DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT HA'ASINU
Nr. 428
8. Tischri 5764

Schabbat Schuwa
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 32,1-32,52):
Weltgeschichte von ihren Anfängen bis zum Ende in kurzer
Gedichtform, nochmalige Ermahnung des Volkes, Vorschau auf
Moschehs Tod.
 
 

Der Stand der Dinge...
Fenster der Gelegenheit
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die Zehn Bußtage von Rosch Haschana bis Jom Kippur sind
mit einer besonderen Eigenschaft ausgestattet: die bußfertige
Umkehr (Tschuwa) des Einzelnen wird angenommen wie die
der Gemeinde. So steht es im Gesetzeswerk von Rabbiner
Moscheh ben Maimon ("Maimonides"), Mischne Tora: "Obgleich
Tschuwa und Gebet immer angebracht sind, so sind sie es
besonders in den 10 Tagen zwischen Rosch Haschana und
dem Versöhnungstag und werden an ihnen sofort
angenommen... Das gilt aber nur von der Tschuwa und dem
Gebet des Einzelnen, die Gemeinde aber, die Tschuwa tut und
aus vollem Herzen fleht, wird zu jeder Zeit erhört" (Gesetze von
der Tschuwa, 2.Kap., Hal.6). Darum "pflegten alle Juden
besonders Mildtätigkeit und gute Taten zu mehren und sich mit
den Geboten zu beschäftigen", und an diesen Tagen früh
aufzustehen und viele Sündenbekenntnisse zu sprechen,
besonders an Jom Kippur (3.Kap., Hal.4).

Über diese Tage läßt sich sagen: "Wenn jemand sich ein wenig
heiligt, so heiligt man ihn sehr; wenn drunten, so heiligt man ihn
droben" (Joma 39a), d.h., an diesen Tagen genießen wir
besondere himmlische Hilfe, uns zu reinigen und zu heiligen,
oder wie man heute sagen würde: es öffnet sich ein
himmlisches "Startfenster", wie es heißt: "Suchet den Ewigen,
wenn er sich finden läßt, rufet ihn an, wenn er nahe ist"
(Jeschajahu 55,6).

Die talmudischen Weisen bringen Nawal aus Karmel als
Beispiel für einen Menschen, dem während der 10 Bußtage
Gelegenheit zur Tschuwa gegeben wurde, diese jedoch nicht
nutzte: "Und es vergingen etwa zehn Tage, da schlug der Ewige
den Nawal" (Rosch Haschana 18a/Schmu'el I, 25,38). Sogar
Nawal, der seinem Namen alle Ehre machte (Nawal=Schurke),
ein undankbarer Mensch - erhielt einen Strafaufschub für diese
10 Tage, vielleicht würde er ja von seinen bösen Taten
ablassen. Davon lernen wir die besondere Kraft und
Besonderheit der 10 Bußtage, an denen sogar die Schurken die
Gelegenheit erhalten, über die Änderung ihres Verhaltens mit
G~tt ins Reine zu kommen.

Nach dem Stand der Dinge eröffnen sich uns an den 10
Bußtagen viele Gelegenheiten, uns zu bessern, mit anderen zu
versöhnen und zu einen, Meinungsverschiedenheiten zu
begraben, Streitereien und Wutausbrüche zu vermeiden -
zwischen dem Menschen und seinem Nächsten, zwischen
Eheleuten, zwischen Kindern und Eltern, zwischen Parteien,
zwischen Religiösen und Nichtreligiösen, zwischen Rechts und
Links, und so gemeinsam Jom Kippur zu erreichen, den
Versöhnungstag für den Einzelnen und die Gemeinde, wie
Rabbi Akiva einst sagte: "Heil euch, Israel! Wer ist es, vor dem
ihr euch reinigt, wer ist es, der euch reinigt? Es ist euer Vater im
Himmel, wie es heißt: und ich werde reines Wasser über euch
sprengen, daß ihr rein werdet" (Mischna Joma 85b/Jecheskel
36,25), bald in unseren Tagen, amen.

Mit dem Segen für ein gutes und süßes neues Jahr, und in
Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Ein Interview

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich verstehe nicht, warum mein Mann mich schlägt, wo
ich doch mehr als er für die Familie tue, eine bessere Bildung
genoß, gesellschaftlich akzeptiert bin und von stabilerem
Charakter.

