DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT JITRO
Nr. 447
22. Schwat 5764
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der ehemaligen
Oberrabbiner Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Ex. 18,1
- 20,23):
Jitro, Moschehs Schwiegervater, kommt
zum Volk Israel in die
Wüste; gibt Moscheh Rat, Richtervollmachten
zu delegieren;
Bund mit dem Ewigen, ein heiliges Volk
zu sein und seine
Worte zu befolgen; die 10 Gebote am Berge
Sinai; das ganze
Volk Augenzeugen.
| Am
Schabbes-Tisch...
Vollständige Lehre dem vollständigen Volke Rav David Chai Hakohen
|
Den Vers "Einmal hat G~tt geredet, zweimal, was ich gehört"
(Psalm 62,12), erklärten die talmudischen Weisen auf die ersten
beiden der Zehn Gebote, die simultan verkündet wurden und
nur das Volk Israel in der Lage war, sie auseinanderzuhalten,
und ebenso (Schabbat 88b): "Es heißt: 'der Herr ließ
einen Ruf
erschallen, der Siegesbotinnen war ein großes Heer' (Psalm
68,12) - jedes Wort, das aus dem Munde des Heiligen, gelobt
sei er, hervorging, wurde in siebzig Sprachen zerteilt". In
Deutung dieser Dinge läßt sich sagen, daß die uns
von G~tt
übergebene Tora seiner Weisheit und seinem Willen
in dieser
Welt Ausdruck verleiht, und auf diese Weise offenbart sie uns
G~tt. Entsprechend heißt es im Sohar über den Vers: "Ihr
aber,
die ihr an dem Ewigen, eurem G~tte hanget.." (Dt. 4,4), wer an
der Tora hängt, hängt wirklich an G~tt. Das innere Wesen
der
Tora ist eines und einzig, genau wie G~tt, der absolut ein ist.
Erst als die Tora zu uns gelangte, teilt sie sich in verschiedene
Reden und Sprachen auf, damit wir, Geschöpfe separater
Bestandteile, sie empfangen können. Die ganze Größe
der Tora
und der Erfolg ihrer Erfüllung erscheinen in der Realität,
wenn
man anerkennt, daß sie G~ttes Wort vom Himmel ist und sie
nicht mit Kleingeistigkeit und Aufsplitterung angegangen werden
kann. Unser Lehrer, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk pflegte den Vers
"darum wird ihnen das Wort des Ewigen sein Gebot an Gebot,
Gebot an Gebot, Maß an Maß... und sie sich zerschmettern
und
eingegarnt werden" (Jeschajahu 28,13) im Hinblick auf die
Bibelkritiker zu zitieren, die die Tora als eine Sammlung von
Einzelteilen ansehen und nicht als ein Ganzes, wie es dem
Worte G~ttes würdig ist. Darüberhinaus ordneten die
talmudischen Weisen an, daß ein Abtrünniger von der Tora
in
einer Sache als abtrünnig von der ganzen Tora anzusehen
ist
(Chulin 4b). Denn das ist die Natur der Tora - Vollständigkeit,
die zu Anhänglichkeit an den Herrn der Welt führt. Ein Mangel
in dieser Ganzheitsauffassung der Tora birgt (g~ttbehüte)
tödliches Gift in sich. So verhält es sich mit der Tora:
"Wer sich
mit der Tora um ihrer selbst willen befaßt, für den ist
sie eine
Mixtur des Lebens,... Wer sich aber mit der Tora nicht um ihrer
selbst willen befaßt, für den wird sie eine Mixtur des Todes"
(Ta'anit 7a), und weiter heißt es im Talmud, daß eine
unangemessene Beschäftigung mit der Tora tödlich enden kann
(Schabbat 88b).
