DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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*** 3. Buch Moscheh ***

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIKRA
Nr. 399
11. Adar II 5763
+ Schabbat Sachor

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):
Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und
wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des
Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Gleichheit vor dem Gesetz

Rav Jakov Halevi Filber
Rabbiner an der Jeschiwa
"Merkas HaRav", Jerusalem

Die Inhaber eines öffentliches Amtes im jüdischen Volk
verdienen großen Respekt, ob sie nun eine spirituelle Aufgabe
oder eine regierungsamtliche Aufgabe erfüllen. Über den König
heißt es: "'Setze einen König über dich' - daß die Furcht vor ihm
auf dir sei" (Kiduschin 32b, nach Dt. 17,15). Ebenso heißt es
über den Kohen Hagadol (Hohepriester): "der Priester, der
größte unter seinen Brüdern - man mache ihn groß mit dem
seiner Brüder" (Joma 18a). Der Mensch ist auch zur Ehrung
seines Lehrers/Rabbiners und seiner Eltern verpflichtet, wie
Maimonides in seinem Gesetzeswerk aufführt: "Wie der Mensch
zur Ehrung seines Vaters und zur Furcht vor ihm verpflichtet ist,
so ist er zur Ehrung und Furcht seines Rabbiners verpflichtet,
und des Rabbiners mehr als den Vater, denn sein Vater brachte
ihn in diese Welt, und sein Rabbiner, der ihn Weisheit lehrte,
brachte ihn in die kommende Welt" (Gesetze vom Toralernen,
5.Kap., Hal.1). Und nicht nur seinen eigenen Rabbiner -
gleichfalls "ist es ein Gebot, jeden Schüler der Weisen zu
respektieren, auch wenn er nicht sein Rabbiner ist" (ebda.
6.Kap., Hal.1). Das Gebot der Ehrung der Eltern lernen wir
direkt von einem ausdrücklichen Toravers: "Jeder fürchte seine
Mutter und seinen Vater" (Lev. 19,4); allein, weil sie seine Eltern
sind. Den Respekt vor dem Rabbiner lehrt die Tora jedoch auf
Umwegen: "'den Ewigen deinen G~tt sollst du fürchten' - das
schließt die Toragelehrten ein" (Pessachim 22b). Wir sind zur
Ehrung des Toragelehrten verpflichtet, weil er die Lehre des
Herrn der Welten in dieser Welt vertritt, wie Maimonides weiter
schreibt (Hal.11): "Ein großes Vergehen ist es, die Weisen zu
verachten oder sie zu hassen - Jerusalem wurde erst zerstört,
als dort die Weisen geschmäht wurden... das ist es, was die
Tora schreibt: 'Und wenn ihr meine Satzungen verwerfet' (Lev.
26,15) - wenn ihr die Lehrer meiner Satzungen verwerfet. Und
jeder, der die Weisen schmäht, hat keinen Anteil an der
kommenden Welt, und er gehört in die Kategorie 'denn das
Wort des Ewigen hat er verhöhnt' (Num. 15,31).

Trotz des Respektes, der den Weisen und Führern des Volkes
gebührt, müssen wir wissen, daß sie alle vor dem Gesetz gleich
sind und keiner irgendwelche Immunität für seine Sünden
genießt, im Gegnteil, er sägt damit den Ast ab, auf dem er sitzt
und wird zu einem vom gemeinen Volke, wie Maimonides
feststellte: "Ein Gelehrter von langjähriger Weisheit, ebenso der
Fürst oder ein Vorsteher des Gerichtes, der sündigte, wird
niemals öffentlich mit dem Bann belegt, außer, wenn er Dinge
wie Jerowam ben Newat und dessen Genossen tat, aber für
andere Sünden gibt man ihm die vorgeschriebenen Hiebe im
Verborgenen... und man sagt ihm: sitze würdig in deinem
Hause" (ebda. 7.Kap., Hal.1).

"Wenn eine Person sündigt" (Lev. 4,2) kann man als Titel für
alle Sünder am Ende unseres Wochenabschnittes nehmen, der
doch eigentlich schon alle Sünder beinhaltet - wozu werden
dann im weiteren Verlauf bestimmte Sünder gesondert
aufgeführt? Der erste Sünder: "Wenn der gesalbte Priester sich
versündigt zur Verschuldung des Volkes" (Lev. 4,3). Damit ist
der Hohepriester gemeint. Worin besteht die Besonderheit
seiner Sünde, und seiner Sühne, daß sie speziell erwähnt
werden? Eine der Antworten bezieht sich auf den Teil "zur
Verschuldung des Volkes", denn die Sünde eines Hohepriesters
ist nicht privater Natur, sondern strahlt auf das ganze Volk ab,
wie der Raschikommentar zur Stelle erwähnt: "Der einfache
Sinn, der Agada entsprechend, ist, wenn der Hohepriester
sündigt, ist es eine Verschuldung des Volkes; wenn dieser, von
dem sie abhängig sind, daß er für sie sühne und für sie bete,
sich vergangen hat". Damit ist gemeint, daß sich eine Sünde
des Hohepriesters auf das ganze Volk auswirkt.

Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides",
Torakommentator aus der Periode der Rischonim vor etwa 750
Jahren), fügte hinzu, daß vom Hohepriester mehr erwartet wird,
was er aus folgendem Vers schließt: "und der Priester sühne
ihn... und es wird ihm vergeben sein" (Lev. 4,26 u.a.), beim
Hohepriester aber wird weder Sühne noch Vergebung erwähnt,
und darum erklärte Nachmanides, daß dem Hohepriester
vielleicht wegen seines hohen Ranges nicht durch ein Opfer
allein Sühne erwirkt und vergeben wird, vielmehr muß er
zusätzlich zu seinem G~tte beten und flehen, denn er gilt als
Gesandter des G~ttes der Heerscharen, und er muß
vollkommen unbefleckt und reiner Hände sein".

Nach dem Hohepriester folgt in der Auflistung der Sünder:
"Wenn aber die ganze Gemeinde Israels sich vergeht..." (Lev.
4,13) - hier ist vom großen Sanhedrin die Rede, wie es im
Talmudtraktat Horajot (S.5b) heißt: "Sie sind nicht schuldig
außer auf eine Weisung des großen Gerichtes hin". Auch hier
geht es nicht um eine private Sünde, sondern um einen Irrtum
des großen Sanhedrins, das ein mit der Ausrottungsstrafe
belegtes Verbot erlaubte und die Öffentlichkeit aufgrund dieser
Entscheidung handelte. Diese Panne unterlief dem ganzen
Volke, und darum wird das Sanhedrin im Vers als "ganze
Gemeinde Israels" bezeichnet, weil sie "die Augen der
Gemeinde sind, und [hierbei] sahen Jene, die würdig sind, für
Andere zu sehen, nicht einmal für sich selber"
(Sfornokommentar).

Der Dritte auf der Liste ist der "Fürst, der sich versündigt" (Lev.
4,22), und im Talmud wird dazu weiter erklärt: "Wer ist unter
Fürst zu verstehen? Der König, denn es heißt: 'und er eines von
den Verboten des Herrn, seines G~ttes, begeht' (Lev. 4,22). Der
über sich nur den Herrn, seinen G~tt, hat" (Horajot 10a).
Nachmanides schrieb dazu: "Das will sagen, obwohl er der
König ist, der Herrscher, der kein Fleisch und Blut zu fürchten
braucht, muß er den Ewigen seinen G~tt fürchten, denn er ist
der Herr der Herrscher... d.h. er nehme sich zu Herzen, daß es
über ihm einen Höchsten gibt, seinen G~tt, und in dessen Hand
seine Seele und sein Reich". Von dieser ganzen Liste lernen
wir, daß Alle vor dem Gesetz gleich sind, und selbst die
höchsten Vertreter des Volkes und die Weisen keine Immunität
besitzen. Sie müssen über ihre Taten Rechenschaft ablegen,
und wie der Rest des Volkes benötigen sie Sühne und
Vergebung.
 
 
Frage (und Antwort)

Ein glückliches Paar

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Meine Frau und ich sind wirklich glücklich. So sehr glücklich,
daß es mir manchmal wie ein Traum vorkommt. Manchmal
scheint es mir sogar etwas seltsam. Um mich herum sehe ich
streitende Paare, traurige Paare und Paare, die am eisernen
Kragen der Ehe ersticken. Und ich wundere mich über das
Glück, das uns schon seit unserer Hochzeit in England
begleitet, bevor wir einwanderten. Da gibt es keine dunklen
Schatten, wir sind genau wie zwei Turteltauben.

Lange habe ich nach dem Grund für diese merkwürdige
Erscheinung gesucht. Anfangs bildete ich mir in meinem
männlichen Stolz ein, das kommt, weil ich so klug und weise
bin, so schön und so voll guter Charaktereigenschaften - so daß
meine Frau gar nicht anders konnte als meinem Zauber
verfallen.

Während meiner Studien an der Uni wurde mir allerdings
schmerzlich bewußt, daß ich wohl doch nicht der Allerklügste
bin. Und auch der Spiegel im Badezimmer weigert sich
hartnäckig, mich für den Titel "Schönster im ganzen Land"
vorzuschlagen. Was die Charaktereigenschaften angeht, so bin
ich allerdings immer noch der Ansicht, daß sie durchaus
brauchbar seien, allerdings hat unser Rabbi Jesse Black mir
schon mehrere Moralpredigten gehalten, woraus ich entnehme,
es bestehe immer noch ein Spielraum für Verbesserungen.

