DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIGASCH
Nr. 386
9. Tewet 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. Gen. 44,18 - 47,27):
Konfrontation Jehuda-Josef; Josef gibt sich seinen Brüdern zu
erkennen; beauftragt sie, Jakov und die ganze Familie nach
Ägypten zu holen und dort zu siedeln; göttliches Versprechen
an Jakov, ihn dort zu einem großen Volk zu machen;
Wiedersehen mit Josef; Begegnung mit Pharao; Ansiedlung im
Lande Goschen; Josefs Bodenreform; führt allgemeine
Einkommensteuer von 20% ein.
 
 
 
Frage und Antwort

Die letzte Schlacht

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Eine schwere Lage, schlimme Zeiten, so reden Viele.
Fast jeden Tag wird irgendwo jemand ermordet; wie kann man
da standhalten? Nicht daß die Gegenwart schlecht ist, denn im
Großen und Ganzen geht es uns gut, es kommen aber auch
schwere Zeiten vor. Wie ein sonniger, blauer Himmel mit einer
Wolke; die eine Wolke kann zwar nicht das Blau des Himmels
vertreiben, der Himmel aber auch nicht die Wolke. Der Tod geht
um mit jenen Mördern, dem Abschaum der Menschheit. Der Tod
geht von Stadt zu Stadt, von Straße zu Straße, von Mensch zu
Mensch. Wie soll man das aushalten?!

Antwort: In der Tat, das ist schwer. Manchmal ist das Leben
schwer. Diese Welt ist kein Vergnügungspark. So steht es im
ersten Kapitel des Buches "Der Weg der Frommen" (Messilat
Jescharim, von Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto), es gibt
Schwierigkeiten auf jeder Ebene, wirtschaftliche, familiäre,
gefühlsmäßige und gesellschaftliche. Auch moralische und
spirituelle Schwierigkeiten im Kampf gegen den bösen Trieb,
der uns an jeder Ecke ein Bein stellt. Auch auf nationaler Ebene
gibt es wirtschaftliche, gesellschaftliche und militärisch-
sicherheitspolitische Probleme, z.B. Krieg.

Das größte Problem aber, das alle anderen Probleme in sich
einschließt, ist die Galut, das Exil, ein furchtbares,
schreckliches, unbeschreibliches Problem. Die Galut umfaßt
alle Leiden: Schoa, Pogrome, wirtschaftliche Bedrückung und
unsägliche Armut.

Heute sind wir g~ttseidank nicht in der Galut, wir haben aber
immer noch Probleme, allerdings keine Galutprobleme. Krieg ist
eine schwere Bedrückung, aber so ist das in dieser Welt, sie ist
voller Kriege. Die Menschen sind verrückt - einer tötet den
anderen! Wir leben seit 50 Jahren in einer Zeit des Krieges.
Davor hatten wir zwar keinen Krieg, aber viel Schlimmeres, wie
z.B die Pogrome: da kämpft nur eine Seite, und die andere
schaut tatenlos zu. Kriege statt Pogrome sind schon ein
enormer Fortschritt. Die talmudischen Weisen sagten für das
Zeitalter des Maschiach ("Messias") Kriege voraus (Sanhedrin
97a). Der Raschikommentar erklärte dazu: Zwischen uns und
den Nationen der Welt. Der Unabhängigkeitskrieg, der
Sinaifeldzug, der Sechstagekrieg, der Jomkippurkrieg, der
Libanonkrieg, der Abnutzungskrieg, der Krieg gegen den Terror
- alle möglichen Kriege, die in Wirklichkeit einen einzigen
großen Krieg ausmachen.

Krieg hat harte Folgen: Tote, Verletzte, Betroffene. Auf jeden
Toten kommen 200 trauernde Hinterbliebene wie Familie,
Freunde und Bekannte.

