DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ZAW
Nr. 400
18. Adar II 5763
+ Schabbat Para

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 6,1 - 8,36):
Ausführungsvorschriften für das Ganzopfer, Mehlopfer,
Sühnopfer, Schuldopfer, freiwillige Opfer; Amtseinsetzung
Aharons und seiner Söhne als Priester (Kohanim) und Heiligung
der Dienstgeräte, dazugehörige Opfer.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Einverständnis und Zwang

Rav Jakov Halevi Filber
Rabbiner an der Jeschiwa
"Merkas HaRav", Jerusalem

Der Herr der Welten gab seinem Volke Israel nicht nur die Tora,
sondern er erzieht und leitet es auch, wie wir aus den Worten
des Propheten Jeschajahu lernen: "Ich bin der Ewige, dein G~tt,
der dich belehrt zum Frommen, der dich leitet auf dem Wege,
den du gehen sollst" (48,17). Solch eine Anleitung G~ttes finden
wir an mehreren Stellen in der Tora, und deren gemeinsamer
Nenner besteht aus der Kombination von Zustimmung und
Zwang, Freiwilligkeit und Gebot. Diese Kombination findet sich
bereits bei der Versammlung am Berge Sinai, als uns G~tt die
Tora nicht sofort aufdrängt, sondern ersteinmal Moscheh
losschickt, sie dem Volke Israel anzubieten, wie es heißt: "Und
Moscheh kam und berief die Ältesten des Volkes, und legte
ihnen all diese Worte vor, die ihm der Ewige geboten" (Ex.19,7).
Dieser Vorschlag wird vom Volk akzeptiert, wie es weiter heißt:
"Und nahm das Buch des Bundes, und las es vor den Ohren
des Volkes, und sie sprachen: Alles, was der Ewige geredet,
wollen wir tun und gehorchen" (Ex. 24,7). Doch trotz der freien
Entscheidung des Volkes, die Tora anzunehmen, gibt sich G~tt
nicht mit der Zustimmung zufrieden, sondern stülpt den Berg
wie einen Kübel über sie und sagt: Wenn ihr die Tora annehmt,
so ist es gut, und wenn nicht, so ist dort euer Grab" (Schabbat
88a). Diese göttliche Lenkung durch Zustimmung und
Verpflichtung wiederholt sich bei der Aufstellung des
Wüstenheiligtums, als die Tora zunächst an die
Spendenfreudigkeit des Volkes appelliert: "Von jeglichem, den
sein Herz dazu treibt, nehmet meine Hebe" (Ex. 25,2). Das Volk
reagiert mit solch überschwenglicher Begeisterung, daß im
Lager bekanntgemacht werden muß: "Weder Mann noch Weib
soll ferner Arbeit anfertigen für die heilige Hebe! So wurde das
Volk abgehalten vom Herbeibringen" (Ex. 36,6). Das Stiftszelt
wurde also durch die Spenden des Volkes gefertigt, doch auch
hier begnügt sich G~tt für den weiteren Dienst im Heiligtum
nicht mit dem guten Willen und der Zustimmung der Kohanim
(Priester) und dem übrigen Volke, sondern erteilt gleich nach
der Aufstellung des Heiligtums eine bindende Verordnung:
"Gebiete dem Aharon..." (Lev. 6,2). Dieser Befehl (zaw) wird im
Talmud folgendermaßen erklärt: "In der Schule Rabbi
Jischma'els wurde gelehrt: Überall, wo es 'befehlen' (zaw) heißt,
ist eine Anspornung für sofort und für die kommenden
Generationen zu verstehen. Eine Anspornung, denn es heißt
(Dt. 3,28): 'befiehl Jehoschua, ermutige und stärke ihn'; für
sofort und für die kommenden Generationen, denn es heißt
(Num. 15,23): 'von dem Tage an, da der Herr es befohlen hat,
und weiterhin für alle eure Generationen'" (Kiduschin 29a).

Die "Anspornung" soll andeuten, daß man sich nicht auf das
freie Verhalten des Menschen verlassen sollte, sondern ihn
anregen und antreiben, seine Pflichten zu erfüllen. Diese
Anleitung galt nicht nur damals, sondern besteht durch alle
Generationen. Gleichzeitig fügt der Talmud hinzu, begnüge man
sich nicht mit bindender Disziplin, sondern flechte Aktivitäten
der Bestärkung und der Ermutigung ein, so daß die
Kombination von bestärkender und ermutigender Unterstützung
und verpflichtendem Gebot den Zögling am Ende dazu bringt,
von sich aus das Gebot zu erfüllen.

