DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHOFTIM
Nr. 474
4. Elul 5764
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen
Oberrabbiner Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9):
Regierung: Richter, König, Priester,
Propheten; Warnung vor
Götzendienst, Erkennen und Bestrafen
desselben - Zeugen;
Wiederholung Totschlägergesetze,
-städte; Betrug durch
Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende
Zeugen;
Gesetze der Kriegführung; Gebot der
Vernichtung der Ka'aniter;
die Leiche im Feld/Mörder unbekannt.
| Am
Schabbes-Tisch...
Der nagende Zweifel Rav Iti'el Ari'el
|
Im Laufe unserer komplizierten Lebensumstände begegnen wir
vielen Fragezeichen, die uns z.T. lange Zeit begleiten und
immer noch auf eine Lösung warten. Eine ganze Abteilung des
Religionsgesetzes (Halacha) befaßt sich mit dem "Umgang mit
dem Zweifel" in der Erkenntnis, daß sich nicht alle Zweifel auf
der Stelle beseitigen lassen, während inzwischen das Leben
weitergeht und nach spezifischer Anleitung in diesem
Zweifelsfall verlangt. Manche ungelöste Frage überdauerte
viele
Jahre, bis die Weisen eine Antwort fanden, wie das im Talmud
dokumentierte Beispiel eines Problems, das Rabbi Josef 22
Jahre lang beschäftigte, bis er es löste, und es gibt sogar
Zweifel, die sich vollständig unserer Klärung entziehen,
"bis der
Prophet Elijahu mit dem Maschiach kommt".
Unser Wochenabschnitt beschäftigt sich mit der Bewältigung
von Zweifeln und erwähnt drei verschiedene Fälle unklarer
Verhältnisse von herausfordernder Unbestimmtheit.
Zuerst behandelt die Tora den Zweifel in halachischen Fragen -
"wenn dir eine Sache unbekannt ist für den Rechtsspruch" (Dt.
17,8) auf den verschiedenen Gebieten der Halacha, und nach
dem Talmud Jeruschalmi auch auf den Gebieten des Glaubens,
der Ethik und der Führung. Die Tora verlangt vom Zweifler eine
große Anstrengung, selber zur Lösung zu gelangen, bis hin
zur
Beratschlagung mit den größten Weisen seiner Generation,
z.B.
den Mitgliedern des Sanhedrins. Diese Anstrengung deutet der
Vers an mit den Worten "so mache dich auf und gehe hinauf"
(ebda.), zum Tempel [wo das Sanhedrin tagt], "der höher ist als
alle anderen Orte" (Raschikommentar), um uns den enormen
Wert der gemeinschaftlichen Klärung zu lehren. Schon das
Bestreben an sich, den Nebeln des Zweifels zu entrinnen, birgt
großen Segen, unter gründlicher Untersuchung des Problemes
gemeinsam mit den Größen des Sanhedrins, es erhebt den
Menschen und bringt ihn hinauf zu einer höheren Stufe der
Anhänglichkeit an G~tt, "sicher ist sein Name und ebenso sein
Ruhm" (Vechol-ma'aminim-Gebet von Rosch Haschana).
Andererseits lehrt uns die Tora, daß nicht alle Mittel zu dem
erhabenen Ziele der Beseitigung von Zweifeln recht sind. Sie
bezieht sich dabei ausführlich auf eine lange Liste von
Wahrsagern und dergleichen, die behaupten, jede Bedenken
des Menschen über die unbekannte Zukunft zerstreuen zu
können: wo man sein Geld investieren sollte, welchen Beruf zu
erlernen, die Auswahl des Ehepartners usw. - und lehnt sie alle
ab, indem sie fordert: "Ganz sollst du dem Ewigen, deinem
G~tte angehören" (Dt. 18,13). Die Tora sieht eine große
Gefahr
in der übertriebenen Anhimmelung aller möglichen
Zukunftsdeuter, die nur den Menschen von der von seinem
Glauben bestimmten nötigen Auseinandersetzung und der
Übernahme persönlicher Verantwortung für die Entscheidung
befreien wollen.
Unsere moderne Wirklichkeit hat einige neue "Zukunftsdeuter"
auf Lager, wie z.B. Meinungsumfrager, Sport- und politische
Kommentatoren, denen wir mit übertriebener Ernsthaftigkeit
begegnen und zitternd an ihren Lippen hängen, wo die
tagtägliche Erfahrung zeigt, wie weit ihre "Weisheit" von exakter
Wissenschaft entfernt ist...
