DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NEZAWIM-WAJELECH
Nr. 477
25. Elul 5764
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen
Oberrabbiner Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Dt. 29,9-31,30):
Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt,
nochmalige
Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches
Versprechen,
auch nach schwerer Strafung zu G~tt und
Land
zurückzukehren. Moschehs 120. Geburtstag,
moralische
Unterstützung für seinen Nachfolger,
Jehoschua, Ausblick auf
die Zukunft, Wohlstand wird zur Abwendung
von G~tt und
Strafe führen.
| Am
Schabbes-Tisch...
Mit Mund und Herz Rav Asri'el Ari'el
|
Ein geheimnisvolles Gebot gebietet uns G~tt, ohne weitere
Erklärung; er nennt es einfach: "Das Gebot, das ich dir heute
gebiete" (Dt. 30,11). Nur dessen Attribute - die wahren oder die
eingebildeten - werden in der Schrift ausdrücklich erwähnt:
"Dies Gebot ...ist dir nicht verborgen und ist nicht fern. Es ist
nicht im Himmel... und es ist nicht jenseits des Meeres". Von
welchem Gebot würden wir glauben, es sei "verborgen", "fern",
"im Himmel", "jenseits des Meeres"? Welches Gebot ist aber
andererseits so außerordentlich leicht auszuführen, daß
"die
Sache dir sehr nahe ist, in deinem Munde und in deinem
Herzen, es zu tun" (Dt. 30,14)? Und wenn dieses Gebot so
furchtbar leicht ist - warum sollten wir überhaupt auf den
Gedanken kommen, es sei uns so fern?
Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides", aus der
Periode der Rischonim) erklärte bekanntlich "dies Gebot"
als die
reumütige Umkehr (das Gebot der Tschuwa). Der Mensch bildet
sich ein, alle Möglichkeiten, seine Taten zu bessern, liegen in
weiter Ferne. "Verborgen" ist es vor dem geistigen und dem
seelischen Auge, und "fern" von der Umsetzung in die Tat. Es
scheint ihm seine Kräfte bei weitem zu übersteigen. Darauf
antwortet G~tt kurz und bündig: "Die Sache ist dir sehr nahe".
Niemand behauptet, sie sei nicht schwer, aber sie ist nahe, sie
steckt mitten im Bereich des Möglichen. Und wie es Rabbiner
A.J.Kuk ausdrückte: "Alle Sündenfälle rühren davon,
daß man
nicht an die Leichtigkeit der Umkehr glaubt".
Auch dazu fragen wir wiederum: Die Umkehr ist doch aber sehr
schwer!? Allerdings. Umkehr ist schwer, die Besserung der
Taten verlangt nach Reisen über das Meer und ein Erheben
gen Himmel. "Wenn jemand von seinem Nächsten etwas im
Werte einer Peruta [=kleine Münze / ca. 1 Cent] geraubt hat...,
so muß er es ihm selbst nach Medien zurückbringen" (Baba
Kama 103a, Mischna) - d.h. selbst in ein fernes Land. Wer
allerdings seine Gedanken an die Umkehr wegen solcher
Aussprüche aus seinem Kopfe verdrängt, versteht nicht, worum
es bei der Umkehr wirklich geht. Die Frage, mit der sich der
Umkehrwillige (Ba'al Tschuwa) konfrontiert sieht, lautet nicht:
Kannst du umkehren?, denn wofür man nichts kann, wird man
auch nicht zur Verantwortung gezogen! Vielmehr lautet die
Frage: Willst du umkehren? Danach kommt die Frage der
Ausführung. Sie hängt weniger vom Wesen der Umkehr ab als
vom Charakter der Person, ob er stark ist oder launenhaft.