Die Tora muß in ihrer Gänze übernommen werden, dann
gleicht
sie der Seele, die ihre Kräfte in allen Gliedern offenbart; in
den
Augen die Sehkraft, in den Ohren das Gehör, im Verstand das
Denken, im Herzen den Willen usw. Wenn die Seele nicht vom
Körper angenommen wird, hat keines der Glieder die Kraft,
seine Aufgabe zu erfüllen. Rabbi Chajim aus Woloschin fragte
in seinem Buch "Nefesch Hachajim" (4.Kap.,§11): Im Midrasch
raba zum Abschnitt Bereschit erklärten die talmudischen
Weisen, daß das Gedenken an das Volk Israel der Schaffung
der Welt voranging, und an anderer Stelle, daß die Tora allem
Anderen voranging. Wenn dem so ist, was kam zuerst, die Tora
oder Israel? Rabbi Chajim antwortete, daß beide wirklich Eins
sind, Israel und die Tora sind keine voneinander verschiedenen
Dinge, denn die Seele Israels ist die Tora. Nur nach außen hin
kann Israel wie ohne Verbindung zu Tora und Geboten
aussehen, doch in Wirklichkeit ist jeder Jude voller Tora und
Mitzwot, wie es im Midrasch heißt, daß selbst ein
vollkommen
unwissender Jude [mit Geboten] gefüllt ist wie ein Granatapfel
[mit Kernen]. Wie kann ein Unwissender mit Geboten gefüllt
sein? Vielmehr handelt es sich bei der Unwissenheit um eine
äußerliche Erscheinung, doch in seinem Wesen ist er voller
Tora. Und so, wie die Tora ihrem Wesen nach eine Einheit
bildet, gehören alle Israeliten zu einer einzigen einen Seele,
die
sich nur in verschiedenen Körpern äußert. So steht
im Buche
"Ja'arot Dwasch" von Rabbiner Jonathan Eybeschütz (lebte
vor
ca. 250 Jahren, u.a. Prag und Hamburg), daß man für die
Heilung aller Kranken Israels beten müsse, sogar für
die
Bösewichte, weil jeder Jude ein Glied des Körpers Israels
bedeute, und das Absterben eines Gliedes den ganzen Körper
zum Krüppel mache. Entsprechend finden wir im Talmud
erwähnt, im ganzen Volk Israel sei einer für den anderen
verantwortlich (Schewuot 39a). Jede Gebotserfüllung stärkt
und
heiligt die ganze Nation, und jede individuelle Sünde macht sich
bei allen Juden nachteilig bemerkbar. Diese Dinge gehören
nicht etwa in den Bereich der jüdischen Weltanschauung,
sondern haben praktische Konsquenzen in der Halacha.
Jemand, der bereits ein bestimmtes Gebot erfüllte, kann es
wiederum ausführen - für Andere, die es noch nicht taten,
oder
die nicht wissen, wie (z.B. das Schofarblasen, Kiddusch u.ä.).
Eine einzige Person kann gleichzeitig tausende oder
zehntausende Juden von ihrer Gebotspflicht befreien, eben
wegen dieser gegenseitigen Verantwortlichkeit, weil das
jüdische Volk als ein einziger Körper angesehen wird. Daraus
geht eindeutig hervor, daß die Tora nicht an ein geteiltes und
in
Parteien gespaltenes Volk Israel übergeben werden kann. So
wie die Tora eine vollkommene Einheit bildet und nur so das
Licht der höheren Sphären verbreitet, offenbart sich nur
im
geeinten jüdischen Volk das wahre Licht, die göttliche Präsenz,
die in seiner Mitte ruht. Aus diesem Grunde wurde die Übergabe
der Tora am Sinai für jenen Teil der Reise festgelegt, als Israel
wie ein Herz und eine Seele zusammenstand (siehe
Raschikommentar zu Ex. 19,2). Ähnliches prophezeiten uns die
talmudischen Weisen für das Zeitalter der Erlösung: Sofortiges
Einsammeln alle Zerstreuten hängt davon ab, daß sie alle
Tora
lernen (Baba batra 8a). Wir entnehmen daraus, daß ein
äußerliches Scharen um Grundwerte nicht ausreicht, mögen
sie
auch noch so nobel sein, vielmehr besteht das Ziel der
Einsammlung und der Einheit im Zusammenhang mit der
Göttlichkeit, die in unserer Mitte ruht bei unserer Beschäftigung
mit der Tora und ihrer Erfüllung im Lande Israel, wenn es auch
zu Beginn der Einsammlung vor allem um den Aufbau des
Landes und der Nation in ihrer äußerlichen Form geht.
