DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJERA
Nr. 379
20. Marcheschwan 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 18,1-22,24):
Besuch der 3 Engel bei Awraham, Ankündigung Saras Sohn,
Verhandlung mit G~tt über Sdom, Engel bei Lot, Vernichtung
von Sdom und Amora, Lot und seine Töchter, Awraham und
Sara bei Awimelech, Geburt Jizchaks, Vertreibung Hagars und
Jischma'els, Bündnis mit Awimelech, Opferung
Jizchaks/Widder, göttliches Versprechen zahlreicher
Nachkommenschaft und Segen für alle Völker der Erde.
 
Am Schabbes-Tisch...

Awraham und Hagar

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Keine leichte Lektüre für den modernen Menschen, die
Geschichte von der Vertreibung Ischma'els. Wie konnte unser
Vorvater Awraham ("Ahnherr vieler Völker" und
Menschenfreund) seine Frau und seinen kranken Sohn in die
Wüste schicken, nur mit ein wenig Brot und Wasser
ausgestattet? Hätte er die Geschehnisse nicht voraussehen
müssen, die denn auch eintrafen? Wie konnte er sich überhaupt
vorstellen, daß eine so winzige Menge an Nahrung für den Weg
von Be'er Schewa bis hin nach Ägypten durch die Sinai-Wüste
ausreiche?!

So eine Frage kann offenbar nur jemand stellen, der die
Landschaft des nordwestlichen Negev nicht kennt. Der
einfachste Weg von Be'er Schewa nach Ägypten, der Heimat
Hagars, führt nordwärts von Be'er Schewa in Richtung Gasa,
und von dort weiter am Nordrand der Sinai-Halbinsel. Der ganze
Weg wird von Wasserquellen gesäumt (wie z.B. Nachal Gerar,
wo das ganze Jahr über Wasser fließt) und führt durch ein
Gebiet, das schon damals durchgehend besiedelt war. Dort
wohnten die Philister, die Einwohner von Gerar, von denen sich
Awraham und Jizchak bis nach Be'er Schewa entfernten, weil
das ganze Gebiet, etwa von Ofakim bis Gasa, wegen seiner
reichen Wasserversorgung sehr dicht besiedelt war. Wer die
Topographie des Gebietes kennt, weiß, daß man dort weite
Flächen überschauen kann - von Be'er Schewa kann man fast
die Außenbezirke von Gasa sehen, in einer Entfernung von
etwa 40km. Auch der Weg längs der Küste von Gasa über El-
Arisch bis nach Ägypten ist von Quellen gesäumt. Darum hatte
Hagar keinen Grund, vom Wege abzuweichen. Für ihr Problem
war sie selber verantwortlich, als sie sich entschied, auf dem
höchst gefährlichen Weg durch die Wüste von Be'er Schewa in
zunächst südwestlicher Richtung nach Ägypten
zurückzukehren - und das, ohne den Weg und die
Wasserstationen überhaupt zu kennen.

Dieser Punkt wirft Licht auf Hagars Verhalten. Sie bat um
keinerlei Wegzehrung. Awraham nahm aus eigenem Antrieb
Brot und Wasserschlauch und legte sie ihr auf die Schulter, weil
sie keinerlei Anstalten machte, sich mit dem Notwendigen
auszurüsten. Auch als Ischma'el in eine gefährliche Lage geriet,
unternahm sie nichts zu seiner Rettung. Eine echte "jiddische
Mamme" hätte sich ganz anders verhalten. Sie hätte sich die
Sohlen nach Wasser abgelaufen. Sie hätte für ihn gebetet. Sie
hätte wenigstens bei ihrem sterbenden Sohn gesessen, um ihm
in seinen letzten Atemzügen eine Stütze zu sein. Hagar tat
nichts dergleichen. Der Brunnen, den sie dann sah, existierte
dort schon vorher. Allerdings gab sie sich keine Mühe, ihn zu
suchen, und darum fand sie ihn auch nicht, bis G~tt ihr die
Augen öffnete. Auch betete sie nicht. Ihr Weinen war nicht ein
Flehen des Gebetes, sondern nur ein Ausdruck von Schmerz
und Leid - über ihre eigene miserable Lage! Anstatt ihrem
kranken Sohn zu helfen, der mit dem Tode kämpfte, setzte sie
sich von ihm weg, um sich selbst unnötiges Leid zu ersparen.

