DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJECHI
Nr. 387
16. Tewet 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 47,28 - 50,26):
Jakov segnet Josef und seine anderen Söhne vor seinem Tode
in Ägypten; der Segen bezeichnet die Charaktereigenschaft
eines jeden der 12 Stämme; großer Trauerzug und Begräbnis in
der Machpela-Höhle; Josef prophezeit, daß G~tt die Kinder
Israels ins Land der Vorväter zurückbringen wird und bittet,
dann seine Gebeine zum Begräbnis dort mitzunehmen.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Hoffnung auf Hilfe

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Der Segen Jakovs für Dan ("Dan wird sein eine Schlange auf
dem Wege...", Gen. 49,17) wird von einem besonderen
Ausspruch gekrönt: "Auf deine Hilfe hoffe ich, Ewiger!"
(ebda.18). Warum schloß Jakov seinen Segen mit einem Gebet
ab? Und was bedeutet dieses Gebet?

Im allgemeinen hat jemand, der sich schwach fühlt und sich in
einer ausweglosen Lage glaubt, das Beten am nötigsten. Darum
wendet er sich an G~tt und bittet um Errettung. Viele
Torakommentatoren folgten dieser Linie und erklärten Jakovs
Gebet als Andeutung Schimschons Bitte, gefangen, geblendet
und seiner Haare beraubt, im Tempel des Götzen Dagon: "Herr,
G~tt, gedenke doch mein und stärke mich nur dies Mal, o
G~tt..." (Richter 16,28; siehe Raschi).

Auch andere Kommentatoren deuten dieses Gebet als Bitte des
Schwachen (RaDaK). Eine starke Armee operiert nicht aus dem
Hinterhalt, sondern greift ganz offen und mit Wucht frontal an.
Der Schwache muß sich allerlei Kriegslisten bedienen, deren
Erfolgschancen darauf beruhen, nicht vorzeitig erkannt zu
werden. So eine "Schlange" steht nicht hilflos da. Sie handelt
mit Initiative, doch fühlt sie ein Bedürfnis nach Unterstützung
"von oben".

Andere Kommentatoren erklären, daß damit nicht Schimschon
der Schwache, sondern Schimschon der Held gemeint ist (siehe
RaSchbaM); einer, der tausend Mann mit einem Eselskiefer
besiegt, einer, der dreihundert Füchse fängt und sie dann durch
die philistinischen Felder schickt, einer, der die Tore 'Asas
(Gasa) aus den Angeln hebt. Bis auf den heutigen Tag rühmen
wir Schimschons immense Kräfte. In diesem Zusammenhang
betont das Gebet, daß Schimschons Kraft und Heldenmut nicht
menschlichen Ursprungs sind, sondern auf göttlichem Geist
beruhen, der im Gebiete Dan über ihn kam und ihn wieder
verließ, als er sich zu sehr mit fremden Töchtern beschäftigte.

Eine andere Deutung bringt dieses Gebet auch in
Zusammenhang mit Schimschon, allerdings als Gebet des
ganzen Volkes (Nachmanides). Schimschon kämpfte allein und
fiel allein. Das Volk machte schwere Zeiten durch. Das ganze
Land Israel war ein Gebiet jämmerlicher jüdischer Autonomie
unter der Herrschaft philistinischer Fürsten. Das Volk war
vollkommen unterworfen. Es gab keinen Funken von
Heldenmut, zu kämpfen und die Philister aus dem Lande zu
jagen. Das heißt - bis die Sonne Schimschons aufging und Licht
in die Finsternis brachte [Schimschon wörtl. "kleine Sonne"].
Wie unser Lehrer Moscheh stellte er sich vor den Unterdrücker,
der seine Brüder schlug, "wandte sich dahin und dorthin, und
als er sah, daß kein Mensch da war", erhob er sich zum
Verteidigungskrieg seines Volkes, "und erschlug den Ägypter"
(Ex. 2,12). Genauso Schimschon: alleine zog er gegen die
Philister aus, ohne Waffen, ohne Armee. Alleine beendete er
sein Leben als "Selbstmordattentäter" in Dagons Götzentempel.

