DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEMIDBAR
Nr. 461
2. Sivan 5764

4. Buch Moscheh
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):
Auflistung der Stammesfürsten und Musterung der
Kriegstüchtigen im ganzen Volk; Aufstellung und Anordnung der
Einheiten; Übertragung der Erstgeborenenpflichten auf die
Leviten; Befreiung der Leviten vom Armee- und ihre Einteilung
zum Tempeldienst; Aufteilung der Transport-, Auf- und
Abbaupflichten des Wüstenheiligtums innerhalb der levitischen
Familien.

Mi.(+Do.) Schawu'ot
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Kein Eintritt

Rav Se'ev Karov
Leiter der Jeschiwa in Karnej Schomron

"Daß sie nicht hineingehen um zu schauen, wie man das
Heiligtum verhüllt und sterben" (Num. 4,20). Nach der einfachen
Wortbedeutung wird hiermit den Söhnen Kehats aus dem
Stamme Levi verboten, die Bundeslade anzuschauen, denn ein
Blick auf die Bundeslade tötet den Betrachter, und so geschah
es den Leuten von Bet Schemesch, die die Bundeslade
anschauten und massenweise starben.

Es besteht ein Streit darüber, ob dieses Verbot nur für die
Leviten gilt, oder auch für die Kohanim (Priester). Aber warum
gibt es überhaupt Dinge, die man nicht anschauen darf? Warum
gibt es dabei einen Unterschied, wer die Lade mit den
Gesetzestafeln ansehen darf und wer nicht?

Heutzutage herrscht in einem Teil der Öffentlichkeit eine Art
akzeptiertes Prinzip, daß jeder machen dürfe, was immer ihm in
den Sinn kommt, und manche glauben, von allen Dingen etwas
zu verstehen. Jemand, der keine Ahnung von Geschichte hat,
kann aufstehen und historische Vorträge halten, auch wenn er
gar nicht weiß, ob seine Annahmen mit der Wirklichkeit
übereinstimmen. Neulich gerade behauptete jemand, in Gasa
hätten niemals Juden gewohnt.

Man kann seine Meinung zu medizinischen Themen äußern,
auch wenn man nie Medizin studiert hat. Andere wiederum
geben ihre Ansicht zu religiösen Themen kund, die niemals eine
Bibel in der Hand hielten oder geschweige denn daraus lernten.
Kein Mensch vereinigt in sich alle Weisheit. Nicht jeder ist ein
Geschichtswissenschaftler, und nicht jeder ist ein Arzt; man
sollte in Bescheidenheit anerkennen, daß es Gebiete gibt, von
denen man keine Ahnung hat.

Das stimmt sicherlich besonders bezüglich des Wissens um die
G~ttheit. Die Bundeslade verleiht dem Worte G~ttes und der
göttlichen Präsenz Ausdruck in der materiellen Welt. Der
Mensch muß wissen, daß alle seine Fähigkeiten eine bestimmte
Grenze haben, und das gilt natürlich auch für die Aufnahme von
Göttlichkeit. Das Verbot des Betrachtens der Bundeslade wie
auch das Verbot des unmittelbaren Berührens einer Torarolle
sollen in unserem Leben die Wahrheit verankern, daß wir in
unserer Fähigkeit des Erfassens der Tora beschränkt sind.

Auch die Kohanim, die für den Umgang mit der Tora und dem
Heiligtum ausgebildet wurden, müssen sich ihrer Grenzen beim
Umgang mit der Bundeslade und der Tora bewußt sein. Das gilt
natürlich erst recht für Menschen, die sich nur wenig mit der
Tora beschäftigen, die wissen müssen, daß es Dinge gibt, die
sie nicht sehen können.

Es ist vollkommen klar, daß jeder einzelne Jude Zugang zur
Tora hat. "Die Tora hat uns geboten Moscheh" (Dt. 33,4) - alle
sind zum Lernen der Tora verpflichtet und befähigt, doch nicht
alle sind befugt und befähigt, sie auszulegen und zu
kommentieren, oder religionsgesetzliche Entscheidungen zu
treffen.

Im Midrasch wird von Leuten berichtet, die sich vom Tragen der
Bundeslade drückten, weil sie befürchteten, diese Arbeit nicht
mit dem nötigen Respekt ausführen zu können und darum
bestraft zu werden, und im Gegensatz dazu von jenen, die ganz
wild darauf waren, das Heiligtum zu transportieren; der Vers
warnt sie vor einer Entweihung des Heiligtums bei ihrem Drang,
es für sich zu vereinnahmen.