Im Verhalten von Hagar, der Mutter Ischma'els, kann man die
Wurzeln des moslemischen Fatalismus erkennen, der mit dem
Ausruf "Alles ist von Allah" die bittere Wirklichkeit als Schlag
des Schicksals hinnimmt und sie zum Besseren zu ändern nicht
nur als unmöglich, sondern auch als wertlos ansieht.

Am Ergebnis gemessen hatte Hagar doch eigentlich recht, oder
nicht? Obwohl sie keinen Finger krümmte, öffnete G~tt ihre
Augen, sie sah den Brunnen, und Ischma'el wurde vor dem
sicheren Tode gerettet. Doch von unserem Vorvater Awraham
lernten wir ein anderes Verfahren. Awraham war kein Fatalist
und blieb nicht passiv. Er war immer aktiv. Er suchte Gäste. Er
betete für die Bewohner von Sdom. Er zog zur Rettung Lots in
den Krieg. Er pflanzte eine Tamariske in Be'er Schewa. In der
Stunde der Gefahr sagte er von seiner Frau, sie sei seine
Schwester. Er grub Brunnen. Er führte politische Verhandlungen
mit dem Nachbarreich, usw. usf., immer voller Initiative, immer
voller Tatendrang. Natürlich wußte er, daß das Ergebnis vom
Herrn der Welt abhängt. Natürlich wußte er auch, daß der Herr
der Welt alles auch ohne den menschlichen Einsatz
bewerkstelligen kann. Er wußte auch, daß 1 + 1 nur in der
Theorie 2 ergibt, in der Welt abstrakter Mathematik. In der
Realität, wenn man einen Apfel und noch einen Apfel auf den
Tisch legt, erhält man nur mit G~ttes Hilfe zwei Äpfel, denn wer
garantiert einem, daß sie nicht inzwischen gestohlen wurden?!
Er wußte eben auch, daß G~tt an der Besserung der Welt
durch menschliches Zutun und im himmlischen Auftrag
interessiert ist. Awraham wirkte in seiner Welt als "Helfer
G~ttes", und erhielt zur Antwort "G~ttes Hilfe".
 
 
 
Frage und Antwort

Wozu Geheimpolizei?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum empfehlen Sie, wie ich kürzlich las, in den
"Allgemeinen Sicherheitsdienst" einzutreten [nach seiner
Abkürzung Schabak genannt, erfüllt ähnliche Aufgaben wie der
Verfassungsschutz]? Handelt es sich dabei nicht um eine Bande
korrupter Verbrecher, wie es schon unzählige Male ans Licht
der Öffentlichkeit kam? Jeder gute und anständige Mensch, der
sich dem Schabak anschloß, wurde korrumpiert. Sie hetzen
Leute dazu auf, das Gesetz zu brechen und zwingen sie, ihre
Komplizen zu verraten, außerdem erpressen sie falsche
Geständnisse unter Druck - und all das im Dienste der linken
Eliten.

Antwort: Es ist sehr zu bedauern, daß uns die Araber durch
solche verwirrten Äußerungen Bruderhaß verursachen. Alle
diese Behauptungen sind nichts anderes als Verleumdung. Die
Rekruten des Schabak sind keine "korrupte Verbrecherbande",
sondern von unseren besten Söhnen, ausgewählte Soldaten,
tapfere Kämpfer mit nationalem Gewissen, darunter auch
Religiöse und Absolventen der Mittelschulen-Jeschiwot und der
Hesder-Jeschiwot.

Man kann Beschuldigungen gegen den Schabak nicht so
verallgemeinern. Im Großen und Ganzen wirken Schabak,
Polizei und Armee wie es sich gehört, es handelt sich dabei
weder um Lügner noch um Betrüger, sondern um anständige
Menschen. Natürlich kommen Irrtümer vor, aber nur, wer sich
nicht rührt, macht auch niemals einen Fehler. Sicher sind
schwerwiegende Fehler vorgekommen. Man kann aber
deswegen nicht die ganze Organisation in den Schmutz ziehen.
Das wäre ungerecht. Es gab einige skandalöse Ausnahmen.
Die Mitarbeiter sind auch nur Menschen. Von hier bis zur
generellen Beschuldigung ist aber ein weiter Weg. Solange eine
Sache nicht bewiesen ist, beurteilt man den Menschen nach der
Mehrheit seiner Taten.

Der Schabak ist ein exzellenter Dienst, dessen Mitarbeiter sich
für ihre Aufgaben aufopfern, manchmal mehr als die Armee.
Manchmal reibt einen die Arbeit vollkommen auf, ohne
Schabbat und ohne Familienleben. All das nicht für die
Regierung oder linke Eliten, sondern für das Volk Israel.