Warum "ist die Sache dir sehr nahe"? Weil es "in deinem
Munde und in deinem Herzen, es zu tun", so sagt uns G~tt in
seiner Tora. Die Hauptsache aber fehlt! Die erforderliche
Besserung soll doch nicht nur mit dem "Munde" und dem
"Herzen" erfolgen, sondern auch, und vor allem, mit den
"Händen"! Was soll das überhaupt bedeuten, "in deinem Munde
und in deinem Herzen, es zu tun", man tut doch mit den Händen
und nicht mit dem Mund, schon gar nicht mit dem Herzen?! Und
warum wird der Mund, Symbol der äußerlichen Rede, vor dem
Herzen genannt, dem Symbol der innerlichen Rede?
Natürlich kennt G~tt die Seele des Menschen. Er weiß doch,
wenn der Mensch mit der Besserung der Taten anfangen
müßte, würde er dazu nicht genug Kraft aufbringen.
Er würde
alle möglichen und unmöglichen Ausreden vorbringen. Darum
sagt ihm G~tt: Fang' mit dem Allerleichtesten an: mit deinem
"Munde". Sage nur: "Ich will", auch wenn dein Herz dir noch
nicht dabei folgt. Bekanntlich gibt es in der Halacha Fälle, in
denen das Gericht jemanden drängt, "Ich will" zu sagen, aber
nicht, bis er in seinem Herzen will. Dazu haben wir auch gar
nicht die Macht, sondern nur, bis er sagt: "Ich will". Das Herz ist
noch nicht mit von der Partie, aber der Mund redet schon. Die
Rede beeinflußt das Bewußtsein. Erst "in deinem Munde",
danach "in deinem Herzen", und dadurch "es zu tun". Die Tat
folgt der Willensänderung. Dafür ist nur eine Kleinigkeit
vonnöten: eine kleine Tat, die diesem Willen Ausdruck verleiht.
Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: "Auch der längste Weg
fängt mit einem kleinen Schritt an". Mach einen kleinen Schritt.
Verpflichte dich zu nichts Weiterem. Wenn du aber willst, und
auch schon begonnen hast, dann kann man mit ziemlicher
Sicherheit annehmen, daß du den Weg auch weitergehen wirst.
Das Beten der Slichot, mit denen die Aschkenasim an diesem
Schabbatausgang beginnen, ist so ein "Beginn des Weges", der
Ausspruch "Ich will", der das Herz nach sich zieht und dann eine
kleine Tat, die zu den großen Taten führt.
Von der Umkehr des Einzelnen erheben wir uns zur Umkehr der
Allgemeinheit. Wir stehen vor einem schicksalshaften Jahr für
unser Volk, unser Land und unsere Tora. Manche sagen ohne
Hoffnung: "Wer sind wir, was unser Leben... was ist unsere
Kraft, was ist unser Mut" angesichts überwältigender politischer
Entwicklungen. Das Vermögen, die Nation in ihr Land
zurückzubringen, zu ihrem Wesen, zu ihrem Geist und zu ihrer
besonderen Eigenschaft, scheint irgendwo "im Himmel" droben
zu schweben oder "jenseits des Meeres". Dazu informiert uns
G~tt in seiner Tora: "..denn die Sache ist dir sehr nahe" (s.o.).
Keiner kann sich vor der Verantwortung drücken und
behaupten: "Ich kann nicht". Darum geht es nicht. Sondern "in
deinem Munde und in deinem Herzen, es zu tun". Erst einmal
sagen: "Ich will". Dieser Spruch erweckt den Willen. Dadurch
wird aus leichtem Flüstern ein donnernder Ausruf. Der im
Herzen verborgene Willen kommt dann in einer ersten kleinen
Tat zum Vorschein. Dieser kleine Schritt bringt uns dann auf
den großen Weg.
| HaRav
Aviner
Moderne Zeiten der Erziehung Rav Schlomo Aviner
|
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Über den neuen Gesetzentwurf unseres
Erziehungsministeriums, ab sofort hätten alle Lehrer und -
lehrerinnen jüdischer Fächer eine akademische Befähigung
vorzuweisen, gibt es nichts zu diskutieren! Es besteht nicht der
geringste Spielraum für Verhandlungen.
