DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMOT
Nr. 443
23. Tewet 5764
2. Buch Moscheh
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen
Oberrabbiner Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Ex. 1,1
- 6,1):
Vermehrung und Ausbreitung der Kinder
Israels über ganz
Ägypten; neuer Pharao "vergißt"
Josef und unterdrückt die
Israeliten; Tötung der neugeborenen
Söhne; Moschehs Geburt;
adoptiert von Pharaos Tochter; Moscheh
tötet den ägyptischen
Schläger; flieht nach Midian und
heiratet Jitros Tochter; G~tt
schickt ihn zurück, um die Kinder
Israels zu befreien;
Beschneidung seines Sohnes auf dem Wege;
Begegnung mit
seinem Bruder Aharon; Audienz beim Pharao;
Verschärfung der
Sklaverei; Protest der Israeliten gegen
Moscheh und Aharon.
| Am
Schabbes-Tisch...
Und erschlug den Ägypter Rav Asri'el Ari'el
|
"Und Moscheh ging hinaus zu seinen Brüdern und sah ihre
Lastarbeiten und sah einen ägyptischen Mann, wie er einen
hebräischen Mann von seinen Brüdern schlug" (Ex. 2,11).
Moschehs Reaktion erfolgte auf der Stelle: "Und wandte sich
dahin und dorthin, und als er sah, daß kein Mensch da war,
erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande" (Ex.
2,12).
Keine einfache Sache, Moschehs Verhalten. Wir verstehen, daß
er ein empfindsames Herz hatte, daß ihm blutete angesichts
des hilflosen Bruders, der unter den Hieben des brutalen
Ägypters zusammenbrach. Doch wozu tötete er den Ägypter?
Will uns die Tora für solche Fälle etwa ein Loblied auf die
Hitzköpfigkeit singen, auf die Erhabenheit der Tötung des
Ägypters ohne Rechtsverfahren? - Bei den talmudischen
Weisen und den Torakommentatoren findet sich eine Vielfalt
von Ansichten, die diese Tat sowohl als positives wie auch als
negatives Beispiel deuten.
Im Midrasch finden wir die einfachste Erklärung: "Da kam der
ägyptische Bedrücker zum israelitischen Aufseher und warf
ein
Auge auf dessen Frau... schickte ihn fort von seinem Haus und
begab sich zur Frau... als der Bedrücker merkte, daß [der
Aufseher] Verdacht schöpfte, degradierte er ihn zum
Lastarbeiter, schlug ihn und wollte ihn töten, da sah ihn
Moscheh und betrachtete ihn eingehend... da sprach er: Sicher
ist dieser des Todes schuldig...".
Nach diesem Midrasch war die Tat eindeutig notwendig, um das
Leben des Juden zu retten, der vom Ägypter gerade zu Tode
geprügelt wurde, wie es in der Tora heißt: "Stehe nicht
still bei
dem Blute deines Nächsten" (Lev. 19,16). Außerdem hatte
sich
der Ägypter nach den Worten des Midrasch wegen Ehebruchs
wegen seiner Beziehung zur Frau des jüdischen Aufsehers des
Todes schuldig gemacht, und darum eilte sich Moscheh, ihn zu
töten. Manche erklären in diesem Sinne, daß der Ägypter
dem
Juden nicht nur Hiebe versetzte, sondern ihn tatsächlich tötete,
und Moscheh tötete ihn gesetzlich, wie es einem Mörder
zukommt. Dennoch ist diese Deutung schwer zu verstehen.
Steht denn unser Lehrer Moscheh in unseren Augen im
Verdacht, jemanden ohne Gerichtsverfahren zu töten? Und
wenn ja, vielleicht hatten Datan und Awiram recht mit ihrer
Kritik: "Wer hat dich zum Meister und Richter über uns gesetzt"
(Ex. 2,14) ?
Eine Antwort darauf finden wir in den "Sprüchen der Väter
nach
Rabbi Nathan": "Das lehrt, daß Moscheh Gerichtshöfe von
Dienstengeln versammelte und zu ihnen sprach: Soll ich Jenen
töten? Da sagten sie zu ihm: Töte ihn". Nach dieser Erklärung
bedeuten die Worte "und als er sah, daß kein Mensch da war",
daß Moscheh niemanden fand, mit ihm zu Gericht zu sitzen,
und darum verließ er sich auf einen Gerichtshof von
Dienstengeln. Diese Deutung erklärt zwar Moschehs Verhalten,
doch gelangt Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin (HaNeZIW)
aus Woloschin von hier zu einer weitreichenden Konsequenz:
"Und wandte sich dahin und dorthin - suchte Ratschluß,
wie den
Ägypter anzuklagen, und als er sah, daß kein Mensch da
war -
ihm das Unrecht vorzutragen, da Alle eine Versammlung von
Verrätern und Hassern Israels waren, erschlug er den Ägypter
-
wo es an Männern fehlte, bemühte er sich, ein Mann
zu sein
(siehe Mischna "Sprüche der Väter", 2.Kap.)". Die öffentliche
Ordnung verlangt zwar nach einem Gerichtsverfahren, doch
was kann ein Jude in der Diaspora ausrichten, wo ihm die
Gerichtsbarkeit keinen Zugang gewährt? Überläßt
er die Welt
dem Bösen? Hiervon läßt sich schwerlich eine generelle
Weisung für jedermann herauslernen. Entsprechend schrieb der
Kommentar "Tora temima", daß die Tötung des Ägypters
durch
Moscheh gestützt auf eine spezifische Regelung für diesen
Fall
erfolgte ("hora'at scha'a"), aber nicht aufgrund eines für
alle
Generationen gültigen Gesetzes.
