DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMINI
Nr. 456
26. Nissan 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 9,1-11,47):
Aharon bringt Sühnopfer für seine Beteiligung am "Goldenen
Kalb"; Stiftszelt-Einweihungsopfer und göttliche Erscheinung vor
dem versammelten Volk; zwei der Söhne Aharons werden für
falsches Räucherwerk von himmlischen Feuer getötet;
Speisegesetze, erlaubte und verbotene Tiere.
 
 

Der Stand der Dinge...
Fürstliche Sühne
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Zum Vers "Wenn der Fürst sündigt und übertritt aus Versehen
irgendeines von den Verboten des Ewigen, seines G~ttes, und
gerät in Schuld" (Lev. 4,22) erklärt der Raschikommentar:
"Ascher=aschrej, Wenn=heil; Heil dem Zeitalter, dessen Fürst
darauf achtet, selbst für sein Versehen eine Sühne zu bringen -
um so mehr wird er seine Frevel bereuen".

"Fürst" bedeutet Staatsoberhaupt, in der Vergangenheit der
König und heute der Ministerpräsident, dessen Entscheidungen
die jeweilige Generation dirigieren. Wenn es der Generation
vergönnt ist, wird sie von einem Menschen mit guten
Charaktereigenschaften, besonders der Demut, geleitet, der
seine Fehler eingesteht, den Pfad der Besserung einschlägt und
Fehlentscheidungen rückgängig macht. Wenn aber dieser
Staatsmann g~ttbehüte nicht ehrlich und anständig ist und in
arroganter Weise seine Fehler, die die Führung der Nation
betreffen, nicht eingestehen will, dann leiden alle davon.

In unserer Generation hatten wir Regierungschefs, die den
Staat Israel ein gutes Stück voranbrachten und mutige
Entscheidungen fällten, die den Staat stärkten und die Nation
einten. Es gab allerdings auch solche, die schicksalsschwere
Fehler begingen, die zur Schwächung des Staates führten und
sogar seine Existenz gefährdeten, wie z.B. vor dem
Jomkippurkrieg und durch das unselige Oslo-Abkommen.
Manche der Politiker gaben ihre Fehler zu. Andere aber wollten
ihre Irrtümer nicht eingestehen, und dafür müssen wir heute
einen teuren Preis bezahlen.

Nach dem Stand der Dinge bedeutet Scharons Plan der
"Abkoppelung" einen tragischen Fehler, denn obwohl Scharon
uns von den Arabern "abkoppeln" will, bedeutet es in Wahrheit
eine Abkoppelung vom Lande Israel und von den Grundwerten
und dem Glauben an die Gerechtigkeit unseres Anspruchs auf
das Land Israel, die zur Gründung des Staates Israel führten.
Es ist ebenfalls eine Abkoppelung vom Pioniergeist der
Besiedlung des Landes, der sich vor über hundert Jahren in der
Gründung der ersten landwirtschaftlichen Siedlungen, der
Kibbuzim und der Städte offenbarte. Die Erben dieses Geistes
sind die wunderbaren Pioniere von heute, die Bewohner von
Jehuda, Schomron und dem Katif-Gebiet im Gasastreifen, die
Helden, die ihr Leben für ihr Volk und ihr Land einsetzen. Der
"Abkopplungsplan" schwächt die Nation, schwächt den Staat,
erniedrigt uns in den Augen unserer Feinde, schürt den
Antisemitismus in der Welt und fordert Druck der Völker auf uns
heraus. Wir dürfen nicht einen Moment vergessen, daß wir "ein
Schaf unter siebzig Wölfen" sind, und dieses Schaf darf nicht
seine Kehle dem Schlachtmesser hinhalten. Hiermit rufe ich
Scharon zu Demut und zum Ablassen von seinen tragischen
Plänen auf, damit wir aus vollem Herzen verkünden können:
"Glücklich die Generation, deren Vorsteher bußfertige Umkehr
tut".

