DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
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Ausgabe: R. Plaut
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 476
18. Elul 5764
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen
Oberrabbiner Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):
Erstlingsfrüchte, Land von Milch
und Honig, Torasteine am
Jordan, Fluch und Segen von den Bergen
Ewal und Gerisim,
ausführliche Warnung zur Einhaltung
der Gebote, Lohn und
Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund
mit G~tt.
| Am
Schabbes-Tisch...
Ein Segen über das Unheil Rav Se'ev Karov
|
Sagten die talmudischen Weisen: "Als die Israeliten hundert
Flüche weniger einen hörten, die in diesem Abschnitt genannt
werden, verdunkelten sich ihre Züge, und sie sagten: Wer kann
diesen standhalten?".
Zu unserem Leidwesen wurden diese Flüche Wirklichkeit. Viele
Juden erduldeten sie mit großer Festigkeit, andere aber waren
ihnen nicht gewachsen. Infolge der Leiden verloren sie mehr
oder weniger ihren Glauben. Sie konnten nicht verstehen, wie
der Schöpfer der Welt solches Böse nicht verhinderte.
Die Flüche erfüllten sich also in vollem Umfange. Die
Kommentatoren erklärten, daß die meisten bereits während
des
zweiten Tempels stattfanden, nur für einen konnten sie nicht
den genauen Zeitpunkt seiner Erfüllung finden : "Und der Ewige
wird dich zurückführen nach Ägypten in Schiffen" (Dt.
28,68).
Einige sagten, nach Josef ben Matitjahu sandte Titus 17.000
Aufständische zum Frondienst nach Ägypten.
In allen Generationen verursachten die Leiden eine
Schwächung des Glaubens bei Teilen der Gemeinde. Auch
heutzutage kann man, nach einem tragischen Schlag, der ein
Individuum oder die Öffentlichkeit traf, die Frage hören:
Wie
kann es solche Tragödien in einer Welt geben, die einen
Schöpfer und Lenker hat?
Die Frage der Auseinandersetzung mit der Existenz des Bösen
in der Welt muß jeden Menschen beschäftigen. Die Ansicht,
wonach das Böse dem Zufall angehört und was dem Menschen
widerfährt, keiner Art Gerechtigkeit unterliegt, überläßt
uns einer
grausamen und richtungslosen Welt und führt uns zu
Überlegungen und Schlußfolgerungen über den Charakter
und
die Ziele unseres Lebens. Schon Rabbiner Moscheh ben
Maimon ("Maimonides") beschrieb in den Gesetzen von den
Fasttagen (1,3) das Gebot des Flehens und Lärmblasens über
jedes hereinbrechende Leiden: "...wenn sie aber nicht flehen
und nicht lärmblasen, sondern sagen, diese Sache gehöre zum
Ablauf der Welt und dieses Leiden geschah uns durch Zufall,
dann ist das eine Art der Grausamkeit". Diese Einstellung ist
grausam, weil sie behauptet, der Mensch könne gut und ehrlich
sein, und plötzlich, per Zufall, ohne Absicht oder Berechtigung,
werde seinem Leben ein vorzeitiges Ende gemacht. Die
Konsequenz: Der Mensch ist der Verantwortung für seine Taten
enthoben, denn Alles ist dem Zufall überlassen, es besteht
keine Notwendigkeit, irgendwelche Ordnung zu schaffen.
Vor allem lehrt der Abschnitt mit den Flüchen, daß die Existenz
des Bösen in der Welt einen gläubigen Menschen nicht
überrascht. G~tt selber bezeugt, daß er das Böse schafft:
"Der
das Licht bildet und Finsternis schafft, Frieden stiftet und Unheil
schafft, ich, der Ewige, tue dies alles" (Jeschajahu 45,7). Jeder,
der in der Tora liest, kennt die Warnungen des Schöpfers vor
dem Bösen.