Antwort: Das ist genau der Grund! Er fühlt sich minderwertig,
und darum versucht er künstlich die Oberhand zu gewinnen.
Gewalt ist die Waffe der Schwachen.
-Dann würde er also vorziehen, wenn ich nicht so erfolgreich
wäre?
-Nach außen hin möchte er schon eine Erfolgsfrau vorzeigen,
aber zuhause wünscht er sich ein ergebenes Weib, wie bei den
Nichtjuden im Mittelalter.
-Und darum ist er so geizig mir gegenüber?
-Genau. Das ist noch eine andere künstliche Möglichkeit, Sie zu
beherrschen und sich stark zu fühlen.
-Ich habe aber überhaupt keine Absicht, über ihn zu herrschen,
ich wünschte mir nur ein wenig Partnerschaft.
-Richtig, aber er faßt es als Ihren Willen auf, der "Mann im
Haus" zu sein.
-Was kann ich also tun?
-Sie sind wohl der Ansicht, Sie müßten unterwürfig sein,
verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Ehe und immer
entgegenkommend. Ihre objektive Lage, d.h. daß Sie über weit
größere persönliche Resourcen verfügen als Ihr Mann,
unterscheidet sich ganz erheblich von Ihrer subjektiven
Einschätzung Ihres Selbstwertes.
-Mit anderen Worten: Er schlägt mich wegen seines niedrigen
Selbstwertgefühls, und ich lasse mich schlagen wegen meines
niedrigen Selbstwertgefühls. Ist das nicht witzig?
-Ja, das ist sehr traurig.
-Trotzdem, so wie ich mich kenne, hatte ich als junges Mädchen
kein niedriges Selbstwertgefühl.
-In Ihrer gewalttätigen Ehebeziehung nimmt Ihr Selbstwertgefühl
jedoch stetig ab. Die Gewalt vernichtete Ihre positive
Selbsteinschätzung und wandelte sie ins Negative.
-Mein Mann behauptet aber, daß nach der Tora eine Familie
keine zwei Häupter haben kann. Der Mann ist das Haupt, trägt
die Verantwortung und herrscht.
-Das stimmt nicht. Nach der Tora besteht eine Partnerschaft
zwischen den Eheleuten. Beide sind ein Herz und eine Seele,
eine Einheit, "und sie werden zu einem Fleische" (Gen. 2,24),
"Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und Freundschaft" (aus dem
Hochzeitssegen). Allerdings gibt es unterschiedliche Aufgaben,
der Ehemann trägt die Verantwortung für den Lebensunterhalt
und die Mutter für die Familie, aber beide sind gleichwertig.
-Nun ist mein Mann aber arbeitslos und ich verdiene das Geld,
ziehe die Kinder auf und bekomme obendrein Schläge und
werde beleidigt.
-Das paßt genau ins Bild; wenn der Mann arbeitslos ist, steigt
die Gewalt in der Familie, weil sein Selbstwertgefühl sinkt,
obwohl er an seiner Entlassung keine Schuld hatte. Dazu ist er
frustriert, und am leichtesten ist es für ihn, seinen Frust an
seiner Frau abzureagieren. Er hat die Herrschaft über einen
Hauptteil seines Lebens verloren, und dies ist die Herrschaft,
die ihm noch verblieb. Als Arbeitsloser ist er schwach, darum
sucht er sich einen noch Schwächeren. Das ist seine Frau, und
so schlägt er sie.
-Jeder Arbeitslose schlägt seine Frau?!
-Um G~ttes Willen! Das hängt sehr davon ab, was er in seinem
eigenen Elternhause mitbekam. Wenn er von seinen Eltern
geschlagen wurde oder einen gewalttätigen Vater hatte, der
seine Frau nicht respektierte, fühlt er sich legitimiert, ebenso zu
handeln. So eine Jugenderfahrung kann allerdings auch ins
Gegenteil umschlagen, daß er nämlich seine Frau ganz
außerordentlich respektiert.
-Wenn das Ungleichgewicht zugunsten der Frau die Gewalt
verursacht, sollte man vielleicht von vornherein den Rat geben,
eine niederrangige Frau zu heiraten?
-Das kann schon sein, ist aber nicht immer machbar. Zum
Beispiel ergibt sich bei Familien von Neueinwanderern häufig
ein Vorteil für die Frau, die sich schneller in ihre Umgebung
einfügt, die Sprache schneller lernt, stärker am Leben der
Kinder beteiligt ist, flexibler in der Annahme von Arbeit, die nicht
ihrem Bildungsniveau entspricht - weil beim Mann das Ansehen
eine große Rolle spielt. All das kann zu Gewalt führen, wenn
dazu bereits eine Neigung besteht.