Und was ist der Lohn für die Mühen? Der öffentliche Pranger!
Man läßt sie fühlen, sie seien nichts wert!

Es gibt eine leidige menschliche Eigenschaft, die Schattenseiten
im Gedächtnis zu behalten und die Fülle des Lichtes zu
verdrängen. Mängel werden hochgespielt, und für die guten
Seiten zeigt man sich undankbar. Natürlich machte der Schabak
Fehler, er macht sie heute und wird auch in Zukunft welche
machen. Und dort kommt selbst der kleinste Fehler teuer zu
stehen. Einer der Irrtümer bezog sich auf einen korrupten,
unzuverlässigen Provokateur. Und dann der größte aller
Irrtümer, die Ermordung von Ministerpräsident Rabin. Und
trotzdem ist der Schabak ein ausgezeichneter Dienst, der eine
schwere Aufgabe bewältigt. Wiederholen Sie nicht einfach
unkritisch alles, was die Massenmedien über den Schabak
lästern. Wenn man so ein Image erzeugt - wer will dann noch
für ihn arbeiten?! Und welches Land kommt ohne einen
Sicherheitsdienst aus? Soll man etwa alle fünf Meter einen
Polizisten aufstellen? Vielmehr konnten bisher die meisten
Terroranschläge schon im Planungsstadium durch
geheimdienstliche Information vereitelt werden. Einmal
erzählten Schabak-Mitarbeiter einer Gruppe Rabbiner von ihrer
täglichen Arbeit, das trieb jenen Tränen in die Augen.

Im Gegenteil, wie müssen den Schabak unterstützen und
stärken. In der Folge des Attentates auf den Autobus 300
passierte es zum ersten Mal, daß der Schabak öffentlich
angeschwärzt wurde. Davon hat er sich bis heute nicht erholt.
So wie man sich vor verallgemeinernden Beschuldigen gegen
die Armee hüten muß, gilt dies noch mehr für den Schabak. Er
hat keine Public-Relations Abteilung, und ein großer Teil seiner
segensreichen Arbeit erfolgt im Schatten der Geheimhaltung.
Die Fehlschläge kennt jeder. Über die Erfolge darf er nicht
reden, einmal zum Schutze der Beteiligten, zum anderen, um
nicht in eine Abhängigkeit vom Glanz der Medien und der
öffentlichen Meinung zu geraten - eine undankbare und wenig
anerkannte Aufgabe. Zu unserem Leidwesen muß auch gegen
Juden vorgegangen werden. Die schwierigen Situationen, in die
wir von Zeit zu Zeit geraten, lassen Gruppen von gutmeinenden
und idealistischen Menschen sprießen, die allerdings an den
staatlichen Organen verzweifeln und meinen, Armee, Polizei
und Schabak erfüllen ihre Aufgabe nicht mehr und sich darum
verpflichtet fühlen, die Dinge nunmehr in die eigenen Hände zu
nehmen und den Staat zu retten. Das Resultat sind dann allerlei
ungesetzliche Aktivitäten. Die Eindämmung solcher
Gruppierungen ist keine angenehme Arbeit, aber leider
unverzichtbar.

Der Schabak wacht über den Staat, aber wer wacht über den
Schabak? Der griechische Philosoph Plato beschrieb in seinem
Buch "Die Republik" (Politeia) die ideale Struktur des Staates,
die eine Gruppe von "Wächtern" beinhaltet, die wiederum in
Untergruppen aufgeteilt sind, die den Staat gegen seine Feinde
mit Mut und Nachdruck verteidigen, und gleichzeitig mit den
Bürgern in freundschaftlichem Verhältnis und mitfühlender
Zuneigung stehen. Um so eine komplizierte Aufgabe erfüllen zu
können, müssen sie selber einen Lebenswandel führen, der
höchsten moralischen Ansprüchen gerecht wird und viel von
ihrem Privatleben opfern, sogar auf Geld und Familienleben
verzichten, und kompromißlos der Allgemeinheit dienen.

Und wer bewacht die "Wächter"? Das ist nicht nötig, da sie
gerecht entsprechend ihren guten, tief in ihnen verwurzelten
Charaktereigenschaften handeln, so daß sie niemals ihre Macht
mißbrauchen.

Wir werden nicht soweit gehen, von ihnen Verzicht auf
Eigentum und Familie zu fordern. Wir sagen nur: die Guten zum
Schabak. Denk daran: Ohne Schabak - kein Staat. Der
Schabak - das sind wir alle.
 

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