DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ERA
Nr. 389
1. Schwat 5763
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Ex. 6,2
- 9,35):
G~tt erinnert Moscheh an seinen Bund mit
den Vorvätern und
das Versprechen, ihren Nachkommen das
Land Kanaan zu
geben; schickt ihn zu den Kindern Israels,
den Auszug
anzukündigen, doch sie wollen nichts
davon hören; kleine
Stammeskunde; Moscheh und Aharon wieder
bei Pharao;
Wunderzeichen, Pharaos Zauberer machen
es nach; die ersten
7 der 10 Plagen.
| Frage
und Antwort
Der "Kusari" - unser Buch! Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Warum betonte Rabbiner Zwi Jehuda Kuk die
herausragende Bedeutung des Buches "Kusari" vor allen
anderen Büchern, die sich mit den jüdischen Glaubensprinzipien
beschäftigen? Was ist daran so außergewöhnlich? Besonders,
wo der Text nicht immer verständlich, der Sprachstil schwerfällig
und die Kommentare auch schwer zu verstehen sind? Und zu
der neuen, in modernes Hebräisch übersetzten Ausgabe gibt
es
gar keine Kommentare!
Antwort: Rabbiner Kuk folgte damit dem berühmten Rabbiner
Elijahu ("Ga'on") von Wilna (18.Jh.), der "zu sagen pflegte, man
müsse das erste Buch Kusari lernen, ein heiliges und reines
Buch, von dem das Verständnis vieler Grundlagen jüdischen
Glaubens und der Lehre abhängen" (Zusatz zum Sidur des
Ga'on von Wilna von seinem Schüler Rabbi Israel aus Sklov).
Gehen wir die Dinge eins nach dem andern durch.
Wer ist dieser "Ga'on" (Genie)? Einer der größten
Weisen des
jüdischen Volkes, ein besonderer göttlicher Bote zur Förderung
des Torastudiums unter den Juden, Talmud, Gesetz (Halacha)
wie auch das Studium der Glaubensgrundlagen. Dabei geht es
nicht um allgemeine Ausrichtung von Gefühlen, sondern um
genaue Anweisungen der Tora in Bezug auf das Lernen.
"zu sagen pflegte", er sagte es nicht nur einmal, sondern
betonte es immer wieder.
"lernen", es handelt sich demnach um ein Gebot und Pflicht,
und nicht wie jene, die sich dem widersetzen und dieses Buch
fälschlich für Philosophie halten.
"das erste Buch Kusari", denn es gibt auch ein zweites, genannt
"Mate Dan", von Rabbiner David Nito, im Kampf gegen die
Karäer verfaßt.
"ein heiliges und reines Buch", leider gibt es auch Strömungen,
die ganz und gar nicht rein sind und sich mit Heiligem befassen,
die eine G~ttesnähe projizieren, der Unflat beigemischt ist. Wer
sich der Tora mit besudelten Händen nähert, wird nicht plötzlich
wundersam gereinigt, vielmehr erscheint der Unrat krasser
durch die Begegnung mit Heiligem. Vor allem muß man von
jeder Unreinheit frei sein. Heiligkeit ohne Reinheit ist eine
besonders gefährliche Mischung.
"Grundlagen jüdischen Glaubens"; wer die Tora verstehen
will,
muß zuerst das Volk Israel verstehen. Genau diesem Thema
ist der erste Abschnitt des "Kusari" gewidmet. Bei der
israelitischen Nation handelt es sich nicht um eine menschliche
Erscheinung, sondern um das Ergebnis göttlicher Erwählung,
göttlicher Schöpfung. "Das Volk, das ich mir geschaffen,
meinen
Ruhm sollen sie erzählen" (Jeschajahu 43,21). Die Tora ist nicht
die Privatangelegenheit dieses oder jenen Juden, sondern geht
die ganze Nation an. Wer die Bedeutung der jüdischen Nation
versteht, wird auch die Tora verstehen, die dem in der Nation
verborgenen Potential göttlicher Inhalte zu aktiver Offenbarung
verhilft. Die Klärung dieser Angelegenheiten ist in allen
Generationen von Bedeutung, besonders aber in unserer,
während der Wiedererstehung der Nation in ihrem Lande, der
nationalen Wiedererstehung und der Wiedererstehung des
Heiligtums. Der "Ga'on" war der Wegbereiter der
Wiedererstehung durch Torastudium.
