DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
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Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TOLDOT
Nr. 381
4. Kislev 5763
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 25,19
- 28,9):
Geburt Jakovs und Eßaws, Verkauf
des Erstgeburtsrechtes,
Hungersnot, Jizchak und Riwka bei König
Awimelech, Streit um
Brunnen, Friedensvertrag, Jizchak segnet
Jakov und Eßaw,
Eßaws Mordabsichten und Flucht Jakovs.
| Am
Schabbes-Tisch...
Rivka bat Betu'el Rav Jakov Halevi Filber |
König Schlomo schrieb im Buche Kohelet ("Prediger"): "Besser
zu hören das Schelten der Weisen, als ein Mensch zu sein, der
Narrenlieder anhört" (7,5). Um den einfachen Wortsinn zu
verstehen, daß Worte der Weisen wertvoller sind als Worte der
Narren, brauchen wir nicht die Hilfe des weisesten aller
Menschen. Selbst wenn die Schelte der Weisen gegen die
Lieder der Narren abgewogen wird, so ist das auch noch keine
besondere Weisheit. Darum erklären Manche die Worte
Schlomos wie folgt: "Besser, die Schelte von Weisen zu hören,
die selber Narrenlieder kennen", darum kennen sie die
Gedankenwelt der Narren und haben damit einen Vorteil
gegenüber Weisen, der sie nicht kennen, deren Schelte darum
häufig wirklichkeitsfremd ausfällt. In diesem Sinne war Rivka
gegenüber Jizchak im Vorteil: Unser Vorvater Jizchak lebte im
Hause Awrahams und Saras, in dem Güte und Mildtätigkeit
walteten, und weil er in seiner nächsten Umgebung keinen
negativen Persönlichkeiten begegnete, lag es ihm fern,
Menschen Eigenschaften wie Schlechtigkeit und Hinterlist zu
unterstellen. Darum gelang es Eßaw mit Leichtigkeit, seinen
Vater mit Worten einzuwickeln, bis ihn sein Vater liebte. Rivka
aber, die im Hause Betu'els aufwuchs, einem Haus voller Lügen
und Betrügerei, kannte sie Pläneschmieden und Scheinheiligkeit
und durchschaute schnell die Doppelzüngigkeit und
Wechselhaftigkeit Eßaws, wußte ihre beiden Söhne richtig
zu
beurteilen und ließ Jakov ihre volle Liebe angedeihen: "Und
Rivka liebte den Jakov" (Gen. 25,28).
Nicht Alle sind der Ansicht, daß sich Jizchak von Eßaw
irreführen ließ. Der "Midrasch Hagadol" fragte: "Wußte
unser
Vater Jizchak denn nicht von den Taten Eßaws, daß sie häßlich
waren?! Und warum liebte er ihn dennoch? Vielmehr gab er sich
ihm wohlgesonnen, um ihn näherzubringen und an sich zu
ziehen, denn er sagte sich, wenn er ihn liebt und dabei seine
Taten schlecht sind, wie sehr erst, wenn er ihn haßte und auf
Distanz hielte!". Darum lehrten die talmudischen Weisen: "Stets
bringe man mit der Rechten näher und entferne mit der Linken",
wie es heißt: "Und Jizchak liebte den Eßaw" (Gen. 25,28).