Einerseits ist uns verboten, vor der Tora Angst zu haben und
von ihr wegzulaufen, andererseits müssen wir uns vorsehen
und uns nicht auf das Heiligtum stürzen. Dem Heiligen nähere
man sich in Erkenntnis des rechten Verhältnisses zwischen uns
und dem Heiligen im Wissen, daß wir bestimmte Dinge nicht
sehen können. Das ist die Botschaft für uns - wir beschäftigen
uns mit der über uns erhabenen, göttlichen Tora, und trotzdem
dürfen wir einen Nutzen von ihr haben.
 
 
Frage und Antwort

Das Greuel der Völker

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum machen die Rabbiner nicht den Mund auf
angesichts aller möglichen Leute mit "übernatürlichen" Kräften
und Möchtegern-Kabbalisten, auf die viele gutgläubige
Menschen hereinfallen? Warum sehen sie schweigend zu, wie
Leute vor ihren Augen am Boden zerstört liegen? Vor einigen
Jahren haben Sie selber vor so einem gewarnt, aber jetzt hörte
ich, daß Sie Ihre Meinung änderten und nunmehr zu den
Anhängern dieses "Wunderrabbis" gehören. Ich selbst habe
furchtbar daran gelitten. Man schwatzte mir einen bestimmten
Jungen auf, der mir "vom Himmel vorbestimmt war", und wenn
ich mich weigerte, ihn zu heiraten, würde ich auf ewig verdammt
sein. Später entpuppte er sich als eine vollkommen verdorbene
Person - und alle wußten davon. Man erklärte mir, ich werde
dadurch alle meine Sünden los. Und ich in meiner Einfältigkeit
habe diesen Unsinn geglaubt. Sie machten mir Angst, brachen
mich, verboten mir, den Mund aufzumachen, beschuldigten
mich, verabreichten mir eine Gehirnwäsche und führten mich
irre. Ich bin ganz gebrochen; ich glaubte, einen heiligen
Kabbalisten zu treffen, stattdessen begegnete ich einem
Betrüger. Ich versuchte es noch bei zwei anderen, die beide
Geld von mir wollten. Alles nur gegen Bezahlung! Ich glaube
keinem einzigen Rabbiner mehr, der Lüge und Verbrechen
unterstützt. Ihr könnt großartige Predigten halten, und
gleichzeitig nehmt ihr Geld von Hilfsbedürftigen! Warum seid ihr
so schlecht?! Das sollen die "Weisen Israels" sein?!

Antwort: Sie haben recht. Das ist alles wirklich furchtbar. Aber
vor allem möchte ich klarstellen, daß ich meine Meinung nicht
geändert habe. Im Gegenteil, im Laufe der Zeit mußte ich noch
schlimmere Entdeckungen machen. Und wer über mich Lügen
verbreitet, muß dafür reumütige Umkehr tun und auch
bekanntmachen, daß das nicht stimmt. Ich halte es sogar für
wahrscheinlich, daß diese Leute, die über mich Lügen
verbreiten, es auch in anderen Dingen mit der Wahrheit nicht
genau nehmen. Und nun zum Thema selbst: Für diese Dinge
braucht man keine Rabbiner. Die bezüglichen Toraverse lernt
jedes kleine Kind in der Schule, ja sogar im Kindergarten.
Überall in der Tora heißt es, daß man den Segen durch Arbeit
und Mühe erhält, und nicht durch Hokuspokus, Wundermittel
und Tricks. Man wählt seinen zukünftigen Ehepartner nicht
anhand von Geheimlehren aus, sondern fragt ersteinmal, über
welche gute Eigenschaften er/sie verfügt. Als z.B. für unseren
Vorvater Jizchak die Zeit für die Ehe reif war, suchte man für ihn
ein Mädchen mit gutem Herz, das gerne Anderen hilft. Man fand
sie Wasser schöpfend am Brunnen, und nicht in der finsteren
Höhle eines Zauberers. So steht es in unserer lichten Tora: "Es
soll nicht gefunden werden unter dir... ein Zauberer, ein
Geisterbanner, und der Beschwörung befragt, und ein
Weissager und der die Toten beschwört. Denn ein Greuel des
Ewigen ist jeglicher, der dies tut, und um dieser Greuel willen
treibt sie [die kana'anitischen Völker] der Ewige dein G~tt vor dir
aus. Untadelig sollst du sein gegen den Ewigen deinen G~tt"
(Dt. 18,10-13). Das beginnt mit Greueln und endet mit
Grausamkeiten.

Tora bedeutet gute Eigenschaften und Himmelsfurcht und nicht
Einbildungen, Träume und Lügen von Hochstaplern oder
Ignoranten. Keine sogenannten "himmlischen Offenbarungen",
sondern Schulchan Aruch und Messilat Jescharim. Alles im
Rahmen der Tora, denn unser Lehrer Moscheh war auch ein
göttlicher Kabbalist.