Wer an den Schöpfer der Welt und die Tora glaubt, läßt
sich
durch die Existenz des Bösen nicht überraschen. Er fragt
vielmehr, wozu ist es da und wie sollen wir darauf reagieren? In
der Bitte von Moscheh, "laß mich wissen deinen Weg" (Ex.
33,13), ging es ihm darum, von G~tt Erhellung dieses Rätsels
vom Leiden in der Welt zu erhalten.
Und G~tt bezeugt, "wie ein Mann seinen Sohn züchtigt, der
Ewige dein G~tt dich züchtigt" (Dt. 8,5). Damit das Ziel der
materiellen Welt, nämlich die Vollkommenheit, erreicht werden
kann, muß es auch Schlechtes geben. Das Böse ist kein Zufall,
es hat seinen eigenen Stellenwert in der Schöpfung.
Die Welt ist so angelegt, daß das Gute auf und aus dem Boden
der Probleme sprießt und gedeiht. Eine Pflanze wächst erst,
nachdem ihr Samenkorn im Boden zerfallen und fast
verschwunden ist. Der Mensch gelangt in diese Welt erst nach
Geburtswehen. Darum, sagten die talmudischen Weisen,
beginnt man die Erzählung vom Auszug aus Ägypten mit der
Schmach und schließe sie mit dem Ruhme (Mischna,
Pessachim 116a). Die Schmach hat einen Anteil beim Aufbau
und dem Sprießen des Ruhmes.
"Ein Mensch, dessen Seele nicht aufrecht ist - wenn er in eine
schlimme Lage gerät, nicht genug damit, daß er sie nicht
in
Liebe aufsichnimmt und keinen Gedanken daran verschwendet,
das im Bösen verborgene Gute zu erkennen... vielmehr paßt
ihm die ganze Sache nicht, und die Taten G~ttes erscheinen in
seinen Augen als unrichtigen Wegen folgend" (Rabbiner
A.J.Kuk, "Olat Ra'aja").
Eine aufrechte Seele jedoch bemüht sich, das in einer bösen
Lage verborgene Gute zu verstehen, und auch wenn ihr das
nicht gelingt, erkennt sie trotz des großen Schmerzes doch das
Gute, das aus dem Bösen erwächst. Sie weiß, daß
ihr Schöpfer
nur Gutes verteilt.
Die talmudischen Weisen beschrieben das Zeitalter des
Kommens des Maschiach ("Messias") als eine Periode voller
Probleme und Leiden (Sota 49b).
Die uns heimsuchende spirituelle Krise gehört mit zum Aufbau.
"Einreißen, um etwas Neues aufzubauen". Nicht wie ein Arzt
aus Fleisch und Blut, der sich des Verwundeten annimmt und
von da an für dessen Heilung wirkt - besser, er hätte sich
gar
nicht erst verletzt! - bei G~tt gehört die Wunde selber mit zur
Heilung.
Wer etwa glaubt, der Prozeß der Erlösung sei eine
schnurgerade und angenehme Entwicklung, kennt weder den
Tanach (Tora, Propheten, Schriften) noch die Geschichte
unseres Volkes. "..Herr der Kriege, säet Wohltuendes, läßt
Hilfebringendes wachsen" (Morgengebet): die Hilfe erwächst
durch materielle und spirituelle Kriege, "eine Zeit der Bedrängnis
ist es für Jakov, und von ihr wird er errettet werden" (Jirmijahu
30,7).
| HaRav
Aviner
Der Meschuggene Rav Schlomo Aviner
|
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[Im Stil der Meisses von Rabbi Salman aus Langenau]
Es war einmal ein Land mit vielen bösen Feinden ringsherum
und innendrin, die es schon hundert Jahre lang mit garstigen
Mordtaten plagten. Eines Tages nun setzte sich der Erste
Minister der an der Spitze des Reiches auf seinen
hochwohlgeborenen Hosenboden und dachte nach, und dachte
nach. Sein Denken jedoch gebar einen großen Fehler, ja eine
irrsinnige Idee, nämlich wenn er nur den obengenannten
Mordgesellen einen Randstreifen von seinem Lande abgebe,
die örtlichen Einwohner von dort vertreibe und ihren Boden
raube, werden ja jene Feinde von ringsherum und innendrin
vom Morden ablassen.