In Erwartung der vollständigen Errettung,
Rav Dov Begon 
 
 
Frage und Antwort

Wo bleibt der Maschiach?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Schon seit einigen tausend Jahren flehen wir: "Den
Sprößling deines Knechtes David laß rasch emporsprießen"
(Schmone-Esre-Gebet) - und er ist immer noch nicht
gekommen! Vielleicht kommt er auch gar nicht so bald?
Vielleicht sollten wir das genaue Datum herausfinden, um uns
unnötigen Seelenschmerz zu ersparen? Heißt es nicht immer,
daß wir erst am "Anfang der Erlösung" stehen, d.h., wir müssen
noch eine Weile auf den Erlöser warten?

Antwort: Um G~ttes Willen! Wir erwarten ihn jeden Tag.
"..hoffe ich täglich auf ihn, daß er kommen wird" (aus den nach
dem Morgengebet zu sprechenden 13 Glaubensartikeln des
Maimonides). Jemand, der das Gelübde auf sich nimmt, ein
Enthaltsamer (Nasir) zu sein "am Tage, an dem der Sohn
Davids kommt", ist sofort einer, als ob der Maschiach
("Messias") an diesem Tage kommen werde (Eruwin 43b), und
so lautet das Gesetz. Wir erwarten ihn heute, aber wir können
natürlich nicht versprechen, daß er wirklich heute kommen wird.
Wenn er nicht kommt, stellt sich im nachhinein heraus, daß der
Betreffende kein Nasir war, und so gilt dieser Status für ihn am
nächsten Tag, und so weiter. - Wovon ist demnach das
Kommen des Maschiach abhängig?

Nach einem talmudischen Bericht gelang es Rabbi Jehoschua
ben Levi, mit dem Maschiach Kontakt aufzunehmen, und so
fragte er ihn, wann er denn zu kommen gedenke. "Heute", gab
dieser zur Antwort. Dann kam er aber doch nicht. Und warum?
"Heute - so ihr gehorcht Seiner Stimme" (Sanhedrin 98a; Psalm
95,7).

Daher erklärte der MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw aus Prag)
über den Maschiach: "Auch wenn er fern ist, so ist er doch nahe
wegen der Umkehr... er ist sehr nahe... denn diese Sache, das
Kommen des Maschiach, hat ihre Zeit einen jeden Tag, wie wir
sagten, denn der Zeitpunkt für das Kommen des Erlösers fällt
jeden Tag. Darum werden die Tage des Maschiach 'nahe'
genannt, denn die Erlösung ist dazu schon bereit, weil für sie
kein besonderer Zeitpunkt bestimmt wurde" (Nezach Israel,
60. Kap.).

Diese Antwort wirft aber ein anderes Problem auf: Wenn das
Kommen des Maschiach von der bußfertigen Umkehr
(Tschuwa) des ganzen Volkes Israel abhängt, wie kann er dann
heute kommen?! Doch diese Frage stellt sich gar nicht erst,
denn G~tt ist in keiner Weise von uns abhängig. Es steht ihm
vollkommen frei, den Maschiach noch heute durch ein Wunder
zu bringen, auch wenn wir keine Tschuwa getan haben, und
darum erwarten wir ihn tagtäglich.

Über die Antwort auf die Frage aber, warum der Maschiach bis
heute noch nicht gekommen ist, verfügen wir, entsprechend
einer Auslegung des folgenden Verses: "Warum ist der Sohn
Jischais weder gestern noch heute zum Brote gekommen?"
(Schmu'el I, 20,27). Sie möchten wissen, warum der Sohn
Jischais (=Umschreibung für den Maschiach) weder gestern
noch heute gekommen ist? Weil die Leute ihn für Brot wollen!