Darum wandte ich meine Suche in die andere Richtung.
Vielleicht ist meine Frau ja die Klügste, die Schönste und ein
Ausbund an Tugenden. Dem ist aber nicht so. Meine Frau ist
eigentlich nicht besonders klug. Sie hat nur mühsam das Abitur
gebaut, und wenn ich vor ihr eine scharfsinnige Analyse der
politischen Lage ausbreite, dann guckt sie mich nur schief an
und bittet, ich möge sie doch gefälligst damit verschonen.
Vielleicht verzaubert sie durch ihre Schönheit? Auch nicht
gerade. Ich habe schon mehrere Frauen gesehen - G~tt möge
mir verzeihen, ich habe von dieser Unsitte auch schon lange
abgelassen - die um Einiges hübscher waren als meine Frau,
die nicht soviel hermacht. Vielleicht waren es also ihre guten
Eigenschaften, die mein Herz gewannen? Kann auch nicht sein,
denn manchmal ist sie faul, nervös und verfressen; sie probiert
von meinem Eiskrem solange, bis nichts mehr übrig ist. Möge
G~tt mir diese üble Nachrede verzeihen, aber es bleibt ja unter
uns, Sie werden es ja bestimmt nicht weitererzählen.

Viele Jahre widmete ich hartnäckigem Nachdenken,
fortwährender und geduldiger Betrachtung, um die Auflösung
dieses nervigen Rätsels zu entdecken. Man kann doch nicht
einfach so mir nichts dir nichts glücklich dahinleben, ohne zu
wissen, wieso. Das geht meiner intellektuellen Erziehung
vollkommen gegen den Strich. Warum nur sind wir so glücklich
miteinander? Das beunruhigte mich so sehr, bis ich ganz ohne
Zweifel die Lösung fand, obwohl ich niemals eine
psychologische Ausbildung erhielt.

Das Geheimnis unseres Glücks beruht einzig und allein auf der
literarischen Bildung meiner Frau. Ihre Eltern, Archibald und
Elisabeth Cohen, waren keine großen Intellektuellen, wachten
aber sorgfältig über die Lektüre ihrer Tochter, so daß ihr keine
verdorbenen Gedanken in den Sinn kamen. Sie waren zwar
keine großen Literaturkenner, wußten aber die Lesefreude ihrer
Tochter mit gefühlvoller, sittsamer und ethischer Literatur zu
befriedigen.

Die Charaktere in den Büchern waren keine Helden, und erst
recht keine Antihelden, weder unnahbare Engel noch finstere
Teufel, sondern ganz normale Menschen. Weder besonders
klug noch schön, auch nicht mit allen möglichen Vorzügen
ausgestattet. Menschen mit Vorzügen und Schwächen, die nach
Anständigkeit streben, gerne den Mitmenschen helfen und die
Wahrheit suchen, manchmal aber auch scheitern. Menschen,
die ihre Nächsten, ihre Ehepartner, ihre Eltern und ihre Kinder
respektieren.

Als ich also zum ersten Mal meiner Zukünftigen auf dem
Trafalgar Square begegnete - damals hieß sie noch Anne,
heute Chana - hüpfte sie vor Freude: Du bist genau der Mann,
von dem ich schon so viel gelesen habe. Allerdings machte sie
keine genaueren Angaben, und ich zog auch vor, keine
überflüssigen Fragen zu stellen.

Nach der Verlobung zogen mich ihre Eltern Archibald und
Elisabeth Cohen auf die Seite und sagten mir mit ernster Miene:
"Junger Mann, merke Dir Eines - unsere Tochter ist ein zartes
und reines Wesen. Paß gut auf sie auf. Sie liebt Bücher, sie
verschlingt Bücher. Halte gefährliche Literatur von ihr fern. John
(jetzt nenne ich mich Jochanan), wir haben immer auf gute
Literatur geachtet, halte es bitte genauso". Natürlich habe ich es
ihnen versprochen, obwohl ich noch gar nicht wußte, was sie
genau gemeint hatten.

Ich habe mein Versprechen allerdings gehalten. Darüberhinaus
habe ich es auch auf mich selber angewandt. Einen Tag nach
der Verlobung verkaufte ich alle meine Bücher an den
Buchladen gegenüber, der auch mit gebrauchten Büchern
handelt, und begann, in den Büchern meiner Verlobten zu
schmökern.

Die Mädchen, die darin vorkamen, waren weder klug noch
geistreich, weder schön noch zarte Engel. Sie waren einfach
menschlich, mit guten und schlechten Seiten. Nach jedem Buch
sagte ich mir: das ist doch meine Anne (jetzt heißt sie Chana)!
Mit jedem Buch verliebte ich mich immer mehr in sie. Kaum zu
glauben! Was für ein Wesen hat der liebe G~tt da geschaffen,
genau, was ich mir nach der Lektüre der Bücher immer
vorgestellt habe: weder Poltergeist noch Erzengel, weder
Tugendbold noch Schlampe. Sondern ein Mensch wie du und
ich. Oh Chana, Chana, wie hab' ich dich lieb. Oh lieber G~tt, wie
danke ich dir für die Schaffung der Menschen.
 

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