DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MISCHPATIM
Nr. 448
29. Schwat 5764

Schabbat Schekalim
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 21,1 - 24,18):
Gesetze vom Umgang mit Sklaven, von den Schädigungen
durch Mensch, Tier und Feuer, Diebstahl, Leihe, Hütung, Leihe,
Wucher, Gerichtsbarkeit, Schabbat u.v.a.m. G~tt verspricht
Segnungen und Hilfe bei der Eroberung des Landes Israel,
wenn die Gebote eingehalten werden; das Volk verspricht die
Einhaltung der Gebote, und sie zu erlernen; Moscheh steigt auf
den Berg Sinai, um die Gesetzestafeln zu erhalten.
 
 
 

Der Stand der Dinge...
Brüderlichkeit und Freude
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Mit dem Eintritt des Adar mehre man die Fröhlichkeit" (Ta'anit
29a). "Wenn der Neumond des Adar auf einen Schabbat fällt,
so lese man an diesem den Abschnitt von der Tempelsteuer
("Schekalim") vor; fällt er in die Mitte der Woche, so lese man
ihn am vorangehenden [Schabbat]" (Mischna Megilla 4,4), wie
dieses Jahr.

Im Monat Adar mehren wir die Fröhlichkeit über die Zeichen und
Wunder, die G~tt unseren Vätern und uns tat "in Mordechais
und Esthers Tagen, als über sie der Tyrann Haman aufstand,
vernichten, schlachten und verderben wollte alle Juden... Du
aber mit deinem großen Erbarmen, störtest seinen Plan... und
ließest, was er wollte, auf sein Haupt zurückkehren.."
(Al-Hanissim-Gebet).

Die talmudischen Weisen zeigen die Verbindung auf zwischen
den Zeichen und Wundern und der Tempelsteuer: "Offenbar
und bewußt war es dem, der gesprochen und die Welt erschuf,
daß einst Haman Schekalim gegen Israel wiegen wird, daher
ließ er ihre Schekalim seinen vorangehen" (Megilla 13b).

Die Mehrung der Fröhlichkeit über die Wunder vermischt sich
mit der Freude der Einigkeit, die sich durch das Gebot der
Halbschekel-Tempelsteuer für die Opfer der Allgemeinheit
offenbart. Diese Steuer wurde zur Zeit des Tempels ab Anfang
des Monats Nissan entrichtet. Jeder zahlte exakt dengleichen
Betrag: "Der Reiche gebe nicht mehr, und der Arme nicht
weniger als einen halben Schekel" (Ex. 30,15). Wenn das Volk
einig ist, herrscht auch Freude in Israel. Und genau das bringt
G~tt dazu, für uns Zeichen und Wunder zu vollbringen, wie
Esther zu Mordechai sagte: "Geh versammle alle Juden" (4,16).

Nach dem Stand der Dinge offenbart sich die Einigkeit Israels
im Lande Israel und im Staate Israel, "ein einig Volk im Lande"
(Schmu'el II, 7,23) - im Lande sind sie ein einiges Volk. Im
Ausland, im Exil (Galut) "ein Volk, zerstreut und versprengt
unter die Völker" (Esther 3,8).

Die Einigkeit kommt auch in den Finanzen des Staates zum
Ausdruck, d.h. im Staatshaushalt. In einer normalen Familie
werden die Familienfinanzen gemeinsam geführt, in
gegenseitigem Verständnis und Respekt und natürlich unter
Berücksichtigung der Bedürfnisse der Familie. Das ermöglicht
ein Leben in Sicherheit und Freude. Wenn aber kein
Verständnis oder Zustimmung über die Führung der
Familienkasse bestehen, geht das Vertrauen verloren, mit ihm
die Sicherheit, die Spannung steigt, und es zeigen sich Zorn
und Traurigkeit. So verhält es sich auch mit der Staatskasse,
mit dem Budget, die unter breiter nationaler Zustimmung geführt
werden muß, unter Berücksichtigung der Schwachen und
Minderbemittelten, die der Stärkung und der Ermunterung
bedürfen, so wie es über G~tt heißt: "Der Ewige schützt die
Fremdlinge, Waisen und Witwen erhält er" (Psalm 146,9), und
wenn sich die Einigkeit mehrt, wird auch die Freude größer.

In Erwartung der vollkommenen Errettung,
Rav Dov Begon
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Almosen oder Kredit?

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Wer den Ursprung des Gebotes der Zedaka (Armenhilfe) in der
Tora sucht, wird eine herbe Enttäuschung erleben. Nirgendwo
steht in der Tora ausdrücklich geschrieben, daß man den
Armen mit Geldgeschenken unter die Arme greifen soll. Die
Tora erwähnt an zwei Stellen eine Pflicht, dem Armen etwas zu
geben; im Abschnitt Mischpatim, wo es heißt: "Wenn du Geld
leihest meinem Volke, dem Armen.." (Ex. 22,24), und im
Abschnitt Re'e. An beiden Stellen ist ausdrücklich von einem
Darlehen die Rede, nicht von Geschenken, wobei das Gebot
der Zedaka in seiner einfachen und hergebrachten Form als
Geschenk erst durch verschiedene Textinterpretationen
herausgelernt wird, und zwar durch Erklärung der im Text
befindlichen Andeutungen.

