DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TRUMA
Nr. 394
6. Adar I 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 25,1 - 27,19):
Sachspendenaktion zum Bau des Wüstenheiligtums
(Bundeslade, Tisch der Schaubrote, Leuchter, Stiftszelt,
umgebende Trennwand, Vorhänge, Altar), Maße und
Anordnung der einzelnen Teile.
 

Der Stand der Dinge...
Ein gutes Fundament
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Rede zu den Kindern Israel, daß sie mir Hebe (Truma) bringen,
von jeglichem, den sein Herz dazu treibt, nehmet meine Hebe"
(Ex. 25,2). Der Raschikommentar vermerkt dazu: "'den sein
Herz dazu treibt' - ein Ausdruck der Freigebigkeit, ein Ausdruck
guten Willens". D.h., das Wüstenheiligtum (Mischkan) wurde
auf dem guten Willen aller Kinder Israels erbaut, da sie freigebig
spendeten.

Nicht nur das Wüstenheiligtum basiert auf gutem Willen,
sondern die ganze Welt, nämlich auf dem guten Willen des
Schöpfers. So schrieb Rabbiner A.J.Kuk (Orot Hakodesch
III,S.43): "Wir kennen den guten Willen als das Fundament des
Seins, und alle Existenz basiert auf seiner Essenz. Dieses
Weltprinzip offenbart sich im Willen des Menschen", der den
Wegen G~ttes folgt und dessen Eigenschaften anhängt. "Gütig
ist der Ewige gegen alle, und sein Erbarmen ist über all seine
Werke" (Psalm 145,9).

Nach dem Stand der Dinge muß der Staat Israel, unsere
nationale Heimstatt, wie auch das private Heim eines jeden
Einzelnen auf gutem Willen gebaut sein.

Der gute Willen äußert sich durch das Geben, in der
Bereitschaft, zu geben und beizutragen, ohne Rücksicht darauf,
wieviel etwa ein Anderer spendet, und ohne, daß Jemand
neidisch auf den Anderen schielt; ohne irgendeinen Eigennutz,
sondern im Gegenteil, mit Optimismus, Liebe und
Verantwortungsgefühl. Besonders in den in politischer,
gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht schweren und
komplizierten Zeiten wie diesen muß man sich aufraffen, die
kleinlichen Kalkulationen überwinden und seinen Beitrag zum
Aufbau des Volkes Israel, des Landes Israel, der Tora Israels
und des Staates Israel leisten. Dadurch wird uns vergönnt sein,
den Bau des Tempels mit eigenen Augen schauen zu können,
schnell und in unseren Tagen, amen.

In Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Umkränzter Königstisch

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Drei Kränze kommen bei den Tempelgeräten vor: Der Kranz um
die Bundeslade, der Kranz um den goldenen Räucheraltar, und
der Kranz um den Tisch der Schaubrote. Nach dem Talmud
(Joma 72b) symbolisieren diese drei Kränze die drei Kronen
Israels: die Krone der Tora (Bundeslade), die Krone des
Priestertums (Altar), und die Krone des Königtums (Tisch). Die
Zuordnung der Bundeslade mit den Gebotstafeln zur Tora ist
leicht verständlich, ebenso die Zuordnung des Räucheraltars
zum Priestertum, besonders im Hinblick auf das Schicksal der
250 Anhänger von Korach, die als Nicht-Priester Räucherwerk
darbrachten. Doch was hat der Tisch der Schaubrote mit dem
Königtum zu tun? Folgendes schrieb Maimonides in den
Gesetzen von Königen und Kriegen (4,10) über die Aufgaben
des Königs: "Sein Bestreben und seine Gedanken seien auf das
Erheben der Religion der Wahrheit gerichtet, und die Welt mit
Gerechtigkeit zu füllen, und die Macht der Bösewichte zu
brechen, und die Kriege G~ttes zu führen; denn man setzt im
allgemeinen einen König ein, damit dieser für Recht sorgt und
die Kriege führt".

Unser König muß die Identität des Staates als "ein Königreich
von Priestern und ein heiliges Volk" (Ex. 19,6) pflegen, die auf
die ganze Welt abstrahlt. Er muß die Feinde Israels bekämpfen
und für Sicherheit sorgen. Was hat der König also mit dem
goldenen Tisch zu tun, dem Tisch des Essens und dem Tisch
des Reichtums?

Die Königskrone ging an David, König Israels. Entsprechend
führte David Kriege gegen die Feinde Israels, bis G~tt ihm Ruhe
verschaffte. Ebenso beschäftigte er sich alle Tage seines
Lebens mit der Rechtsprechung. "..und es tat David Recht und
Fürsorge seinem ganzen Volke" (Schemu'el II 8,15).