-Besteht eventuell eine Möglichkeit, schon vor der Ehe einen
potentiell gewalttätigen Ehemann zu erkennen?
-Es gibt tatsächlich latente, verdeckte Gewalt, die man schon
bei der ersten Begegnung aufspüren kann. Erinnern Sie sich
vielleicht an bestimmte Warnzeichen von Herrschsucht,
Eroberungslust oder Besitzergreifung?
-Allerdings! Zum Beispiel sagte er: "Deine Freundin scheint mir
nicht der richtige Umgang für dich zu sein", oder: "Du bist
hübscher ohne Schminke".
-Das klingt zwar wie ein Kompliment, läßt aber Herrschsucht
durchschimmern.
-Manchmal wurde er deutlicher: "Schminke ist blöd". Er hatte
auch häufig etwas von wegen mangelnder Sittlichkeit meiner
Kleidung zu bemerken. Ich hatte ständig das Gefühl, er wolle
mich ändern und an mir herumverbessern. Einmal sagte er mir
überheblich: "Ich bin älter als du und verstehe die Dinge
besser".
-Sie haben also damals mitgespielt, eigentlich bis auf den
heutigen Tag.
-Ja, ja, das Opfer ist selber Schuld.
-Um Himmels Willen! Vielmehr ist jede Frau auch ein wenig
Sozialarbeiterin, die den Kummer ihres Mannes anhört, der zum
Sündenbock gemacht wurde und nun endlich jemanden fand,
der sich seine Sorgen anhören will. Sie übernimmt die Aufgabe,
ihn zu unterstützen und ihn zu fördern, ihn zu retten und ihm
den Glauben an die Menschheit und an die Frauen
zurückzugeben. Sie übernimmt die Verantwortung für sein
physisches und sein seelisches Wohlergehen. Dafür ist sie
bereit, nachzugeben und sich selbst zu verleugnen. So gerät sie
in die gefährliche Situation, von ihrem Mann gänzlich
vereinnahmt zu werden.
-Bei uns ist das wirklich der Fall, darum schiebt mir mein Mann
für jede Kleinigkeit die Schuld in die Schuhe und ich schweige
dazu und nehme es hin. Er hindert mich, Dinge zu tun, die mir
Spaß machen, und ich gebe nach und laß es sein. Er herrscht
und ich diene. Er explodiert über jede Kleinigkeit, und ich gebe
mir noch die Schuld daran. Ich gehorche die ganze Zeit. Jedes
Mal, wenn er mit sich selbst nicht zufrieden ist, stehe ich als
Blitzableiter für ihn bereit. Das alles tue ich, um die Familie
zusammenzuhalten.
-So etwas nennt sich weder Familie noch Zusammenhalt.
"Familie" bedeutet Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und
Freundschaft.
-Als junges Mädchen war er mein Freund am Gymnasium.
Eigentlich ist das ja verboten, aber ich schildere nur die
Tatsache. Wenn ich mal mit einem anderen Jungen plauderte,
wurde er furchtbar eifersüchtig und befahl mir, alle meine guten
Freunde sausen zu lassen. Das erinnert mich an ein Lied von
Altermann: "Wenn du einmal ohne mich im Freundeskreise
lachest, kommt mein schweigender Eifer und verbrennt dein
Haus mit dir". Ihm war es allerdings erlaubt, mit anderen
Mädchen zu sprechen. Er hielt mich für sein Privateigentum.
Einmal kam ein Junge und fragte mich etwas, doch bevor ich
antworten konnte, kam mein Freund und zog mich an der Hand
fort. Am Anfang fühlte ich mich von alledem geschmeichelt,
aber später ging es mir auf die Nerven. Ich fühlte, als ob mit
dem Charakter der Jungen etwas nicht stimmte. Vielleicht ein
aufgeblasenes männliches Ego? Auch heute scheint es mir, als
ob Jungen nie erwachsen werden, sondern immer Kinder
bleiben.
-Das ist eine übertriebene Verallgemeinerung, wie alle
Verallgemeinerungen.
-Ich rede nur über Dinge, die ich selbst erlebe. Was wird nun
mit mir werden?
-Morgen früh sagen Sie zu Ihrem Mann: "Ab heute schlägst du
nicht mehr, herrschst du nicht mehr und beleidigst mich nicht
mehr. Ich lasse das nicht mehr zu. Von heute tragen wir
gemeinsam die Verantwortung. Von heute an sind wir Freunde,
gute Freunde. Du wirst sehen, es wird zu deinem Besten sein.
Es wird zu unserem Besten sein. Wir werden beide glücklich
sein. Wir werden eine neue schöne Blume blühen lassen".
 

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