DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHARE MOT-KEDOSCHIM
Nr. 458
10. Ijar 5764
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-20,27):
Jom Kippur: Opferdienst und Feiertag; Fleischgenuß nur von
Opfertieren; Verbot des Blutessens; Verwandte usw., die zu
heiraten verboten ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die Greuel
der Kana'aniter zu vermeiden; Gebot und Versprechen, heilig zu
sein; div. Ge- und Verbote und deren Strafen; Land von Milch
und Honig.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Auf moralische Weise

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Häufig werden wir gefragt, wie denn die wünschenswerte
Lösung des so lange andauernden Konfliktes zwischen Israel
und Ischmael um das Land Israel aussehen sollte. Natürlich
dient dieses Blatt nicht der Diskussion politischer Lösungen und
strategischer Analysen, sondern den spirituellen und jüdischen
Aspekten dieser Frage; diese Betrachtungsweise vermag sie in
neuem Licht erscheinen zu lassen.

Die wünschenswerte Lösung für das Problem der Fremden im
Lande Israel wird im Gesetzeswerk des Maimonides "Mischne
Tora" erklärt, in den "Gesetzen von Königen und Kriegen"
(6.Kap.,Hal.5): "Drei Schreiben schickte Jehoschua [an die
Bewohner Kana'ans], bevor er in das Land einrückte. Im ersten
schrieb er ihnen: Wer weglaufen will - laufe weg. Dann schrieb
er: Wer Frieden schließen will - schließe Frieden. Und dann
schrieb er: Wer Krieg führen will - tue dies".

Demnach bieten sich den Nichtjuden im Lande drei
Möglichkeiten: das Land zu verlassen, sich auf einen Krieg
gegen uns einzulassen, oder mit uns zusammen in Frieden zu
leben. Die genauen Bedingungen dieses Friedens beschrieb
Maimonides vorher (Hal.1), d.h. vor allem die Akzeptierung
israelischer Staatshoheit und die Einhaltung der sieben
noachidischen Gebote. Diese sieben Gebote beinhalten die
minimalen Grundregeln für menschliches Verhalten, die von
jedem gefordert werden, der der Bezeichnung "Mensch" würdig
sein will: Verbot des Mordens, des Stehlens, des Ehebruchs,
des Götzendienstes und das Abtrennen eines Körperteiles von
einem lebendigen Tier zum Verzehr, wie auch die Pflicht der
Einrichtung geordneter Rechtsprechung zur Regelung
zwischenmenschlicher Angelegenheiten.

In moralischer Hinsicht wäre dies zweifellos eine gerechte und
wünschenswerte Lösung. Im Lande der Heiligkeit ist Platz nur
für denjenigen, der die Konsequenzen dieser Heiligkeit zu
tragen bereit ist. Darum sagt uns die Tora im Abschnitt Achare-
Mot: "Da das Land unrein war und ich heimsuchte die Schuld an
ihm, da spie das Land aus seine Bewohner" (Lev. 18,25). Wer
mit uns im Lande leben möchte, das uns von G~tt gegeben
wurde, muß in ihm ein moralisch einwandfreies Leben führen
und mit uns an der großen Bestimmung beteiligt sein, der
Vervollkommnung der Welt unter der Königsherrschaft G~ttes.

Daraus ergibt sich für uns eine schwerwiegende Bedeutung.
Jeden moralischen Anspruch, den jemand an seinen Nächsten
stellt, muß er doch zuerst von sich selber fordern. "Schmücke
dich selbst, und danach schmücke andere" heißt es bei den
talmudischen Weisen (Baba mezia 107b). Und wenn du das
Land von dessen kana'anitischen Bewohnern wegen deren
moralischer Verdorbenheit in allen intimen Dingen befreien und
ererben willst, mußt du erst einmal vor der eigenen Haustüre
kehren.