David sprach Recht und führte Kriege, weil das zu seinen
Pflichten als König gehörte. Doch um die Fürsorge kümmerte er
sich aus eigenem Antrieb. Der König muß die Bedürfnisse der
Gesamtheit befriedigen. Der Krieg ist eine öffentlich-
herrschaftliche Angelegenheit. Individuen führen keine Kriege.
Auch für eine geordnete Rechtsprechung ist die Öffentlichkeit
zuständig. Der Einzelne kann höchstens für von beiden Seiten
akzeptable Schlichtung sorgen, oder unterschiedliche
Standpunkte zu überbrücken versuchen. Die Macht der
Urteilsvollstreckung liegt jedoch bei den öffentlichen Organen.
Wirtschaftliche Angelegenheiten gehören jedoch nicht zu den
Gebotspflichten des Königs. Jeder Einzelne kann frei und
ungehindert für sich selbst sorgen. Jeder Einzelne kann sich um
Andere durch mildtätige Gaben je nach seinem Vermögen
kümmern. Viele Einzelne können sich auch zu großen
Organisationen zusammenschließen, um den Bedürftigen zu
helfen. Darum kann sich das Königtum von dieser Aufgabe
freizeichnen. Vielleicht wäre es überhaupt besser so. Wenn der
Staat die Fürsorgepflicht für alle Leidenden, Benachteiligten und
Schwachen aufsichnimmt, kann sich der Einzelne von der
Sorge um den Nächsten befreit fühlen. Warum sollte er sich um
Dinge kümmern, für die die Regierung zuständig ist?!

Einen deutlichen Wink gab uns da die Tora, die Königskrone mit
dem Brottisch in Verbindung zu bringen. Der Tisch des
Menschen - zu dem er bedürftige Menschen einlädt - ähnelt
dem Altar. Entsprechend gilt das an Arme verteilte Essen als
Opfer. Gleiches gilt für den Tisch des Königs Israels, ein Tisch
der Mildtätigkeit. Das steht allerdings nicht in der Tora und
erscheint auch nicht in den Gesetzen von Königen und Kriegen.
Wie David befasse sich der israelische König damit allein aus
eigenem Antrieb. Damit entläßt er nicht die einzelnen Bürger
aus ihrer Verantwortung für den Nächsten, nur daß er auf eine
regierungsamtliche, würdige und effiziente Versorgung achte.

Die Aufgabe des Staates auf wirtschaftlichem und
gesellschaftlichem Gebiete unterscheidet sich von jener der
Sicherheit und der Rechtsprechung. Die beiden letztgenannten
gehören zu seinen Pflichten. Die beiden ersten sind freiwillige
Ressorts. Die letzten beiden betreibt der Staat als öffentliche
Einheit, denn nur die Öffentlichkeit ist dazu autorisiert. Im
Bereiche der Wirtschaft und der Gesellschaft beteiligt sich der
Staat jedoch als eine Vereinigung seiner Bürger. Die Bürger
wollen den Benachteiligten helfen und für sie sorgen. Schöne
Worte und Almosen reichen ihnen aber nicht. Sie wissen um die
beschränkten Möglichkeiten des Einzelnen und wollen sich der
Armen annehmen, wie es sich gehört. Sie wollen strukturelle
und durchgreifende Maßnahmen zur Minderung von Armut,
Arbeislosigkeit und Leid implementiert sehen und wissen, daß
dies nur im nationalstaatlichen Rahmen möglich ist. Sie wollen
eine Wirtschaftspolitik verwirklicht sehen, die den Armen hilft,
sich von ihrer Armut zu befreien. Sie begnügen sich nicht mit
kleinen privaten Spendengaben, die nicht mehr vermögen als
das Leid ein wenig zu lindern und dabei keine fundamentale
Lösung bewirken. Darum bitten sie um Unterstützung durch die
Königskrone. Der Staat soll der Kranz des Brot-Tisches im
Heiligtum sein. Der König Israels sei der Kranz ("ser") des
Wirtschaftstisches seines Volkes, und sei nicht, g~ttbehüte,
fremd ("sar") seinen Brüdern. So entpuppt sich der Königstisch
("schulchan") als treuer Repräsentant ("schaliach") des
ganzen Volkes, das die Fürsorge und Sozialhilfe nicht nur in
beschränkter, individueller Weise ausgeführt sehen will,
sondern auch auf amtliche, umfassende und effiziente Weise.
 