Nun begannen die Bewohner besagten Randstreifens, von
besagter Vertreibung bedroht, im ganzen Lande
herumzuwandern und mit lauter Stimme auszurufen, der
obengenannte Erste Minister ist verrücktgeworden, gibt er doch
einen Streifen seines Landes den Mordgesellen und vertreibt
die Bewohner und raubt ihren Boden. Weil jedoch nach den
Gesetzen des Landes verboten war, den Ersten Minister der an
der Spitze des Reiches einen Verrückten zu nennen, kam der
Minister, der über die Schergen, faßte sie und brachte sie
vor
den erwähnten Ersten Minister.
Da sprach selbiger Erste Minister zu ihnen, d.h. zu den
Bewohnern, über die Vertreibung und Raub ihres Bodens
verhängt worden waren, daß sie selber die Verrückten
seien,
denn weil ein Erster Minister nach der Mehrheit entscheidet, wie
es die Lehre von der democrazie verlangt, entscheidet diese
Mehrheit auch, wer verrückt ist. Darum befahl ihnen der Erste
Minister der an der Spitze des Reiches, den Mund zu halten und
mit dem Herumlaufen und dem Demonstrieren aufzuhören, und
sich unter Bewahrung der öffentlichen Ordnung vertreiben zu
lassen und den genannten Ersten Minister nicht bei seiner
Arbeit in Erfüllung der democrazie zu stören.
Zu diesen Vorgängen erzählte unser Rabbi das Gleichnis von
den zehn Leuten in einem Boot auf hoher See, denen der
Proviant ausgegangen war, und weil es mitten im Ozean keinen
Proviant zu kaufen gibt, setzten sie sich zusammen und
berieten, wie diese Lage zu meistern sei, und kamen zu der
Erkenntnis, daß dies eine Situation von pikuach nefesch
(Lebensgefahr) sei und man essen müsse, und darum würden
sie einen von ihnen essen nach Mehrheitsentscheidung. Als sie
sich nun daran machten, den Ausgewählten zu essen, fing
dieser an, herumzuspringen und zu schreien, sie seien wohl
verrückt geworden, doch sie erklärten ihm, nach der Lehre
der
democrazie bestimmen sie, daß er hier der Verrückte
ist, weil er
sie am Essen hindert, denn wir haben ja einen Fall von pikuach
nefesch, und darum habe er sich still zu verhalten und sich
von
ihnen aufessen zu lassen.
Und die Bewohner jenes Landstreifens verließen den Palast des
Ersten Ministers der an der Spitze des Reiches, gesenkten
Hauptes und mit Tränen in den Augen und in der Seele bitter,
wobei sie sprachen: Nicht genug mit den gewöhnlichen Zores,
wenn die Mordgesellen uns tagtäglich mit Granaten bewerfen
und in unsere Häuser eindringen, um uns zu töten, und wir
uns
so sehr für dieses Land aufopfern, und jetzt sind es unsere
eigenen Brüder, die uns vertreiben und unseren Boden rauben,
und uns obendrein verbieten, um unsere Seele zu flehen wegen
der Lehre von der democrazie.
Danach befragten jene Bewohner, über die die oben erwähnte
Vertreibung und der erwähnte Raub ihres Bodens verhängt
worden waren, ihre Weisen, was nun zu tun sei, und ihre
Weisen fragten unseren Rabbi, und unser Rabbi sagte ihnen,
einmal saßen sie auf einem Hügel, und mit ihnen saß
dort ein
großer Gelehrter von den größten Gelehrten jener Tage,
und
als die Soldaten des Ministers der an der Spitze des Reiches
kamen, die Bewohner zu vertreiben, hielt er sich fest am
Eisendrahtzaun, an dem viele Dornen von Eisen angebracht
waren, knöpfte seine Robe auf und sprach zu den genannten
Soldaten: "Ihr könnt auf mich schießen, ich werde von hier
nicht
wegrücken!". Am Schluß waren dort fünfundzwanzig Myriaden
Bewohner versammelt.