Der Weg zu vollkommener Souveränität des jüdischen Volkes in
seinem Lande kann nicht die Übernahme von Verantwortung für
einen hohen moralischen Standard der israelischen
Gesellschaft in ihrer Gesamtheit außer acht lassen. Wir müssen
unerbittlich gegen alle Raub- und Mordtaten vorgehen, gegen
alle Schändlichkeiten und Betrügereien, die täglich unsere
Zeitungen füllen. Wir sind strengstens dazu angehalten,
hierzulande eine warmherzige und liebende Gesellschaft zu
erzeugen, die ihre Mitglieder stützt und sowohl nach innen wie
auch nach außen für Wohlfahrt sorgt, wie zum Beispiel jeder,
der die Verhältnisse aus der Nähe kennt, im Katif-Gebiet sehen
kann. Das arabische Problem und die Frage der moralischen
Verfassung des Staates Israel sind identisch. Wegen jener
Unmoral der Vorzeit - Götzendienst, Sittenlosigkeit,
Blutvergießen und grundloser Haß - wurden wir aus unserem
Land vertrieben und von unserem Erdboden entfernt.

Auf den ersten Blick läßt so eine Beurteilung der Lage
Pessimismus aufkommen. Sind wir denn nicht würdig, das Land
zu erben, das G~tt unseren Vorvätern geschworen hat, uns zu
geben? Steht uns ein weiteres, göttlich bestimmtes Exil bevor?

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels)
beschäftigte sich ausführlich mit dieser Frage in der Einleitung
seines Buches "Schabbat Ha'aretz" (Gesetze des Siebtjahres,
Schmitta). Nicht die Sünden des Einzelnen - auch wenn es
derer gar viele sind - führen zu Galut, Exil. Das jüdische Volk
wohnte lange Jahre in seinem Lande, auch als "sündiges Volk,
schuldbelastete Nation" (Jeschajahu 1,4), bis es ins Exil geführt
wurde. Stück um Stück sickert die Unreinheit von den
Individuen in die Seele der Nation, die "Psyche der
Allgemeinheit", unser kollektives Unterbewußtsein, bis keine
andere Wahl mehr bleibt als sie in der "Wüste der Völker" zu
reinigen. Doch genau, wie sich die Unreinheit in den frühen
Tagen langsam aber sicher bei uns breitmachte, so entschwand
und verflüchtigte sie sich in den langen und harten Jahren der
Galut. Wir konnten endlich in unser Land zurückkehren, nicht
weil sich das sittliche Niveau der Einzelnen in höchste Höhen
aufgeschwungen hatte, sondern weil die nationale Seele
gereinigt war. Die Zeit war reif für die Heiligung des göttlichen
Namens, nach seiner Entheiligung in der Galut. Diesen
Sachverhalt kann man mit bloßem Auge nicht erkennen. Die
Taten vieler unserer Brüder lassen eher auf das Gegenteil
schließen. Die Reinheit verbirgt sich unterschwellig in unserer
Umgebung. Kein Mensch "wird eingeweiht in G~ttes Geheimnis
zu wissen, wann das Land und das Volk vollständig von ihrer
Ausflußunreinheit gereinigt sind". Woher wissen wir demnach,
wann die "Zeit der Liebe" (Jecheskel 16,8) gekommen und das
Volk Israel wieder würdig ist, in sein Land zurückzukehren?
Darauf antwortete Rabbiner Kuk: "Unsere Augen sind gerichtet
zu erblicken die verborgensten Geheimnisse in aller Offenheit -
in der Vision des offenbarten Endzeitpunktes, den die Weisen
schon derzeit schilderten: Du hast kein deutlicheres
[Kennzeichen für das] Ende als das folgende: ihr aber, ihr Berge
Israels, laßt euer Laub sprossen und tragt eure Frucht für mein
Volk Israel, denn sie kommen bald (Sanhedrin 98a; Jecheskel
36,8)". Der göttliche Anstoß zur Rückkehr ins Land und zu
dessen Besiedlung, das uns den Staub abzuschütteln und den
Staat zu gründen antreibende "Ende", diese sind die deutlichen
Zeichen, "daß erfüllt ist seine [des Volkes] Dienstzeit, daß
seiner Schuld genug getan" (Jeschajahu 40,2).

