DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PESSACH
Nr. 455
19. Nissan 5764

Schabbat Chol Hamo'ed

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 
 
Am Jontef-Tisch...

Unser Mühsal - die Kinder
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

"Und er sah unser Elend und unser Mühsal (Dt. 26,7): Das sind
die Kinder, wie gesagt ist: Jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in
den Fluß werfen und jede Tochter leben lassen (Ex. 1,22)"
(Pessach-Hagada). Warum wird "unser Mühsal" mit den
Kindern gleichgesetzt? Was hat das Eine mit dem Anderen zu
tun?

Eine Deutung geht vom Vers "Ein Mensch wird zum Mühsal
geboren" (Ijow 5,7) aus. Demnach beschreibt der Begriff
"Mühsal" am treffendsten und genauesten das menschliche
Wesen, da der Mensch geboren wurde, um sich zu mühen. Der
Mensch existiert durch Mühe, entwickelt sich unter Einsatz der
Mühe, erreicht Vollkommenheit durch Mühe und kann ohne
Mühe gar nicht am Leben bleiben. Darum ist "Mühe" identisch
mit "Mensch", und darum "unser Mühsal - das sind die Kinder".

Nach Raschi werden Kinder "Mühe" genannt, weil sie das Werk
des Menschen sind, oder "weil sie aus seiner Kraft und Stärke
resultieren", wie die talmudischen Weisen sagten: "Warum soll
G~tt... das Werk deiner Hände verderben? (Prediger 5,5) - Das
Werk der Hände des Menschen sind seine Söhne und seine
Töchter" (Schabbat 32b). Der Mensch müht sich, sie in die
Welt zu bringen.

Nach einer anderen Ansicht (RITbA) heißen Kinder "Mühe",
"weil der Mensch sich so sehr abmüht, sie großzuziehen und
sie Anstand und Tora zu lehren, und außerdem müht er sich,
um ihnen Vermögen zu hinterlassen...". Erziehung bedeutet
Mühe. Der Einsatz für die seelische und geistige Entwicklung
der Kinder bedeutet Mühe. Die Sorge um ihr Wohlergehen,
sowohl das spirituelle als auch das materielle, um ihre
Gesundheit und ihren Lebensunterhalt bedeutet Mühe.

Die genannten Deutungen stehen nicht im Widerspruch
zueinander, sondern ergänzen einander. Welch Wunder: Alles
beginnt und endet mit Mühe: Geburt bedeutet Mühe (2.
Deutung), Erziehung bedeutet Mühe (3. Deutung), und das
alles, damit das Kind selbst ein "Mühender" wird (1. Deutung).

Niemand sollte sich einbilden, der Erfolg in der Erziehung
komme von alleine. Es gibt keine Erziehung ohne Mühe. Wer
kennt nicht die unzähligen Geschichten über den
aufopferungsvollen Einsatz von Müttern bei der Erziehung ihrer
Söhne, damit einmal ein großer Toragelehrter aus ihnen werde.
Ein Teil der Geschichten konzentriert sich auf den materiellen
Einsatz der Mütter, die sich jeden Groschen für einen
Kinderlehrer vom Munde absparen, oder um ein Stück Brot oder
Süßigkeiten zu kaufen, oder einen Kuchen zu backen, um den
Sohn zum Lernen zu ermuntern. Andere Geschichten drehen
sich um die geistigen und seelischen Bemühungen bei der
Kindererziehung - unendliche Geduld, freundliche Miene,
Umarmung und Liebe, Zuhören, Ermunterung und
Unterstützung, Aufmerksamkeit. Die Mühe gehört allerdings
nicht nur in das Aufgabenfeld der Mutter, sondern auch des
Vaters. In der Vergangenheit, bevor die Schule an der
Erziehung von Söhnen und Töchtern beteiligt war, ruhte die
Hauptlast der Erziehung und des Unterrichtens auf dem Vater.
Er bemühte sich auf vielfältige Weise, seinen Kindern etwas
beizubringen. Die Zeiten haben sich geändert, nicht aber die
Natur des Menschen: auch in unseren Tagen gibt es keine
Erziehung ohne Mühe. Alle erzieherischen Hilfsmittel, die die
moderne Gesellschaft den Eltern bietet, sollen jene nicht von
ihrer Mühe befreien, sondern ihnen zur Seite stehen.