Entsprechend hat das Gebot des Darlehens Vorrang vor dem
Gebot der Almosen, wie es bekanntlich im Gesetzeswerk des
Maimonides heißt (Mischne Tora, Gesetze von den
Armengaben, 10.Kap.): "Acht Stufen gibt es bei der Zedaka,
eine höher als die andere: die größte Stufe, über der es keine
andere gibt, ist derjenige, der einen in wirtschaftliche
Schwierigkeiten geratenen Juden unterstützt, und ihm eine
Gabe gibt oder ein Darlehen oder mit ihm in ein
Partnerschaftsverhältnis tritt oder ihm eine Arbeit beschafft, um
seine Hand dahingehend zu stärken, daß er nicht des
Nächsten benötigt und nicht bitten muß... Die
nächstniedrigere Stufe...".

Gleiches finden wir im Talmudtraktat Schabbat (S.63a): "Größer
ist derjenige, der einem ein Darlehen gewährt, als derjenige, der
Almosen gibt. Alle überragt derjenige, der einem zum
Erwerbsbetriebe

gibt". Damit wird uns eine eindeutige Rangordnung vorgegeben.
Ein gemeinschaftliches Unternehmen, bei dem der "Reiche"
hauptsächlich das Betriebskapital beisteuert und der "Arme" die
Arbeitskraft ("Erwerbsbetrieb") steht an der Spitze dieser Liste.
Danach kommt das Darlehen, und erst am Ende der Liste steht
das Almosen, ein Geschenk.

Am Vorgenannten läßt sich vor allem der Gedanken um das
Wohl der Armen erkennen. Es ist besser, einem Menschen die
nötige Hilfe zu leisten, damit er nicht in Armut gerät, als ihn mit
Nahrung zu versorgen, wenn er schon arm ist. Ebenso hat
diejenige Spende Vorrang, die dem Armen auf die Beine hilft
und ihn somit aus dem Teufelskreis der Armut herausbringt, und
ihn nicht lediglich in seinem armseligen Zustand erhält. Auf
jeden Fall sollte man dem Armen soweit wie möglich die Hilfe
auf die ehrbarste und würdigste Weise angedeien lassen.

Rabbiner A.J.Kuk erklärte diese Talmudstelle auch vom
moralischen Standpunkt des Spenders aus. Eigentlich sollte
man doch annehmen, an höchster Stelle stehe das
uneigennützige Geschenk. Gibt doch der Spender von seinem
guten Gelde, ohne dafür die geringste Gegenleistung zu
erhalten, wohingegen der Geber des "Erwerbsbetriebes" aus
der Arbeitsleistung des "Armen" einen handfesten Geldgewinn
erzielt. Darum hält man gewöhnlich das Fehlen jeglichen
materiellen Nutzens für den wohltätigen Spender für einen der
Maßstäbe milder Werke.

Rabbiner Kuk lehnte diese Einstellung radikal ab und schrieb
mit Nachdruck: "Der erlittene Verlust gehört nicht zu den
Vorbedingungen, auf die die Moral baut...", und darum: "wenn
es auf eine Weise getan wird, daß der Wohltäter für sein Werk
sogar einen Gewinn erhält - dann ist es umso mehr zu preisen".
Nach diesem Prinzip erklärte Rabbiner Kuk, welche
Rangordnung für die Armengaben angemessen sei:

"Der Darlehensgeber, der nicht der Allgemeinheit dadurch dient,
daß er etwas von Seinem entbehrt [da er sein Geld am Ende
zurückerhält]... gilt als groß und wirkt zum Wohle der Vielen. Er
ist größer als derjenige Wohltäter, der einen Mangel erduldet
[indem er Geld verschenkt]. Und wer einen 'Erwerbsbetrieb'
einrichtet, erwirtschaftet sogar Gewinn [aus seiner
Wohltätigkeit], und in diesem Fall ist das Streben nach dem
Guten auch verbunden mit dem Guten und dem Nützlichen für
sich selbst, und dadurch steht es auf der Stufe der höchsten
Moralität, die das Moralgefühl anleitet ohne irgendwelche
Begleitgedanken an Dinge, die Schmerzgefühle erwecken...".

So ist es auch heutzutage üblich, wenn es um die
Beschäftigung von Freiwilligen geht. Man sollte dem Freiwilligen
eine ausreichende "Anerkennung" für seine Tätigkeit zukommen
lassen, die ihm Befriedigung und Anerkennung verschafft wie
auch das Gefühl, etwas Wichtiges zu tun, damit die freiwillige
Tätigkeit über längere Zeit andauern kann. Je mehr der
Freiwillige an seiner Arbeit "verdient", desto größer wird seine
Motivation sein.