Der Krieg nimmt von Zeit zu Zeit wechselnde Formen an. Es
gibt den schnellen Krieg als einmaligen, großen und
schmerzhaften Schlag, und es gibt den fortgesetzten Krieg,
dessen Begleitschmerzen sich aufsummieren. Das ist unsere
heutige, in bestimmter Hinsicht schwerere Lage, und wir
müssen uns darum eine seelische Überlebensstrategie
zurechtlegen. Wir hoffen natürlich, daß unsere Regierung schon
morgen dem Terror ein Ende bereitet und ihn einfürallemal
auslöscht. Das stellt für unsere Armee kein Problem dar, man
braucht dazu nur den entsprechenden Befehl zu geben: Der
Terror ist auszulöschen!

Bis dahin müssen wir uns allerdings noch auf einige Attacken
einstellen, geeignete Maßnahmen zur Verhinderung von
Anschlägen einleiten und während eines Anschlages seelisch
standhalten. Natürlich soll das keine Zustimmung andeuten.

Während seines letzten Lebensjahres wiederholte unser großer
Lehrer, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk an jedem Schabbatausgang
mit großem Nachdruck: Nach der Sünde um das goldene Kalb
explodierte unser Lehrer Moscheh nicht, sondern zeigte
"eiserne Nerven". Er sah anscheinend voraus, daß eine Zeit
kommen werde, in der wir eiserne Nerven benötigen.
G~ttseidank verfügen wir über ebensolche. Sicher brauchen wir
sie auch weiterhin. Ihre Kraft schöpfen die eisernen Nerven aus
den Nerven der Seele, Nerven des Glaubens. Der Glauben an
den Herrn der Welt, der sein Volk nicht verläßt, der Glauben an
das Volk Israel, das heilige Volk, der Glauben an diese
Generation, eine große, ausgezeichnete Generation mit
gewaltigen Kräften, Glauben an die Erlösung, Glauben an das
Ende des Exils, dem kein weiteres folgen wird.

Demnach befinden wir uns momentan in der letzten Schlacht
um das Schicksal der Menschheit; um das Schicksal des
jüdischen Volkes, der übrigen Menschheit und der Offenbarung
der Ehre G~ttes in der Welt. Das ist der letzte Krieg.

Darum brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sich diverse
Quälgeister gegen uns erheben, sich einmischen und Unheil
stiften. Kein Wunder also, wenn wir den letzten Bewegungen
und Zuckungen des universalen Bösen begegnen.

Die letzte Schlacht ist die schwerste Schlacht, der Abschluß
aller bisherigen.

Muß einem das nicht Angst und Schrecken einjagen? Nein!
G~tt legt niemals Prüfungen auf, die man nicht bestehen kann.
Wir können die uns gestellten Prüfungen bestehen, wir
bestehen sie und werden sie auch in Zukunft bestehen.

Das Bewußtsein der Teilnahme an der letzten Schlacht flößt
dem Menschen Mut und Stärke ein. Wieviele Juden würden
davon träumen, an der letzten Schlacht teilnehmen zu dürfen!
Wieviel hätten sie darum gegeben! Maimonides und Raschi
hätten alle Reichtümer der Welt dafür hergegeben!

Wieviel hätten die Juden in den Vernichtungslagern dafür
gegeben, an der letzten Schlacht teilzunehmen. Sie waren
Helden, sie entkamen der Hölle voll innerer Stärke und Glauben
und wanderten ein, um das Land aufzubauen. Wahrscheinlich
gehörte die Schoa bereits zur letzten Schlacht. Hitler sah, wie
das Volk Israel zu neuem Leben erstand und nahm alle
Heerscharen des Bösen unter sein Kommando. Doch in der
Schoa kämpfte, wie bereits erwähnt, nur eine Seite. Das führte
zur Katastrophe, zu Schmach und Schande.

Jetzt handelt es sich um eine Schlacht, die ihren Namen zu
Recht trägt. Wenn man uns angreift, schlagen wir zurück.

Manche behaupten, wir reagieren nicht genug. So sieht es aus.
Anscheinend braucht es seine Zeit, bis man versteht, wie sehr
moralisch das Zurückschießen ist.