Zum Schluß bezeichnet die Tora den Weg der
Auseinandersetzung mit dem leidigen Informationsmangel im
Hinblick auf die Vergangenheit, und bringt als Beispiel das
Gebot für die Stadt, der es nicht gelingt, die Mordtat an einer
in
ihrem Einzugsbereich gefundenen Leiche aufzuklären: "es ist
nicht bekannt, wer ihn erschlagen hat" (Dt. 21,1). Sie legt die
moralische Verantwortung auf die Schultern der Stadtältesten
und verlangt von ihnen, ihre Hände über dem [zu opfernden]
genickgebrochenen Kalb zu waschen und somit das große
pädagogische Versagen zu sühnen, das eine so schwere Tat
ermöglichte. Es reicht also nicht, mit gutem Willen Licht in
diesen Informationsmangel bringen zu wollen, und auch nicht
die Distanzierung von zwecklosen Spekulationen, die solche
Ereignisse zu begleiten pflegen, durch "Wahrsager" und
Interviewer, die fragen, "ob es denn keine deutlichen
Warnzeichen für diese Tat gab"... Die quälende Last des
Zweifels und das Gefühl des Versagthabens, die mit dem
Fehlen der Aufklärung einhergehen, gilt es für positive Initiativen
zu nutzen, von nun an jeden Gast, der in die Stadt kommt, mit
dem Nötigsten für seine Verpflegung und persönliche
Sicherheit
zu versorgen, damit so ein Zweifelsfall gar nicht erst entstehen
kann.
| HaRav
Aviner
Die religiöse Soldatin Rav Schlomo Aviner
|
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1. Ich wünsche der Organisation "Aluma" viel Erfolg, die
den
religiösen Soldatinnen bei ihrem Dienst Beistand gewährt.
Obwohl wir mit ihrem Weg nicht einverstanden sind, bedeutet
das noch lange nicht, daß wir uns der Verantwortung für
sie
entziehen.
Eine große Mitzwa, von Schule zu Schule zu ziehen und die
Zwölftklässlerinnen, die sich für den Armeedienst entschieden
haben, mit Informationen zu versorgen, ihnen besonders für
Mädchen passende Laufbahnen vorzuschlagen und sie auf den
Armeedienst in spiritueller, halachischer, moralischer und
seelischer Hinsicht vorzubereiten; entsprechend ihnen nach der
Einberufung zur Seite zu stehen, soweit wie möglich, und ihnen
aus den Problemen herauszuhelfen, in die sie manchmal
geraten. Dabei gilt besonders zu berücksichtigen, daß viele
dieser armeedienstleistenden Mädchen aufgrund eines
Gefühles der Berufung handeln, was sie zu "bei den Geboten
Irrenden" macht.
Wir sagen den religiösen Soldatinnen: Wir stimmen eurem Weg
nicht zu, und ihr wißt das auch, aber ihr gehört zu uns.
2. "Man erhöht beim Heiligen" - eine Begebenheit um den
zu
den größten Rabbinern seiner Generation zählenden Rabbiner
Schlomo Minhahar. Gegen Ende des Jahres 5731 (1971)
wurden Jungen aus dem Jerusalemer Stadtteil Bayit Vegan
eingezogen, dreizehn an der Zahl, darunter mein Schwager,
Mitglieder der Synagogengemeinde "Migdal", deren Vorsteher
Rabbiner Minhahar sel. war. Die Eltern organisierten eine
Abschiedsveranstaltung und baten Rabbiner Minhahar, eine
Rede zu halten. Im gleichen Jahr war ein Buch mit
praxisorientierten Halachot zu Armee und Krieg erschienen, zu
dem Rabbiner Minhahar wesentlich beigetragen hatte, und er
hielt es für angebracht, die Neueinberufenen mit
religionsgesetzlichen Problemen vertraut zu machen, die ihnen
im Laufe ihres Dienstes begegnen können, und sie spirituell zu
stärken. Weil die Veranstaltung für Anfang Aw geplant war,
konnte sie natürlich keinen festlichen Charakter annehmen,
sondern nur der moralischen Stützung dienen.
Die Eltern von drei Mädchen, die sich zur selben Zeit für
den
Armeedienst entschieden hatten, fragten, ob auch sie an der
Veranstaltung teilnehmen könnten. Rabbiner Schlomo Minhahar
war ein entschiedener Gegner des Armeedienstes für Frauen.
Er sah in der Gründung eines tora-orientierten Haushaltes und
der Erziehung der Kinder in Sittlichkeit und Reinheit die
wesentliche Bestimmung eines jüdischen Mädchens. Sein
ganzes Leben lang bemühte er sich um Trennung der
Geschlechter im Erziehungswesen. Bei öffentlichen
Veranstaltungen, bei Festlichkeiten und - Beerdigungen setzte
er sich immer für eine Einhaltung der Gebote der
Geschlechtertrennung ein. Er wirkte für eine Erziehung zur
Bewahrung eines Rahmens von Sittlichkeit und Reinheit, der
gerade in der Armee große Lücken aufweist...