| HaRav
Aviner
Das Hüten des Mundwerks (II) Rav Schlomo Aviner
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Der erste Schritt zum "Hüten des Mundwerks": Was du nicht
willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu. Manche
Leute verpflichten sich, eine Stunde pro Tag bewußt keine üble
Nachrede zu äußern. Und die übrigen 23 Stunden ist
es etwa
erlaubt?! Natürlich nicht. Doch die Erlösung erfolgt bekanntlich
Stück um Stück. Erstmal eine Stunde pro Tag - wer das schafft,
kann sich dann für die nächste Woche zwei Stunden
vornehmen, und so weiter.
Sollte man etwa den ganzen Tag schweigen? Wie im
Trappistenkloster? Nein, man darf wohl reden, und es müssen
auch nicht nur Worte der Tora sein. Man darf auch über Politik
reden, über gesellschaftliche und familiäre Angelegenheiten,
über persönliche Dinge - aber immer ohne üble Nachrede.
Daran muß man sich gewöhnen.
Auch über Personen des öffentlichen Lebens, die man nicht
persönlich kennt, darf man nicht schlecht reden. Nur Fliegen
lieben Schmutz. Wozu im Schmutz eines Menschen stochern?
Wären Sie vielleicht glücklich, wenn jemand, der Sie gar
nicht
persönlich kennt, plötzlich über Sie herzieht? Maimonides
definierte: "Einerlei, ob man die böse Rede in Gegenwart des
Betreffenden oder hinter seinem Rücken sagt, ob man Dinge,
die, wenn sie Verbreitung finden, Ursache werden können, daß
der Betreffende an seinem Körper oder Vermögen Schaden
erleidet, oder ob es solche sind, die kränken oder in Schrecken
versetzen, all dies ist als Bösrede anzusehen" (Sittengesetze
7,5). Man darf den Nächsten nicht quälen.
Meinungsverschiedenheiten gelten natürlich nicht als üble
Nachrede. Der Eine hält eine bestimmte Wirtschaftspolitik und
Streichungen auf einem bestimmten Gebiet für richtig, und der
Andere hat andere Vorstellungen. Der eine Politiker will für den
Frieden Gebiete vom Lande Israel abgeben, und sein Kollege
hält das für eine Katastrophe. Das sind sachbezogene
Debatten. Natürlich darf man Kritik an der Politik eines Ministers
äußern. Abfällige Bemerkungen über seine Person
aber sind
verboten. Man darf über die Methode reden, aber nicht über
den
Menschen. Ausdrücke wie Nichtsnutz, Faulpelz, Dummkopf und
Bösewicht sind verboten. Manche Politiker sind gerecht und
fromm, doch ihre politischen Ideen vollkommen abwegig.
Andererseits gibt es moralisch verdorbene Menschen, die aber
wissen, Projekte zum Nutzen der Öffentlichkeit voranzutreiben.
Wenn es schon verboten ist, über ein Individuum schlecht zu
reden, dann erst recht über eine ganze Gruppe: über Charedim
oder Nationalreligiöse, über Linke oder über Rechte,
über
Neueinwanderer aus Russland oder aus Amerika, usw. Die
Schwere des Verbotes richtet sich nämlich nach der Anzahl der
Personen, über die schlecht geredet wird. Wenn eine Gruppe
aus 100.000 Leuten besteht, zählt eine üble Nachrede über
diese Gruppe als 100.000 Sünden. Einen weiteren Multiplikator
bildet die Anzahl der Hörer dieser üblen Nachrede. Ein
schlechtes Wort über Jemanden im Radio macht bei 100.000
Hörern ebenfalls 100.000 Sünden, und über eine Gruppe
wie
die vorgenannte - 10 Milliarden Sünden!