Schimschon beging keine Sünde, sich als Einzelgänger auf den
Kriegspfad zu begeben. Das israelische Königtum gab es noch
nicht. Zwanzig Jahre lang, eine ganze Generation, war er der
Richter des jüdischen Volkes gewesen. Von G~tt war er
ausdrücklich dazu bestimmt: "Er wird beginnen, Israel aus der
Hand der Philister zu retten" (Richter 13,5). (Im Gegensatz zu
"kleinen Füchsen, Verderber der Weinberge" [Hohelied 2,15],
die heutzutage das Joch der israelischen Regierung abzuwerfen
versuchen und einen privaten Rachefeldzug nach eigenem
Gutdünken führen). Das Volk war noch nicht reif. Es brauchte
ein Streichholz, das die Herzen entflammte. Entsprechend
schloß sich das Volk Schimschon nicht an. Er kämpfte und
starb allein. Die Erlösung sprießt denn auch nicht aus den Taten
von Einzelgängern, sondern muß das ganze Volk hinter sich
haben. Der Funken aber, mit dem Schimschon der Held in den
Herzen ein loderndes Feuer entfachte, wurde zu einem
Leuchtfeuer für die folgenden Generationen. Schimschon war
der letzte Richter. Nach ihm kam Eli, der Hohepriester, zu
dessen Zeit sich das Volk bereits zum Widerstand gegen die
Philister erhob, wenn auch erfolglos. Nach dem Tode Elis
begann das Wirken des Propheten Schmu'el, zu dessen Zeit die
Juden ihre ersten Siege gegen die Philister errangen, bis
schließlich das davidische Königshaus den philistinensischen
Feind endgültig beseitigte.

Mit dem Abtreten Schimschons, dem letzen Richter und erstem
Erlöser, betete das Volk und verkündete: "Auf deine Hilfe", nicht
auf die menschliche, temporäre, sondern auf die göttliche,
"hoffe ich, Ewiger".
 