Der MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag erklärte die
Tötung des Ägypters nach den Gesetzen des Krieges: "Die
Ägypter bedrängten die Israeliten und töteten sie -
gibt es doch
keinen klareren Fall von Krieg wie diesen... Und dazu sagten
[die talmudischen Weisen]: Im Kriege töte selbst den besten
Nichtjuden". Doch auch in dieser Weisung können wir nur die
besondere Anleitung für das Verhalten im Exil erkennen, wenn
das Volk Israel keinen König hat, der die Befehle für eine
geordnete militärische Kriegführung gibt.
Natürlich läßt sich aus den obigen Überlegungen
keine
praktische Anweisung für unsere heutige Zeit entnehmen,
besonders, wo das Spektrum der Ansichten von einem Extrem
zum anderen reicht. Einen Unterschied wollen wir jedoch
besonders hervorheben. Das Verhalten zur Zeit des Exils
gleicht nicht dem Verhalten zur Zeit der Erlösung. Wenn es
unseren Brüdern zur Zeit der Schoa durchaus angemessen war,
G~ttes Rache an den deutschen Mördern zu erwirken, kann
dies nicht als Modellfall für unseren selbständigen Staat
herhalten, der über eine Regierung, eine Armee, Geheimdienst
und Polizei verfügt. Kompetenzen, die der Einzelne im Exil
aufsichnimmt, muß er in dem Moment abgeben, an dem wir mit
G~ttes Hilfe ein unabhängiges Volk in unserem eigenen Land
und mit unserem eigenen Staat wurden.
| HaRav
Aviner
Auf Herz und Niere Rav Schlomo Aviner
|
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Eine idealistische Frau vollbrachte eine große Tat: Anscheinend
zum ersten Mal in der Geschichte des Staates Israel spendete
jemand eine Niere zu Lebzeiten. Nicht etwa an einen Bekannten
oder Verwandten, sondern der Allgemeinheit, wer immer gerade
eine Niere braucht. Es handelt sich um eine Idealistin, die auf
allen möglichen Gebieten spendet. Eines Tages entschloß
sie
sich, auch von ihrem Körper zu spenden. Hierzulande trennen
sich die Leute freiwillig von ihren Körperteilen sonst nur gegen
Bezahlung. In westlichen Ländern ist das verboten, und diese
Erscheinung wird dort sogar bekämpft. Bei uns ist es jedoch
gang und gäbe, dazu mit der Erlaubnis bedeutender Rabbiner.
Diese Frau aber ist eine Idealistin. Zuerst behaupteten die
Leute, sie sei verrückt. Man ließ sie von einem Psychologen
untersuchen. Nein, lautete das Resultat, sie ist nicht verrückt,
sie hat bloß ein gutes Herz.
In Israel warten derzeit 700 Menschen auf eine
Nierentransplantation. Ihre Probleme lassen sich nicht mit
Dialyse lösen. Die Worte kommen nur schwer über die Lippen,
aber die bittere Wahrheit sieht so aus, daß die Mehrheit diesen
Zustand nicht lange überleben wird. Diese Frau ist eine wirklich
Gerechte.
Es gibt allerdings auch Rabbiner, die Nierentransplantationen
von einem lebenden Spender wegen der Gefahr für den
Spender verbieten (siehe Responsen "Minchat Jizchak" VI
§103, "Ziz Elieser" IX, 45), basierend auf der Entscheidung
von
Rabbiner David ben Simra, wonach man den Nächsten nicht
durch eigene Gefährdung rettet (Responsen III, 625). Nur daß
diese Sache nicht gefährlich ist. So schrieb der Rischon LeZion,
Rabbiner Ovadia Josef (früherer sefardischer Oberrabbiner
Israels): Es ist ein großes Gebot, eine Niere zu spenden, und
das damit verbundene Risiko äußerst gering; im Gegenteil,
die
Mitzwa wird den Spender schützen (Responsen "Jechawe
Da'at" III, 84).
Doch nicht alle Rabbiner stimmen mit Rabbiner David ben
Simra überein, daß man sich für die Rettung des Nächsten
nicht
gefährden dürfe. Im Talmud jeruschalmi wird von einem
Rabbiner berichtet, der in Gefangenschaft geriet. Da sagten die
Weisen: Man kann ihm schon Totenkleider besorgen. Rabbi
Schimon ben Lakisch sagte: Ich gehe [ihn befreien], um zu töten
oder getötet zu werden. - D.h., er war bereit, sein Leben aufs
Spiel zu setzen. Viele Rabbiner entschieden wie diese
Talmudstelle (siehe Tur/Bet Josef C.M. §426). Auch unser
Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk entschied so ("Lenetiwot
Israel" A118).