Manchmal, wenn man jemanden auf die von ihm geäußerte üble
Nachrede aufmerksam macht, rechtfertigt er sich damit, daß er
doch die Wahrheit sage! Doch er kennt die Gesetze nicht. Üble
Nachrede ist auch verboten, wenn sie wahr ist. Wer über
jemanden Lügen herumerzählt, fällt in eine schlimmere
Kategorie, nämlich Verleumdung. "Tratschen" ist ebenfalls
verboten. Dabei redet man nicht schlecht von einem
bestimmten Menschen, sondern Dinge, an denen sich leicht ein
Streit entzünden kann. Zum Beispiel: Soundso sagte, daß
du für
viel Geld etwas Neues gekauft hast. Antwort: Was geht ihn das
an?! Und so kommt der Stein ins Rollen. Auf diese Weise
pflegen klatschsüchtige Journalisten ihr Feuer zu entfachen.
Das ist die Reihenfolge, vom Schlimmen zum Katastrophalen:
Klatsch, üble Nachrede, Verleumdung, Ba'al Laschon Hara
(jemand, bei dem die üble Nachrede schon zur Gewohnheit
wurde).
Josef der Gerechte überbrachte seinem Vater üble Nachrede
über seine Brüder. Wir alle wissen, was ihm daraufhin geschah.
Später übte er reumütige Umkehr. Woher wissen wir das?
Niemals erzählte er seinem Vater, wie er nach Ägypten verkauft
wurde. Darüberhinaus vermied er konsequent, mit unserem
Vorvater Jakov allein zu sein, um nicht mit unangenehmen
Fragen konfrontiert zu werden. Andere erklären, daß Josef
der
Gerechte aus diesem Grund 22 Jahre lang seinem trauernden
Vater nicht seinen Aufenthaltsort verriet. Dann hätte jener
nämlich sofort seine Söhne um eine Erklärung gebeten,
und die
ganze furchtbare Wahrheit wäre ans Tageslicht gekommen.
Sogar Benjamin, sein Bruder sowohl väter- als auch
mütterlicherseits, schwieg dazu. Es hätte nichts genutzt,
dem
Vater alles zu erzählen. Er hätte keinen Detektiv losgeschickt,
Josef in Ägypten wie eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Die
talmudischen Weisen sagten: Der Edelstein im Brustschild des
Hohepriesters für den Stamm Benjamin ist der "Joschfe" (Ex.
28,20), d.h. "jesch pe" (er hat einen Mund), er schweigt nicht
etwa, weil er nichts zu sagen hat, sondern weil er sich vor der
üblen Nachrede hütet.
Über Nichtjuden darf man zwar üble Nachrede reden, wie es
heißt: "Gehe nicht als Ausspäher umher unter deinem Volke"
(Lev. 19,16), und sie gehören ja nicht zu deinem Volke.
Natürlich darf man keine Verleumdung verbreiten, denn Lügen
sind in jedem Fall verboten, in jeder Erscheinungsform. Aber
nicht alles, was erlaubt ist, ist schon empfehlenswert. Nach dem
Auszug aus Ägypten, auf dem Wege nach Israel, redeten wir
üble Nachrede über G~tt und Moscheh, und G~tt sandte uns
dafür Giftschlangen. Wie konnte das passieren? Sagten die
Weisen: Die Nichtjuden ließen uns nicht durch ihr Land ziehen,
und darum mußten wir einen langen und mühsamen Umweg
machen. Deshalb redeten wir schlecht über sie - und gleich
weiter über G~tt und Moscheh. Sieh dich vor! Wenn du schlecht
über Araber redest, lasse dich nicht dazu verleiten, so über
Juden zu reden!
Natürlich gibt es auch Ausnahmen: "Üble Nachrede zum
Nutzen". Wenn jemand gerade dabei ist, mit einem
eingefleischten Betrüger eine Geschäftsbeziehung einzugehen,
muß man ihn vor ihm warnen, wenn keine andere Möglichkeit
zur Verhinderung dieser ungleichen Partnerschaft besteht. Oder
wenn ein Mädchen einen Jungen zwecks Heirat kennenlernt,
dessen abwegige Neigungen den Leuten in seiner Umgebung
bekannt sind, muß man das Mädchen vor ihm bewahren. Doch
wie gesagt handelt es sich dabei um Ausnahmen, etwa so, wie
die Schabbatentweihung zur Rettung eines Schwerkranken
erlaubt ist.
Das Prinzip aber lautet: Hüte deine Zunge! Halte deine Lippen
rein!
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