Wir sind gegen Religionszwang. Wir wirken nur durch Liebe und
Glauben. Doch sind wir auch gegen Anti-Religionszwang, der
uns zur Abschaffung der Tora drängt. Wenn das in der Galut
(Diaspora) geschehen wäre, hätten unsere Rabbiner sicher
entschieden, eher müsse man sich töten lassen, als so ein
Gesetz zu akzeptieren. In allen Zeiten haben wir uns für die
Tora aufgeopfert, und erst recht werden wir uns dafür in
unserem eigenen Land und in unserem eigenen Staat
aufopfern.
Ich habe viel Geduld. Wir schätzen und lieben unser
Erziehungsministerium, ebenso das staatlich-religiöse wie auch
das generelle Erziehungswesen. Es gibt dort viel Gutes. Wir
haben genug Geduld, alles langsam aber sicher in Ordnung zu
bringen. Wenn man aber versucht zu zerstören, was bereits
aufgebaut wurde - dafür haben wir gar keine Geduld!
Hillel war ein geduldiger Mensch, und Schammai war ein
Pedant. In "Ejn Aja" erklärte Rabbiner A.J.Kuk, daß
sich G~ttes
Wort durch beide offenbart, es kommt nur auf die Umstände an.
Wenn man einen Einzelnen oder die Allgemeinheit erheben und
voranbringen, alte und eingefahrene Mißstände beheben will,
muß man langsam und Schritt für Schritt vorgehen. Wenn aber
eine neue Idiotie Zion verdunkelt, muß man sofort protestieren
und mit allem Nachdruck ihre Implementation verhindern.
Was uns nämlich vor allem Anderen interessiert, unser Ziel, das
sind gute Charaktereigenschaften und Glauben, ehrliche und
gute Menschen, wie es Rabbiner Kuk in seinem Brief zum
Thema Erziehung formulierte (Nr. 170). Danach kommen
zusätzlich Wissen, Weisheit und Technologie. Doch vorher muß
der Mensch ehrlich und gut sein, dann wird er auf allen seinen
Wegen Segen bringen. Und genau das, gute Eigenschaften und
Himmelsfurcht, wissen wir zu lehren. Wir sind ja nicht erst seit
gestern auf der Welt.
Israel kämpft um seine Existenz gegen die ganze Welt, auf
politischem wie auch auf militärischem Gebiet, und muß dazu
noch mit äußeren Einflüssen zersetzender Kultur fertigwerden.
Dazu brauchen wir nicht noch hausgemachte Streitigkeiten. Wir
teilen dem Erziehungsministerium mit, daß es uns nach
unserem Willen erziehen lassen muß, und uns glaubt, daß
uns
die Erziehung wichtig ist. Natürlich wollen auch wir uns
verbessern, auch bei uns ist noch nicht alles, wie es sein sollte,
und es gibt noch viel zu tun. Uns ist die Erziehung allerdings so
wichtig, daß sogar arme Familien dafür große wirtschaftliche
Belastungen erdulden.
Entsprechend handelt es sich bei diesem Gesetzentwurf, bei
allem Respekt, um einen traurigen Witz. Und damit das ganz
klar ist, wenn man uns nicht nach der Tora erziehen läßt,
werden wir uns dem "Chinuch Atzma'i" anschließen
[selbständige Dachorganisation des charedischen
Erziehungswesens], auch jene sind gute Juden, auch jene
gehören der israelitischen Gemeinschaft an, und wir werden uns
schon mit ihnen einigen. Doch der regierungsamtliche
Vorschlag ist einfach lächerlich.
Neben wir zum Beispiel meine Wenigkeit - ich bin befähigt,
Mathematik, Physik und Chemie zu lehren, da ich in diesen
Fächern über akademische Titel verfüge, doch dürfte
ich weder
Tora noch Talmud unterrichten, da ich diese Fächer "nur" in der
Jeschiwa lernte!