Was unser Thema betrifft, gibt es dazu keine zwei Meinungen,
weil das Risiko wie gesagt sehr niedrig ist, was die eigentliche
Operation angeht, denn der Spender wird nach einigen Tagen
vollkommen gesund nach Hause entlassen. Das Risiko von
nachoperativen Komplikationen, oder daß die verbliebene Niere
zu funktionieren aufhört, ist so gut wie Null.
Und wo wir gerade davon sprechen, natürlich ist es auf jeden
Fall eine große Mitzwa, eine Niere nach dem Tode zu spenden.
Ein Toter kann bekanntlich nicht mehr in Lebensgefahr geraten.
Dasgleiche gilt für andere Organe: Herz, Lunge, Leber, Haut,
Netzhaut, und man sollte sich eine entsprechende Spenderkarte
besorgen. Über 1000 Kranke warten momentan auf eine
Organspende, ohne die sie dem Tode geweiht sind.
Manche behaupten dagegen, vielleicht ist der Chirurg ein
Gauner und entnimmt ein benötigtes Organ, bevor der Spender
gestorben ist, und befördert ihn gerade dadurch ins Jenseits.
-
Das ist wirklich eine verbrecherische Behauptung. In unserem
Lande haben wir noch von keinem Arzt so etwas gehört.
Natürlich sind Ärzte keine Engel, und einige schwarze Schafe
mögen sich unter ihnen finden, wie in allen Berufen, sogar bei
Rabbinern. Es gab schon viele Fälle von schwerwiegenden
ärztlichen Missetaten, aber einen Siechen zu ermorden, um ihm
ein bestimmtes Organ zu entnehmen - davon haben wir nie
etwas gehört. Das ist wirklich unverschämt, so die Ärzte
in den
Schmutz zu ziehen, und auf diese Weise indirekt den Tod von
Hilfsbedürftigen zu verursachen. Darüberhinaus überwacht
ein
besonderes Gremium alle diese Fälle.
Das ist aber noch nicht alles. Heutzutage kann man auf dem
Spenderausweis den Vermerk ankreuzen: "Unter der
Bedingung, daß eine religiöse Autorität nach Wahl meiner
Familie der Organspende nach meinem Tode zustimmt". Es
besteht zwar keine Pflicht, diesen Vermerk anzukreuzen, ist
aber besser. Ich besitze einen Spenderausweis schon seit zehn
Jahren, und vor einigen Jahren erhielt ich eine neue Karte, auf
der diese Bedingung angeführt ist, unter der Überschrift:
"In der
Hoffnung, dem Nächsten helfen zu können, bestimme ich
hiermit, und spende nach meinem Tode, jedes Glied meines
Körpers, das dem Nächsten zur Rettung seines Lebens
behilflich ist".
Welch großes Verdienst für einen Menschen, selbst nach
seinem Tode noch Gebote erfüllen zu können, obwohl er
eigentlich als Toter von der Pflicht befreit ist. Früher schrieb
ich
einmal einen Artikel zu diesem Thema voll religionsgesetzlicher
Abwägungen. Dagegen lassen sich natürlich andere
Abwägungen anführen, die allerdings niemandem das Leben
retten. Darum ist es vielleicht besser, gar keine gesetzlichen
Spitzfindigkeiten zu schreiben, sondern nur: Laßt euch einen
Spenderausweis ausstellen (Agudat ADI, Noach Moses Str. 15,
IL-67442 Tel Aviv, Tel. 1-800-609-610, Fax 03-6957344).
Ich sah Soldaten, die in Erfüllung ihrer Aufgabe starben und
noch nach ihrem Tode Menschenleben retteten. Welche Größe!
Ich sah Menschen bei Verkehrsunfällen umkommen, doch
retteten sie 7 Menschen mit ihren Körperteilen das Leben. Ihr
eigenes Leben ging zwar zuende, aber nicht umsonst.
Ich sah sogar Menschen, die Selbstmord begingen, möge G~tt
sich ihrer erbarmen, und retteten viele Menschen mit ihren
Gliedern, die auf diese Weise in den Empfängern weiterlebten,
was ihnen Sühne verschafft, und über sie heißt es:
Größer sind
sie in ihrem Tode als zu ihren Lebzeiten.
Ich schäme mich, zum Spenden einer Niere zu Lebzeiten
aufzurufen, wo ich selber Angst davor habe. Nun werden sicher
welche sagen, warum haben Sie Angst, sie schreiben doch
selber, daß die Sache nicht gefährlich ist?! Darauf antworte
ich:
Ich weiß, und trotzdem. Mit anderen zusammen, würde ich
mich, bli neder, anschließen. Aber zu Spenden nach dem
Tode,
und Tragen eines Spenderausweises kann ich aufrufen, denn
ich besitze so einen.
Möge G~tt alle Kranken Israels heilen.
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