Der
Sforno-Kommentar erklärte, daß Jizchak zwar nicht vom vollen
Umfang der Umtriebe Eßaws wußte, erkannte aber Jakovs
Vorzüge gegenüber Eßaw. Zum Beweis führte er an,
daß
Jizchak Jakov keine Vorbedingungen für seinen Segen stellte,
wie etwa ihm eine delikate Mahlzeit zu bereiten, oder sonst
etwas, sondern segnete ihn auf der Stelle. So verhielt er sich
nicht gegenüber Eßaw, der an sich nicht des Segens würdig
war, und darum stellte er ihm Aufgaben, damit er sich durch
Beschäftigung mit der Ehrung seines Vaters des Segens würdig
erweise. Wenn sich Jizchak nun des Vorzuges Jakovs
gegenüber Eßaws bewußt war, warum segnete er Eßaw
dennoch "sei Herrscher über deine Brüder" (Gen. 27,29)? Dazu
erklärte Sforno: "Jizchak glaubte, zu Jakovs Besten reiche ihm
die Erbschaft des Landes Israel in Verbindung mit einer
gewissen Abhängigkeit, damit er seine Seele nicht mit
Herrschaftsangelegenheiten und unnützen Dingen belaste".
Auch der Chatam Sofer erklärte, daß Jizchak Eßaw
vertraute,
und warum wollte er Eßaw gerade mit Wohltaten dieser Welt
segnen? Weil Eßaw den Wert von Tora und Geboten kannte
und darum Jakov mit dem Lebensnotwendigen versorgen
werde, damit sich dieser dem Torastudium und dem Dienst an
G~tt widmen könne, eine Partnerschaft wie später Jissachar
und Sewulun. Rivka allerdings war klar, daß Eßaw als
Herrscher über die Mittel der materiellen Welt nichts dergleichen
tun würde. Diese Absicht war aus dem Verkauf des
Erstgeburtsrechtes zu erkennen, so der Chatam Sofer, denn die
Heiligkeit der Erstgeburt führe direkt zum Dienst an G~tt, und
somit falle die materielle Welt in Eßaws Hände, der dann
Jakov
den Hahn zudrehen könne, der dann nicht mehr G~tt diene,
womit der Verkauf der Erstgeburt null und nichtig werde. Nur
Rivka durchschaute Eßaws Plan und sorgte dafür, daß
Jakov
die materiellen Segnungen erhielt und somit ungestört G~tt
dienen könne.
Den beiden letzten Erklärungen können wir die große
Bedeutung der Selbstbestimmung entnehmen, denn nur diese
ermöglicht wirtschaftliche Unabhängigkeit und daß wir
nicht der
Gnade der Nichtjuden ausgeliefert sind, auch wenn man dafür
Reservedienst leisten und Einkommens- und andere Steuern
bezahlen muß; nicht wie Jene, die sich nach der britischen
Mandatszeit oder der Türkenherrschaft zurücksehnen, als die
Verantwortung für weltliche Dinge bei den Nichtjuden lag. Rivka
wußte, warum sie aus der Ferne herbeigebracht wurde - nicht
nur, um Jizchak eine Ehefrau zu sein, denn Frauen gab es
genug in Kana'an und Charan, sondern vor allem, um den Platz
Saras in der Leitung des Hauses Awrahams auszufüllen. Darum
sorgte sie für die Vollkommenheit des Hauses zu ihrer Zeit, und
bereitete es entsprechend auch für die ferne Zukunft vor.
| Frage
und Antwort
Wer wird siegen? Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Sollte man in "Jescha" (Jehuda, Schomron, 'Asa/Judäa,
Samaria, Gasa) wohnen, dort Besuche machen oder Ausflüge
unternehmen? Ist das nicht zu gefährlich? Lohnt sich das denn?
Es gibt doch das Gebot "Hütet sehr eure Seelen"! Oder gilt das
nicht für diesen Fall?
Antwort: Genau! Das gilt nicht für diesen Fall, ganz und
gar
nicht. Befinden wir uns doch derzeit in einer Phase des Krieges.
Wir alle sind Soldaten: die Armee, die Siedler und alle anderen
Bürger. Sie alle hüten das Land. "Eisen und Kupfer dein Riegel"
(Dt. 33,25) - "jetzt spricht er zu ganz Israel; ihre Helden werden
in den Städten an der Grenze wohnen und diese verschließen,
daß die Feinde nicht in sie eindringen können, als wenn
sie mit
Schlössern und Riegeln von Eisen und Kupfer verschlossen
wäre" (Raschikommentar). Seit Staatsgründung, sogar schon
vorher, befinden wir uns im Kriegszustand, eine Zeit des
Heldenmutes und nicht der Ängstlichkeit.