Jedes Schulkind lernt von Anfang an, daß alles von den Taten
des Menschen und nicht von Zauberei abhängt. Es lernt über
unseren Vorvater Awraham, der auf G~tt vertraute und sich
nicht mit Zaubertricks beschäftigte. Natürlich haben wir es
weiter als bis zur 1. Klasse gebracht, aber wir dürfen nicht die
einfachen Prinzipien der Tora vergessen, nämlich
Himmelsfurcht und gute Eigenschaften. So lehrten uns die
Schüler Moschehs in allen Generationen: Die Altvordern und die
Propheten, die talmudischen Weisen aus der Zeit der Mischna
(Tanna'iten) und der Gemara (Amoräer), die Rischonim (die
Rabbiner der nach-talmudischen Periode) und die Acharonim
(seit ca. 500 Jahren).

Verlasse darum die "Greuel der Völker" und folge der Tora
G~ttes. Denn "was verlangt der Ewige dein G~tt von dir, Israel,
als daß du fürchtest den Ewigen deinen G~tt, daß du auf all
seinen Wegen wandelst und ihn liebst, und dienest dem Ewigen
deinem G~tt mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen
Seele; Daß du beobachtest die Gebote des Ewigen und seine
Satzungen, die ich dir heute gebiete dir zum Heil" (Dt. 10,12-
13), und nicht die von sogenannten Wunderrabbis, die aus allen
Rohren schießen und manchmal einen Zufallstreffer landen, der
dann gebührlich hochgespielt wird, während niemand von der
Mehrheit, von den Fehlschlägen, etwas berichtet.

Die Hauptsache ist die Tora des Lebens und der Wohltätigkeit,
denn dafür wurde die Welt geschaffen.

Laß ab von allen möglichen Wundertätern und konsultiere
Rabbiner voller Weisheit, Heiligkeit, Reinheit und Liebe. Es gibt
natürlich wirklich Zeichen und Wunder, und wir glauben an
Zeichen und Wunder. Worin besteht der Unterschied? Wenn
man uns so eine Geschichte über einen großen und heiligen
Toragelehrten erzählt, über Maimonides oder Raschi, über
Rabbiner Kuk oder den "Chason Isch". Wenn man uns aber
über die "Wundertaten" eines Ignoranten berichtet, über
jemanden, der für seine Dienste Geld verlangt - dann werden
wir das nicht glauben.

Darüberhinaus möchte ich betonen, daß wir Maimonides und
Raschi nicht wegen der Wunderzeichen verehren, die sie
vollbracht oder auch nicht vollbracht haben, sondern weil sie
voller guter Eigenschaften und Himmelsfurcht waren, voller Tora
und Mitzwot, voller Wohltätigkeit und Liebe zu den Geschöpfen;
kurz gesagt, weil sie Riesen des Geistes waren, und
Geistesgröße kann manchmal auch Zeichen und Wunder
bewirken.

Wollen wir uns einmal anschauen, was Rabbiner Me'ir Simcha
Hakohen aus Dvinsk [der besonders für seinen Maimonides-
Kommentar "Or Same'ach" und seine Torakommentare berühmt
war; lebte vor etwa 100 Jahren] zu diesem Thema sagte. Zum
Vers "auch der Mann Moscheh war sehr groß im Lande Ägypten
in den Augen der Diener Pharaos, und in den Augen des
Volkes" (Ex. 11,3) erklärte er, es gebe zwei Wege, auf denen
ein Mensch zu Ehre gelangen könne: "Entweder durch die
Gewaltigkeit der Weisheit des Geehrten und seine göttlichen
Charakterzüge und seine wunderbaren Verhaltensprinzipien,
oder durch befremdliche, unfaßbare Taten, und Wundertaten,
die nicht den Regeln der Natur zu folgen scheinen, so daß man
ihn für eine Gottheit hält. Der Geehrte nur wegen seiner
Weisheit und seiner Anständigkeit", das sind die edelmütigen
Weisen im Volke, das mit kritischem Blick deren Eigenschaften
erkennt und sie deswegen hochschätzt. "Der Mann aber, der
wegen seiner seltsamen Taten und Wunderzeichen geehrt
wird", erreicht diese Lobpreisung durch das Volk gerade "weil er
durch verkleisterte Augen für göttlich gehalten wird... und man
ihm in Wundergeschichten Lügenmärchen und seltsame
Wundertaten andichtet, bis sein Name bei der Masse bekannt
wird" (Meschech Chochma zur Stelle).

Mit G~ttes Hilfe wirst du von jenen loskommen, die in der
Masse als Wundertäter bekannt sind, und folge denen, die
wirklich weise und anständig sind.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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