Sie sehnen sich nach dem Maschiach nicht wegen
irgendwelcher Ideale, für ihren Dienst an G~tt, für die Heiligung
des göttlichen Namens, für Erhabenheit und Heiligkeit, sondern
um ihre wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und sonstigen
Probleme zu lösen, als ob der Maschiach eine besonders
begabte Sozialhelferin wäre.

Sicher haben wir Probleme. Heutzutage allerdings
verhältnismäßig sehr wenige. Im Laufe unseres Exils (Galut)
aber gab es enorme, furchtbare Probleme: das Leben in einem
fremden Land, auch waren wir geknechtet und gequält, erlitten
Vertreibungen, wirtschaftliche Verfolgungen und
Erniedrigungen, Morde, Pogrome, Hunger, Armut und Schoa.
Heute leben wir in unserem eigenen Lande in vergleichsweise
paradiesischen Zuständen. Natürlich ist alles relativ. Im
Vergleich zum Garten Eden leben wir nicht im Garten Eden. Im
Vergleich aber zu dem, was wir in zweitausend Jahren Galut
erlebten, ist das heute sehr wohl ein Garten Eden. Darum
haben wir heute manchmal Schwierigkeiten, uns wirkliche Zores
vorzustellen. Dennoch müssen wir die Juden der Galut
verstehen, die ausriefen: "Möge doch endlich der Maschiach
kommen und unsere Probleme lösen, wir leiden doch so
schrecklich. Maschiach, komm schnell zum Brote!". Wir waren
im wörtlichen Sinne hungrig nach Brot und starben vor Hunger,
besonders kleine Kinder.

Der Maschiach aber ist nicht unbedingt "für's Brot" da, wie
Maimonides am Ende der Gesetze vom Maschiach schrieb: "Die
Propheten und die Weisen sehnten sich nach den Tagen des
Maschiach; nicht um über die ganze Welt zu herrschen, und
nicht, um sich die Nichtjuden untertan zu machen, und nicht, um
von den Völkern zu Regenten gemacht zu werden, und nicht um
zu essen, zu trinken und lustig zu sein - sondern um frei zu sein
für [das Studium der] Tora und der Weisheit; dann wird es für
sie keinen Unterdrücker und keine Ablenkung geben, und so
wird es ihnen möglich sein, dem Leben der kommenden Welt
teilhaftig zu werden" (Gesetze von Königen und Kriegen,
12.Kap., Hal.4). Nicht wegen Wirtschaft und Sicherheit sehnen
sie sich nach dem Maschiach, und wer sich deswegen nach
dem Maschiach sehnt, will den Maschiach zu seinem Eigennutz
und nicht für den Herrn der Welt oder für die Tora, für die
Heiligung des göttlichen Namens oder für das Wirken der
göttlichen Präsenz in der Welt. G~tt schuf die Welt doch nicht
für's Brot, sondern um in den unteren Sphären zu wohnen.
Dafür wird der Maschiach kommen, aber nicht unbedingt, um
Probleme zu lösen.

Und was wird aus den Problemen werden? Wir werden sie wohl
oder übel selber lösen müssen. Dazu braucht man den
Maschiach?! Für Brot braucht man den Maschiach?! Dafür
braucht man Landwirtschaft und fleißige Arbeit! Zur
Verteidigung unseres Landes gegen Feinde brauchen wir den
Maschiach?! Dafür geht man zur Armee und kämpft!