Diese Richtlinie für eine Erziehung durch Verflechtung von
Pflicht und freier Entscheidung, d.h. die zu Erziehenden zur
Zustimmung in einem verpflichtenden Rahmen zu bewegen, ist
nur praktisch ausführbar, wenn die Zöglinge in Bezug auf ihre
Fähigkeiten und Willenskraft "aus einem Guß" sind. Dann
könnte man einen einheitlichen Lehrplan aufstellen, die Schüler
auf das gewünschte Erziehungsziel hin zu leiten und zu fördern.
In der Realität sind die Schüler aber nicht aus einem Guß, wie
schon die Tora von "vier Söhnen" sprach (siehe Pessach-
Hagada), von denen jeder seine eigenen Schwierigkeiten hat,
und darum muß jeder von ihnen eine andere Antwort erhalten.
Unterschiede und Strömungen finden sich auch in unserem
heutigen Erziehungssystem, mit besonders begabten Schülern,
der mittelmäßigen Mehrheit, aber auch einer gar nicht so
kleinen Gruppe, die sich nicht in die bestehende Ordnung
einfügen läßt, ob nun wegen Lernproblemen oder
Anpassungsschwierigkeiten. Das System ignoriert die
Lebensumstände und schert alle über einen Kamm. Den
Schülern wird im Großen und Ganzen ein Einheits-
Lehrprogramm angeboten, das auf die mittelmäßigen Schüler
zugeschnitten ist. Das drückt die begabteren Schüler auf ein
niederes Niveau und überfordert diejenigen, die sich nicht in das
System eingliedern können oder wollen.

Von unserem Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk in der Jeschiwa
"Merkas Harav" lernten wir eine andere Erziehungsmethode:
"Alles, was du erheben kannst, erhebe", d.h., die
Ausgangsbasis ist immer der jetzige Zustand des Schülers,
doch niemals darf man sich damit zufrieden geben. Man muß
immer versuchen, ihn auf ein höheres Niveau zu bringen und zu
erheben, ohne von vornherein eine Zielvorgabe festzulegen,
sondern nach dem persönlichen Rhythmus des Schülers
vorangehen. So kann dem ganzen System zum Erfolg verholfen
werden, Jeder auf seine Weise.
 
 
 
Frage und Antwort

Lerne und lehre

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Was ist besser - viele Jahre in der Jeschiwa zu lernen,
oder ins Land hinauszuziehen und zu unterrichten? Was ist
wichtiger - Lernen oder Lehren?

Antwort: Dieses Thema behandelten bereits die talmudischen
Weisen (Baba kama 17a) und die Rischonim (Rabbiner aus der
Periode vor etwa 800 Jahren) - beides ist wichtig, wie wir im
täglichen Morgengebet (vor dem Schma) erwähnen: "Lernen
und Lehren". Man darf nur nicht in eines der Extreme verfallen,
d.h. sein ganzes Leben lang nur lernen und sich des Lehrens
der Bedürftigen und der Wissensdurstigen enthalten, und auch
nicht sofort nach kurzer Studienzeit losstürmen und die Ignoranz
attackieren, bevor man die nötige Reife erlangt hat und darum
sein Lehren oberflächlich und relativ wirkungslos bleibt.
Rabbiner A.J. Kuk sagte einmal, eine Ansprache eines großen
Menschen übe einen größeren Einfluß aus als 100 mittelmäßige
Ansprachen. Natürlich muß man zuerst das nötige Wissen
erwerben, bevor man an Andere austeilen kann, und nicht
gleich losrennen, um die Welt zu retten. Ersteinmal muß man in
Bescheidenheit selber zu gewisser Geistesgröße gelangen.
Auch ein Arzt muß viele Jahre lernen, um Seelen zu retten.
Sonst ergeht es ihm wie im Gleichnis vom Apotheker-Lehrling,
dessen Chef für einige Zeit abwesend war. In der Zwischenzeit
kamen die Kranken und klagten über ihre Schmerzen, da hatte
er Mitleid mit ihnen und teilte mit vollen Händen Medikamente
aus - womit er die meisten Patienten umbrachte [Kusari 1,79 -
dort wird das Gleichnis auf den Umgang der Menschen mit der
Welt angewandt, die nach eigenem Gutdünken handeln und
nicht den Regeln vom Chef folgen...]. Doch wie gesagt, man
sollte sich vor Übertreibung hüten und nicht Jahrzehnte aufs
Studium verwenden, bevor man sich des Lehrens würdig
erachtet - während die Menschen in der Zwischenzeit nach
Unterweisung in religiösen Dingen dürsten.