Rabbiner Zwi Jehuda Kuk erwähnte eine weitere Definition, die
von Rabbiner J.A.S. Ensel (Mitherausgeber des Schulchan-
Aruch-Kommentars "Awnej Miluim") stammte: "Unser Lehrer
Jehuda Halevi lebte zur Zeit der Ge'onim [vor etwa 1000
Jahren], und sein Buch ist bekanntlich Allerheiligstes". Auch
diesen Ausspruch wollen wir Wort für Wort durchgehen.
"zur Zeit der Ge'onim". Die Lehren der Ge'onim bestehen
hauptsächlich nicht aus Talmudauslegungen, sondern aus
Lehren der Kabbala und der Überlieferung. Nicht alle
Diskussionen der Amoräer [die talmudischen Weisen aus der
Periode von vor 1400-1800 Jahren] waren niedergeschrieben
worden. "Bei jeder Lehre von Rabbi Jochanan fand Rabbi
Schimon ben Lakisch 24 Schwierigkeiten, und Rabbi Jochanan
gab dazu 24 Auflösungen" (Baba mezia 84a). Diese wurden
damals nicht niedergeschrieben, nur die wesentlichen Punkte
der Diskussionen. Die Ge'onim vervollständigten das Bild,
und
vor allem überlieferten sie uns die allgemeine Atmosphäre,
in
der die Lehren der Amoräer entstanden. Das Buch Kusari
könnte man den Talmud zu den Grundlehren des Glaubens
nennen. Übrigens wurde auch er, wie der Talmud, im Stil von
Zwiegespräch und Debatte verfaßt.
"Allerheiligstes". Von den heiligen Texten wir das Hohelied
"Allerheiligstes" genannt, weil es die innige Verbindung Israels
mit G~tt zum Thema hat. Im inneren Teil des Tempels gibt es
ein "Allerheiligstes", darinnen die einander umarmenden
Engelsfiguren, die Kruvim, die die Liebe zwischen G~tt und
Israel symbolisieren. Dieses heilige Fundament alles Heiligen
besteht aus der Verbindung des Volkes Israel mit G~tt. Darum
gehört auch das Buch "Orot" von Rabbiner Awraham Jizchak
Kuk (erster Oberrabbiner Israels) zum "Allerheiligsten".
"bekanntlich"; wem es bekannt ist. Und wem es nicht bekannt
ist, der muß es lernen.
Bei uns gibt es keine "Denker", sondern eine fortgesetzte
Überlieferung der Tora, die wir am Sinai erhielten. Zwar wurde
diese Überlieferung durch die Probleme des Exils geschwächt,
doch ging sie ungebrochen weiter. Gleichzeitig aber florierten
Christentum und Islam, und all ihr Streben war auf die
Vernichtung des jüdischen Volkes gerichtet, sowohl in
physischer als auch in spiritueller Hinsicht. Da erstanden die
Ge'onim, die ihrer und allen folgenden Generationen zu einem
geistigen Leuchtfeuer wurden; unter ihnen auch Rabbiner
Jehuda Halevi.
Unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk wurde einmal gefragt,
ob man das Buch Kusari mit den anderen Werken zu den
Glaubensgrundlagen vergleichen könne, wie z.B. "Führer der
Unschlüssigen" von Maimonides, Sefer HaIkarim,
"Herzenspflichten" u.a.? Er ließ sich aber nicht auf Vergleiche
ein, sondern sagte, wir lernen das Buch Kusari auf Befehl des
Ga'on [von Wilna]!
Maimonides wandte sich mit dem "Führer der Unschlüssigen"
an verwirrte und durch die aristotelische Philosophie
verunsicherte Juden, begab sich auf ihr Fachgebiet, bewies
ihnen die Wahrheit Moschehs und seiner Lehre, und führte sie
auf den Pfad des Heiligen zurück.
Rabbi Jehuda Halevi beschäftigte sich nicht mit philosophischer
Beweisführung (Re'aja), sondern mit dem Ersichtlichen (Re'ija;
Kusari 4,3), d.h. spiritueller Intuition. Die Intuition ist eine
spontane und sofortige Erkenntnis, so wie das Sehen von
materiellen Gegenständen, im Gegensatz zu diskursiver
Erkenntnis, die von der Verkettung von Ideen herrührt, wie etwa
durch Deduktion oder Induktion. Die intuitive Wahrheit der
Existenz G~ttes wird nach dem Tode erlangt oder durch
Prophetie, oder wem eine plötzliche göttliche Erleuchtung
zuteil
wird, oder durch die jüdische Allgemeinheit (Klal Israel)
- und
genau darum geht es im Buche "Kusari", um sicheren Glauben,
der keine Beweise benötigt.