Und nicht nur das. Wenn der "Reiche" an dem Geschäft
verdient, das er mit dem "Armen" betreibt, wird ihn nicht das
Gefühl der Überheblichkeit befallen, wie wenn er von seinem
Geld an Bedürftige abgibt. "Enthält auch einen Hinweis, daß er
sich nicht für etwas Besseres und Größeres als der Arme halte,
wenn er sieht, daß er jenem gibt, und dazu heißt es: '..sei ihm
nicht wie ein Schuldherr' (Ex. 22,24), ein Ausdruck von
Herrschaft und Wichtigkeit" (Or Hachajim).

Und weil heutzutage der Staat immer weniger Verantwortung
übernimmt für das Wohlergehen der schwächeren Schichten
der Bevölkerung, und diese Verantwortung nun auf den
Schultern von privaten Wohltätern ruht, erhalten diese Dinge
besonderes Gewicht und Relevanz.
 
 
Frage und Antwort

Was wird sein?!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Anschläge? Gewaltsame Auflösung von Siedlungen?
Dauernde Leiden! Wie soll das nur enden?!

Antwort: Gerade auf diese Frage wissen wir die Antwort sehr
genau - Maschiach! Und es gibt noch eine Frage, auf die wir die
Antwort wissen, nämlich wann das messianische Zeitalter
anfängt! Den Anfang erleben wir bereits seit hundertzwanzig
Jahren, seit der ersten jüdischen Einwanderungswelle im Jahre
5641 (1881), und g~ttseidank entwickelt sich dieser Anfang sehr
erfreulich. Die eigentliche Frage lautet: Was ist mit der Mitte,
der Zeit zwischen Anfang und Ende? Die Antwort lautet: Stück
um Stück vorwärts, vom Anfang bis zum Ende.

Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß wir uns immer noch am
Anfang befinden - und aller Anfang ist schwer. Besonders, da
wir unsere Erlösung nicht als Lohn für unsere Verdienste
erhalten, sondern als Geschenk vom Herrn der Welt. Und wer
ein Geschenk bekommt, dem steht es nicht gut an, alle
möglichen Beschwerden zu äußern.

Es steht nirgendwo geschrieben, daß sich die Prophezeiung
von den "verdorrten Gebeinen" (Jecheskel 37.Kap.) auf einen
Schlag erfüllen wird. Die "Auferstehung der Toten" der
jüdischen Nation erfüllt sich vor unseren Augen Schritt um
Schritt: "Siehe, ich öffne eure Gräber und lasse euch aus euren
Gräbern steigen, mein Volk, und bringe euch auf den Boden
Israels" (V.12). Eins nach dem andern: Knochen, Sehnen,
Fleisch, Haut - "aber ein Geist war nicht darin" (Jech. 37,8). Nur
nicht aufgeben! Auch Geist wird sich noch offenbaren.
"Weissage dem Geiste... komme, o Geist" (V.9).

Manche Leute behaupten, unsere Regierung zeichne sich durch
Kleingeistigkeit aus. Das stimmt, manchmal. Die
Königsherrschaft des Maschiach ist das noch nicht. Man muß
sich in Geduld fassen. Der Prophet Micha sagte: "..und es
kommt die frühere Herrschaft, das Königtum zu der Tochter
Jeruschalajim" (4,8). Erst "die frühere Herrschaft", und dann
"das Königtum zu der Tochter Jeruschalajim". Dazu lesen wir im
Malbim-Kommentar: "Es wird eine kleine Regierung kommen,
und sie werden etwas Regierung und Führung haben, so wie es
in Israel in den frühen Tagen war, bevor ein König über die
Kinder Israels herrschte, als die Richter sie anführten. Danach
wird das Königtum zur Tochter Jeruschalajim kommen, sie
werden ein dauerndes Königtum haben, die Königsherrschaft
des davidischen Hauses, wenn danach der König Maschiach in
dauerndem Königtum herrschen wird".

Wir befinden uns am Anfang des Weges, und man kann nicht
einfach ausrufen: "Schneller! Schneller!". Es gibt keine
Abkürzungen. Der Herr der Welt schickt uns Leiden, um uns zu
erheben. Es können Komplikationen auftreten. Exil - nein! Auf
dem Wege wehen böse Winde, und man muß gegen sie
ankämpfen.

Die Wirklichkeit gefällt uns nicht? Der Herr der Welt fragt uns
nicht! Die Aufgabe, die er uns auferlegt, bedeutet manchmal
schwere Arbeit! Noch viele Kämpfe stehen uns bevor. Wir
stehen am Anfang des Weges. Schärfen wir aber einmal den
Blick und sehen uns die vielen Zeichen und Wunder an, und
den langen Weg, den wir schon hinter uns haben.

Manchmal werde ich gefragt: "Sind Sie auf der Seite des
Soldaten, der den Befehl zur Räumung einer Siedlung ausführt,
oder auf der Seite der Siedler, die an ihrem Heim festhalten?".
Ich bin gegen die Hysterie von "Für" und "Wider". Ich bin für die
Armee, für die Regierung, für die Siedlungen. Ich bin für Alle,
auch wenn sich Widersprüche ergeben. "Trotzdem hoffe ich
täglich auf ihn, daß er kommen wird" (der Maschiach; 12. der 13
Glaubensartikel nach dem täglichen Morgengebet).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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