DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJESCHEW
Nr. 384
25. Kislev 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1 - 40,23):
Josefs Träume, Feindschaft seiner Brüder, als Sklave nach
Ägypten, Jehuda und Tamar, Josef im Hause Potifar, im
Gefängnis, deutet die Träume Pharaos Mundschenks und
Bäckers.

Chanukka ssame'ach!

>>Midrasch "Ma'asse Chanukka"<<
 
Am Schabbes-Tisch...

Der Mensch denkt und G~tt lenkt

Rav Jakov Halevi Filber

Es war einmal eine einfache Frau, die regelmäßig zur
Toralesung in die Synagoge kam. Jedes Jahr, wenn die
Geschichte von Josef dran war, wie er in die Grube geworfen
und dann verkauft wurde, brach sie in Tränen aus, und so
geschah es Jahr um Jahr - bis sie eines Tages, als wiederum
die Geschichte von Josefs Verkauf gelesen wurde, nicht mehr
weinte, sondern ausrief: Geschieht ihm recht! Warum lernt er
nicht endlich aus seiner schlechten Erfahrung, nach so vielen
Malen! - Wie diese einfache Frau denken viele guten Menschen
bis auf den heutigen Tag, als ob der Mensch allein seinen
Lebensweg bestimmte, als ob nur Jakovs Bitte und Josefs
Zustimmung den Zug unserer Vorfahren nach Ägypten
verursachten. Schon der Raschikommentar deutete an, daß
Josefs Gang zu seinen Brüdern auf einer Entscheidung der
göttlichen Vorsehung beruhte, wie er zitierte: "und er sandte ihn
aus dem Tale von Chevron" (Gen. 37,14) - "von dem
tiefsinnigen Ratschluß des in Chevron begrabenen Gerechten
Awraham, die ihm beim Bund zwischen den Opferstücken (Gen.
15.Kap.) gemachte Prophezeiung zu bewahrheiten, daß seine
Nachkommen Fremdlinge sein werden..." (nach Midrasch
Bereschit rabba 84,13, Sota 11a).

Nach dem gesunden Menschenverstand hätten Jakov und
Josef nämlich ganz anders handeln müssen. Jakov, sein Vater,
wußte doch ganz genau, daß ihn seine Brüder hassen und auf
ihn eifersüchtig sind. "Da waren seine Brüder auf ihn
eifersüchtig; sein Vater aber merkte sich die Sache" (Gen.
37,11). Darum hätte Jakov Josef nicht zu seinen Hassern
schicken sollen. Und auch Josef wußte, was auf ihn zukam, und
obwohl er das Gebot von der Ehrung seines Vaters erfüllen
mußte und dessen Bitte nicht ausschlagen konnte, so hätte er
doch nach dem Fehlschlag seiner Mission in Schchem die
Sache als erledigt ansehen und nach Hause zurückkehren
können. Stattdessen suchte er hartnäckig weiter, und als ihn ein
Mann auf dem Felde bei Schchem umherirren sah und ihn
fragte, was er denn suche, antwortete er: "Meine Brüder suche
ich; sage mir doch, wo weiden sie?" (ebda.16). Die Auskunft
des Mannes leitete ihn schließlich zu ihnen nach Dotan. So
schrieb auch Nachmanides: "Viele Günde boten sich ihm an,
nach denen er hätte umkehren können, doch erduldete er alles
um der Ehrung seines Vaters willen, um uns zu verkünden, daß
die göttliche Bestimmung Wahrheit und die menschlichen
Umtriebe Lüge sind, und so stellte ihm G~tt einen Wegweiser
zur Verfügung, dessen Auskunft ihn in ihre Hände brachte... um
uns zu zeigen, daß der Ratschluß G~ttes Bestand hat". Auch
die Brüder hatten mit ihrem Vorhaben, Josef aus dem Weg zu
räumen, keinen Erfolg gegen die göttliche Vorbestimmung. Die
göttliche Vorsehung leitete sie von ihrem ersten Gedanken an,
Josef umzubringen, über sein Versenken in die Grube bis hin zu
seinem Verkauf an die Ischma'eliter, wodurch Josef schließlich
nach Ägypten gelangte. Diesen Verlauf verglichen die
talmudischen Weisen mit "einer Kuh, die man zum
Schlachthaus führen wollte, die sich aber nicht von der Stelle
bewegen ließ - wie kam man ihr bei? Man zog ihr Kalb vor ihr
her, und so konnte sie nicht anders als ihm folgen. So sollte
Jakov eigentlich in Eisenketten nach Ägypten geführt werden,
da sagte G~tt: Sollte ich etwa meinen Erstgeborenen in
Schande herabführen?! Vielmehr werde ich seinen Sohn vor
ihm herführen, und er kommt von alleine nach" (Bereschit rabba
§86). Ein anderer Midrasch (zu Psalm 108) ergänzt: "Bevor
Jakov nach Ägypten kam, verübten Josefs Brüder allerlei
Kombinationen, damit Josef nach Ägypten gelangte - und dann
folgte ihm Jakov nach".