Nehmen wir einmal das Gesetzbuch "Mischne Tora" von
Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") zur Hand: dort
finden sich die "Gesetze vom Vermeiden der Lebensgefahr" in
den Kapiteln "Mörder und Hüten der Seele", in den "Regelungen
vom gesunden Leben" ("De'ot" 4.Kap.), in den Gesetzen vom
Schabbat und Jom Kippur - aber nicht in den Gesetzen von
Königen, Kriegen und dem Lande Israel! Dort steht vielmehr,
daß man keine Angst haben darf, sondern Mut und
Einsatzwillen (7.Kap.).
Natürlich muß man sich auch im Krieg und beim Ererben des
Landes so weit wie möglich vorsehen, und sollte sogar dabei,
wie eigentlich bei allen Geboten, besonders strenge Maßstäbe
anlegen. Doch dieser Aspekt bildet nicht die Grundlage von
Entscheidungen. Diese werden unter Berücksichtigung des
Gebotes der Besiedlung und des Ererbens des Landes unter
Aufopferung getroffen.
Einst kehrte ein Jude nach dem Jom-Kippur-Krieg zurück zum
Golan, um seine zerstörten Pflanzungen aufzubauen, obwohl
dort noch ab und zu geschossen wurde. Man gab ihm zu
verstehen, daß er damit eventuell eine große Sünde
begehe.
Darum begab er sich zu unserem großen Lehrer, Rabbiner Zwi
Jehuda Kuk, um seinen Rat einzuholen. Dieser sagte ihm: Du
erfüllst ein großes Gebot.
Vor dem Sechstagekrieg bestellten die Bewohner der Orte am
Ostufer des Kinneret (See Genezaret) ihre Felder trotz
feindlichen Beschusses. Rabbiner Kuk schrieb ihnen: "An all
unsere Freunde in Ha'on, Gadot, Ejn Gev, Tel Kazir! Wie ist
mein Herz und meine Seele voll brennenden Gefühles für Euch
alle, unsere Teuren, unsere Heiligen, bei Euren Wundertaten
starker Wacht über das Ererben des Landes unseres Lebens"
("Lehilchot Zibur" §10). Wie nannte er doch diese als nicht-
religiös zu definierenden Juden - "Heilige"!
Alle diese Fragen von wegen "vielleicht gefährlich", "Hütet
sehr..." usw. hängen uns schon zum Halse heraus. Wenn du
immer noch in einer Galutmentalität der Ängstlichkeit gefangen
bist, bleib zuhause und erfülle an dir "Wer ist, der furchtsamen
und zaghaften Herzens ist, er gehe und kehre zurück in sein
Haus, daß nicht feig werde das Herz seiner Brüder wie sein
Herz" (Dt. 20,8). Zwar handelt es sich heute um einen Mitzwa-
Krieg, bei dem alle mitmachen und keiner zuhause bleibt, auch
nicht derjenige "furchtsamen und zaghaften Herzens", nur daß
wir freiwillig auf dich verzichten, so wie es einst Jehuda Makkabi
tat. Nur geh uns wenigstens nicht mehr mit deiner Fragerei auf
die Nerven; dann wirst du vom Himmel Lohn für dein Schweigen
erhalten, und G~tt wird dich segnen und schützen und dir sein
Antlitz leuchten lassen.