Unser Volk ist in einer schwierigen Lage, und die Heilung erfolgt
durch Tora. "Das wird sein eine Heilung deinem Leibe"
(Sprüche 3,8), "wer Kopfschmerzen hat, beschäftige sich mit
der Tora" (Eruwin 54a), und dergleichen mehr. Die Heilung für
die spirituellen, ethischen, strategischen, nationalen,
pädagogischen und gesellschaftlichen Krankheiten finden wir in
der Tora.

Zu diesem Thema gibt es eine Responsa von Rabbiner Naftali
Z.J. Berlin (Leiter der Woloschiner Jeschiwa bis vor etwa 100
Jahren). Angesichts der religionsfeindlichen Kultur, die über das
Volk Israel hereinzubrechen drohte, wurde der Vorschlag
gemacht, separate Gemeinden der g~ttesfürchtigen Juden zu
ihrer Rettung zu gründen; Rabbiner Berlin war dagegen, weil er
diese Lösung für ein "Schwert im Leibe der jüdischen Nation"
hielt. Er befürwortete hingegen verstärktes Torastudium. Als
Beispiel wies er auf den König von Jehuda, Chiskijahu, der nach
einer Periode der Religionsverfolgung durch seinen Vater Achas
überall im Lande Lehrhäuser öffnete und Jedermann von jung
bis alt unter Androhung der Todesstrafe zum Torastudium
verpflichtete.

Rabbiner Berlin hob zwei Aspekte des Torastudiums hervor:
1) Es sind große Toragelehrte heranzubilden. 2) Die
Torakenntnisse der breiten Masse müssen vertieft werden.
Einige weise Rabbiner reichen der Nation nicht aus, wenn der
Rest des Volkes keine Ahnung hat, und es reicht auch nicht,
populäres Torastudium auf volkstümlichen Niveau zu pflegen,
wenn nicht gleichzeitig einige Geistesgrößen dem Volk
spirituellen Halt geben und die Richtung weisen.

Rabbiner Kuk schrieb u.a., das Problem liege in der
Schwächung der reinen israelitischen Natur, die es
wiederherzustellen gelte. Manchmal bestehe zwar eine
Notwendigkeit, gewaltsam gegen die Natur anzugehen, doch im
Idealfall strömt der Mensch entsprechend seiner sensibilisierten
Natur auf dem goldenen Mittelweg. Mancher bezwingt seine
Triebe, bezwingt seine Natur, bezwingt auch die Natur Anderer
mithilfe der Polizei, Gerichten und Gefängnissen - und bringt die
Gesellschaft an den Rand der Explosion. Doch eine Änderung
der menschlichen Natur zum Guten, zur Liebe des Guten, zur
Liebe der Tora, zur Liebe zur Nation und zur Liebe des Landes
führen in die richtige Richtung. Und wie sensibilisiert man die
Natur? Dazu sagte Rabbiner Kuk: die jüdische Natur "kehrt zu
den Israeliten nur durch Torastudium der Massen zurück,
Torastudium zur Ausbildung von Toragelehrten, und
Torastudium in der Form freiwilliger Aufsichnahme einer
täglichen, festen Zeit [und wenn auch nur ein paar Minuten] für
das Torastudium der breiten Massen" (Orot Hatschuwa §6,3).
Beides ist nötig, nicht nur radikal eine Richtung.

Diese Grenze sollte sich jeder Jeschiwa-Schüler
vergegenwärtigen, wie lange zu lernen, und wann mit dem
Lehren anzufangen - und natürlich weiterhin, parallel, bis zum
letzten Lebenstag weiterzulernen, mit dem gleichen
Anfangsschwung wie in der Jeschiwa.

Zudem braucht der Übergang kein plötzlicher zu sein. Wer
kosequent in der Jeschiwa lernte und eines Tages Rabbiner
wird (oder Religionslehrer oder Erzieher) - wird von einer Flut
neuartiger Probleme überschwemmt, auf deren Bewältigung er
nicht vorbereitet wurde. Nicht immer reicht eine theoretische
Ausbildung, manchmal braucht man auch eine praktische
Lehrzeit. Ein Erzieher braucht abstraktes Wissen und praktische
Eingewöhnung in den Beruf. Darum muß jemand, der Tora
lernt, nebenbei auch ein wenig unterrichten. Einige Rabbiner
schlugen vor, einen "Zehnt" abzugeben, d.h. 10% seiner Zeit zu
unterrichten. Wenn ein Jeschiwaschüler jeden Tag eine Stunde
fürs Unterrichten abzweigt, wird nicht dies ihn daran hindern,
einmal ein großer Rabbiner zu werden. Es wird ihn vielmehr
stufenweise zu einem guten Lehrer machen. Unser Lehrer
Rabbiner Zwi Jehuda Kuk ermutigte seine Schüler, ein wenig zu
lehren, und auf die Frage, ob das denn gesetzlich erlaubt sei,
weil er doch als Leiter der Jeschiwa das Formular zur
Verschiebung des Armeedienstes unterschreiben muß, wo von
Vollzeitstudium des Schülers die Rede ist, der keiner anderen
Beschäftigung, auch keiner unbezahlten, nachgehen darf -
antwortete er: das Unterrichten gehört mit zur Ausbildung, denn
so wachsen die Kenntnisse des Schülers. Wie im Gleichnis:
Warum ist das tote Meer so versalzen? Weil es nur Wasser
aufnimmt, aber nichts abgibt, der See Genezaret (Kinneret)
aber enthält Süßwasser, weil er aufnimmt und abgibt.