Was die Feststellung Nachmanides' angeht, "die göttliche
Bestimmung Wahrheit und die menschlichen Umtriebe Lüge",
so bezieht sie sich auf die jüdische Gemeinschaft betreffenden
Ereignisse und die Geschichte des Volkes Israel, aber nicht auf
den Bereich des Individuums. Doch auch im Bereich der
Gemeinschaft sind die "menschlichen Umtriebe" nicht immer
Lüge, im Gegenteil, die Weisen teilten uns mit: "In der Zukunft
wird eine Hallstimme von den Bergspitzen ertönen und sagen:
Jeder, der mit G~tt tat, komme und nehme seinen Lohn in
Empfang" (Wajikra rabba §27). Als "Lüge" werden vielmehr alle
Bemühungen bezeichnet, einen zugunsten Israels gefaßten
göttlichen Ratschluß zu vereiteln oder zu behindern, wie es
heißt: "Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen, aber der
Ratschluß des Ewigen, der hat Bestand" (Sprüche 19,21). Wir
müssen eher dem Ewigen als Partner helfen, seine Weisungen
zu verwirklichen. Dazu schrieb Rabbiner A.J.Kuk: "Wir meinen,
durch unsere Weisheit und die Klugheit der Klugen unter uns
haben wir das alles erreicht [gemeint ist die Rückkehr nach Zion
in dieser Generation]... und wir vergessen, daß ohne die Hand
des 'Herrn der Kriege, Säer der Wohltaten und Schöpfer des
Heils' [Morgengebet] alle unsere Werke nichts bewirkten, wir
vergessen, daß diese geheime Hand das ganze Werk darstellt"
(Ma'amarej Hara'aja). Die Regel des Nachmanides "die göttliche
Bestimmung Wahrheit und die menschlichen Umtriebe Lüge"
sahen wir im Sechstagekrieg bestätigt, als wir Depeschen zu
König Hussein von Jordanien sandten, sich aus dem Krieg
herauszuhalten, und es werde ihm nicht der geringste Schaden
entstehen. Die Regel gilt auch für die "Oslo-Abkommen", als
unverantwortliche Kreise im Volk unsere Sicherheit und
Existenz damit aufs Spiel setzten, unsere übelsten Widersacher
ins Haus einzuladen und die Rückkehr des jüdischen Volkes in
sein Land zu verhindern; wir sehen, was bei diesen lügenhaften
Bemühungen herauskam...
 
 
 
Frage und Antwort

Voreheliche Genuntersuchung

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sollte man sich einer vorehelichen Gen-Prüfung
unterziehen?

Antwort: Auf jeden Fall. Manche Erbkrankheiten sind nämlich
von außen nicht zu erkennen. Der Betreffende ist ein "Träger"
eines defekten Gens, aber g~ttseidank nicht krank. Wenn er
allerdings eine "Trägerin" heiratet, können ein Teil der Kinder
schwerkrank geboren werden, z.B. mit "Tay-Sachs".Dabei
leiden die Kinder schwer, verkümmern und sterben. Man sollte
sich vor der Heirat einer Prüfung unterziehen, oder besser,
bevor man sich überhaupt auf Partnersuche begibt. Auf Tay-
Sachs wird durch eine kostenlose Blutuntersuchung geprüft.
Träger sind in der Mehrheit Juden aschkenasischer
Abstammung, es gibt aber auch betroffene Sefaradim. Wenn
Sie kein Träger sind, ist jeder Partner akzeptabel. Wenn Sie ein
Träger sind, bitten Sie eventuelle Heiratskandidaten, sich
untersuchen zu lassen. Falls er/sie sich als Träger/in entpuppt,
treffen Sie sich nicht mehr und fangen keine Romanze an.

Im Zentrum "Dor Jescharim" (Tel. in Israel: 02-6537211, 03-
5796710) kann man sich auf die häufigsten Erbdefekte
untersuchen lassen. Das kostet zwar etwas, lohnt sich aber auf
jeden Fall. Das Ergebnis wird dem Betreffenden nicht
mitgeteilt, sondern geheim gespeichert. Auch die Daten des
Partners befinden sich im Speicher. Es braucht nur noch die
Kompatibilität festgestellt zu werden. Den Teilnehmern werden
keine Auskünfte erteilt, nur eine Antwort: kompatibel oder
inkompatibel. Das erspart viele Leiden und vermeidet die
Geburt von armseligen Kindern, die mit schweren Defekten zur
Welt kommen; zum eigenen Leid und dem ihrer Eltern, der
Geschwister und der ganzen Familie.