Wenn die Armee oder die Polizei das Benutzen bestimmter
Straßen nicht zulassen, so hat das auch seitens der Tora
Rechtskraft. Alles Weitergehende gilt als freiwillige
Verschärfung, was dem Betreffenden Segen einbringt, zum
Beispiel in einem kugelsicheren Fahrzeug zu reisen, mit
kugelsicherer Weste und Schutzhelm bekleidet, und überhaupt
seine Reisetätigkeit einschränkt; doch Verschärfungen
entscheidet jeder nur für sich selber. Darüberhinaus muß
man
immer beachten, daß die "Verschärfung" nicht auf der anderen
Seite eine "Erleichterung" nach sich zieht, in diesem Falle eine
Schwächung unserer Verwurzelung im Lande.
Wie gesagt, beim Krieg um das Ererben des Landes handelt es
sich bei "Hütet sehr..." nicht um den entscheidenden Faktor, im
Gegenteil, die Grundlagen bilden Mut und Einsatzwillen. Sieh
einmal, welche deutlichen Worte Maimonides schrieb:
"Nachdem sich der Mensch in die Kriegsreihen eingeordnet hat,
vertraue er auf die Hoffnung Israels und seinen Erretter in
Zeiten der Not, und er wisse, daß er um die Einheit G~ttes Krieg
führe, Mut fasse, sich nicht fürchte und keine Angst habe...
und
jeder, der mit ganzem Herzen und ohne Furcht kämpft, und
dessen ganzes Sinnen auf die Heiligung G~ttes gerichtet ist,
kann sicher sein, daß ihm kein Schaden geschieht und ihn kein
Unglück trifft, und es wird ihm ein Haus auf den Fundamenten
Israels erbaut werden, und es wird ihm und seinen
Nachkommen auf ewig zum Guten angerechnet werden, und er
wird das Leben der kommenden Welt erlangen" (Gesetze von
Königen und Kriegen, 7.Kap., Hal.15).
Und wenn es vorkommt, daß ein Jude im Krieg oder durch
Terror fällt, geschieht das nicht, weil er sich so sehr aufgeopfert
hat. Vielmehr hat G~tt dafür seine eigenen Gründe, die wir
nicht
kennen, und der Betreffende wäre auch an anderem Orte genau
zu diesem Zeitpunkt gestorben. Die talmudischen Weisen
erklärten, daß selbst ein Vogel nur erlegt wird, wenn es
vom
Himmel so bestimmt wurde (Bereschit raba 79,6) - erst recht ein
Mensch.
Wir befinden uns in einem schweren Krieg, keinem kleinen
Gefecht, in einem ungeheuren Krieg des Guten gegen das
Böse. Wer in Jescha wohnt, zu Besuch hinkommt oder Ausflüge
unternimmt, hat schon gesiegt. Wer sich mit diesem
ausgeruhten Mut verhält, hat schon gesiegt. Wer hier weiterhin
lebt, feiert und trauert, erzieht und sich erziehen läßt,
lernt und
arbeitet und alle Krieger des Satans und Gesandte des
Verbrechens ignoriert, der ist wahrlich groß, ein Held, ein Titan,
ein Sieger. Während ringsum jene Schlangen zischeln, der
Abschaum der Menschheit, wird ein Mensch, der so vor sich hin
lebt, als existierten sie nicht, der aufrecht und gut lebt, in die
Geschichte als Sieger eingehen.
"Mein G~tt, auf dich vertraue ich; o daß ich nicht zu Schanden
werde! daß nicht jubeln meine Feinde über mich. Auch alle,
die
auf dich hoffen, werden nicht zu Schanden werden; zu
Schanden werden die ohne Ursach' Abtrünnigen" (Psalm 25, 2-
3). "Vertraue dem Ewigen und tue Gutes, wohne im Lande und
pflege Treue" (Psalm 37,3). "Hoffe auf den Ewigen und
beobachte seinen Weg, so wird er dich erhöhen, das Land zu
besitzen; die Ausrottung der Frevler siehest du mit an"
(ebda.,34). "Hoffe auf den Ewigen, sei stark, und mutig sei dein
Herz, ja, hoffe auf den Ewigen" (Psalm 27,14).
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
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