Auch in schweren Zeiten glauben wir an die innere Reinheit
unseres Volkes, dessen äußere Handlungen deren offenes
Erscheinen behindern. Dadurch jedoch verstehen wir, daß die
Schwäche, die sich im Verhältnis zum Land und der jüdischen
Identität im Allgemeinen offenbart, und die hervorstechende
Anarchie auf dem Gebiet sittlichen Lebens zwei Seiten der
gleichen Münze sind. Für uns bedeuten zionistische und
moralische Geisteshaltung einunddieselbe Sache.

"Denn mein ist die ganze Erde. Aber ihr sollt mir sein ein
Königreich von Priestern und ein heiliges Volk" (Ex. 19,5-6).
"Sei fest und laß uns stark sein für unser Volk, und für die
Städte unseres G~ttes" (Schmu'el II, 10,12).
 
Frage und Antwort

Wer braucht denn den Gasastreifen?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Der Gasastreifen [hebr.: Chewel 'Asa] bedeutet mir
nichts, die ganze Geschichte geht mir bloß auf die Nerven, das
ist doch ein einziges Wespennest, ein Pfahl in unserem Fleisch.
Wer braucht dieses Gebiet überhaupt?

Antwort: Ich werde Ihnen nicht antworten, daß wir den
Gasastreifen zu unserer Sicherheit brauchen, obwohl das der
Wahrheit entspricht - es ist aber nur ein kleiner Teil der
Wahrheit. Die volle Wahrheit lautet: Weil er ein Teil vom Lande
Israel ist. Natürlich leidet auch die Sicherheit, wenn man
g~ttbehüte Teile vom Lande Israel aufgibt. Es ist verboten, auch
nur einen Zentimeter von dort abzurücken, weil das ein
Verbrechen ist - ein Verbrechen im nationalen Sinne, nach der
Halacha und dem Glauben, und Verbrechen zahlt sich nicht
aus.

Ein Verlassen des Gasastreifens wäre reiner Wahnsinn und
nicht nur gegen die Halacha. Wer schon nicht auf die Stimme
der Tora hört, sollte wenigstens der Stimme des Verstandes
folgen. Ein Wahnsinn gegen die Tora, gegen die Nation und
gegen die Sicherheit.

Darum verkünden wir dem jüdischen Volk und der ganzen Welt:
Dieses Land ist unser - auf ewig. Darum gibt es kein Räumen,
keine Geräumten und keine Räumungen.

Glaubt unser Regierungschef etwa, dieses Land sei sein
Privateigentum?! Es gehört der jüdischen Gemeinschaft in allen
ihren Generationen! Darum sind alle Rückzugspläne soviel wert
wie der Staub der Erde oder sogar noch weniger, und auf jeden
Fall weniger als der Staub des Bodens von Gusch Katif [das
Katif-Gebiet, die jüdisch besiedelten Gebiete des
Gasastreifens]. Wir sind dabei nicht alleine, denn wir folgen den
Wegen G~ttes, und für ihn streiten wir.

Was die Behauptung der Ängstlichen angeht, man könne gar
nicht am Gasastreifen festhalten, so sagte schon Napoleon,
"geht nicht" gebe es nicht in seinem Lexikon. Zwar irrte er, wie
er zu seiner Schande schließlich feststellen mußte, im Lexikon
des Herrn der Welt und seines Volkes Israel gibt es das aber
wirklich nicht, und so werden wir uns behaupten.

Wir fürchten uns weder vor den äußeren Feinden noch vor den
inneren. Seit Beginn unserer Geschichte ging es uns noch nie
so gut. Nur Angsthasen glauben, das Ende der Welt sei nahe.