 
HaRav Aviner

Begegnung im Autobus

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Ich ließ mich auf meinem Sitzplatz nieder und sagte zu meinem
Nachbarn, unter gewissem Aufstöhnen: Ist das nicht furchtbar,
wenn ein Jude über den andern herfällt?
Wirklich furchtbar, gab dieser zurück wie jemand, der nicht
besonders an einer Unterhaltung interessiert ist.
Wofür haben wir in der Galut so sehr am Antisemitismus
gelitten, machte ich geltend, und jetzt sind wir unsere eigenen
Antisemiten.
Ja, ja, ergänzte mein Nachbar.
Warum bin ich überhaupt aus Russland eingewandert? Dort gab
es den KGB, und hier gibt es KGB!
Welchen KGB?, fragte er verwundert.
Na, Sie wissen doch, den Schabak.
Der Schabak fällt über Sie her?!, merkte er auf.
Nicht über mich persönlich, erklärte ich, aber über die Siedler.
Ich bin kein Siedler. Ich habe Angst. Aber alle Achtung vor
denen, die dort wohnen. Man müßte sie alle ans Herz drücken.
Stattdessen fällt der Schabak über sie her.
Wie macht er das denn, fragte er plötzlich interessiert.
Ich weiß nicht genau. Die arbeiten doch hinter den Kulissen.
Wirft ihnen Knüppel zwischen die Beine.
Wobei zum Beispiel?
Weiß nicht. Habe ja keine Beweise. Ich habe aber einen
Riecher dafür. Glauben Sie nicht, ich wäre paranoid. Mit soviel
KGB-Erfahrungen rieche ich den Schabak von weitem. Sehen
Sie, ich rede gar nicht mal von allen möglichen Provokateuren,
die mit kriminellen Methoden arbeiten. Die gehören meiner
Meinung nach sofort ins Gefängnis gesteckt. Warum aber
werden alle Siedler wegen ein paar Radikaler verleumdet?!
Genauso gehen die Antisemiten vor. Während der Dreyfuss-
Affäre riefen die "aufgeklärten" Franzosen nicht etwa: Tötet
Dreyfuss, sondern: Tod den Juden! So eine dumme und böse
Verallgemeinerung. Alles Verbrecher, dieser Schabak.
Wirklich alle?
Jetzt haben Sie mich auch bei einer Verallgemeinerung
erwischt. Natürlich sind dort nicht alle Verbrecher, aber einige.
Ich bin zum Beispiel Arzt; man hat zwar schon einige Ärzte bei
dunklen Machenschaften ertappt, eine wahre Schande für den
ganzen Berufsstand, aber darum braucht man noch lange nicht
alle Ärzte zu verdächtigen! Das wäre doch ungerecht und
unwahr. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist das
Unaufrichtigkeit. Einfach alle Siedler zu verleumden ist für mich
ein Zeichen geistiger Primitivität. Früher hielt auch ich die
Siedler für nicht ganz normal, für Parasiten, Messianisten,
Unruhestifter und was nicht sonst noch. Doch seit ich dort als
Arzt arbeite, hat sich meine Ansicht grundlegend geändert. Das
sind fleißige, nette und feinfühlige Menschen und tapfere
Soldaten. Gerade hat sich meine Tochter mit einem Siedler
verlobt. Ein Rotschopf, Offizier in einer Kampfeinheit. Darum tut
es mir besonders weh, wenn der Schabak über diese Leute
Lügen verbreitet. Ich sage Ihnen, der Schabak ist eine
Verbrecherbande, vom Chef bis zum letzten Spitzel. Der KGB
kann noch von ihm lernen. Eine wahre Plage, dieser Schabak.
Alles Verbrecher.
Alle?
Nicht alle, Sie werden mich nicht nochmal bei
Verallgemeinerungen ertappen. Daran habe ich selber genug
gelitten. Sagen wir einmal vorsichtig, es gibt dort zwielichtige
Typen. Jeder Beruf hat seine korrupten Vertreter, es gibt
korrupte Rechtsanwälte und sogar korrupte Rabbiner. Ich trage
zwar kein Käppchen, glauben Sie aber ja nicht, daß ich nicht
religiös wäre! Mein Großvater war Rabbiner, und ich esse nur
koscher. Schweinefleisch kommt mir nicht auf den Tisch. Nur
beim Schabak gibt es überdurchschnittlich viele faule Eier.
Woher wissen Sie das?
Natürlich habe ich keine genaue Statistik, da ist doch alles
streng geheim, und außerdem verwischen sie alle Spuren. Ich
rede auch gar nicht von denen, die arabische Terroristen
schnappen, im Gegenteil, alle Achtung. Ohne sie wäre dieser
ganze Staat im Eimer. Die Mörder laufen überall frei herum,
passen sich durch Verkleidung der Umgebung an, und ohne die
Dienste des Schabak wären wir aufgeschmissen. Die Leute
vom Schabak sind wie weiße Blutkörperchen, die jede Krankheit
sofort beseitigen. Deren arabische Abteilung leistet wirklich
ausgezeichnete Arbeit. Man müßte sie die ganze Zeit umarmen.
Welche Einsatzbereitschaft! Die jüdische Abteilung aber -
furchtbar! Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Dann wird es Sie erstaunen zu hören, wie es vor einem halben
Jahr in der Zeitung stand, daß genau diegleichen Angestellten
zwischen den Abteilungen rotieren...
Ich lese solche Zeitungen nicht. Es wird Ihnen nicht gelingen,
mich zu überzeugen, ich habe Ihnen ja schon gesagt, durch
meinen russischen Ursprung habe ich einen Riecher für KGB
oder Schabak, das ist doch dasselbe. Ich kann mich immer
wieder darüber aufregen. Sie werden es vielleicht nicht glauben,
aber in Rußland gab es Juden im KGB, die über uns herfielen.
Das habe ich am eigenen Fleisch zu spüren bekommen. Wenn
ich das nun auch hier erlebe, dann frage ich mich doch: Ist das
unser Land? Der Schabak fällt über Juden her!
Ja aber womit denn?
Immer fragen Sie dieselbe Frage, womit denn, womit denn... Als
wenn Sie das nicht ganz genau wüßten. Das regt mich auf. Die
Verleumdung der Siedler und der Rechtsparteien!
Deligitimatisierung! Schläge machen mir nichts aus, davon habe
ich in Rußland genug bekommen, aber Deligitimatisierung?!
Das ist am schlimmsten. Deligitimatisierung eines ganzen
Abschnittes der Öffentlichkeit wegen einiger weniger
Ausnahmen!
Ja, ja, stöhnte mein Sitznachbar. Man konnte erkennen, das ich
meinen Finger auf eine offene Wunde gelegt hatte.
Man fällt auch über Sie her, fragte ich milde.
Er antwortete nicht. Sein Schweigen aber sagte mir mehr als
tausend Worte.
Deligitimatisierung?, fragte ich.
Er schwieg weiter, seufzte aber tief.
Ich respektierte sein Schweigen. Zum ersten Mal betrachtete ich
jenen Juden mit Anerkennung, jene unscheinbare Gestalt mit
den sanften Gesichtszügen. Er war unaufdringlich gekleidet, mit
einem kleinen Käppchen auf dem Kopf. Ein
Durchschnittsmensch. Weder ultra-orthodox noch erkennbar
Aschkenasi oder Sefaradi, weder Jemenite noch Äthiopier,
weder reich noch arm, weder Siedler noch Radikaler, weder
rechts noch links. Was in aller Welt könnte man ihm
anhängen?! Wie könnte ihn bloß das Schwert der
Deligitimatisierung treffen?! Plötzlich kam mir ein Gedanke. Wo
arbeiten Sie?, fragte ich ihn.
Er zögerte einen Moment, ein wenig verunsichert. Dann sah er
mich gutmütig an und sagte: Beim Schabak...
 

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