DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 451
20. Adar 5764

Schabbat Para

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):
Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für
Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des
Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des goldenen
Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung
der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im
Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt,
verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht
den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40
Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Musik und goldenes Kalb

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Moscheh steigt vom Berge Sinai herab. In seinen Händen hält
er die Gesetzestafeln, die Tafeln des Bundes. Aus dem Lager
Israels wehen dumpfe Klänge heran. "Da hörte Jehoschua die
Stimme des Volkes bei seinem Jauchzen", anscheinend ist
"Kriegslärm im Lager" (Ex 32,17). Doch nein! "Keine Stimme
des Sieges", und "keine Stimme des Unterliegens", sondern
"Sangesstimmen" (ebda.18). Erst als sie das Lager erreichen,
wird die Sache klar. "Und es geschah, als er dem Lager nahte
und das Kalb sah und die Reigentänze [Mecholot]" (V.19). Wir
aber fragen uns immer noch: Was für merkwürdige Stimmen
hörten Moscheh und Jehoschua bei ihrem Abstieg vom Berg?

Im Allgemeinen werden unter den hier erwähnten "Mecholot" die
Tänze um das goldene Kalb verstanden (s.o.). Diese Deutung
läßt sich nicht ohne weiteres von der Hand weisen. An
verschiedenen Stellen im Tanach (Bibel) scheint das Wort
Machol jedoch ein Musikinstrument zu sein. "Da nahm Miriam,
die Prophetin, die Schwester Aharons, die Pauke in ihre Hand,
und alle Weiber zogen aus, ihr nach mit Pauken und Mecholot
(in Reigen?)" (Ex. 15,20). In der Liste der Musikinstrumente am
Ende des Psalmen-Buches: "Lobet ihn mit Pauken und Machol
(Reigen?),... mit Saitenspiel und Flöten,... mit helltönenden
Cymbeln,... mit schmetternden Cymbeln" (Psalm 150,4-5),
ebenso im vorhergehenden Psalm: "Loben seinen Namen
beMachol (im Reigen?), mit Pauken und Zither ihm
saitenspielen" (Psalm 149,3). An allen genannten Stellen würde
als Erklärung für Machol viel besser ein Musikinstrument
passen als "Reigentanz". Daraus ergibt sich die eigentliche
Frage, was ist so besonders am "Machol", daß die Anbeter des
Kalbes gerade ihn wählten?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir zur vorigen Frage
zurückkehren. Die aus dem Lager klingende Musik ähnelte nicht
dem Spiel der Leviten im Tempel. Sie ähnelte vielmehr
Kriegstönen, nur war aus der Entfernung nicht klar zu
unterscheiden zwischen "Stimme des Sieges" und "Stimme des
Unterliegens". Es handelte sich anscheinend um eine
besondere Musik, die Soldaten zum Krieg anspornen soll. Ganz
sicher handelte es sich nicht um eine musikalische Schöpfung,
die Ruhe und Entspannung verbreitet. Auch nicht Klänge der
Sehnsucht und des Flehens, auch nicht von Liebe und
Zärtlichkeit. Kriegsmusik hat einen stark betonten Rhythmus, so
wild und vulgär wie möglich. Sie dient einzig dem Ziel, die
Krieger in eine Art wilde Ekstase zu bringen, die sie sich selbst
und ihre Nächsten vergessen läßt und alle ihre Kräfte und ihren
Mut auf die Zerstörung des Feindes konzentriert. Diese Musik
soll in ihnen starke Gefühle von Haß und Rache, von Gewalt
und Grausamkeit erwecken und auch andere Triebe anstacheln.
Der Charakter dieser Musik kommt in ihrem Rhythmus zum
Ausdruck. Die Noten sind nur von untergeordneter Bedeutung,
auch braucht man dort keine nennenswerte Harmonie zu
suchen. Hauptsache dröhnender, wilder Rhythmus. Es dürfen
unterschiedliche Stilarten verwendet werden. Ein Stil stärkt die
Hände der Sieger bei der "Stimme des Sieges", ein anderer
ermuntert den Geist der Verlierer bei der "Stimme des
Unterliegens". Eines aber haben beide gemeinsam:
"Sangesstimmen höre ich" (Ex. 32,18).