Da nun Rabbiner Minhahar jene Mädchen von ihrer
Entscheidung für den Armeedienst, die er für falsch hielt,
nicht
abbringen konnte, stimmte er ihrer Anwesenheit bei dieser
Veranstaltung zu, bestand allerdings darauf, daß sie den
halachischen und spirituellen Ausführungen von der
Frauenabteilung aus folgten, zusammen mit ihren Müttern und
den anderen weiblichen Anwesenden. Alles in allem handelte es
sich bei der Teilnahme dieser Mädchen um eine
Nebensächlichkeit, die allerdings von den Charedim über
alle
Maßen hochgespielt wurde, wobei sie die Teilnahme des
Rabbiners als dessen Zustimmung zum Armeedienst von
Frauen auslegten. Und so verbreitete sich in ganz Jerusalem
wie ein Lauffeuer das Gerücht, Rabbiner Minhahar wolle eine
Wehrdienstparty für Mädchen veranstalten. Kurze Zeit nach
Beginn der Veranstaltung erschütterte ein ungeheurer Krach die
Synagoge, ein Hagel von Steinen zerschmetterte die Fenster,
während die Straße draußen schwarz von Menschen war,
wie
die Polizei es beschrieb, von denen ein Teil in die Synagoge
eindrang. Chajim Kohen, Kioskbetreiber neben der Synagoge,
versuchte die Demonstranten aufzuhalten, wurde aber von der
Menge zu Fall gebracht.
Daraufhin liefen meine Schwiegermutter und ihr Sohn, mein
Schwager, um Rabbiner Jehoschua Neuwirth herbeizurufen, der
nahe der Synagoge wohnte, weil ein Teil der Demonstranten an
der Jeschiwa "Kol Tora" studierte. Er begab sich sofort zur
Stelle und rief aus, die Schüler von "Kol Tora" sollen sich sofort
wieder in ihre Jeschiwa begeben, und es könne nicht angehen,
gegen einen großen Toragelehrten und vor einer Synagoge zu
demonstrieren, und wer nicht sofort zurückkehrt, aus der
Jeschiwe geworfen werde. Doch damit nicht genug; er machte
sich persönlich auf die Suche nach den Schülern und redete
auf
sie ein, bis sie sich trollten, so daß nur andere Jerusalemer
Demonstranten blieben, mit denen das Handgemenge auf der
Straße weiterging. Der sofort herbeigerufenen Polizei gelang
es,
Rabbiner Minhahar aus der Synagoge zu befreien und an einen
sicheren Ort zu bringen. Schmähungen bedeckten die Wände
der Synagoge, und es wurden alle Anstrengungen
unternommen, diese so schnell wie möglich zu entfernen, damit
Rabbiner Minhahar sie nicht am nächsten Tag zu Gesicht
bekäme. Doch die Belästigungen nahmen kein Ende;
Krankenwagen wurden dem Rabbiner ans Haus geschickt,
ebenso die Chewra Kadischa.
Auch nach der Demonstration ließ sich Rabbiner Schlomo
Minhahar nicht von seinem Standpunkt abbringen bezüglich der
Mädchen seiner Gemeinde. Trotz seiner radikalen Ablehnung
des Wehrdienstes für Frauen war er dagegen, Mädchen, die
sich unbedingt einberufen lassen wollten, in den Schmutz zu
ziehen. Er war einverstanden, daß sie Worte der Tora anhörten
und daraus Kraft für ihren weiteren Weg schöpften, obwohl
sie
eine absolut falsche Wahl getroffen hatten.
Ebenso verzieh er in seiner unendlichen Demut allen, die ihm
zugesetzt hatten.
3. Und noch mehr erhöht man beim Heiligen - im
Zusammenhang mit unserem Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk,
der bekanntlich gegen den Wehrdienst für Frauen war, den er
als diametralen Gegensatz zu den Gesetzen der Sittlichkeit am
Ende des Talmudtraktates "Kiduschin" sah.
Bei Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges, im Rahmen der
Aktion "Kilschon" am 5. Ijar 5708, bemächtigten sich die
Einheiten von Hagana, IZL (Irgun Zwa'i Le'umi, "Etsel") und
LCI
(Lochmej Cherut Israel, "Lechi") aller Gebiete, die in den
Händen der Briten waren, gleich nachdem diese sie verlassen
hatten. Nach der Befreiung der Garnison "Schneller" in
Jerusalem und deren Umfunktionierung in einen unserer
Stützpunkte kam Rabbiner Kuk in heiliger Begeisterung zu
einem der militärischen Befehlshaber Jerusalems mit Dutzenden
Mesusot, die er vorher gekauft hatte, damit das Personal nicht
in Räumen ohne Mesusa saß. Diese Mesusot verteilte er an
die
jeweiligen Anwesenden in den Zimmern, da das Gebot der
Mesusa vom Bewohner erfüllt werden muß - auch an die
Soldatinnen, die dort wohnten.
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