Ungläubige. Und noch schlimmer:
Hunderttausende Mischehen.

Außer tiefschürfenden Artikeln schrieb Rabbiner Kuk auch
einfache Aufrufe: Wandert schnell ein! Dort ist es gefährlich!
Hier gelingt g~ttseidank alles, der Aufbau des Landes,
Einsammlung der Zerstreuten, Gründung des Staates,
Aufblühen der Wirtschaft, Siege der Armee, und vor allem Blüte
der Tora, Mehrung von Jeschiwot und Mädchenseminaren.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel:
http://www.israelnn.com
- auf russisch:
http://www.sedmoykanal.com
 

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