Rabenu Bechaje (Rabbiner in Spanien vor etwa 900 Jahren)
ergründete die Wurzeln der Machol-Musik der Kalbsdiener:
"denn du findest in den Schriften sieben Arten des Gesanges,
parallel zu sieben Planeten... Zither gegen Saturn... Pauke
gegen Jupiter... alles in allem neun verschiedene
Musikinstrumente (wie in Psalm 150 aufgezählt) entsprechend
neun Planeten. Die Eingeweihten in die Kunst der Musik wissen
jedes dieser Instrumente entsprechend seinem Planeten
einzusetzen".

Welche Rolle spielt nun der "Machol" in diesem Konzert?
Darauf antwortete Rabenu Bechaje: "Darum wurde bei den
Begebnissen um das goldene Kalb der Machol mehr als alle
anderen Instrumente erwähnt, die dort waren, weil der Machol
dem Mars entspricht".

Bekanntlich wurde der Mars wegen seiner roten Farbe im
Altertum als Kriegsgott dargestellt (auf seinen Namen lautet bis
heute der dritte Monat im christlichen Kalender). Dieser Stern
wurde auch "Ra'a" genannt, vor dem Pharao Moscheh warnte:
"Sehet, daß Ra'a vor eurem Angesichte ist" (Ex. 10,10).
Daraufhin sagte Moscheh zu G~tt: "Warum sollen die Ägypter
sprechen, bei Ra'a hat er sie herausgeführt, sie zu erschlagen
auf den Bergen, und sie vom Erdboden zu vertilgen" (Ex. 32,12)
entsprechend der astrologischen Eigenschaft des Sternes Ra'a
- Tod und Blut, wie der Planet Mars. Nun läßt sich der Vers
verstehen, der die Klänge beschreibt, die Jehoschua hörte: "Da
hörte Jehoschua die Stimme des Volkes bei seinem Ra'a" (Ex.
32,17) - "denn sie bezogen Kraft vom roten Planeten, der Ra'a
genannt wird. Und darum wurde der Machol erwähnt, das
Musikinstrument, das zum Mars paßt. Darum erinnerte ihn
Aharon: 'Du kennst das Volk, daß es im Argen (Ra'a) ist' (Ex.
32,22), denn das Arge folgt aus der Kraft, die Ra'a heißt".

Das Musikinstrument, daß dem Argen Stern entspricht - der
Machol - sorgte für die besondere Musik des goldenen Kalbes.
Eine durch und durch raue und wilde Musik, vulgär und
bestialisch, von Gewalt und Grausamkeit.

Es bleibt uns nur noch, unter den heute vorherrschenden
Musikinstrumenten dasjenige zu identifizieren, welches am
besten zu den Verehrern des goldenen Kalbes paßt, und
welches zu jenen, die G~tt dienen, die sich nach dem Lied
sehnen, das die Leviten im Tempel zu singen pflegten.
 