Wie lautet demnach mein Vorschlag? Ich schlage vor, genau so
weiterzumachen wie bisher: Im Unabhängigkeitskrieg wurden
sieben Staaten durch 600.000 Juden in die Flucht geschlagen,
von einer Armee, die gerade erst das Licht der Welt erblickt
hatte und ohne nennenswerte Luftwaffe, aber mit großer
Entschlossenheit; drei Armeen wurden in sechs Tagen besiegt;
wir kämpften gegen verschiedene mit russischen Waffen
ausgerüstete arabische Bündnisse; wir haben ein Land, eine
Armee, eine Luftwaffe, Industrie und Landwirtschaft, ja sogar
drei Satelliten im All - zusammen mit USA, Russland, China und
Europa. Wir verfügen über Kernwaffen - zusammen mit USA,
Russland, China, Indien, Frankreich und England (aber das ist
streng geheim!). Alle Imperien, die uns an den Kragen wollten,
sind bereits untergegangen und von der Landkarte
verschwunden. Bei Staatsgründung bestanden zwei Drittel des
Gebietes aus Wüste, und wir schufen ein Imperium aus dem
Nichts. Darum beschweren wir uns nicht und haben auch keine
Angst.

Das Volk in Zion ist stark, und das Volk im Katif-Gebiet erst
recht. Zeitungsreporter suchten mit der Lupe, nur einen einzigen
Siedler zu finden, der bereit wäre, gegen Entschädigung dieses
Gebiet zu verlassen - vergebens!

Das ist die Lösung: Mut! Mit Schwächlichkeit kann man keinen
Staat gründen und unterhalten. Auch 'Asa bedeutet eine
Mutprobe. "Und die Mark der Kana'aniter war von Zidon gen
Gerar bis Asa" (Gen. 10,19), "Und Jehoschua schlug sie von
Kadesch Barnea bis Asa" (Jehoschua 10,41), "Und es geschah,
wenn Israel säete, so kam Midjan und Amalek herauf und die
Söhne des Morgenlandes, und zogen über sie her. Und lagerten
sich um sie und richteten das Gewächs des Landes zu Grunde
bis gen Asa" (Richter 6,3-4), am Ende aber schlug Chiskijahu
König von Jehuda "die Pelischtim bis Asa" (Könige II, 18,8), und
schon vor ihm König Schlomo, "denn er waltete über das ganze
Diesseits des Stromes, von Tifßach bis Asa" (Kö.I, 5,4). Das ist
das Geheimnis: "bis Asa"!

Böse Menschen gibt es in Asa: "Also spricht der Ewige: Wegen
der drei Verbrechen Asas und wegen der vier sollt' ich ihm nicht
vergelten?... Und ich sende Feuer in die Mauern von Asa, daß
es seine Paläste verzehre" (Amos 1,6-7). Ebenso "Es wurden
keine Anakim übriggelassen im Lande Israel, nur in Asa"
(Jehoschua 11,22).

Ein schweres Pflaster ist Asa: "Asa bedeutet Mut und Stärke"
(aus dem Talmudkommentar des MaHaRaL). Doch sind wir
mutiger und stärker als jene.

Wenn sich das Tor zu Asa nicht öffnen läßt, muß man es eben
ausreißen: "...und [Schimschon] ergriff die Türen des
Stadttores, und die beiden Pfosten, und riß sie aus samt dem
Riegel und nahm sie auf seine Schultern, und brachte sie auf
den Gipfel des Berges, der vor Chevron" (Richter 16,3).
Schimschon stellte sich auf vor Chevron (Hebron), vor dem Ort
unserer Stammväter, und füllte sich mit Glauben, Kraft und
Heldenmut.

Wenn die Bewohner von Gasa stark sind, dann sind wir stärker
als sie. "Die Tora wurde deshalb den Israeliten gegeben, weil
sie stark sind... Es gibt drei Starke: Israel unter den Völkern..."
(Bejza 25b); Raschi zur Stelle: "Starke - schwer zu besiegen".
Kommentar des MaHaRSchA: "Auch die Tora wird Stärke
genannt.... G~tt gibt seinem Volk Stärke (Psalm 29,11), das ist
die Tora. Und das sollte man im Sinn haben, wenn Israel betet:
Mein Sieg und mein Sang ist G~tt... (Morgengebet, Ex. 15,2)...
auf ihren Worten bestehen sie und schrecken vor niemandem
zurück... ihre Stärke besteht darin, daß sie vor niemandem
zurückschrecken und ihm die Stirn bieten".

"...und aus dem Starken (as) kam Süßes" (Richter 14,14).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
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