Wer wegen dieser Dinge den Maschiach erwartet, verzögert
vielleicht sogar sein Kommen. Und wenn er endlich erscheint,
wird dieser Mensch auch noch enttäuscht sein, weil der
Maschiach kein Brot bringt. "Schmu'el [einer der talmudischen
Weisen, nicht der Prophet] sagte: Es gibt keinen anderen
Unterschied zwischen der Jetztzeit und den Tagen des
Maschiach als das Aufhören der Knechtschaft der Regierungen"
(Brachot 34b), d.h. die Völker werden nicht mehr über uns
herrschen, und dazu heißt es in der Tora: "Denn nicht aufhören
wird der Dürftige innerhalb des Landes" (Dt. 15,11). Ist das nicht
ein Skandal? In der Tat ein großes Problem, das gelöst werden
muß, aber es kann durchaus passieren, daß es zur Zeit der
Ankunft des Maschiach immer noch besteht. Und es ist auch
gar nicht sicher, daß er es durch ein Wunder löst, indem er etwa
Brötchen aus dem Nichts schafft. "Und komme gar nicht erst auf
den Gedanken, daß König Maschiach Zeichen und Wunder
vollbringen werde oder nicht Dagewesenes hervorbringe oder
die Toten auferstehen lasse und ähnliche Dinge" (Gesetze von
Königen und Kriegen, 11.Kap., Hal.3), schrieb Maimonides.

Wir werden vielmehr das Brotproblem dadurch lösen, daß die
Reichen aufhören, ihr Geld für Unfug zu verschwenden, wie z.B.
für teure Hochzeiten, deren Kosten die Jahresausgaben einer
ganzen Familie decken könnten. G~ttseidank gibt es genug Brot
auf der Welt, es wird nur ungerecht verteilt. Wir brauchen den
Maschiach nicht dazu, damit er es auf Bäumen wachsen läßt.
Natürlich glauben wir an Wunder, aber das hat nicht unbedingt
etwas mit dem Maschiach zu tun.

Auch diejenigen, die den Maschiach herbeisehnen, damit er
Frieden bringe, werden möglicherweise eine Enttäuschung
erleben. Maimonides erwähnt, daß der Maschiach am Anfang
Kriege führen wird: "Der erste Maschiach - David, der Israel von
seinen Bedrängern erlöste, und der letzte Maschiach, der von
dessen Söhnen erstehen wird und Israel aus den Händen
Eßaws erlöst" (ebda. Hal.1) [In der Tora ist von vier Exilen des
jüdischen Volkes die Rede: 1. Ägypten, 2. Babylon, 3. Griechen,
4. Edom = Eßaw = Rom (Symbol des westlichen, christlichen
Kulturkreises)], "und der die Kriege G~ttes führen wird", "und
die Nachbarvölker besiegt" (ebda. Hal.4). Selbstverständlich
wird am Ende der ewige Frieden einkehren (ebda. 12.Kap.,
Hal.5). Der Maschiach wird den Weltfrieden durch Vernichtung
aller Waffen bringen.

Manche Leute halten diese Welt für einen großen Spielplatz,
und der Maschiach kommt nur, um einige kaputte Geräte zu
reparieren. Irrtum! Unsere Welt ist eine Welt des Dienstes, wie
im ersten Kapitel des Buches "Weg der Frommen" (Messilat
Jescharim, Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto) erklärt wird, eine
Welt des Dienstes an G~tt, und der Maschiach wird kommen,
um uns auf eine höhere spirituelle Stufe des Dienstes an G~tt
zu bringen. Wie bereits erwähnt, wird der paradiesische Frieden
erst am Schluß eintreten. "Und in jener Zeit wird es weder
Hunger noch Krieg geben, weder Eifersucht noch
Konkurrenzkampf, ein großer Einfluß des Guten, und alle
Delikatessen wie Sand im Überfluß zu finden" (ebda.). Doch das
alles wird nicht am Anfang stattfinden, sondern erst zu einem
späteren Zeitpunkt: "In den Tagen König Maschiachs, wenn
seine Herrschaft bereits fest begründet ist" (ebda. Hal.3). Aller
Anfang ist schwer, und auch der Maschiach wird es am Anfang
schwerhaben (siehe Lechem Mischne zu 11,3).

Doch auch die paradiesische Ruhe ist kein Ideal, sondern nur
Mittel zum Zweck: "Und die ganze Welt wird sich mit nichts
anderem als dem Wissen um G~tt beschäftigen" (12,5).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com
 

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