 
HaRav Aviner

Sport ist gesund

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Bekanntlich sind Rabbiner keine Ärzte. Vielmehr verlangen sie
von uns, auf die Ärzte zu hören. Warum schrieb demnach
Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") in seinem
Gesetzeswerk "Mischne Tora" (Sittenlehren, 4.Kap.)
medizinische Anweisungen? Ganz einfach - diese Weisungen
verfaßte er in seiner Eigenschaft als Arzt, und nicht als
Rabbiner. Den Anstoß zur Erwähnung dieser Dinge gab
allerdings seine Eigenschaft als einer der größten Rabbiner aller
Zeiten: "Daß der Körper gesund und unversehrt sei, gehört zu
den Wegen G~ttes, ist es doch unmöglich, etwas zu verstehen
oder zu wissen, wenn man krank ist, [darum] soll sich der
Mensch von Verhaltensweisen fernhalten, die dem Körper
schaden, und sich ein gesundes und heilsames Verhalten
angewöhnen" (Sittenlehren, 4.Kap., Hal.1). Ein kranker Mensch
hat es schwerer, G~tt zu dienen (siehe auch Gesetze von der
Umkehr, 9,1). Ferner schrieb Maimonides: "In dieser Hinsicht ist
die ärztliche Kunst ein Mittel zu den Rängen des Verstehens
und der Chraktereigenschaften und des Wissens um G~tt,
gelobt sei er, und beim Erlangen des wahrhaften Erfolges" (aus
der Einleitung zu seinem Mischnakommentar zu "Sprüche der
Väter", 5.Kap.).

Darum faßte Maimonides in seinen "Sittenlehren" die Essenz
des ärztlichen Wissens seiner Zeit zusammen. In seinen
ärztlichen Schriften sah er in Galinus den größten Mediziner und
Quelle vieler seiner Studien, was ihn allerdings nicht hinderte,
diesem wo nötig zu widersprechen. Entsprechend ist sein
medizinisches Wissen nicht göttlichen Ursprungs anzusehen,
sondern weltlichen, und für viele seiner Weisungen gilt: Gehe
zu dem Arzt, der in deinen Tagen.

Auf einem bestimmten medizinischen Gebiet sagen wir
allerdings von Maimonides, "Moscheh ist Wahrheit und seine
Lehre Wahrheit", bis auf den heutigen Tag, und zwar auf dem
Gebiet der Präventivmedizin. Wer gesund lebt, hat Hoffnung,
sein Leben lang keinen Arzt konsultieren zu müssen. "Und noch
ein Prinzip sagte man bezüglich der Gesundheit des Körpers:
Solange der Mensch seinen Leib übt und sich sehr anstrengt,
nicht bis zur Sättigung ißt und für geschmeidige Eingeweide
sorgt, kommt keine Krankheit über ihn und seine Kraft steigt,
sogar, wenn er ungesunde Nahrung zu sich nahm. Und jeder,
der sorglos sitzt und seinen Leib nicht übt, oder wer nicht für
regelmäßigen Stuhlgang sorgt oder chronisch verstopft ist -
selbst wenn er die gesunden Nahrungsmittel aß und nach den
Regeln der Arztkunst auf sich achtete - werden alle seine Tage
von Schmerzen begleitet sein, und seine Kraft läßt nach"
(Sittenlehren, 4.Kap., Hal. 14-15). "Jeder, der den Wegen folgt,
die wir gewiesen, dem verbürge ich mich, daß er nicht krank
wird alle seine Tage bis ins hohe Greisenalter, wenn er stirbt,
und er wird keinen Arzt brauchen, sein Körper wird vollkommen
sein und alle Tage seinen Dienst tun" (ebda., Hal.20).

Maimonides' Worte über die Notwendigkeit von Leibesübungen
werden von hunderten aktuellen und zuverlässigen
wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt. Darum lautet die
Parole: Treibt Sport! Wer einen manuellen Beruf ausübt, über
den heißt es: "Wenn du deiner Hände Arbeit genießest, Heil dir,
und dir ist wohl" (Psalm 128,2). Wer sich allerdings bei seiner
Arbeit nicht körperlich anstrengt, muß für tagtägliche
Leibesübungen sorgen, und mit großer Ernsthaftigkeit. Wie
bereits erwähnt, verpflichten uns die Rabbiner, auf die Ärzte zu
hören. Einmal sagte ein nichtjüdischer Arzt in Russland: "Alle
Kranken, die zu mir kommen, wollen gar nicht gesund werden,
sie folgen nicht meinen Weisungen, außer einem namens
Lipkin, der die Weisungen des Arztes genauso ernst nimmt wie
die Gesetze seiner Religion". Die Rede war von Rabbiner Israel
Lipkin aus Salant.