Manche beklagen sich, daß die erzieherischen Mühen einen
Fluch bedeuten. Damit ist der Fluch gemeint, mit dem Chava
("Eva") nach ihrer Sünde belegt wurde: "Mehren und mehren
will ich die Schmerzen deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen
wirst du Kinder gebären" (Gen. 3,16), und im Raschikommentar
dazu heißt es: "Das ist der Schmerz bei der Erziehung der
Kinder". Weiterführend erklären Sforno (und NeZIW): "mit
Schmerzen wirst du Kinder gebären - mit Schmerzen wirst du
sie großziehen... denn das Wort 'gebären' bezieht sich auf das
Großziehen". Demnach sind die Leiden und Schmerzen der
Kindererziehung ein Fluch, sie sind nicht für die Sache
notwendig und man könnte sehr gut ohne sie auskommen. Die
erzieherische Mühe jedoch ist ein Segen, wie der MaHaRaL
("hohe Rabbi Löw" aus Prag) schrieb: "Alle diese Dinge [die im
Fluch erwähnt wurden] sind gut, nur daß G~tt das Gute durch
Leid und Traurigkeit gibt". Die in die Kindererziehung investierte
Mühe gehört zu den Grundlagen der Schöpfung und kam vor
Sünde und Fluch. Nur Leid und Schmerz sind die Folge der
Sünde. Die um Gesundheit, Wohlergehen und Sicherheit ihrer
Kinder besorgten Eltern befürchten unvorhergesehenes
Versagen der Kinder beim Lernen, moralisches Absinken und
negative Einflüsse von außen - alle diese Sorgen resultieren
aus dem Fluch. Die erzieherischen Bemühungen jedoch sind ein
Segen.

Den Eltern sollte es um ihre Mühe, den Schmerz und das Leid
bei der Erziehung ihrer Söhne und Töchter nicht leidtun. Mühe
und Aufwand der Kindererziehung tragen zur Vertiefung der
Beziehung zwischen Eltern und Kindern bei. Rabbiner Jakov
Moscheh Charlap schrieb zur obigen Hagadastelle, daß die
Ägypter genau dies verhindern wollten. Sie befahlen den Eltern,
ihre Söhne in den Nil zu werfen, um "ein Gefühl der
Grausamkeit zwischen Vater und Sohn zu erzeugen und ihre
Beziehung aufzulösen... allerdings gelang es den Ägyptern
nicht, so eine Spaltung bei den Juden zu vollziehen, und von da
stammt das Gebot beim Pessachopfer 'holet euch Schafe für
eure Familien' (Ex. 12,21)..., und als sie aus Ägypten auszogen
'nach ihren Geschlechtern und Stammhäusern' (Num. 1,18),
offenbarte sich die enge Beziehung von Vätern und Söhnen.
Darum erfolgt die Erzählung vom Auszug aus Ägypten
hauptsächlich durch den Vater an den Sohn, damit sich dadurch
die Söhne den Vätern nähern und deren Einfluß annehmen...".
 
 

Offener Brief von Rav Begon
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Schalom uvracha,
Machon Meir beleuchtet, wie der Name andeutet, den Weg zum
Judentum in Liebe und Glauben. Viele Tausende kamen und
kommen in den Genuß dieses Lichtes und nähern sich unserem
himmlischen Vater im Sinne der Liebe zu den Geschöpfen und
der Liebe zum Lande Israel. Sie heiligen den göttlichen Namen
vor aller Welt durch ihr persönliches Verhalten und als integraler
Bestandteil von Staat und Gesellschaft.

Trotz der enormen finanziellen Belastung verschließt Machon
Meir nicht die Tür vor den Rückkehrern zum Judentum, und wir
unternehmen jede mögliche Anstrengung, die vielen
Aufnahmewünsche zu befriedigen, die uns aus allen
Bevölkerungsschichten erreichen, darunter Neueinwanderer,
Konvertiten und "Wandervögel", die von den Enden des Globus
zurückkehren, um endlich zu sich selbst und zum richtigen Weg
zu finden.

Parallel zu Machon Meir für Männer unterhalten wir Machon
Ora für Frauen mit einem Programm der Stärkung von Glauben
und israelischer Identität.

Dieses große und bedeutende Unterfangen braucht natürlich
viel Hilfe und Unterstützung zur Fortführung und
Weiterentwicklung seiner lichtspendenden Wirkung auf das
dürstende Volk Israel, das so sehr Licht von Liebe und Glauben
benötigt.

Darum wenden wir uns an Sie, liebe Freunde, in diesen
Pessach-Tagen, des Festes der Freiheit und der Erlösung, mit
der Bitte um großzügige Spende zu Gunsten von Machon Meir -
werden Sie damit zum Beteiligten an der Ausführung des
Gebotes von der Näherung der Fernen an unseren himmlischen
Vater, und dieses Verdienst wird Ihnen und Ihren Familien in der
Zukunft zur Seite stehen und himmlischen Segen und alles
Gute bewirken.

Mit den besten Wünschen für ein koscheres und freudiges
Pessachfest,
Ihr Dov Begon

*Spendenkonto MACHON MEIR - siehe unten*
 
HaRav Aviner

Anhaltergesetze

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

1. Höre auf deine Eltern, wenn sie dich bitten, nicht per Anhalter
zu fahren. Hier ist nicht der Ort zu behandeln, in welchen
Angelegenheiten Sohn und Tochter auf ihre Eltern hören
müssen und wann nicht. Allerdings bestimmten die Weisen, in
nebensächlichen Dingen sollte man den Eltern nachgeben,
auch wenn man nicht dazu verpflichtet ist, denn auch die Eltern
tun unendlich mehr für ihre Kinder, als das, wozu sie nach dem
Gesetz verpflichtet sind. Wenn dir deine Eltern Geld für Bus
oder Bahn geben, und du per Anhalter fährst und das Geld für
andere Dinge ausgibst, ist das wirklich nicht in Ordnung.