Die talmudischen Weisen erwähnten drei Stufen des Jeschiwa-
Studiums: "Bedienen der Weisen, Überwachung durch die
Gefährten, gegenseitiges Schärfen der Schüler" ("Sprüche der
Väter" 6,6). Am Vorzüglichsten ist das "Bedienen der Weisen",
das Lernen von Jenen, die gelehrter sind als man selber,
ehrfürchtige Beobachtung unter Aufnahme höchster Tora. Das
reicht jedoch nicht, man braucht auch "Überwachung durch die
Gefährten", das Lernen und Debattieren mit einem Lernpartner
auf etwa gleichem Niveau. Und nicht weniger bedeutend ist das
"gegenseitige Schärfen der Schüler", schwächeren Schülern zu
helfen. "Viel lernte ich von meinen Rabbinern, noch mehr von
meinen Gefährten, und am meisten von meinen Schülern"
(Ta'anit 7a). Natürlich kann man nicht nur von den Schülern
lernen, sondern durch das Verdienst meiner Lehrer lerne ich
mehr von meinen Gefährten und am meisten von meinen
Schülern.

Wer neben dem Vollzeitlernen auch unterrichtet, steht in
intensiver Verbindung mit dem Volk Israel. Natürlich darf man
dabei nicht übertreiben, das eigene Lernen muß die Hauptsache
bleiben. Die Jeschiwa ist nicht als Sprungbrett für pädagogische
Methoden gedacht.

Ein Schüler der 12. Klasse, sogar der 10. Klasse kan schon
einen Beitrag zugunsten Anderer leisten, denn er ist ein
verantwortungsbewußter Mensch, und "alle Juden sind einander
verantwortlich" (Schwu'ot 39a). Schließlich profitiert auch er
davon, auch wenn wir die Gebote nur um des Himmels Willen
erfüllen sollten. Wer gibt - erhält, und alles in Maßen.

Zu Beginn lehre man einfache Dinge. Man fängt nicht gleich als
Prokurist an, sondern leitet erst einmal ein kleines Team und
arbeitet sich langsam hoch. Unterrichte anfangs kleine Kinder,
und wachse mit ihnen im Laufe der Zeit. Damit bricht dir kein
Zacken aus der Krone, auch wenn du selber schon viel
anspruchsvollere Dinge beherrschst. Natürlich wirst du eines
Tages auch Erwachsene unterrichten, fange aber mit den
Kindern an.

Das Volk Israel dürstet nach Tora. Fahre an jeden Ort, wo man
dich braucht, sei es in eine im Aufbau befindliche Stadt oder sei
es die heilige Stadt Tel-Aviv, halte Kurse ab mit jüdischen
Jugendgruppen und in den Betstuben der Erwachsenen. Zwar
erfordert das ein gewisses Redetalent, doch gerade wegen ihrer
Größe ist die Tora in der Lage, in jeden Winkel zu gelangen und
Jedermann ansprechen zu können, auf welcher Stufe er auch
sei, so wie Jehoschua ben Nun, der Schüler Moschehs, die
Begabung hatte, mit Jedem seinem geistigen Niveau
entsprechend umzugehen. Die Tora wendet sich an Jeden, und
dafür muß man sich einsetzen.

Zum Wesen der Tora gehört die Überlieferung. "Worte der
Weisen, wie die Stacheln [ka-darwonot]" (Prediger 12,11) - lies
nicht ka-darwonot sondern kadur-banot, Mädchen [banot], die
mit dem Ball [kadur] spielen und ihn dabei von einer zu anderen
weiterwerfen, wie es heißt: "Moscheh empfing die Tora vom
Sinai und übergab sie Jehoschua, Jehoschua den Ältesten,
usw." (Mischna "Sprüche der Väter" 1,1). Gib nur, gib. Die Tora
wird mit Wasser verglichen, das von Ort zu Ort fließt. Gib - so
fließt die Tora mit dir, und auch du wirst sie besser verstehen.
 
 

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