Sie müssen jeden Tag eine bestimmte Zeit mit Leibesübungen
verbringen: sei es durch Gehen, Laufen, Fahrradfahren,
Fitness-Training, Schwimmen, Aerobics - und zwar nach
ärztlicher Begutachtung entsprechend Ihrem körperlichen
Zustand. Das gehört zum Dienst an G~tt! Übrigens - warum
schrieb Maimonides, die körperliche Gesundheit gehöre zum
Dienst an G~tt, und nicht zum Gebote "Hütet sehr eure Seelen"
(Dt. 4,15)? Antwort: "Hütet sehr.." bezieht sich auf unmittelbare
Todesgefahr, wohingegen bei unserem Thema von allgemeiner
Verhaltensweise die Rede ist, die nach und nach Früchte trägt.

Ferner ist zu fragen: Warum lernten der Talmud und
Maimonides das Hüten vor Gefahren aus dem genannten Vers,
der doch von der spirituellen Gefahr der bildlichen Vorstellung
von der G~ttheit redet - "denn ihr habt keinerlei Bild gesehen"?
Antwort: Wenn der Körper zusammenbricht, bricht auch die
Seele zusammen.

Manche behaupten, sie hätten dafür keine Zeit. Antwort: Haben
Sie etwa keine Zeit für die "Wege G~ttes"? Also wofür haben
Sie ja Zeit in dieser Welt?! Darüberhinaus werden Sie viel Zeit
sparen, eine vorteilhafte Investition. Sie werden länger leben
und höhere Lebensqualität genießen, und außerdem Geld
sparen. Wollen wir uns in dieser Sache auf die Amerikaner
verlassen, die für jeden von der Gesellschaft investierten Dollar
zur Ermunterung von Leibesübungen eine Ersparnis von 3-4
Dollar an medizinischen Behandlungen erzielte. Die
Krebsgefahr geht zurück ebenso wie das Risiko von
Herzanfällen, Bluthochdruck und Diabetes. Ihr körperlicher
Gesamtzustand bessert sich, Rücken- und Kopfschmerzen
verschwinden, Müdigkeit, Angespanntheit, Bedrücktheit,
Schlaflosigkeit, Herzunregelmäßigkeiten, Gewichtsprobleme
und sonstige vermeidbare Leiden. Selbstverständlich muß Ihre
sportliche Tätigkeit, wie gesagt, ihrem Alter und
Gesundheitszustand unter ärztlicher Kontrolle angepaßt
werden. Auch ist hier ganz und gar nicht von Publikumssport die
Rede, wo hunderttausend Leute zuschauen, wie 22 hinter
einem Ball herrennen. Selberlaufen macht gesund, darum
gehen Sie so viel wie möglich zufuß.

Benutzen Sie kein Fahrzeug für kurze Strecken; statt "Fußweg
zur Haltestelle + Warten + Fahrtzeit +Fußweg zum Zielpunkt",
oder "Fußweg bis zum Parkplatz + Fahrt + Stau + Kreisen auf
Parkplatzsuche + Fußweg zum Zielpunkt" gehen Sie zu Fuß
und kommen manchmal obendrein schneller an. Auf jeden Fall
ist die dafür aufgewendete Zeit gut angelegt. Schnelles Gehen
nach körperlicher Fähigkeit und ärztlicher Anleitung. Diese Art
Sport ist auch am Schabbat erlaubt, wenn man z.B. schnell zur
Synagoge geht.

Und wer etwa befürchtet, er verliert dadurch Zeit fürs
Torastudium, dem sei gesagt, daß er auf diese Weise die Tora
bekräftigt! Einer von den größten Rabbinern unserer Zeit nahm
in seiner Jugend ein so strenges Reglement beim Torastudium
auf sich, daß seine Gesundheit zusammenbrach und er ein
ganzes Jahr lang nur im "Schongang" lernen konnte.

Üben Sie ihre Glieder, stärken Sie Ihren Körper, und Sie werden
G~tt besser dienen können.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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