 
Frage und Antwort

Der Schläger

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich bin ein ganz schlechter Mensch. Ich haue meine
Frau. Auf einmal überkommt es mich, ich gerate außer
Kontrolle, explodiere und schlage sie. Hinterher schäme ich
mich, es tut mir furchtbar leid und ich versuche, sie zu
besänftigen - und dann geht es wieder von vorne los. Niemals
wehrt sie sich, sie weint nur immer im Stillen. Mir wäre lieber,
sie würde zurückschlagen. Sie aber weint nur und spricht kein
Wort. Ich bin eben fies. Am schlimmsten finde ich, daß auch in
meinem Elternhaus mein Vater meine Mutter schlug. Auch sie
weinte immer nur im Stillen und sagte nie etwas dazu. Ich bin
schon ganz verzweifelt und fürchte, daß sich das auf unsere
Kinder weitervererbt. Nach außen hin bin ich ein angesehener
Mensch, von allen respektiert und geschätzt, doch gegenüber
meiner Frau bin ich ein Monstrum. Ich werde wohl nie Sühne
finden. Vielleicht bin ich überhaupt unnormal und sollte mich
lieber scheiden lassen.

Antwort: Nur nicht aufgeben. Man darf niemals aufgeben. Alles
läßt sich einrenken. Nicht Scheidung, sondern Besserung ist
hier angezeigt. Das ist sicher möglich. Sie sind bestimmt nicht
unnormal. Als Unnormaler wären Sie mit sich selbst zufrieden.
Doch Sie sind traurig und gebrochen. Das ist schon die halbe
Besserung. Aber auch nur die halbe. Bedauern und um
Verzeihung bitten reicht nicht, wenn man hinterher im alten Trott
weitermacht. Sie müssen sofort mit diesen Ausbrüchen
aufhören. Das ist durchaus möglich. Wie man das genau
anstellt, läßt sich nicht theoretisch erklären. Natürlich muß man
täglich in den Büchern der Ethik lernen, besonders "Messilat
Jescharim" ("Der Weg der Frommen", Rabbiner Moscheh
Chajim Luzatto). Daneben müssen Sie sich sofort zur
Behandlung an eines der "Zentren zur Behandlung von Gewalt
in der Familie" wenden. Davon gibt es ungefähr 50, die
vorwiegend der religiösen und charedischen Bevölkerung
dienen. Zu unserem Leidwesen, und zu unserer Schmach und
Schande wird auch unter den Religiösen/Charedim jede siebte
Frau geschlagen. Das ist wirklich fürchterlich. [Liste mit
Telefonnummern liegt der Redaktion vor, kann abgefordert werden; oder
wenden Sie sich an Ihre örtliche Behörde].

In so einem Zentrum wird Ihnen erstmal Selbstbeherrschung
beigebracht. Sie sind ja nicht geisteskrank. Ihrer Frau wird
Schutz gewährt. Ebenfalls werden die Kinder dort behandelt, die
ja die Gewalt mitansehen mußten, was sich auf sie zu
übertragen droht. Mit G~ttes Hilfe können Sie sich von diesem
Übel befreien. Zuallererst lernen Sie, frühzeitig zu erkennen,
wenn das Gewaltgefühl zu brodeln beginnt, um sofort die
nötigen Mittel zu seiner Beherrschung anzuwenden. Danach ist
die Verbesserung der Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrer
Frau an der Reihe. Sie sind nicht alleine. Es gibt eine
Möglichkeit und Hoffnung auf Besserung. Ganz sicher. Behalten
Sie dieses furchtbare Geheimnis nicht für sich, sondern fangen
Sie an, etwas dagegen zu unternehmen. Nebenbei sind nicht
nur Schläge etwas Furchtbares, sondern auch Beleidigungen
und Erniedrigungen, ebenso das Bestehen auf intimen
Ansprüchen.

Ganz zu Anfang müssen Sie allerdings zu Ihrer Frau sagen: "Du
bist nicht schuld! Du bist nicht schuld! Ich bin schuld. Gleich
morgen werde ich zur Behandlung gehen. Verzeihung!". Damit
haben Sie schon ein kleines Eckchen Ihrer zukünftigen Welt
zurückgewonnen.

Ihre Ehefrau ist doch so ein gerechter Mensch. Auch Sie
werden ein gerechter Mensch werden. Mit G~ttes Hilfe können
sie den Schaden wiedergutmachen. Wenn Sie von jetzt ab und
in Zukunft Ihre Frau nur noch erfreuen, wird sie Ihnen
verzeihen. Das verspreche ich Ihnen.
 
 

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