2. Wofür gibt es schließlich öffentliche Verkehrsmittel?! Fahre
nicht per Anhalter, wenn es auf dieser Strecke öffentliche
Verkehrsmittel gibt. Sei kein Schmarotzer. "..wer Geschenke
haßt, wird leben" (Sprüche 15,27), "..laß uns nicht angewiesen
sein... auf die Gabe von Fleisch und Blut..." (Tischgebet). Es ist
keine besondere Ehre, ein Schnorrer zu sein.

3. Drängele dich nicht vor. Denk daran: Wer zuerst kommt,
mahlt zuerst. Auch wenn ein Kind vor dir dran ist, respektiere
seinen Platz in der Schlange, auch ein Kind ist ein Mensch. Im
Gegenteil, in bestimmten Fällen verzichte du zu Gunsten
anderer, z.B. eines Toragelehrten oder einer Frau. Übrigens, die
Frau kommt vor dem Toragelehrten.

4. Stehe auf dem Bürgersteig und nicht auf der Fahrbahn - das
ist gefährlich.

5. Vor allem stehe nicht mitten auf der Straße, um den Fahrer
zum Anhalten zu nötigen. Von seiner Warte aus handelt es sich
um Barmherzigkeit, darum überlasse ihm die Entscheidung.
Auch wenn du jemanden persönlich "mit Nachdruck" ansprichst,
etwa an einer Ampel oder Tankstelle, benimm dich demütig,
dränge dich nicht auf.

6. Steige nicht in jedes beliebige Auto ein. Manche Terroristen
verkleiden sich als religiöse Juden mit Käppchen. Mädchen
müssen doppelt vorsichtig sein; manch religiöser Jude mit
Käppchen auf dem Kopf ist in Wirklichkeit ein Widerling. Wenn
in einem Auto z.B. Vater, Mutter und Kinder sitzen, kann man
davon ausgehen, daß alles ok ist.

7. Prinzipiell darf ein männlicher Anhalter bei einer Frau
mitfahren (und umgekehrt), wenn kein Jichud-Verbot besteht,
sollte aber hinten sitzen. Er darf neben einer Frau sitzen, wenn
aber hinten schon zwei Frauen sitzen, soll er sich nicht
dazuquetschen.

8. Wenn schon mal ein Fahrzeug anhält, stürze dich nicht gleich
darauf wie ein Indianer auf dem Kriegspfad, sondern mit
ausgesuchter Höflichkeit. Wünsche dem Fahrer einen guten
Tag und bedanke dich.

9. Plane deine Fahrt gründlich vorher und halte den Fahrer nicht
mit Hin- und Herüberlegen auf.

10. Wenn du mit Gepäck reist, frage den Fahrer, ob du es lieber
in den Kofferraum legen sollst oder auf deinem Schoß halten.

11. Schließe die Tür sanft.

12. Sitzt du erstmal im Auto, fühle dich ganz wie zu Hause - im
Hause des Fahrers. Du bist der Gast, und benimm dich
entsprechend. Die Weisen sagten: "Alles, was dir der Hausherr
sagt, tue - außer: Geh!" D.h., darauf muß man von alleine
kommen, bevor man dazu aufgefordert wird. Auch ein Anhalter
muß auf verschiedene Dinge selber kommen.

13. Während der Fahrt unterhalte dich nicht mit einem Freund,
auch nicht leise, vielleicht stört das den Fahrer. Vielleicht
braucht er zum Fahren oder für seine Nerven absolute Stille.

14. Gleiches gilt erst recht für Gespräche am Handy.

15. Verzehre keine krümelnde Kekse, tropfende Früchte oder
Knabberzeug.

16. Öffne/schließe kein Fenster ohne Erlaubnis des Fahrers.
Bitte um Erlaubnis, aber so, daß der Fahrer ohne
Gewissensbisse ablehnen kann.

17. Rauche nicht, und bitte auch nicht um Erlaubnis dazu.

18. Wenn der Fahrer raucht, erdreiste dich nicht, ihn zum
Aufhören aufzufordern. Das ist seine Sache.

19. Wenn der Fahrer einen gefährlichen Fahrstil pflegt, steige
aus. Mache ihn aber nicht darauf aufmerksam, sondern
überlege dir eine Ausrede für die Verkürzung der Reise.

20. Bitte den Fahrer nicht, deinetwegen einen Umweg zu
machen.

21. Denk daran: Ungebührliches Verhalten deinerseits kann den
Fahrer davon abhalten, wiederum Anhalter mitzunehmen. Das
nennt man im Gesetz "Verschließen der Tür".

22. Nach dem Aussteigen mach die Tür sanft zu, sage Auf
Wiedersehen und Danke. Vergiß nicht zu lächeln.

Anmerkung: Frage nicht, wo diese Regeln im Schulchan Aruch
stehen. Die Anständigkeit ging der Tora voran.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
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