Im Grunde ist dieser neue Vorschlag eine Verschärfung einer
früheren "Erfindung", die wir sehr bedauern und unter der wir
schon einige Jahre leiden, da sie die ungetrübte Erziehung
langsam untergräbt - das Verbrechen der Akademisierung.
(Nebenbei bemerkt, auch die Spaltung unserer großen, heiligen
Jeschiwa "Merkas HaRav" ist auf Umwegen auf diesen
Umstand zurückzuführen). Anstatt die Ausbildung von Lehrern
und Lehrerinnen in religiösen Fächern im Sinne der Reinheit
des Heiligen zu ermöglichen, zwingt man die höheren
Bildungseinrichtungen für Mädchen und jetzt die den Jeschiwot
angegliederten Lehrer-Ausbildungsinstitute für religiöse
Studien
unter die Schirmherrschaft des "Rates für höhere Bildung"
mithilfe der Umlenkung von Geldern als Lohn für akademische
Gleichschaltung, die sich wie ein Waldbrand ausbreitet und jede
fruchtbare Ecke des Tanach-Studiums, der mündlichen Lehre
und des religiösen Denkens zu vernichten droht. Lehrerinnen
und Lehrer lernen furchtbare Dinge als "Einleitung" zur
schriftlichen und mündlichen Lehre verkleidet, z.B. eine
Abhandlung darüber, ob die Tora von unserem Lehrer Moscheh
geschrieben wurde oder nicht.
Das ist aller Laster Anfang: Zustimmung zur Akademisierung,
"Bachelor der Erziehung" sowohl für Lehrerinnen als auch für
Lehrer, und später als Verschärfung ein Erlaß über
generellen
Bachelor als unabdingbare Voraussetzung für den Lehrerberuf,
wobei Jeschiwaschüler, die den Lehrerberuf ergreifen wollen,
gerade akademische Studiengänge verfolgen müssen, was die
Vernichtung der rein toraorientierten Lehrer-Ausbildungsinstitute
bedeutet.
Darum rufen wir mit lauter Stimme: Ersatzlose Streichung der
Willkür-Erlasse über teilweise und vollständige Akademisierung.
Laßt die Lehrerinnen und Lehrer, wenn sie es wünschen, heilige
Studien in Lehrerinstituten auf dem Wege der Reinheit des
Heiligen verfolgen, unter der Leitung von Toragelehrten, so wie
es bei den Charedim üblich ist, damit wir nicht genötigt
werden,
uns ihrem Erziehungswesen anzuschließen.
G~ttseidank verstehen Toragelehrte etwas von Erziehung!
Ebenso in den Ausbildungsstätten, die von Toragelehrten
geleitet werden! Und wo es etwas zu verbessern gibt, werden
wir ein internes Kontrollorgan einschalten.
Doch auf keinen Fall werden wir uns von den Akademikern, die
eine entfremdete Beziehung zur Tora lehren wollen,
vorschreiben lassen, Tora entgegen unserer Vorstellung von
Torastudium in Anhänglichkeit an G~tt zu lehren. Wenn schon,
dann müssen die Toragelehrten vorschreiben, wie man
akademische Studien in Reinheit des Heiligen durchführt. Erst
recht darf man keine Religionsverleugner daran lassen,
Richtlinien für die Erziehung zum Glauben zu erlassen.
Es ist an der Zeit, die Gründung des "Rates für höhere
Torabildung" abzuschließen, der die Richtlinien für die
Ausbildung von Pädagogen für religiöse Studien festlegt.
Torastudium in Himmelsfurcht, zu guten
Charaktereigenschaften, damit der Mensch ehrlich und gut
aufwachse - dafür werden wir bis zum Letzten kämpfen,
besonders in unserem eigenen Lande, dessen Wesen nicht in
der Minderung von Tora liegt, sondern im Gegenteil, "man
erhöht beim Heiligen" (Joma 12b).
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