Wir brauchen keine Beweise für die Existenz G~ttes, weil wir
ihm begegnen. Wer ist dieses "wir", das ihm begegnet? Das ist
unser historisches "wir", die jüdische Allgemeinheit. Je stärker
man mit dem Volk Israel verbunden ist und israelitische
Denkweise annimmt, israelitisch spürt, israelitisch glaubt,
israelitisch fühlt, desto mehr nähert man sich dem Herrn
der
Welt. Wenn dir das fehlt, dann komm nach Hause, zum Hause
Israels mit allen seinen Generationen, und der spirituelle Sinn
für G~ttesnähe wird zu dir zurückkehren. Rabbiner A.J.Kuk
schrieb bezüglich der Zweifler, vielleicht seien die Geschichten
der Tora Menschenwerk, Folgendes: "Dieser Zweifel kann
nichts anderes sein als von den Nichtjuden entliehen, denn wer
sich im Hause drinnen aufwachsen fühlt und geboren wurde,
kennt sehr gut die Angelegenheiten des Hauses, und ihm
kommt überhaupt nicht in den Sinn, daß die lebendige und
bestehende Geschichte seines Volkes, in die er so sehr
integriert ist, die so geordnet und exponiert ist, erfunden sei"
(Igrot I, S.48/49).
Weiter schrieb Rabbiner Kuk: "Wir kennen G~tt nicht aus der
Welt und durch die Welt, sondern aus unserer Seele, von innen
heraus, durch unsere göttliche Wesenseigenschaft, von da aus
fangen wir an, und durch sie gehen wir weiter zur allgemeinen
Wesenseigenschaft der ganzen Nation; und dem fügen wir das
sich in unserer Geschichte und unseren Generationen
offenbarende Licht hinzu" (ebda. S.45).
Im Gegensatz zu anderen Werken zu den Glaubensgrundlagen,
die sich mehr mit den Nichtjuden auseinandersetzen, behandelt
das Buch Kusari das Wesen des Volkes Israel, nicht im
Vergleich mit Anderen, sondern unsere Eigenheit für uns selbst
genommen. Damit eng verbunden ist die Wiedererstehung der
Nation in ihrem eigenen Lande. Der Ga'on von Wilna erklärte
das Wesen der Erlösung als einen stufenweisen Vorgang durch
Einwanderung und Besiedlung des Landes. "So sprach Rabbi
Aba: Du hast kein deutlicheres [Kennzeichen für das] Ende als
das folgende: 'ihr aber, ihr Berge Israels, laßt euer Laub
sprossen und tragt eure Frucht für mein Volk Israel, denn sie
kommen bald'" (Sanhedrin 98a, Jecheskel 36,8). Der
Raschikommentar erklärt dazu: "- wenn das Land Israel seine
Früchte großzügig geben wird, dann nähert sich
das Ende, und
es gibt kein deutlicheres [Kennzeichen für das] Ende als
dieses". Dazu sagte der Ga'on: Ich sehne mich danach, mit
meinen eigenen Händen einen Fruchtbaum in der Umgebung
Jerusalems zu pflanzen, in Erfüllung des "deutlichen Endes".
In den Jahren 5741-5743 (1981-83) saßen wir im Herzen der
Altstadt Jerusalems in der Jeschiwa "Ateret Kohanim" und
lernten gemeinsam das Buch "Kusari" vom Anfang bis zum
Ende, ebenfalls in Erfüllung des "deutlichen Endes". Damalige
Schüler - heute Rabbiner - notierten die Vorträge, die in
den
folgenden zwanzig Jahren überarbeitet und editiert wurden und
jetzt zur Veröffentlichung gelangen. Zunächst der erste
Abschnitt [von fünfen], der sich mit Klal Israel beschäftigt,
und
das ist für uns natürlich Grund zu großer Freude! (Exemplare
können über Sifriat Hava, IL-90631 Bet El, D.N.Mizrah Binyamin,
Israel, bestellt werden; www.havabooks.co.il).
Gleichzeitig geben wir die Tonaufnahme des Vortrages unseres
Lehrers Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, eine Einleitung zum Buche
Kusari, heraus, begleitet von einer wörtlichen Niederschrift,
um
das Verständnis zu erleichtern.
Wir erstehen zu neuem Leben, wir richten uns auf, und sagen:
Höre Israel! Das Buch Kusari - unser Buch!
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
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