Dieser Vorschlag unseres Rabbis fand Gefallen in den Augen
jener Bürger, und sie kamen überein, daß wenn die Soldaten
oder Schergen des Ersten Ministers der an der Spitze des
Reiches sie zu vertreiben kommen, werden sie alle zusammen,
Männer und Frauen, Kinder und Kegel, das Alter und die
Jugend am Eisendrahtzaun festhalten, ihre Jacken öffnen und
ausrufen: "Nehmt ruhig eure Gewehre und schießt auf uns - wir
werden von hier nicht wegrücken!".
Und dann sagte unser Rabbi noch, daß democrazie nicht
entscheiden könne, was gut und böse sei, und wenn
democrazie entscheidet, was gut und böse sei, haben wir
es
genau mit der Sünde des Essens vom Baum des Wissens um
gut und böse zu tun. Darum kann democrazie nicht
entscheiden, einen Streifen des Landes an mordlüsterne Feinde
abzugeben, und so einen Fall gab es schon einmal in unserer
Geschichte, nämlich bei Chiskijahu König von Jehuda, wie
es
im Talmud, im Traktat Sanhedrin auf Seite 26 beschrieben
steht. Chiskijahu hatte nämlich 120.000 Leute vom Volke auf
seiner Seite, und er wollte dem Volke Mut zusprechen, damit sie
festen Geistes Jerusalem verteidigten und nicht dem Feinde
auslieferten. Auf der anderen Seite konnte Schewna, sein
politischer Widersacher, 130.000 Leute aus dem Volke zu
seinen Anhängern zählen, und er war ein ganzer Defätist
und
wollte Jerusalem dem Feinde übergeben. Da sagte König
Chiskijahu zum Propheten Jeschajahu, vielleicht ist das Gesetz
nach der democrazie wie Schewna, und wir müssen uns aus
Jerusalem vertreiben lassen? Da antwortete ihm der Prophet
Jeschajahu: Eine Vereinigung von Bösewichten zählt nicht,
und
dieser Fall hat nichts mit democrazie zu tun. Und dann geschah
ein Wunder und Jerusalem war gerettet.
Aber, sagte unser Rabbi, man muß dem Ersten Minister der an
der Spitze des Reiches auch seine Verdienste anrechnen und
darf ihn deshalb nicht einen Bösewicht nennen, nur daß er
sich
selbst zur Verzweiflung treibt, daß er sich selbst den Geist
verwirrt und sich selbst Angst einjagt, sich eben selbst
meschugge macht. Denn Hoffnungslosigkeit führt zum
Durchdrehen, wie alle Eingeweihten bestätigen können.
Zum Schluß sagte unser Rabbi den Einwohnern, sie sollten Mut
fassen und mit allen Mitteln großen Rückhalt suchen und
geben, dem Einzelnen wie der Allgemeinheit, denn trotz allem,
was über den Menschen hereinbricht in den Tagen seines
Lebens, die ihn mal hierhin und mal dorthin werfen, darf man
nicht an der göttlichen Gnade verzweifeln, sondern muß seine
Augen erheben und zum Ewigen im Himmel rufen, daß er
unsere Armut sieht und uns rettet und am Ende der wirklich
Verrückte auf der Strecke bleibt und nicht jene, die nach der
democrazie für verrückt erklärt wurden. Am Ende
werden das
Gute und die Wahrheit siegen!
Und wie das Gute siegen wird, das offenbarte uns unser Rabbi
nicht, aber am Ende wird es bestimmt siegen.
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