Natürlich kann man diese Untersuchung auch privat in den
meisten Krankenhäusern vornehmen lassen. Die Kosten
schwanken von Ort zu Ort, und die verschiedenen
Krankenkassen beteiligen sich daran je nach
Versicherungsplan. In manchen Krankenhäusern werden alle
Prüfungen auf einmal vorgenommen, in anderen kann man sich
auf jedes spezifische Problem separat testen lassen. Die
Kosten belaufen sich auf etwa 1000 bis 2000 Schekel, der
Aufwand lohnt sich aber. Es gibt speziell auf Aschkenasim
ausgerichtete Untersuchungen, andere, die für alle gleich sind.
Wegen der großen Preisunterschiede sollte man bei mehreren
Krankenhäusern anfragen. Bei den privaten Untersuchungen
werden einem die Resultate natürlich mitgeteilt.

Manche Leute fragen sich, wozu sie eigentlich all diese
Untersuchungen nötig haben. Mit genügend G~ttvertrauen
kann doch gar nichts schiefgehen. Das stimmt jedoch nicht
hundertprozentig. Natürlich braucht man auch G~ttvertrauen,
doch es befreit nicht von den Bemühungen, die wir selber für
eine Sache unternehmen können. Es stimmt auch nicht, daß
frühere Generationen diese Dinge nicht brauchten. Damals gab
es ja diese Untersuchungen auch gar nicht! Wir tun alles, was
in unserer Macht steht, und jenseits dessen setzt das
G~ttvertrauen ein. Auch wenn wir alle Möglichkeiten
ausschöpfen, sind wir niemals absolut sicher und brauchen
immer auch G~ttvertrauen. Als es diese Untersuchungen noch
nicht gab, leitete man das Risiko in die Abteilung G~ttvertrauen.
Heute wie damals müssen wir unsere nunmehr erweiterten
Möglichkeiten ausschöpfen.

Manche sehen in diesen Untersuchungen eine Einmischung in
die göttliche Vorsehung. Dafür ist die Sache aber zu simpel, nur
ein kleiner Test - aber von hohem Wert.

Am besten sollte man die Untersuchung vor Abschluß der
Partnersuche vornehmen, aber auch nach der Verlobung nicht
darauf verzichten. Wenn das Ergebnis positiv ausfällt, kann
man die Auflösung der Beziehung erwägen. Vorher jedoch sollte
man die genetische Abteilung des Krankenhauses aufsuchen
und sich die möglichen Konsequenzen einer Verbindung
genauestens erklären lassen. Danach kann man sich mit dem
Rabbiner über das weitere Vorgehen beraten. Nicht immer muß
die Verlobung aufgelöst werden. Manchmal ist die Liebe so
stark, die gegenseitige Wertschätzung so groß, passen beide
so gut zueinander und noch viele andere Pluspunkte, die für
eine Heirat und die Gründung eines guten jüdischen
Hausstandes sprechen, daß die genetischen Probleme einfach
nebensächlich sind. Sie müssen nur im voraus wissen, daß man
keine Katze im Sack kauft. Wenn sie sich trotz der genetischen
Probleme für die Heirat entscheiden, müssen sie sich während
jeder Schwangerschaft den nötigen Tests unterziehen und über
den weiteren Verlauf entscheiden.

Aber auch wenn man schon geheiratet hat und durch G~ttes
Gnade gesunde Kinder geboren wurden, sollte man die Gen-
Tests durchführen. Wenn beide Eltern das fehlerhafte Gen
besitzen, teilt sich der Nachwuchs statistisch auf in ein Viertel
ganz ohne dieses Gen, ein Viertel behindert, und die Hälfte
Träger, aber gesund. Es gibt viele Gen-Kombinationen: gesund-
gesund, gesund-behindert,behindert-gesund und behindert-
behindert. Wenn daher schon einige gesunde Kinder geboren
wurden, bedeutet das noch nicht, daß keiner der Eltern Träger
ist. Ist alles in Ordnung - g~ttseidank, wenn nicht - auch
g~ttseidank, aber von jetzt ab müssen während jeder
Schwangerschaft Untersuchungen durchgeführt und eventuelle
Konsequenzen gezogen werden.

Zusammengefaßt läßt sich sagen, genetische Untersuchungen
vor Partnersuche sind heutzutage zu empfehlen. Die größten
Toragelehrten aller Strömungen des Judentums haben sich
dafür ausgesprochen, darunter Rabbiner Awraham Schapiro
(ehemaliger aschkenasischer Oberrabbiner Israels). Manche
gebrauchten scharfe Worte: 'Erst bist du leichtsinnig, dann
machst du Unsinn, und hinterher weinst du'.

Die Tests sind durchzuführen 1. vor der ersten Begegnung, 2.
auch nach der Verlobung, 3. sogar während der Ehe.

G~tt stehe euch zur Seite, ein treues Haus in Israel zu erbauen.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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Tel Aviv: 16.17/17.15
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