Außerdem sind wir ein Volk des Friedens, "liebt den Frieden
und verfolgt Frieden" und neigen dazu, jedem Menschen
Vertrauen zu schenken, selbst großen Bösewichten. Die Welt
wird sicher unter G~ttes Königsherrschaft zu vollkommener
Besserung gelangen, aber nicht heute. Naivität kann sehr
gefährlich werden, besonders wenn man träumt, die ersehnte
Zukunft sei schon da, wenn man träumt, daß Erzbösewichte
sich schon in gute Menschen verwandelten. Diese Naivität hat
uns schon viel Blut gekostet. Man sollte sich an die Tatsache
gewöhnen, daß es erlaubt ist, den Feind mit voller Wucht
zurückzuschlagen.

Dieses Wissen, daß wir heute die letzte Schlacht kämpfen,
erfüllt uns mit Macht und Heldenmut. Wir sind zu Allem bereit.
Wir wissen nicht, wie lange diese letzte Schlacht dauern wird,
doch nehmen alle an ihr teil: Soldaten und Zivilisten, Männer,
Frauen und Kleinkinder, Charedim und Zionisten. Die letzte
Schlacht! Auch unsere jüdischen Brüder in der Verstreuung,
kommt ins Land, auch zu eurem eigenen Vorteil, und auch, um
an der letzten Schlacht teilzunehmen. Seid Soldaten der letzten
Schlacht, auch wenn ihr nicht mehr im wehrpflichtigen Alter
seid, denn wie gesagt, an der letzten Schlacht nehmen Alle teil,
Zivilisten ebenso wie charedische Jeschiweschüler, die sonst
nicht zur Armee gehen. Natürlich werden nicht Alle zur gleichen
Einheit eingezogen.

Für die letzte Schlacht brauchen wir Nerven des Glaubens, sehr
starken Glauben, Glauben an die Tora, Glauben an das Volk
Israel, Glauben an die Erlösung, - die alle zum Glauben an G~tt
gehören. G~tt ist einzig und sein Name einzig, er läßt sein Volk
nicht im Stich, und er ist mit uns an jedem Ort, wo wir uns
befinden, sogar im Exil, erst recht in der letzten Schlacht.

Diese Schlacht findet auf mehreren Gebieten statt. Man
bekämpft uns sowohl mit Waffen als auch mit psychologischen
Mitteln, wie z.B. mit der Behauptung, dieses Land gehöre uns
nicht, etwa im Stile "auch wenn ihr behauptet, es sei euer Land,
so werdet ihr doch nicht daran festhalten können/ was wollt ihr
gegen die ganze Welt ausrichten?/ ihr seid verloren, gebt auf/
wir werden euch nicht in Ruhe lassen, bis ihr tut, was wir
verlangen".

Wir kennen solche Ansprachen, die genau auf den bösen Trieb
zielen. Auch er befindet sich in den Reihen unserer Opponenten
in der letzten Schlacht.

Wir beschäftigen uns nicht gerne mit Kriegen, aber wenn es
schon sein muß - dann wenigstens die letzte Schlacht.

* * *

Laschon Hara (2)
Rav Schlomo Aviner

Frage: In Ausgabe Nr. 373 schrieben Sie, daß die
Massenmedien voll übler Nachrede (Laschon hara) seien. Ich
fühle mich hiermit verpflichtet zu erklären, daß im Lande Israel
einige Tausend Journalisten arbeiten, die man nicht alle mit
einem Rundumschlag so schwerer Sünden wie der üblen
Nachrede und des Herumerzählens bezichtigen kann. Auch
ändern sich die Autoren und der Redestil im Laufe der Jahre.

Antwort: Vielen Dank für Ihren wichtigen Hinweis. Ich schrieb
denn auch, wie Sie zitieren, daß die Massenmedien voll übler
Nachrede seien, nicht aber, daß es keine rechtschaffenen
Journalisten gebe. Dennoch war Ihr Hinweis nötig, denn er
beantwortet eine andere Frage: Ob es überhaupt möglich sei,
Massenmedien in religiongesetzlich einwandfreier Weise und
ohne Tratsch betreiben zu können. Hier verkünden Sie vor allen
Leuten, daß dies nicht nur möglich sei, sondern sogar
tatsächlich existiert. Ich kann nur wünschen: mögen sich solch
tadellose Journalisten mehren.
 
 

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